Künstliche Befruchtung

Ein gemeinsames Baby: viele Paare können sich nichts Schöneres vorstellen. Geht dieser Wunsch jedoch nicht oder nicht so schnell in Erfüllung, dann kann dies zur Zerreißprobe für die Beziehung werden. Ab dem Moment, in dem man nicht mehr verhütet, schwingt schließlich jeden Monat die leise Hoffnung mit, dass es dieses Mal endlich klappt.

Von einem unerfüllten Kinderwunsch sind mehr Paare betroffen, als man denkt. Statistiken der Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Medizinischen Universität Wien zeigen, dass in etwa jedes 7. Paar ungewollt kinderlos bleibt. Sich dies einzugestehen ist für Betroffene oftmals ein schmerzhafter Prozess. Gleichzeitig stehen sie jedoch auch am Anfang eines anstrengenden Weges – ob sie das gewünschte Ziel erreichen ist ungewiss. Mittlerweile gibt es zahlreiche Fertilitätsspezialisten sowie klinische Einrichtungen, die kinderlose Paare umfassend betreuen.

Erster Schritt ist das Feststellen von möglichen Ursachen, sowohl beim Mann als auch bei der Frau. Im zweiten Schritt werden, je nach Ergebnis der vorangegangenen Untersuchungen, geeignete Verfahren sowie damit verbundene Risiken besprochen. Bei der Anwendung von künstlicher Befruchtung liegen die Chancen, tatsächlich schwanger zu werden, zwischen 20% und 25%.

Mögliche Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch

Kommt es trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht wie erhofft zur Befruchtung der weiblichen Eizelle, kann dies mehrere Ursachen haben. In einer Reproduktionsklinik versucht man, in erster Linie körperlichen Auslösern auf den Grund zu gehen. Diese liegen laut der Medizinischen Universität zu gleichen Teilen bei Mann und Frau. Lediglich in 10% aller Fälle können keine spezifischen Ursachen identifiziert werden. Die Gründe für eine eingeschränkte Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit sind bei Männern und Frauen unterschiedlich gelagert.

Wenn Frauen an hormonellen Störungen (z.B. der Schilddrüse oder der Hirnanhangdrüse), Funktionsstören (z.B. der Bauchspeicheldrüse) oder Störungen des Immunsystems leiden, kann es zu Problemen bei der Fertilität kommen. Fehlbildungen oder Schädigungen der Eileiter, der Eierstöcke und Erkrankungen an der Gebärmutter können ebenso dazu führen, dass sich die Schwangerschaft nicht wie gewünscht einstellt. Bei Männern liegen die Ursachen oftmals in einer Fehlfunktion der Hoden, Infektionen im Genitalbereich oder Störungen der Immunabwehr.

Sofern aus medizinscher Sicht nichts dagegen spricht, können spezifische, künstliche Befruchtungsverfahren zur Anwendung kommen. Für welche Methode man sich entscheidet, hängt meist von individuellen Faktoren ab. Jede Form der künstlichen Befruchtung geht sowohl mit körperlichen als auch psychologischen Belastungen einher. Wenn ein Versuch nicht erfolgreich ist, kann dies für beide Partner sehr belastend sein. Kinderwunschkliniken bieten daher in vielen Fällen auch psychologische Hilfestellung für Paare, die aktuell in Behandlung stehen, an.

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

Die In-Vitro-Fertilisation ist eines der bekanntesten Verfahren bei Kinderwunschbehandlungen. Hierbei findet die Befruchtung der Eizelle außerhalb des Körpers statt. Voraussetzungen dafür sind, eine intakte Gebärmutter, zumindest ein gesunder Eierstock bei der Frau, sowie ausreichende Qualität der Spermien beim Mann. Die In-Vitro-Fertilisation vollzieht sich in mehreren, aufeinanderfolgenden, Phasen:

  1. Förderung des Eizellenwachstums: Um die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung zu erhöhen, werden Hormone verabreicht. Diese sollen dazu führen, dass der weibliche Körper eine größere  Anzahl an Eizellen produziert. Regelmäßige Besuche in der behandelnden Klinik und Ultraschalluntersuchungen sind in dieser Phase Pflicht.
  2. Entnahme der Eizellen und Samenabgabe: Wenn die Eizellen reif sind, dann werden sie vom Gynäkologen/der Gynäkologin entnommen. Dies geschieht in Form eines kurzen, operativen Eingriffes. Zur gleichen Zeit wird der Partner um Abgabe seines Spermas gebeten.
  3. Befruchtung (in vitro): Im Labor werden die Eizellen einzeln in Gläser gesetzt. In diesen Gläsern befindet sich eine Nährflüssigkeit, die die Entwicklung der Eizellen begünstigen soll. Anschließend werden die Spermien hinzugesetzt. Nun folgen einige Tage der Beobachtung – zu dieser Zeit soll es, im Idealfall, zur Zellteilung kommen.
  4. Transfer: Wenn die Embryonen im Glas vollständig entwickelt sind, steht die Übertragung in die Gebärmutter bevor. Im Schnitt gelangen 1-2 Embryonen mittels Katheter in den Körper der Frau. Die „Einpflanzung“ wird mit einem Ultraschallgerät überwacht.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Dieses spezielle Verfahren kommt zur Anwendung, wenn die Qualität des männlichen Spermas nicht ausreichend ist. Dabei wird wie bei der IVF das Wachstum der Eizellen hormonell gefördert und diese zum richtigen Zeitpunkt entnommen. Gleichzeitig wird mit Hilfe eines kleinen Eingriffes eine Samenzelle aus dem Hodensack entnommen. Samenzelle und Eizelle finden im Labor zueinander. Unter Zuhilfenahme einer speziellen Pinzette wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle injiziert. Entwickelt sich der Embryo gut, wird er nach wenigen Tagen in die Gebärmutter eingesetzt.

Intrauterine Insemination (IUI)

Bei der Intrauterinen Insemination (IUI) wird dem Körper kein Gewebe entnommen. Hierbei handelt es sich um ein Befruchtungsverfahren, welches direkt im weiblichen Körper stattfindet. Die Insemination zählt zu einer der häufigsten Methoden der künstlichen Befruchtung. Das Sperma des Partners (oder des Spenders) wird im Zuge eines speziellen Verfahrens gereinigt. Die Frau erhält im Vorfeld Hormone, die das Eizellenwachstum begünstigen sollen. Zum Zeitpunkt des Eisprungs wird das Sperma in den Körper der Frau transportiert. Allerdings nicht auf „natürlichem“ Wege, sondern mit Hilfe eines Katheters oder einer Spritze. Bei der Insemination gibt es mehrere Methoden der Injektion, die sich dadurch unterscheiden, wo das Sperma im weiblichen Körper platziert wird (Gebärmutter, Eileiter oder an einer bestimmten Stelle vor dem Muttermund). Im Gegensatz zu anderen Verfahren ist die IUI relativ schmerzfrei und unkompliziert durchzuführen.

In-Vitro-Maturation (IVM)

Wenn eine Frau die Einnahme von Hormonen ablehnt, kann in seltenen Fällen auf eine In-Vitro-Maturation zurückgegriffen werden. Hierbei werden die Eizellen noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium aus dem Körper der Frau genommen. Unterstützt durch Hormone reifen sie im Reagenzglas heran. Anschließend wird die Eizelle mittels Spermieninjektion befruchtet und wieder in den Körper der Frau eingesetzt.

Gesetzliche Bestimmungen & Finanzielle Rahmenbedingungen

Da es sich bei der künstlichen Befruchtung um ein sehr sensibles Thema handelt, wird dieses in Österreich von mehreren Gesetzen geregelt. Ehepaare und Paare, die in einer notariell beglaubigten Lebensgemeinschaft leben, können die gängigsten Verfahrensmethoden in Anspruch nehmen. Erfüllen sie bestimmte Voraussetzungen, werden die Kosten für die Behandlung zu 70% vom Sozialversicherungsträger (IVF-Fond)  übernommen. Die restlichen 30% muss das Paar selbst tragen. Anspruch auf die Kostenübernahme haben Paare dann, wenn:

  • Sie verheiratet sind oder in einer Lebensgemeinschaft leben
  • Die Frau über eine aufrechte Versicherung oder Mitversicherung verfügt.
  • Die Behandlung in einem Vertragskrankenhaus vollzogen wird.
  • Die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 ist.
  • Nicht mehr als 4 Versuche auf diesem Weg schwanger zu werden, unternommen wurden.

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