Nachsorge

Gerade im Wochenbett und manchmal auch noch danach spielt das Thema Nachsorge eine große Rolle. Hebammen, Doulas und ÄrztInnen sind im Rahmen dessen bemüht, die Jungfamilie so gut wie möglich zu unterstützen und die Mütter bei etwaigen Problemen (z.B. Stillprobleme, Schmerzen) zu beraten.

Man unterscheidet zwischen Frühwochenbett (die ersten 8-10 Tage) und späterem Wochenbett (11 bis 21 Tage nach der Geburt). Diese Phase des Frühwochenbetts ist in vielerlei Hinsicht etwas ganz besonderes: Eltern verbringen 24 Stunden am Tag mit ihrem neuen Familienmitglied, Neugeborene nehmen schön langsam auch das Leben außerhalb des Bauchraumes wahr, gewohnte Routinen und Alltagsaufgaben werden komplett auf den Kopf gestellt. Hinzu kommen Rückbildungsprozesse und Hormonumstellungen im Körper der frisch gebackenen Mutter, die ihr mitunter auch zu schaffen machen. Bis sich alles einspielt, vergehen einige Wochen – das ist vollkommen natürlich und normal.

Frau liegt mit nacktem Bauch im Bett

Körperliche Veränderungen

In nur neun Monaten hat der weibliche Körper ein echtes Wunder vollbracht, er hat schließlich dafür gesorgt, dass neues Leben entsteht. Die damit verbundenen Veränderungen haben werdende Mütter im wahrsten Sinne des Wortes hautnah miterlebt. Am deutlichsten war die hormonelle Umstellung zu spüren, ebenso hat sich die wachsende Gebärmutter bemerkbar gemacht. Mit der Geburt vollendet der weibliche Organismus sozusagen einen Teil seines Werkes, die Phase der Rückbildung beginnt. Daher kommt es auch im Wochenbett zu einigen körperlichen Veränderungen.

Wochenfluss

Es handelt sich hierbei um Blutungen, die als natürliche Folge einer Geburt auftreten und eine wichtige Funktion erfüllen. Der Körper scheidet auf diesem Weg nämlich Blut, Restgewebe von der Plazenta, manchmal auch Schleim, aus. Durch die Ablösung der Plazenta entsteht eine Wunde, von der die Blutungen in erster Linie ausgehen. Der Wochenfluss kann über mehrere Tage hinweg, manchmal auch Wochen andauern.

Direkt nach der Geburt sind die Blutungen am stärksten, mit der Zeit nimmt die Intensität jedoch ab. Auch die Farbe des Sekrets verändert sich: zu Beginn ist der Ausfluss rot bis dunkelrot, anschließend hellrot-bräunlich und gegen Ende hin gelblich-weiß. Viele Frauen erinnern die Farbnuancen des Wochenflusses an ihre Periode. Es empfiehlt sich für diese Zeit, ausreichend dicke Binden bereit zu legen. Sie sollten aus hygienischen Gründen so häufig wie möglich (also mehrmals täglich) gewechselt werden.

Hormonhaushalt

Auch nach der Geburt kehrt so schnell keine Ruhe im Hormonhaushalt ein. Die Produktion von Östrogen und Progesteron wird empfindlich gedrosselt, dafür steigt der Prolaktin-Spiegel an. Das Hormon Prolaktin unterstützt die Milchbildung und spielt somit eine besonders große Rolle für jene Mütter, die ihr Kind gerne stillen möchten.

Rückbildung

Im Rahmen der Nachsorge wird auch immer der Rückbildungsprozess der Gebärmutter kontrolliert. Hebamme oder Arzt/Ärztin untersuchen, ob sich die Gebärmutter erwartungsgemäß verkleinert. Ebenso gilt es, Infektionen oder sonstige Beschwerden (z.B. starke Blutungen) auszuschließen. Wer möchte, kann einige Wochen nach der Geburt damit beginnen, Gebärmutter als auch Beckenboden in der Rückbildung zu unterstützen. Dafür gibt es spezielle Übungen, die jedoch nur in Absprache mit der Hebamme ausgeführt werden sollten.

Unterstützung durch Freunde und Verwandte

Das Wochenbett sollte nicht nur eine Zeit der Regeneration, sondern auch eine Zeit des Kennenlernens, der ersten liebevollen Annäherung zwischen dem Kind und seinen Eltern sein. Sich ganz und gar dem Nachwuchs zu widmen, zu kuscheln, gemeinsam das Kind zu versorgen, vielleicht sogar schon den ersten Spaziergang zu machen – das klappt nur dann stressfrei, wenn sich weder Vater noch Mutter mit alltäglichen Aufgaben beschäftigen müssen.

Es empfiehlt sich, Hilfsangebote von Freunden, Bekannten und Familie bereitwillig anzunehmen oder konkret um Unterstützung zu bitten. In den ersten Wochen nach der Geburt ist ein gutes Versorgungsnetzwerk Gold wert. Besteht die Möglichkeit, sollte man also so viel wie möglich delegieren. Das gilt sowohl für kleinere Arbeiten im Haushalt als auch für Erledigungen und das tägliche Kochen.

Die Nachsorge-Hebamme

Hebammen sind oft schon während der Schwangerschaft wichtige Ansprechpartnerinnen für die werdenden Eltern. Vor allem Schwangere schätzen ihre Hebamme als Vertrauensperson und Begleiterin durch die aufregende Zeit. Häufig ist die Hebamme bei der Geburt anwesend und kümmert sich anschließend um die Nachsorge. Auch im Wochenbett ist sie eine Bezugsperson für die frisch gebackenen Eltern. Sie absolviert anfangs tägliche Hausbesuche, um die junge Familie zu unterstützen. Außerdem leistet sie konkrete Hilfestellung beim Stillen und bei allen Fragen rund um die Säuglingspflege. Viele Eltern sind unsicher, ob sie alles richtig machen und auch in diesem Fall steht ihnen die Hebamme zur Seite. Sie gibt Tipps, wie sich der Alltag mit Baby am besten organisieren lässt und achtet darauf, dass Mutter und Kind genügend Zeit zum Schlafen und Ausruhen haben.

Kosten und Regelungen

Die Betreuung im Wochenbett durch eine Hebamme wird in Österreich zu einem Teil von den Krankenkassen finanziert. Besitzt die Hebamme einen Kassenvertrag, rechnet sie ihre Leistungen/Besuche direkt mit der Versicherungsanstalt ab. Den Eltern entstehen dadurch keine Kosten. Wahlhebammen arbeiten auf Honorarbasis. Familien müssen vorerst selbst dafür aufkommen, können anschließend jedoch eine Rückvergütung bei der zuständigen Krankenkasse beantragen. Je nach Art der Geburt, gelten folgende Regelungen:

  • Bei einer ambulanten Entbindung übernimmt die Kasse täglich 1 Hausbesuch vom 1. bis zum 5. Tag nach der Geburt.
  • Werden Mutter und Kind vorzeitig entlassen, kommt die Versicherungsanstalt für 5 Hausbesuche auf (ab dem ersten Tag nach der Entlassung).
  • Verlassen Mutter und Kind das Krankenhaus vor dem 6. Tag nach der Geburt bei einem Kaiserschnitt, einer Frühgeburt oder eine Mehrlingsgeburt, dann steht ihnen bis zum 6. Tag nach der Geburt täglich 1 Hausbesuch zu.
  • Wer zu Hause entbindet, hat Anspruch auf 5 Besuche der Hebamme (einen Besuch täglich) ab dem 1. Tag nach der Geburt.
  • Bei Bedarf (z.B. Stillproblemen) können in allen Fällen bis zu 7 weitere Hausbesuche beantragt werden, diese müssen allerdings bis zur 8. Woche nach der Geburt stattfinden.

Gynäkologische Untersuchung

Es gehört zu den Aufgaben der Nachsorge-Hebamme, den Gesundheitszustand der Mutter genauso zu beobachten und zu kontrollieren, wie die Entwicklung des Kindes. Zusätzlich sollten Frauen etwa 6 Wochen nach der Geburt einen Termin bei ihrem Gynäkologen/ihrer Gynäkologin vereinbaren. Im Rahmen der Untersuchung entnimmt der Arzt/die Ärztin einen Krebsabstrich und kontrolliert den Fortschritt im Rückbildungsprozess (insbesondere die Gebärmutter).

Gibt es bestehende Geburtsverletzungen wird auch überprüft, ob diese erwartungsgemäß abheilen. Einige Gynäkologen/Gynäkologinnen dokumentieren außerdem Gewicht und Blutdruck. Manchmal erhalten Frauen auch eine Überweisung ins Labor zur Blutabnahme. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich der Arzt/die Ärztin bestimmte Werte wie z.B. Schilddrüsenfunktionswerte oder Eisenwerte ansehen möchten.

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