Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

Wie viel eine Schwangere tatsächlich zunimmt, hängt nicht nur von individuellen Faktoren, sondern auch von ihrem Gewicht vor der Schwangerschaft ab. Eines steht jedoch mit Sicherheit fest: erwartet eine Frau Nachwuchs, nimmt sie in jedem Fall bis zur Geburt einige Kilo zu. Wenngleich es sich also um ein Thema handelt, das jede schwangere Frau gleichermaßen betrifft, ist es dennoch erstaunlich, wie wenig darüber eigentlich bekannt ist.

Amerikanische Studien haben gezeigt, dass der Großteil aller Frauen vor oder während der Schwangerschaft gar nicht weiß, wie viel sie zunehmen sollen oder dürfen. Sie halten es dann mit längst überholten Volksweisheiten wie „Eine Schwangere muss für zwei essen“ oder „Nach der Schwangerschaft purzeln die überflüssigen Kilos von ganz alleine“. Es steht außer Frage, dass eine schwangere Frau einen erhöhten Kalorienbedarf hat, da sie ihr Kind im Mutterleib ebenso versorgen muss wie sich selbst. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man von Anfang an mehr essen oder allen Heißhunger-Gelüsten nachgehen soll. Wer möchte, dass sich seine Gewichtskurve so natürlich wie möglich entwickelt, der sollte in erster Linie auf Ausgewogenheit und Qualität achten.

Tipp: Wenn du auf saisonale, regionale Produkte in Bio-Qualität setzt, diese so oft wie möglich frisch zubereitest und du auf hochindustriell verarbeitete Lebensmittel verzichtest, wird sich die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft in einem gesunden Rahmen bewegen.

Schwangere Frau isst Donuts im Bett

Body-Mass-Index (BMI)

In Expertenkreisen diskutiert man das „ideale“ Gewicht einer Schwangeren seit Jahren. In den 70-ger und 80-ger Jahren wurden konkrete Zahlen festgelegt, an denen sich nicht nur ÄrztInnen und Hebammen, sondern auch schwangere Frauen orientieren konnten. Mittlerweile steht das Gewicht, das eine Frau vor der Schwangerschaft hatte, im Vordergrund. Ausgehend vom Body-Mass-Index (BMI) wird die Anzahl an Kilos berechnet, die Schwangere bis zur Geburt zunehmen sollten. Der BMI kann nach folgender Formel ermittelt werden: (Körpergewicht in kg/ Körpergröße in m)2.

Als Orientierung kann diese Tabelle zur Gewichtszunahme in der Schwangerschaft dienen. Sie wurde basierend auf den Erkenntnissen der Frauenklinik der Universität Jena erstellt und nimmt als zentralen Wert den BMI an:

BMI vor der Schwangerschaft

Gewichtszunahme bis zur Geburt

Untergewicht
(BMI von <18,5)

12,7-18,2kg

Normalgewicht
(BMI zwischen 18,5 und 24,9)

11,4-15,9kg

Übergewicht
(BMI zwischen 25,0 und 29,9)

6,8-11,4kg

Starkes Übergewicht, Adipositas
(BMI von >30)

6,8kg

Zwillingschwangerschaft

15,9-20,4

 

Die Gewichtszunahme liegt bewusst in einem Kilogramm-Bereich, da der Gewichtsverlauf bei Schwangeren individuellen Schwankungen unterliegt. Hebamme und der betreuende Arzt/die betreuende Ärztin sind bei Unsicherheiten in Bezug auf die Gewichtsentwicklung gute AnsprechpartnerInnen. Sie begleiten die Schwangerschaft von Anfang an und sind in der Lage, gewisse Alarmzeichen (wie z.B. eine rasche und hohe Gewichtszunahme) rechtzeitig zu erkennen.

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Gewichtsverlauf

Eine Schwangerschaft besteht aus unterschiedlichen Stadien, in denen der Körper bestimmte Veränderungen und Entwicklungen durchmacht. Ziel ist es stets, die optimalen Rahmenbedingungen für das gesunde Wachstum des Embryos zu schaffen. Auch wenn es in Punkto „Idealgewicht“ keine exakte Empfehlung gibt, sollten schwangere Frauen eines beherzigen: je regelmäßiger und beständiger die Gewichtszunahme, desto angenehmer für Mutter und Kind. Im ersten Trimester nehmen die meisten Frauen nur 1-2 Kilo zu, manche verlieren sogar etwas an Gewicht aufgrund von ausgeprägter Morgenübelkeit oder vorübergehender Appetitlosigkeit. Sobald sich die typischen Schwangerschaftsbeschwerden der ersten Monate gelegt haben, hält auch der Appetit wieder Einzug. Zwischen dem 4. und 7. Schwangerschaftsmonat nehmen Frauen im Schnitt 4-6kg zu, bis zu Geburt des Kindes können noch einmal 5-6kg hinzukommen. Verläuft die Schwangerschaft komplikationsfrei und ernährt sich die Schwangere die meiste Zeit vernünftig, entwickelt sich auch die Gewichtskurve in einem gesunden Bereich. Bei plötzlichem Gewichtsverlust, rascher Gewichtszunahme oder einer Stagnation über mehrere Wochen hinweg, sollte man sich jedoch an den betreuenden Arzt/die betreuende Ärztin wenden. Manchmal kann der Gewichtsverlauf in Kombination mit anderen Symptomen ein Anzeichen für Schwangerschaftserkrankungen wie beispielsweise Schwangerschaftsdiabetes oder Präeklampsie sein.

Tipp: Bei unklaren Symptomen oder wenn du in Bezug auf deine Gewichtszunahme in der Schwangerschaft unsicher bist, wende dich an deine Hebamme oder deinen Arzt/deine Ärztin. Sie können einerseits überprüfen, ob dein Baby gut versorgt ist oder es medizinische Ursachen für deine Beschwerden gibt. Andererseits beraten sie dich zu Ernährungsgewohnheiten und Nährstoffbedarf.

Welche Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist normal?

Wie viel Gewichtszunahme in der Schwangerschaft pro Monat noch im gesunden Rahmen liegt, hängt von deinem Ausgangsgewicht ab. Frauen, die vor der Schwangerschaft normalgewichtig waren, können 10 – 16 Kilogramm zunehmen. Untergewichtige Frauen dürfen etwas mehr auf die Waage bringen, übergewichtige Schwangere sollten die Gewichtskurve im Blick behalten. Mit dem höheren Körpergewicht der Mutter steigt das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck. Ebenso hat dein Baby ein erhöhtes Risiko, mit Übergewicht auf die Welt zu kommen.

Zusammensetzung des Gewichts in der Schwangerschaft

Für die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft sind mehrere Faktoren verantwortlich. Die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und die vermehrte Aufnahme von Nährstoffen bilden den größten Anteil. Zusätzlich wirken sich folgende Veränderungen des Körpers auf das Gewicht der Schwangeren aus:

  • Plazenta: 500-700g
  • Fruchtwasser: 800-900g
  • Gebärmutter und verstärkte Gebärmuttermuskulatur: 1000g
  • Brust: 400-500g
  • Erhöhtes Blutvolumen: 1200-1500g
  • Wassereinlagerungen (gegen Ende der Schwangerschaft): 1700-2100g
  • Zusätzliche Fettspeicher: 1500-3000g

Dazu kommt natürlich noch das Gewicht des Babys, welches kurz vor der Geburt bei circa 3,4 Kilogramm liegt.

Diäten

ÄrztInnen empfehlen stark übergewichtigen Frauen, ihr Gewicht noch vor Eintreten der Schwangerschaft zu stabilisieren. Das Gleiche gilt im Umkehrschluss auch für Frauen, die unter starkem Untergewicht leiden. Sie dürfen zwar während der Schwangerschaft mehr zunehmen als normalgewichtige Frauen, sollten jedoch schon zuvor versuchen, ein annähernd gesundes Körpergewicht zu erreichen. Ein „normales“ Ausgangsgewicht und ein allgemein guter Gesundheitszustand sind wichtige Voraussetzungen für den komplikationsfreien Verlauf einer Schwangerschaft. Kündigt sich Nachwuchs an, sind Diäten und extrem unausgewogene Ernährungsweisen nämlich tabu. Bei einer Diät fehlt es dem Körper im Normalfall an Nährstoffen, vor allem die Vitamin- und Mineralienspeicher sind in Gefahr. Spurenelemente, Vitamine und Mineralien sind neben Proteinen jedoch genau die Stoffe, die schwangere Frauen bevorzugt aufnehmen sollten. Eine intensive Diät während der Schwangerschaft wäre daher nicht nur kontra-produktiv, sie würde auf lange Sicht auch die Gesundheit des ungeborenen Kindes gefährden.

Tipp: Sport und sanfte Bewegung helfen dir dabei, dich gesund zu halten, deine Abwehrkräfte zu stärken und allgemein dein Wohlbefinden zu steigern. Ganz nebenbei wirken sportliche Aktivitäten auch stabilisierend für dein Gewicht.

Ernährung und Kalorienbedarf in der Schwangerschaft

Die Schwangerschaft ist für viele die perfekt Gelegenheit, um ein paar lästige Ernährungsgewohnheiten loszuwerden. Wer sich bereits davor gesund und bewusst ernährt hat, der muss lediglich ab einem gewissen Zeitpunkt auf eine erhöhte Kalorienzufuhr achten. Alle anderen sollten von nun an frisches Obst und Gemüse, Eiweiß, hochwertige Proteine sowie Fisch und vollwertige Lebensmittel (z.B. Vollkornnudeln, Vollkornbrot) auf den Speiseplan setzen. In erster Linie muss der Nachwuchs nämlich mit Spurenelementen, Vitaminen und Mineralien versorgt werden und das gelingt am einfachsten, wenn man auf ausgewogene Ernährung setzt.

Ab dem 5. Schwangerschaftsmonat benötigt der Körper in etwa 200-300 Kalorien zusätzlich. Das entspricht einem Käsebrot oder einem ungesüßten Joghurt mit einer Handvoll Früchten. Um berüchtigten Heißhungerattacken vorzubeugen, empfehlen Experten die Einnahme von mehreren, kleineren Mahlzeiten pro Tag. Dabei sollte es sich um leichte Snacks, frisches Obst oder Salate handeln. Als Hauptmahlzeiten eignen sich Nudelgerichte, mageres Fleisch oder Fisch mit einer Gemüse- und einer stärkehaltigen Beilage. Überkommt eine schwangere Frau dennoch einmal die Lust auf ein Stück Kuchen oder salziges Pommes ist das aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich, wenn sie derartigen Gelüsten nur gelegentlich nachgibt.

Gut zu wissen: Dein Protein- und Eiweißbedarf steigt in der Schwangerschaft um 11 Gramm pro Tag an, in der Stillzeit um etwa 15 Gramm, da für die Milchproduktion mehr Eiweiß benötigt wird. Es empfiehlt sich, die Proteinquelle mit anderen hochwertigen Nährstoffquellen zu kombinieren, wie beispielsweise Kartoffeln mit Topfen und Eiern oder (Vollkorn-) Nudeln mit Eiern, Käse und Gemüse.

Mikronährstoffe: Folsäure & Co

Über die Ernährung solltest du auch Mikronährstoffe aufnehmen, die sich positiv auf deinen Zellstoffwechsel auswirken und die Verarbeitung von Makronährstoffen wie Kohlenhydrate oder Proteine unterstützen. Außerdem benötigt der Nachwuchs in verschiedenen Wachstumsstadien unterschiedlich hoch dosierte Nährstoffe. Besonders wichtig ist beispielsweise Folat. Es spielt in der Frühschwangerschaft eine große Rolle, weil es die Zellteilung unterstützt. Bei einer Unterversorgung mit Folsäure besteht ein hohes Risiko für Fehlbildungen und Neuralrohrdefekte beim ungeborenen Baby. Nicht alle Nährstoffe können in ausreichender Konzentration über die Ernährung aufgenommen werden. Nahrungsergänzungsmittel sind hier ein sinnvoller Zusatz. Sprich jedoch vor der Einnahme mit deinem Arzt/deiner Ärztin darüber, welches Präparat für dich passen könnte.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag liefert ausschließlich allgemeine Informationen und ersetzt keinesfalls den fachkundigen Rat eines Arztes, einer Hebamme oder anderen dafür qualifizierten Experten (Stillberaterinnen, Therapeuten etc.)

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