Milcheinschuss nach der Geburt

Die Brust bereitet sich bereits während der Schwangerschaft auf die Stillzeit vor, der tatsächliche Milcheinschuss findet 2-5 Tage nach der Geburt statt. Für einen guten Still-Start ist es erforderlich, das Baby nach der Entbindung so rasch wie möglich zu stillen. Viele Säuglinge suchen ohnehin intuitiv die Brust der Mutter, sobald sie auf ihrem Bauch liegen. Auch den meisten Müttern ist es ein Anliegen, das Kind so schnell wie möglich zu stillen. Das Saugen wirkt sich nicht nur positiv auf die Bindung von Mutter und Kind, sondern auch auf die Rückbildung der Gebärmutter aus.

Kolostrum

Bis es zum Milcheinschuss kommt, erhalten Säuglinge das so genannte Kolostrum, eine Art Vormilch. Sie schimmert gelblich, ist von der Konsistenz her eher dickflüssig und eine echte Nährstoffbombe. Sie versorgt das Baby mit allem, was es in den ersten Stunden und Tagen außerhalb des Mutterleibs braucht. Über das Kolostrum erhält das Kind nicht nur wertvolle Antikörper (Immunglobulin A), sondern auch spezielle Stoffe, die das empfindliche Verdauungssystem des Säuglings schützen sowie die Ausscheidung des Kindspechs anregen. Es empfiehlt sich, das Baby im Wochenbett so oft wie möglich anzulegen. Das häufige Saugen an der Brust regt den Milchfluss an und sorgt dafür, dass der Körper reichlich Milch produziert. In diesem Fall reguliert also die Nachfrage das Angebot. Dies ist insbesondere in Hinblick auf den Milcheinschuss wichtig. Je häufiger das Kind an der Brust nuckelt, desto schneller beginnt der Körper damit, die eigentliche Muttermilch auszuschütten.

Einschuss der reifen Muttermilch

Für jede Mutter fühlt sich der Milcheinschuss anders an. Häufig berichten Frauen von angespannten Brüsten, einem starkem Schwellungsgefühl oder Schmerzen beim Anlegen. Brüste und Brustwarzen sind besonders druck- und berührungsempfindlich, nicht selten steigt auch die Körpertemperatur leicht an. Das Anschwellen der Brüste ist im ersten Moment für Mutter und Kind ungewohnt. Die Mutter kämpft mit dem unangenehmen Spannungsgefühl und das Baby hat Schwierigkeiten, die Brustwarze und den Vorhof zu fassen, wenn die Brüste sehr voll sind. Rund um den Milcheinschuss sollte das Baby regelmäßig (alle 2 Stunden) gestillt werden. Außerdem ist es ratsam, von Hand Milch auszustreichen, wenn die Brust nicht ausreichend entleert wird. Die Brüste können zwischendurch sowie vor der nächsten Stillmahlzeit ausgestrichen werden – damit tut man nicht nur sich selbst, sondern auch dem Nachwuchs einen Gefallen. Je regelmäßiger die Brust entleert wird, desto rascher geht auch die schmerzhafte Schwellung der Brust zurück.

Was du zusätzlich tun kannst:

  • Die Brust vor dem Stillen wärmen z.B. mit einem Kirschkernkissen oder einer warmen Dusche.
  • Für eine ruhige Atmosphäre sorgen. Je entspannter sich die Mutter ihrer Aufgabe widmen kann, desto leichter fließt die Milch und desto besser kann sich das Kind auf die Situation einstellen.
  • Nach der Stillmahlzeit sollte die Brust gekühlt werden. Bewährt haben sich das Auflegen von kalten Kompressen, frischen Kohlblättern sowie das Aufstreichen von kaltem Topfen direkt auf die Brust/oder auf betroffene Stellen.
Junge Mutter stillt ihr Baby direkt nach der Geburt

Stillen nach einem Kaiserschnitt

Selbstverständlich kannst du dein Baby auch nach einem Kaiserschnitt stillen. Wie schnell der Stillstart glückt, hängt jedoch ein wenig von der Geburtssituation ab. Bei einem geplanten Kaiserschnitt haben Frauen schon im Vorfeld die Möglichkeit, mit dem Entbindungsteam zu vereinbaren, dass sie gleich nach der Entbindung stillen möchten. Dann wird das Baby im Regelfall sofort zur Mutter gelegt und eine stillerfahrene Hebamme hilft bei den ersten Versuchen, es anzulegen.

Nach einem Notkaiserschnitt

Bei einem Notkaiserschnitt verhält es sich ein wenig komplizierter. Mutter und Kind sind von der plötzlichen Geburt überrascht, manche empfinden den Eingriff auch auf gewisse Art und Weise gewaltsam. Man darf nicht vergessen, dass eine Schnittentbindung mittlerweile zur geburtlichen Routine zählt, es sich dabei dennoch um eine Operation handelt. Und damit einher gehen ganz natürliche Ängste und Sorgen, die jeden Patient/jede Patientin vor einem medizinischen Eingriff begleiten.

Mütter fürchten um die eigene Gesundheit, das Wohlergehen ihres Babys und nicht selten haben sie auch Angst vor der Narkose oder den Schmerzen nach der Entbindung. All diese Gefühle sind normal. Sie produzieren leider aber auch Stress und dadurch ist das Geburtserlebnis bei einem Kaiserschnitt einfach anders als bei einer spontanen natürlichen Geburt.

Milcheinschuss und Anlegetechnik

Mütter empfinden nicht nur anders nach einem Kaiserschnitt, auch der Hormonstatus ist ein anderer. Während einer natürlichen Geburt werden bereits viele Hormone ausgeschüttet, die dem Körper signalisieren, dass er in kürzester Zeit ein Baby mit Muttermilch versorgen muss. Schließlich bereitet sich der Organismus schon seit der Schwangerschaft auf diesen Zeitpunkt vor. Der Milcheinschuss ist nach einer Schnittentbindung ein wenig verzögert, es kann bis zu 5 Tage dauern bis die Milchdrüsen reife Muttermilch produzieren.

Jetzt gilt: Ruhe bewahren und die ersten, wertvollen Augenblicke mit dem Nachwuchs genießen. Der Milcheinschuss findet bestimmt statt, es ist lediglich eine Frage der Zeit. Je öfter das Baby angelegt wird, je öfter es Saugversuche an der Brust unternehmen kann, desto schneller wird auch die Milchproduktion angekurbelt. Manche Babys brauchen aber, genauso wie ihre Mamas, etwas länger, bis sie in der für sie vollkommen neuen Situation angekommen sind. Solche Kinder schlafen vielleicht viel oder machen den Eindruck, gar nicht hungrig zu sein. In diesem Fall sollten Haut- und Körperkontakt zwischen Mutter und Kind gefördert werden. Häufig beginnt das Baby dann ganz von selbst damit, die Brust zu suchen oder mit schmatzenden Geräuschen auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen.

Das Baby richtig anlegen

Ein Baby richtig anzulegen, will geübt sein. Nach einem Kaiserschnitt ist man körperlich stärker eingeschränkt als nach einer natürlichen Geburt. In den ersten Tagen nach der Entbindung schmerzt die Schnittnarbe, der Blasenkatheter muss erst entfernt werden und auch die Erschöpfung ist groß. Frisch gebackene Mamas benötigen für einen gelungenen Stillstart also viel Ruhe, Unterstützung und Zuwendung. Eine erfahrene Hebamme oder eine Stillberaterin helfen bei den ersten Anlegeversuchen. Idealerweise kontrollieren sie zwischendurch auch immer wieder, ob das Anlegen schon korrekt klappt.

Werden Mutter und Kind nach der Geburt getrennt, z.B. weil das Baby auf der Neonatologie versorgt werden muss, ist ebenfalls eine liebevolle Betreuung der Mutter erforderlich. Wenn sie stillen möchte, muss sie in der Zeit der Trennung die Milch mit Hilfe einer Milchpumpe gewinnen oder von Hand ausstreichen. Das ist für viele Frauen ungewohnt und erfordert ein wenig Übung. Auch hier kommt es nämlich auf die richtige Technik an. Wenn das Abpumpen gelingt, kann das Baby zum einen mit Muttermilch versorgt werden, zum anderen sind die Weichen für einen verzögerten Stillstart gestellt. Das Baby wird dann einfach angelegt, wenn Mutter und Kind wieder zusammen sind.

Stillpositionen nach einem Kaiserschnitt

Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff. Du bist in den ersten Tagen nach der Entbindung noch nicht so mobil, wie du es vielleicht gerne sein möchtest. Sowohl die Schnittnarbe als auch die Einstichstelle für den Narkosekatheter werden schmerzen. Schmerz führt zu innerlicher Anspannung und kann unter Umständen einen geglückten Stillstart verhindern. Daher werden im Wochenbett stillfreundliche Medikamente und Schmerzmittel verschrieben. Sie schaden dem Baby genauso wenig, wie Rückstände des Narkosemittels in der Vormilch. Werden die Schmerzen so gut wie möglich reduziert, können sich Mutter und Kind auf das Stillen konzentrieren. Nicht unerheblich dabei ist die Wahl einer günstigen Stillposition. Die schmerzende Narbe sollte nicht belastet werden. Mütter müssen also darauf achten, wo ihr Baby aufliegt und ob es die Brust gut erreichen kann. Nach einem Kaiserschnitt werden folgende Stillpositionen empfohlen:

Seitliches Stillen

Hier wird das Baby im Liegen gestillt. Die Mutter liegt leicht seitlich, der Rücken ruht auf einem Stillkissen oder einem Polster. Das Baby liegt Bauch an Bauch mit der Mutter und fasst so die Brustwarze. Damit das Baby die Position hält, wird es vom Arm der Mutter gehalten oder von einem Stillkissen gestützt.

Stillen in der Wiegenhaltung

Das Baby wird bei dieser Position in der Wiegenhaltung zur Brust geführt. Das bedeutet, dass es mit dem Köpfchen in der Armbeuge der Mutter liegt. Zusätzlich hält die Mutter mit ihrer Hand den Po des Babys ein wenig fest, so wird das Kind dann gestillt. Es empfiehlt sich, den Arm der Mutter mit einem Kissen abzustützen.

Stillen im Rückengriff

Bei dieser Stillhaltung zeigen die Füße des Babys nach hinten. Die Mutter muss dafür relativ aufrecht sitzen, sie hält das Baby so wie einen Football unter dem Arm. Wichtig ist dabei, dass es dem Körper der Mutter zugewandt ist und die Brust fassen kann, ohne den Kopf zu verdrehen. Diese Haltung bewährt sich auch bei einem Milchstau!

Vertrauen

Selbst wenn es in solchen Situationen manchmal schwer fällt, es zu glauben: jede Frau, die stillen möchte, kann dies tun. Auch nach einem Kaiserschnitt oder einem traumatischem Geburtserlebnis. Du darfst auf deinen Körper vertrauen. Gib‘ ihm Zeit und Ruhe. Gib‘ dir auch die Zeit, dich an dein Baby zu gewöhnen. Es ist ganz natürlich, wenn es dir direkt nach der Geburt noch etwas fremd erscheint. Schließlich werden bei einem Kaiserschnitt nicht so viele Bindungshormone ausgeschüttet wie bei einer natürlichen Entbindung. Wird im Wochenbett aber viel gekuschelt und häufig gestillt, stellt der Organismus die Hormonproduktion automatisch um. Du spürst dann die Bindung zu deinem Kind, die Milch fließt und dein Körper beginnt sich langsam zu regenerieren.

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Es ist die natürlichste und manchmal auch komplizierteste Sache der Welt: die Versorgung des Säuglings mit Muttermilch. Sofern aus medizinischen Gründen nichts dagegen spricht, entscheidet sich der Großteil aller Mütter dafür, ihr neugeborenes Baby zumindest bis zum vollendeten 6. Lebensmonat zu stillen. 

Kommen wir nun zu einem heiklen Thema: Stillen und die Einnahme von Medikamenten. Es lässt sich nicht verhindern, dass du krank wirst, selbst wenn du stillst. Zudem gibt es einige Mütter, die auf die regelmäßige Einnahme von bestimmten Wirkstoffen angewiesen sind, spezielle Erkrankungen können ebenso eine Behandlung erforderlich machen. Wenn eine medikamentöse Therapie notwendig ist, bedeutet das jedoch nicht, dass du dein Baby abstillen musst. Eine Vielzahl der gängigen Präparate darf auch in der Stillzeit verordnet werden, nur wenige Medikamente sind mit dem Stillen nicht kompatibel.

In manchen Situationen scheint es mit dem Stillen einfach nicht zu klappen. Du hast vermutlich schon alles versucht, vom Brusthütchen über Abpumpen bis hin zum Stillen im Halbschlaf. Es kann durchaus vorkommen, dass dein Baby nicht an der Brust trinken möchte, weil es beispielsweise zu schwach, als Frühchen auf die Welt gekommen oder erkrankt ist. Ein Brusternährungsset (kurz BES) ist in solchen Fällen möglicherweise die Lösung für eure Probleme.

Wenn du dein Baby nicht auf natürlichem Weg, sondern per Kaiserschnitt entbunden hast, befindest du dich in guter Gesellschaft. Die Kaiserschnittrate in Österreich liegt nämlich bei ca. 30%. ExpertInnen gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Kaiserschnitte medizinisch tatsächlich notwendig ist. Der Kaiserschnitt ist zwar mittlerweile ein Routineeingriff, dennoch handelt es sich hierbei um eine größere Operation. Möglicherweise bereitet dir diese Form der Geburt noch eine Zeit lang Schwierigkeiten auf der emotionalen Ebene. Auch dein Körper muss sich erst erholen. Das sichtbarste Zeichen ist die Narbe, die nach dem Eingriff deine Aufmerksamkeit erfordert. Was bei einem Kaiserschnitt genau geschieht und wie du deine Kaiserschnittnarbe am besten pflegen kannst, erfährst du von uns.

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