Kinderbetreuungsgeld und Karenz

Wenn ein Baby unterwegs ist, dann stellt dies den Alltag der Eltern auf den Kopf. Man macht sich nicht nur Gedanken darüber, wie man den Nachwuchs bestmöglich versorgt, sondern auch darüber wie Beruf und Kindererziehung am besten geregelt werden können. Bei den meisten Paaren steht fest: die Frau bleibt in der ersten Zeit zu Hause, um sich um das Kind zu kümmern. Der Mann setzt seinen Job wie gehabt fort.

Manchmal ist dies eine finanzielle Notwendigkeit, da der Kindesvater besser verdient, manchmal wird es auch einfach von beiden Elternteilen so gewünscht. Wie auch immer sie sich entscheiden, Unterstützung finden Jungfamilien im Rahmen des österreichischen Familienförderungsprogrammes. Die wichtigsten Eckpfeiler sind dabei das Kinderbetreuungsgeld und die Karenz. Ersteres ist eine finanzielle Zuwendung des Staates für denjenigen Elternteil, der sich vorrangig der Erziehung widmet und dafür seinen Beruf ganz oder vorübergehend aufgibt. Im Rahmen der Karenz werden arbeitsrechtliche Aspekte rund um die Zeit während der Kleinkindversorgung als auch die Rückkehr zum Arbeitsplatz geregelt.

Wer hat Anspruch auf Kinderbetreuungsgeld?

Mit der Auszahlung des Kinderbetreuungsgeldes wird ein Ziel verfolgt: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Österreich zu verbessern. Der Anspruch beginnt ab der Geburt des Kindes, sofern folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Für das Kind wird Familienbeihilfe bezogen
  • Antragstellender Elternteil und das Kind leben in Österreich
  • Kind und antragstellender Elternteil leben in einem Haushalt (Nachweis über Wohnsitzmeldung)
  • Nachweis über die Durchführung aller vorgeschriebenen Mutter-Kind-Pass Untersuchungen
  • Jährliche Zuverdienstgrenze darf nicht überschritten werden
  • Für MigrantInnen gilt: Nachweis über den rechtmäßigen Aufenthalt in Österreich und/oder Erfüllung von asylrechtlichen Kriterien

Das Kinderbetreuungsgeld ist eine Familienleistung, die ausschließlich auf Antrag gewährt wird. Um Verzögerungen bei der Auszahlung zu vermeiden, sollte man sich die entsprechenden Unterlagen bereits während der Schwangerschaft bereitlegen und den Antrag direkt nach der Geburt des Kindes stellen. Das Kinderbetreuungsgeld wird von der österreichischen Sozialversicherung ausbezahlt. Der Antrag muss bei dem Versicherungsträger abgegeben werden, bei dem der Antragssteller/die Antragstellerin laufend versichert ist. Die unterschiedlichen Versicherungsträger stellen mittlerweile schon alle relevanten Formulare und Informationen online zur Verfügung. Für BezieherInnen von Wochengeld gilt: der Antrag auf Wochengeld muss extra gestellt werden. Es gibt im Antragsverfahren keinen Zusammenhang zwischen Wochengeld und Kinderbetreuungsgeld.

Unterschiedliche Bezugsvarianten

Insgesamt gibt es 5 Kinderbetreuungsgeld- Modelle aus denen Familien wählen können. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwei übergeordnete Kategorien: Pauschalsystem und Einkommensersatzsystem. Im Rahmen des pauschalen Kinderbetreuungsgeldes gibt es 4 Varianten, die in ihrer Bezugsdauer voneinander abweichen:

  • Pauschalvariante 30+6:
    Hierbei handelt es sich um die längste Bezugsvariante. Der Anspruch dauert 30 Monate plus maximal 6 Monate, wenn sich die Eltern bei der Kinderbetreuung abwechseln. Familien erhalten € 14,53 täglich/ca. € 436 monatlich. Für Mehrlinge gibt es einen Zuschlag von € 7,27 pro Mehrlingskind.
  • Pauschalvariante 20+4:
    Im Rahmen dieses Modells bezieht ein Elternteil 20 Monate Kinderbetreuungsgeld. Hinzu kommen 4 weitere Monate, wenn die anspruchsberechtigte Person zwischenzeitlich (Partner oder Ehemann) wechselt. Familien erhalten € 20,80 täglich/ ca. € 624 monatlich. Der Zuschlag für Mehrlinge beträgt € 10,40 pro Kind.
  • Pauschalvariante 15+3:
    Wer diese Variante wählt, erhält bis zum 15. Lebensmonat des Kindes € 26,60 täglich/ ca. € 800 monatlich. Wechseln sich die Eltern beim Bezug ab, kann der Zeitraum um maximal 3 Monate verlängert werden. Mehrlingen steht ein zusätzlicher Betrag von € 13,30 täglich zu.
  • Pauschalvariante 12+2:
    € 33 täglich/ etwa € 1000 monatlich stehen Familien zu, wenn sie sich für die kürzeste Pauschalvariante entscheiden. Der Anspruch endet nach 12 Monaten, wenn nur ein Elternteil Kinderbetreuungsgeld erhält – er kann jedoch um 2 Monate verlängert werden, wenn der andere Elternteil ebenfalls einen Antrag stellt. Mehrlinge erhalten einen Aufschlag von € 16,50 täglich/pro Mehrlingskind.

Bei Inanspruchnahme einer beliebigen Pauschalvariante beläuft sich der zulässige Zuverdienst auf 60% der Einkünfte des relevanten Kalenderjahres/mindestens € 16200 – es wird nur der Verdienst des antragstellenden Elternteils herangezogen.

Alternativ steht das Einkommensersatzsystem und somit die folgende Variante zur Auswahl:

  • Einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld 12+2:
    Bei diesem Modell bezieht der antragstellende Elternteil 80% vom Wochengeld bzw. 80% des letzten Nettoeinkommens (Untergrenze: € 1000, Obergrenze: € 2000). Die Bezugsdauer beläuft sich auf 12 Monate, plus zwei zusätzliche Monate, wenn sich die Partner zwischenzeitlich abwechseln. Voraussetzung für diese Variante ist eine sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit, die mindestens 6 Monate vor dem Mutterschutz ausgeübt wurde.

Elternteile, die einkommensabhängiges Kindergeld beziehen, dürfen maximal € 6100 zusätzlich verdienen.

Beihilfe zum Kinderbetreuungsgeld

In besonderen Fällen steht Familien eine Beihilfe zum pauschalen Kinderbetreuungsgeld zu. Wenn,

  • ein Elternteil alleinerziehend ist und nicht mehr als € 6100/Monat verdient oder
  • es sich um verheiratete oder in Lebensgemeinschaft lebende Paare, bei denen der beziehende Elternteil nicht mehr als € 6100/Monat und der Partner nicht mehr als € 16200/pro Jahr verdient, handelt

Die Beihilfe beträgt € 6,06 täglich beziehungsweise € 181 monatlich und wird maximal über 12 Monate hinweg ausbezahlt. Für die Antragstellung ist, genauso wie beim Kinderbetreuungsgeld, die jeweilige Sozialversicherung zuständig.

Karenzregelung in Österreich

Die Elternkarenz regelt die Zeit in der ein Elternteil sich der Betreuung des Kleinkindes widmet und daher seinen Job ruhen lässt. Der Anspruch auf Karenz beginnt mit dem Ende des Mutterschutzes, also im Normalfall 8 Wochen nach der Entbindung, und endet spätestens, wenn das Kind 2 Jahre alt ist. Bezüglich der Rückkehr an den Arbeitsplatz besteht auch die Möglichkeit mit dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin eine individuelle Vereinbarung zu treffen dh. Mütter können auch schon vor Ablauf der 24 Monatsfrist in ihren Beruf zurückkehren, wenn es eine entsprechende Einigung gibt. Entgelt wird in dieser Zeit keines ausbezahlt, als Ersatzleistung stehen die unterschiedlichen Bezugsvarianten des Kinderbetreuungsgeldes zur Verfügung. Im Grunde genommen garantiert die Karenz einen Kündigungs-und Entlassungsschutz für eine bestimmte Zeit.

Teilung der Karenz

DienstnehmerInnen, HeimarbeiterInnen, Beamte und Vertragsbedienstete des Bundes und Landes können die Karenzzeit in Anspruch nehmen. Dies gilt sowohl für Väter als auch für Mütter. Kommt es zu einer Teilung der Karenz, muss ein Karenzanteil stets mindestens 2 Monate umfassen. Eine gleichzeitige Karenz ist für maximal 1 Monat möglich.

Meldefristen

Derjenige Elternteil, der die Karenz in Anspruch nimmt, muss dies schriftlich bei seinem Arbeitgeber/seiner Arbeitgeberin melden. Dabei sind folgende Fristen einzuhalten:

  • Erst-Inanspruchnahme durch die Mutter des Kindes: innerhalb der Schutzfrist, nach der Entbindung
  • Erst-Inanspruchnahme durch den Vater des Kindes: spätestens 8 Wochen nach der Geburt

Wird der 2. oder 3. Teil der Karenz beansprucht, muss dies bis spätestens 3 Monate vor Ablauf des vorangegangenen Karenzteils erfolgen.

Weiterführende Hinweise:

Detailinformationen zum Kinderbetreuungsgeld, Online-Formulare und Broschüren

Kindebetreuungsgeld-Vergleichsrechner

Information zu Karenz und Arbeitsrecht

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