Mein mehrsprachiges Baby

Wichtige Tipps und Aspekte, damit ein Kind von Geburt an erfolgreich zweisprachig oder sogar mit drei Sprachen aufwächst

„Als ich meine Tochter zum ersten Mal im Arm hielt und ansah, konnte ich gar nicht anders als sie auf Niederländisch anzusprechen und sie mit all den Koseworten zu überhäufen, die schon meine Mutter verwendet hatte. Niederländisch ist für mich die Sprache, in der ich mit Babys spreche“, das erzählte mir eine Teilnehmerin in einem meiner Workshops. Die Mutter ist zweisprachig mit Niederländisch und Deutsch aufgewachsen und hat sich während der Schwangerschaft oft die Frage gestellt, wie sie ihrem Kind diese zwei Sprachen vermitteln soll und ob es klappen wird.

Mit Beratung und Workshop unterstütze ich Eltern dabei, den richtigen Zugang zu ihrer ganz persönlichen familiären Mehrsprachigkeit zu finden. Viele die zu mir kommen, sind werdende Eltern. Noch bevor das Baby da ist, machen sie sich Gedanken, wie das Familienleben mit zwei oder sogar drei Sprachen aussehen wird. Gemeinsam mit den Eltern finde ich Lösungen, wie sie ihr Kind unterstützen können, damit es sich gleichzeitig in mehreren Sprachen gut entwickeln kann. Werdende Eltern sind oft durch viele widersprüchliche Ratschläge und durch unbestätigte Vorurteile gegenüber mehrsprachiger Erziehung verunsichert. In unseren Gesprächen versuche ich sie zu beruhigen und ihnen zu zeigen, dass der beste und einfachste Weg der natürliche ist. So können sie und ihr Kinder mit Freude an die Sprachen ihrer Familie herangehen.

Mit einigen Tipps und handfestem Hintergrundwissen wird es auch Ihnen gelingen:

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Folgen Sie Ihrer Intuition

Um auf unsere zweisprachige Mutter von anfangs zurückzukommen – was sie ganz richtig gemacht hat: sie ist sprachlich ihrer Intuition gefolgt und das ist bekanntlich, wenn es um Kindererziehung geht, das Beste. Wenn Sie als Jungmutter Ihr Baby ansehen, fühlt sich meistens eine Sprache gut und richtig an. Und diese sollten Sie auch in der Kommunikation mit Ihrem Baby verwenden. Meist zeigt die Situation auf natürliche Art und Weise, welcher der beste Zugang ist, um dem Kind die zwei Sprachen näher zu bringen. Wenn Sie sich als Eltern mit und in Ihren Sprachen wohlfühlen, werden Sie das auch an Ihr Baby vermitteln und das ist eine bedeutende Voraussetzung, damit es sich sprachlich gut entwickeln kann.

Einige Definitionen

Diese Definitionen werden Ihnen einen Überblick geben, was man unter den zentralen Begriffen versteht, die mit mehrsprachiger Erziehung zu tun haben. Gleichzeitig kann es Ihnen in der Argumentation bei gutgemeinten aber unnötigen Ratschlägen Anderer helfen.

Erstsprache

Das ist die Sprache, die Ihr Kind von Anfang an erwirbt, in der ersten und frühen Spracherwerbsphase. Hat es gleichzeitig intensiven Kontakt zu zwei oder drei Sprachen, dann wird es mehrere Erstsprachen haben. Ja genau, simultan-mehrsprachig aufwachsende Kinder haben mehrere Erstsprachen! Zum Beispiel wird Zuhause Serbisch gesprochen und in der Krippe oder im Kindergarten ist die Umgebungssprache Deutsch. Dann hat das Kind zwei Erstsprachen: Serbisch und Deutsch.

Zweitsprache

Das ist eine Sprache, die erst ins Leben des Kindes tritt, nachdem der Erwerb der Erstsprache begonnen hat. Dabei befindet sich das Kind aber noch in einer Spracherwerbsphase, ist also noch jung. Zum Beispiel kommt eine italienische Familie nach Österreich und die Kinder starten mit Deutsch im Kindergarten, dann ist Deutsch die Zweitsprache, Italienisch die Erstsprache.

Zweisprachige Sprachentwicklung

Dies ist dann der Fall, wenn zwei Sprachen simultan, auf kindliche Weise und natürlich erworben werden. Gleichzeitig weiß man, dass diese Art des Spracherwerbs die effizienteste ist und, dass das Kind beide Sprachen auf „Native Speaker Niveau“ lernt.

Ratschläge und Vorurteile

In der Kindererziehung sind plötzlich alle Experten. Sie selber bekommen ungewollte Ratschläge angesichts der Entscheidung, das Kind mehrsprachig zu erziehen. Das kann sehr verunsichernd wirken, vor allem, wenn Sie am Anfang der Entscheidung stehen, das Kind also noch gar nicht da ist oder wenn die Ratschläge auf dubiosen Vorurteilen aufbauen. Bitte bleiben Sie Ihrem Weg treu! Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, dass bei Kindern, die bilingual aufwachsen die Vorteile überwiegen. Und ich kenne keinen einzigen mehrsprachigen Erwachsenen, der es bereut, so aufgewachsen zu sein. Dafür kenne ich viele Menschen, denen es leid tut, dass ihre Eltern diese Chance auf die Vermittlung von zwei oder mehr Sprachen verabsäumt haben.

Einige Vorteile, die mehrsprachige Kinder gegenüber einsprachigen haben:

  1. Die kognitive Entwicklung wird stärker gefördert
  2. Sie sind geistig flexibler
  3. Sie haben einen Vorsprung beim Erlernen weiterer Sprachen
  4. Sie haben ein erweitertes Weltbild

Sprache im Bauch

Noch bevor Ihr Baby auf die Welt kommt, beginnt es zu hören und eines der wichtigsten Geräusche, die es im Bauch wahrnimmt, ist Ihre Stimme. Diese vermittelt ihm nicht nur Liebe, Geborgenheit und Ruhe, auch Ihre Sprache nimmt das ungeborene Kind wahr. Es fängt an, vor allem die Sprachmelodie und Aussprache zu verinnerlichen. Wenn es auf die Welt kommt ist es bereits so vertraut mit der Sprache - oder den Sprachen - seiner Mutter, dass es unterscheiden kann welche Sprache es bereits kennt und welche nicht.

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen uns, dass bilinguale Erziehung lange bevor Sie es vielleicht entschieden haben, beginnt. Umso wichtiger ist es, sich bewusst für diesen Weg zu entscheiden, um ihn gut für Ihr Kind zu gestalten. Je eher man sich auf konkrete Strukturen in der Sprachvermittlung einigt, desto besser wird die mehrsprachige Erziehung gelingen.

Ihr Partner

Haben Sie schon Ihr Vorhaben Ihr Kind zweisprachig zu erziehen mit Ihrem Partner besprochen? Es ist wichtig, dass er weiß was Sie sich wünschen und was Sie erwarten und umgekehrt. Fragen Sie ihn, was er gerne für Ihr Kind hätte, ob er Ängste hat usw. Allzu oft erlebe ich Paare, die sich über viele Dinge nicht klar sind, weil sie es nie vor ihrem Partner ansprechen. Zum Beispiel fühlte sich eine Mutter unsicher, wenn ihr Mann dabei war und sie Ungarisch mit ihrem Sohn sprach, weil er nichts verstand. Es stellte sich heraus, dass er sich überhaupt nicht ausgeschlossen fühlte, selbst bereits viele Worte aufgeschnappt hatte und voll und ganz hinter seiner Frau stand.

Wenn der Partner Sie nicht versteht, können Sie kleine Übersetzungen anbieten und zusammenfassen, was mit dem Kind besprochen wurde. So vermeiden Sie, dass die nichtdeutsche Sprache in einen kleinen Bereich abgedrängt wird, nämlich nur dann gesprochen wird, wenn Sie alleine mit Ihrem Kind sind. Das ist keine gute dauerhafte Lösung. Oft ist es auch gar nicht notwendig. Natürlich kann Ihr Partner auch versuchen Ihre Sprache zu lernen. Das erleichtert nicht nur die Kommunikation, es signalisiert dem Kind auch eine große Wertschätzung für einen sprachlich-kulturellen Teil, der es ausmacht. Das gleiche gilt, wenn Sie als Mutter den deutschsprachigen Part übernehmen und der Vater die andere Sprache vermittelt.

Als Mutter von einer Tochter und einem Sohn, die dreisprachig aufwachsen und die selbst mehrsprachig ist, gebe ich meine Erfahrungen in Workshops und Beratung gerne an Jungeltern weiter. Häufige Fragen sind:

  • In welcher Sprache soll ich mit meinem Kind sprechen?
  • Was ist, wenn Vater und Mutter unterschiedliche Muttersprachen haben?
  • Überfordere ich mein Kind mit zu vielen verschiedenen Sprachen?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit Englisch zu starten?

Gemeinsam mit den Eltern werden Antworten gefunden, die so individuell sind, wie die Kinder und ihre Bedürfnisse.

Zur Autorin:

Zwetelina Ortega ist Sprachwissenschaftlerin, Autorin und Expertin für Mehrsprachigkeit. Sie ist Gründerin des Beratungszentrums Linguamulti - mehrsprachige Erziehung und kreative Sprachförderung. Sie war am Institut für Romanistik an der Universität Wien tätig und unterrichtet an der Pädagogischen Hochschule Wien. Als Geschäftsführerin des Vereins „Wirtschaft für Integration“ hat sie zahlreiche Projekte zur Förderung von Mehrsprachigkeit umgesetzt.

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