Plötzlicher Kindstod

Das erste Lebensjahr markiert eine aufregende und spannende Zeit für jede frisch gebackene Familie. Nach einer beidseitigen Gewöhnungsphase gehen tägliche Abläufe schon leicht von der Hand, ein gemeinsamer Rhythmus ist schnell gefunden. In Ausnahmefällen wird dieser jedoch auf schreckliche Art und Weise unterbrochen. Säuglinge, die einen plötzlichen Kindstod erleiden, sterben unerwartet und meist ohne vorangegangene Symptome.

Im medizinischen Sinne spricht man dann von einem SIDS (Sudden Infant Death Syndrome), wenn ein Säugling im Schlaf verstirbt, jedoch keine klar erkennbaren äußeren oder inneren Auslöser für den Tod festgestellt werden können. Der plötzliche Kindstod ist also keine Krankheit, sondern vielmehr ein Überbegriff für Todesfälle im Säuglingsalter, denen auch nach der Obduktion keine eindeutige Ursache zugeordnet werden kann.

Stirbt ein an sich gesundes Baby im Schlaf, ist dies für Eltern und Geschwisterkinder eine dramatische Grenzerfahrung. Es gilt nicht nur, den Tod des eigenen Kindes zu überwinden, sondern auch die Situation in der das Baby im Gitterbett oder Tragetuch tot aufgewunden wurde, zu verarbeiten. In solchen Fällen ist engmaschige Hilfeleistung von außen gefragt: Verwandte und Freunde, als auch PsychologInnen und Kriseninterventionsteams bieten in dieser schweren Zeit Rückhalt und Trost.

Statistische Daten

Bis vor einigen Jahren zählte der plötzliche Kindstod in ganz Europa zu den häufigsten Todesursachen bei Säuglingen. Jedoch zeigten die medizinischen Forschungen zu diesem Thema relevante Fortschritte, wenngleich die Ursachen noch nicht restlos geklärt werden konnten. Die Rate der Säuglingssterblichkeit konnte durch lückenlose Aufklärungsarbeit von Medien, Hebammen und Ärztinnen erfreulicherweise im Laufe der Jahre gesenkt werden. Das gesundheitsstatistische Jahrbuch 2011 der Statistik Austria zeigt, dass 2011 in absoluten Zahlen 15 Säuglinge am plötzlichen Kindstod gestorben sind. Dem gegenüber stehen 78.109 Lebendgeburten im selben Jahr. Es ist also nicht die Häufigkeit des Auftretens, die den plötzlichen Kindstod so beängstigend erscheinen lässt, sondern vielmehr die Tatsache, dass Säuglinge im ersten Lebensjahr so unerwartet versterben können. Grundsätzlich kann der plötzliche Kindstod bis zum ersten Lebensjahr jederzeit auftreten.  Im zweiten und vierten Lebensmonat ist das Sterberisiko jedoch am höchsten. Studien lassen außerdem vermuten, dass männliche Säuglinge häufiger am plötzlichen Kindstod sterben als weibliche.

Suche nach Ursachen

Zahlreiche wissenschaftliche Forschungen, die zum Thema angestellt wurden, zeigen ein und dasselbe Ergebnis: es gibt bestimmte Auslöser, die zu einem plötzlichen Kindstod führen können, aber nicht müssen. ExpertInnen gehen mittlerweile davon aus, dass eine unglückliche Kombination unterschiedlicher Faktoren das Auftreten des Sudden Infant Death Syndroms begünstigt. Selten tritt ein Auslöser alleine auf. Meist endet das Aufeinandertreffen von endogenen und exogenen Faktoren fatal.

Zu den endogenen also inneren Faktoren zählen schwerwiegende Störungen des Atemsystems, des Herzens, der Nerven oder jedoch zentrale Störungen bei der Regulation der Körpertemperatur. Im Großteil aller Fälle bestehen derartige Fehlfunktionen bereits vom Zeitpunkt der Geburt an. Belastungen durch Zigaretten-Rauch, hohe Raumtemperatur und die falsche Liegeposition beim Schlafen werden als exogene (äußere)  Faktoren geführt. Konkret könnte dies also bedeuten: wenn ein Säugling eine angeborene Störung der Atemfunktion hat und zusätzlich regelmäßig in Bauchlage schläft, erhöht dies das Risiko des plötzlichen Kindstodes.

Zusätzlich zu den oben genannten geht ein Risiko von folgenden Faktoren aus:

  • Drogenkonsum der Mutter während und nach der Schwangerschaft
  • Extrem niedriges Geburtsgewicht
  • Geringe Schwangerschaftsabstände bei Mehrfachgeburten
  • Häufiges Auftreten von Harnwegsinfektionen während der Schwangerschaft
  • Familiäre Vorbelastung (Häufung von SIDS-Vorfällen)
  • Atemunregelmäßigkeiten beziehungsweise zu lange Atempausen beim Säugling
  • Vorangegangener ALTE (acute life threatening event) – das bedeutet, das Kind befand sich schon ein oder mehrere Male in einem leblosen Zustand, wurde jedoch immer rechtzeitig wiederbelebt.

Wird bei Untersuchungen das Vorliegen eines erheblichen Risikofaktors festgestellt, kann der Schlaf des Säuglings über einen gewissen Zeitraum hinweg überwacht werden. Dazu werden die Schlaf- und Vitalfunktionen des Kindes über Elektroden gemessen. Stellt das Gerät eine akute Gefährdung fest, setzt es ein Alarmzeichen ab. Solche Maßnahmen geben natürlich auch keine Garantie, können in bestimmten Fällen jedoch sinnvolle Mittel der Präventionsarbeit darstellen.

Prävention

Das Eintreten des plötzlichen Kindstodes ist bedauerlicherweise durch nichts und niemanden zu verhindern. Aus diesem Grund ist dieses Syndrom für viele werdende und frischgebackene Eltern auch so schwer zu begreifen. Einige  fühlen sich ohnmächtig oder verhalten sich übervorsichtig, während es bei anderen noch an Aufklärungsarbeit fehlt. Auch wenn der plötzliche Kindstod MedizinerInnen nach wie vor Rätsel aufgibt, stehen mögliche Auslöser und demnach auch Maßnahmen fest, die Eltern treffen können, um das SIDS-Risiko beim eigenen Baby zu senken.

Richtiges Schlafen

Lange wurde von Hebammen und ÄrztInnen die Bauchlage als ideale Schlafposition für den Säugling propagiert. Mittlerweile haben sich die Empfehlungen jedoch drastisch geändert, da das Schlafen auf dem Bauch das Risiko für einen plötzlichen Kindstod nachweisbar erhöht. Von der Seitenlage ist ebenfalls abzuraten, da sich die Kinder ab einem gewissen Lebensmonat aus dieser Position von selbst schnell auf den Bauch drehen können. Ein Baby sollte daher ausschließlich in Rückenlage liegend schlafen. Ebenso positiv wirkt sich die Verwendung eines Schnullers beim Einschlafen aus.

Rückenlage

Liegend schlafen. Ebenso positiv wirkt sich die Verwendung eines Schnullers beim Einschlafen aus.

Kinderbett reduziert ausstatten

Keine Stofftiere, Kuscheltücher oder Stoffwindeln, die sich das Kind über den Kopf ziehen kann.

  • Für das Baby benötigt man weder einen Kopfpolster noch dicke, extra-Decken.
  • Die Schlafunterlage sollte stets fest und flach sein.
  • Zum Zudecken eignet sich ein spezieller Schlafsack für Babys oder eine dünne Decke.

Raumklima - Körpertemperatur:

Säuglinge benötigen im Normalfall weder dicke Wolldecken noch besonders warme Kleidung. Der Raum in dem das Baby schläft, idealerweise steht das Gitterbett im Schlafzimmer der Eltern, sollte gut gelüftet und moderat temperiert sein (18-20 Grad Raumtemperatur). Die Verwendung einer Schlafhaube ist auch nicht nötig – im Gegenteil. Über den Kopf wird überschüssige Körperwärme reguliert also nach außen geleitet.

Rauchverbot:

Raucht die Mutter während der Schwangerschaft und/oder nimmt der Säugling passiv Nikotin auf, erhöht dies das Risiko für das Auftreten von SIDS erheblich. Als besonders gefährdend gelten in diesem Zusammenhang die erhöhte Konzentration von Kohlenmonoxid und Cotinin im Organismus des Babys. Dadurch können Atemstillstände und verzögerte Aufwachreflexe hervorgerufen werden.

 

Wissenschaftlich noch nicht hinlänglich bewiesen, wird dennoch vermutet, dass Stillen sowie körperliche Nähe und Aufmerksamkeit risikominimierend auf das Syndrom des plötzlichen Kindstodes wirken. Säuglinge, die massive Entbehrungen in Bezug auf elterliche Zuwendung erleben müssen, erleiden häufiger einen plötzlichen Kindstod als andere Babys.

Trauer und Verarbeitung

Ist eine Familie vom plötzlichen Kindstod betroffen, stellt dies einen traumatischen Einschnitt im Leben aller Beteiligten dar. Eltern und Geschwisterkinder verarbeiten auf unterschiedlichste Art und Weise und in ungleichem Tempo. Selbsthilfegruppen, Sitzungen bei TherapeutInnen, Gespräche mit Verwandten/Freunden oder die Elterninitiative „SIDS Austria“ helfen in der Trauerphase sowie bei der Aufarbeitung.

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