Der Wunschkaiserschnitt

Ein Kaiserschnitt kann auch ohne medizinische Notwendigkeit durchgeführt werden – hier spricht man von Wunschkaiserschnitt oder einem primären Kaiserschnitt ohne direkte medizinische Indikation. Dabei legst du bereits während der Schwangerschaft mit deinem Arzt/deiner Ärztin die operative Entbindung als Geburtsmodus fest. Du bekommst gewissermaßen einen exakten Termin für die Geburt deines Kindes, dieser liegt zumeist rund um die 39. Schwangerschaftswoche.  Für die geplante Durchführung eines Kaiserschnitts müssen entweder medizinische Gründe oder der ausdrückliche Wunsch der Mutter vorliegen

Der Kaiserschnitt

Bei einem Kaiserschnitt handelt es sich um die Entbindung deines Babys direkt aus dem Bauchraum. Dein Baby erblickt das Licht der Welt nicht auf natürlichem Weg durch den Geburtskanal, sondern es wird aus deiner Gebärmutter gehoben. Im Zuge eines operativen Eingriffes wird die Bauchdecke geöffnet, Muskeln, Fettgewebe und Faszien werden durchtrennt. Dein Baby wird aus dem Bauch gehoben, ebenfalls wird die Plazenta entfernt. Nun kann es zu einem ersten Sectio-Bonding zwischen dir und deinem Neugeborenen kommen. Anschließend wird deine Bauchdecke wieder mit Nähten geschlossen. Während des gesamten Eingriffes sind deine Körpermitte und dein Unterleib betäubt. Dies wird mittels Peridural- oder Spinalanästhesie, umgangssprachlich auch Kreuzstich genannt, erreicht. Ein Kaiserschnitt dauert etwa 30-45 Minuten. Im Wochenbett darfst du dich vorerst nicht belasten, die Narbe muss geschont und der Heilungsverlauf kontrolliert werden. Wie du den Eingriff emotional verarbeiten kannst, hängt im Wesentlichen vom Ablauf der Geburt ab und davon, ob die Sectio geplant war oder nicht.

Vorteile eines geplanten Kaiserschnitts

Wie bei jedem Eingriff sind Risiken und Nutzen abzuwägen. Die Entscheidung, welcher Weg für dich und deine Situation am besten passt, kannst letztlich nur du selbst treffen – in Abstimmung mit deinem Partner und deinem betreuenden Arzt/deiner betreuenden Ärztin. In den meisten Fällen sind es große Ängste vor einer natürlichen Geburt oder traumatische Erfahrungen aus vorangegangenen Entbindungen, die Frauen dazu veranlassen, sich einen Kaiserschnitt als Geburtsmodus zu wünschen. In ausführlichen Gesprächen mit deiner Hebamme und bei Terminen auf der Entbindungsstation könnt ihr klären, ob es eine Möglichkeit gibt, diese Ängste zu mildern und ob du dir unter Umständen doch eine vaginale Geburt vorstellen könntest. Es geht hier auch nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern vielmehr um eine umfassende Aufklärung. Ziel sollte immer sein, dass die werdenden Eltern alle Informationen haben, die sie ermächtigen, eine Entscheidung für sich zu treffen.

Zu den allgemeinen Vorteilen einer Wunschsectio könnte man folgende Punkte zählen:

  1. Planbarkeit des Geburtstermins
  2. Völlige Schmerzfreiheit während des Geburtsvorganges (Achtung – die werdende Mutter ist zwar während der Geburt schmerzfrei, danach sind jedoch Schmerzen als Nebenwirkung des Eingriffes zu erwarten)
  3. Schönere Kopfform des Neugeborenen nach der Geburt
  4. Verminderte Gefahr einer Entzündung durch Schwangerschaftsreste
  5. Keine Geburtsverletzung im Vaginalbereich
  6. Keine Bindehautentzündung des Neugeborenen durch Ansteckung im Geburtskanal
  7. Umgehung jener massiven Angstgefühle, die den Ablauf der natürlichen Geburt blockieren und zu Komplikationen führen könnten

Diskussion

Wir befinden uns glücklicherweise in der privilegierten Situation, dass Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe in Österreich auf einem sehr hohen medizinischen Niveau gesichert sind. Gerade rund um den Kaiserschnitt gibt es immer wieder Diskussionen, da Österreich mit einer Kaiserschnittrate von 30 % im oberen Mittelfeld der EU-Länder liegt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erachtet eine Kaiserschnittrate von 10 % - 15 % als gerechtfertigt. Das bedeutet, dass bei 10-15 % aller Geburten durchaus zu einem Kaiserschnitt kommen kann und sogar muss, wenn das Leben von Mutter oder Kind gefährdet sind. Eine Rate, die weit über dieser Quote liegt, wird von der WHO nicht empfohlen.

Was den Wunschkaiserschnitt anbetrifft, sind die Pro- und Contra-Positionen noch einmal stärker ausgeprägt. BefürworterInnen sehen im Wunschkaiserschnitt eine adäquate Alternative zur natürlichen Geburt. Argumentiert man auf der Pro-Seite mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau, so sehen KritikerInnen im Wunschkaiserschnitt eine gesellschaftliche Fehlentwicklung. Der Wunsch der Frau nach einem Kaiserschnitt habe nichts mit Selbstbestimmung zu tun, sondern sei die Folge von Angst vor der Geburt. Viele Hebammen sehen es daher als ihre Aufgabe, diese Angst ernst zu nehmen und der Schwangeren dabei zu helfen, mit ihr umzugehen und diese zu bewältigen.

KritikerInnen des Wunschkaiserschnitts argumentieren zudem, dass ein Kaiserschnitt häufiger zu Adaptionsproblemen beim Neugeborenen führt – wird dem Baby während des natürlichen Geburtsvorgangs beim Passieren des Geburtskanals die mit Fruchtwasser gefüllte Lunge ausgepresst, so ist dies bei einer Geburt per Kaiserschnitt nicht möglich. Demgemäß kommt es hier häufiger zu Komplikationen. Auch ist die Sterblichkeitsrate von Mutter und Kind bei Kaiserschnitten etwas höher als bei Normalgeburten. Wünscht die werdende Mutter während der Geburt eine größtmögliche Schmerzfreiheit, so ist dies dank der Peridural- bzw. Spinalanästhesie auch während einer vaginalen Geburt möglich. Sollte es während des Geburtsvorgangs tatsächlich zu einer Verformung des kindlichen Kopfes kommen, normalisiert sich dieser Zustand innerhalb weniger Stunden nach der Geburt.

Ob du dich nun für oder gegen einen Wunschkaiserschnitt entscheidest, hängt von deiner Situation und dem Einvernehmen mit deinem Arzt/deiner Ärztin ab. Bei starken Ängsten und belastenden Traumata kann es mitunter sicherer sein, einen Kaiserschnitt durchzuführen. Es bleibt fraglich, ob ein Kaiserschnitt tatsächlich „angenehmer“ oder „bequemer“ als eine vaginale Geburt ist. Der Geburtsvorgang selbst verläuft zwar schmerzfrei – nach der Geburt kann es jedoch zu Schmerzen kommen, zudem bist du in den ersten Tagen in deiner Bewegung noch eingeschränkt.

Außerdem ist zu bedenken, dass die Frau nicht nur sich selbst das natürliche Geburtserlebnis nimmt, sondern auch ihrem Kind. Schon mit der ersten Wehe stellt sich das Baby auf die bevorstehende Geburt ein, es bereitet sich vor und leistet während des Geburtsvorgangs mindestens genau so viel wie die werdende Mutter. Während des Geburtsvorganges wird das Kind intensiv körperlich stimuliert und massiert – so kommen das gesamte Nervensystem, die Atmung und die Reflexe besser in Schwung. Weiters produziert die Mutter während der Geburt Hormone, welche die Reifung von Leber und Niere des Kindes fördern. Bei einem geplanten Kaiserschnitt wird das natürliche Einsetzen der Wehen nicht zwangsweise abgewartet. Die Geburt wird nicht vor der 39. Schwangerschaftswoche geplant. Dein Baby kann sich also nicht darauf vorbereiten, dass es den Mutterleib bald verlassen wird.

Eine interessante Diskussion zum Thema natürliche Geburt oder Wunschkaiserschnitt findest du in unserer Community Babyforum.at!

Kosten für einen Kaiserschnitt

Die Kosten für einen Kaiserschnitt bewegen sich zwischen 3.000 und 5.000 Euro und sind davon abhängig, ob du in einem Privatspital entbindest oder auf einer öffentlichen Geburtenstation. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für einen medizinisch indizierten Kaiserschnitt. Das bedeutet Folgendes: Wie bei jeder anderen Operation wird dein Arzt/deine Ärztin gemeinsam mit dir über Notwendigkeit, Risiken und Nutzen sprechen. Grundsätzlich sind ÄrztInnen laut österreichischer Gebietskrankenkasse dazu angehalten, jene Geburtsmethode zu wählen, die mit den geringsten Risiken verbunden ist. Dazu müssen einige Aspekte wie gesundheitlicher Zustand von Mutter und Kind, körperliche Rahmenbedingungen, Vorerkrankungen, vorangegangene Geburten und der psychische Zustand der Mutter miteinbezogen werden. Liegt eine eindeutige medizinische Indikation vor, empfiehlt der Arzt/die Ärztin einen Kaiserschnitt und der Versicherungsträger übernimmt die Kosten.

Gründe für einen primären (geplanten Kaiserschnitt) sind:

  • Mehrlingsgeburten
  • Bestimmte Infektionen der Mutter, z. B. HIV.
  • Plazenta Praevia
  • Infektion des Fruchtwassers und der Eihäute
  • Lageanomalie des Kindes (Beckenendlage, Querlage)
  • Missverhältnis zwischen dem Becken der Mutter und dem Kopf des Babys
  • Ängste, Traumata

Wichtig: Bei einem Notkaiserschnitt handelt es sich stets um eine akute Intervention, die getroffen werden muss, wenn es im Zuge einer vaginalen Geburt zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommt.

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