Entwicklung des Babys im ersten Lebensjahr

In kaum einem Jahr verändert sich so viel wie im ersten Lebensjahr eines Kindes. Vom Neugeborenen bis zum Kleinkind, das sprechen und laufen kann, ist es ein weiter, aber auch schnell vergehender Weg. Auch wenn es typische Entwicklungsphasen gibt, kann das individuelle Tempo eines jeden Kindes sehr unterschiedlich sein – Abweichungen müssen überhaupt nichts Schlechtes bedeuten.

Säugling in gelbem Entenbody schläft

Der erste Lebensmonat fordert einem Neugeborenen viel ab

Bis zur sechsten Woche wird das Kind als Neugeborenes bezeichnet. In dieser Zeit muss es sich erst an die Umgebung außerhalb des Bauches gewöhnen. Es braucht viel Schlaf, unterscheidet jedoch noch nicht zwischen Tag und Nacht. Es müssen sehr viele unterschiedliche und ungefilterte Sinneseindrücke verarbeitet werden, weswegen das Kind vor Reizüberflutungen geschützt werden sollte.

Noch ist das Baby kurzsichtig und kann nur etwa auf eine Distanz von 20 cm scharf sehen. Es muss viel Energie darauf aufwenden eigenständig zu atmen, die Körpertemperatur, die Verdauung und den Kreislauf zu regulieren. Dadurch kann es kommen, dass das Baby in den ersten zehn Tagen nach der Geburt bis zu 15 Prozent seines Körpergewichts abnimmt. Danach dauert es bis zu drei Wochen, bis das Geburtsgewicht wieder erreicht ist. Da die Halsmuskulatur noch schwach ist, muss der Kopf immer gestützt werden. Die reflexartigen Bewegungen des Babys im Liegen wirken im ersten Lebensmonat noch unkoordiniert, häufig sind die Hände zu Fäusten geballt.

Viele Sinneseindrücke im zweiten Monat

Das Baby kann seine Mutter genau von anderen Frauen unterscheiden: Einerseits am Geruch, andererseits aber auch vom Klang der Stimme und vom Aussehen des Gesichts her. Mittlerweile ist Schreien nicht mehr die einzige Möglichkeit für das Kind sich auszudrücken, andere Laute wie etwa Gurren kommen hinzu. Es reagiert auch auf Geräusche, lächelt oder antwortet gar. Auch die Bewegungen haben sich bereits verändert: Häufig rudert das Baby mit Armen und Beinen, versucht nach Gegenständen zu greifen, strampelt und kann den Kopf in Bauchlage auch schon zumindest kurz anheben.

Das soziale Interesse wächst ab dem dritten Monat

Im dritten Monat hat das Baby seinen Kopf schon besser „unter Kontrolle“. In Bauchlage kann der Kopf gehoben und gedreht werden, dabei stützt sich das Kind auf die Unterarme. Seit der Geburt ist das Kind bis jetzt durchschnittlich um zehn Zentimeter gewachsen und hat ungefähr ein Kilo an Gewicht zugelegt. Bekannte - aber auch fremde - Personen werden angelächelt. Dabei wird einerseits zurückgelächelt, andererseits aber auch von sich aus.

Auch Blickkontakt wird schon gehalten und bewegliche Gegenstände oder Personen mit den Augen verfolgt. Das Schreien des Kindes verändert sich und der Ausdruck bei Hunger, Schmerzen oder Langeweile ist unterschiedlich. Viele Eltern brauchen eine Weile, bis sie die Unterschiede heraushören, danach wird vieles einfacher.

Im vierten Monat die Welt begreifen

Falls Sie es noch nicht getan haben: Hängen Sie über dem Bett ein Mobile auf. In diesem Alter lieben es Kinder, nach Dingen, die sich über ihnen bewegen, zu greifen. Ab einem gewissen Zeitpunkt verwenden viele Kinder nicht mehr beide Hände, wenn sie nach etwas greifen, sondern nur mehr eine. Schon jetzt kann sich abzeichnen, ob ihr Kind Rechts- oder Linkshänder ist.

Nach allem wird gegriffen, alles wird ertastet - auch die Bezugspersonen. Sehr gründlich begreifen Babys ihre Welt: Wer sie jetzt auf dem Arm hat, wird ausführlich mit den Händen untersucht. Kein Spielzeug könnte zu diesem Zeitpunkt so interessant sein wie eine Person.

Ganz und gar nicht mundfaul gestaltet sich der fünfte Monat

Die ersten Zähne kommen irgendwann zwischen dem fünften und zwölften Lebensmonat. Bei vielen Kindern machen hierbei die unteren Schneidezähne den Anfang. Es folgen die oberen Schneidezähne, die seitlichen Schneidezähne, die Mahlzähne und schließlich die Eckzähne. Und diese Zähne wollen auch genutzt werden, zu dem Bedürfnis des Saugens gesellt sich das Bedürfnis zuzubeißen. Es zeigt sich, dass neben den Händen auch der Mund ein ausgezeichnetes Erkundungsorgan ist. Deswegen wird auch alles erst einmal hineingesteckt. Hier ist Vorsicht geboten.

Bis zum sechsten Monat wird das Gewicht verdoppelt

Bis zum sechsten Monat dreht sich das Kind selbständig vom Bauch auf den Rücken und zurück. Es nimmt Dinge von einer Hand in die andere und beugt die Arme, wenn man es zum Sitzen hochzieht. Es beobachtet seine Umgebung sehr genau, betastet alles und nimmt Gegenstände zur „Untersuchung“ in den Mund. Viele Kinder in dem Alter lieben Spiele mit schnellem Lagewechsel. Wenn bis jetzt noch keine ersten Greifversuche unternommen wurden, sollten Sie einen Kinderarzt zu Rate ziehen. Vielleicht gibt es gar keinen Grund zur Sorge, aber solche Auffälligkeiten sollten immer möglichst rasch abgeklärt werden. Durchschnittlich wurde jetzt das Geburtsgewicht bereits verdoppelt.

Sitzen und Drehen gehören im siebten Monat schon zum Alltag

Wenn sich ihr Kind im siebten Monat noch nicht vom Rücken auf den Bauch gedreht hat, sollten sie den Kinderarzt darüber informieren. Auch wenn jedes Kind sich in einem eigenen Tempo entwickelt, ist dies ein Anzeichen, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte. Kein Grund zur Sorge, aber ein Anzeichen, das einem Arzt gegenüber auf jeden Fall erwähnt werden sollte. Mit Unterstützung können die meisten Kinder schon sitzen, aber das Gleichgewicht ist im Sitzen noch nicht ganz sicher.

Im achten Monat kommt noch mehr Bewegung ins Spiel

Viele Babys machen sich im achten Lebensmonat bereits auf erste Erkundungstouren – auf allen Vieren. Es wird gerobbt, gerollt und gekrabbelt – vorwärts und rückwärts. Ihr Kind mag sich nicht so recht von der Stelle bewegen? Damit ist es nicht alleine, denn rund 15 Prozent aller Kinder lassen diese Phase aus und finden andere Möglichkeiten der Fortbewegung: Sie rutschen im Sitzen oder rollen sich im Liegen. So oder so: Muskulatur, Koordination und Gleichgewichtssinn werden trainiert. Lassen Sie sich nicht von Vergleichen mit anderen Kindern beeindrucken oder verunsichern – jeder hat sein eigenes Tempo in der Entwicklung.

Gefühle stehen im neunten Monat im Mittelpunkt

Manche Kinder beginnen in dieser Phase zu „fremdeln“. Jetzt können sie genau zwischen Fremden und Bekannten unterscheiden, nicht jedem Kind macht dieser Unterschied aber auch etwas aus. Emotionale Bindungen zu einer oder auch zu mehreren Personen können sich ab sofort verstärken. Weiterhin werden alle Dinge und Personen intensiv untersucht: Mit Händen, Augen und dem Mund. Gegenstände können mit einer oder beiden Händen festgehalten werden.

Im zehnten Monat wird gestapelt, gerollt und geworfen

Gegen Ende des zehnten Monats können sich viele Kinder schon an Gegenständen hochziehen und versuchen erste unsichere Schritte. Bei anderen dauert dies länger und sie fangen dann erst zwischen dem 18. und dem 20. Lebensmonat zu laufen an. Spielzeuge wie Bälle oder Bauklötze sind für diese Altersstufe besonders interessant: Es wird gestapelt, umgeworfen und gerollt, aber auch gewinkt und geklatscht.

Selbständiges Essen im elften Monat möglich

Selbständigeres Essen ist bei vielen Kindern im elften Lebensmonat schon möglich, denn der Löffel kann schon alleine gehalten werden. Es kann gut sein, dass Ihr Kind an manchen Tagen fast gar nichts isst und an anderen sehr viel. Das ist völlig normal. Legen Sie die Essenszeiten des Kindes schrittweise mit den Familienmahlzeiten zusammen und bieten Sie Speisen, die für das Kind geeignet sind (schwach gewürzt), zum Probieren an. Vorlesen macht mittlerweile noch mehr Spaß, weil Kinder in diesem Alter gerne mit dem Zeigefinger zeigen und so jede Seite im Bilderbuch ganz genau erkundet werden kann. Außerdem werden gesprochene Worte nachgeahmt und so sehr fleißig trainiert.

Der erste Geburtstag

Mit Festhalten können die meisten Kinder bereits an ihrem ersten Geburtstag sicher stehen. Erste freie Schritte sind schon möglich. Auch der Griff ist sicherer und präziser: Wie mit einer Pinzette wird mit Daumen und Zeigefinger auch nach kleinen Gegenständen gegriffen. Das erste Wort war Mama oder Papa? Das ist typisch, denn Silben mit dem Buchstaben A werden in diesem Alter gerne verdoppelt: Ma-Ma, Da-Da oder Pa-Pa werden Sie sehr häufig zu hören bekommen. Das Geburtsgewicht wurde mittlerweile verdreifacht.

Experten-Überprüfung (entwicklungspsychologische Inhalte) durch

Stefanie Hoehl

Univ.-Prof.in Dr.in Stefanie Höhl

Stefanie Höhl ist Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Wien. Sie leitet dort die Wiener Kinderstudien zur Erforschung der frühen sozialen Entwicklung und der Entwicklung des Denkens.

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