Reboarder: Rückwärtsgerichteter Kindersitz im Auto

Wenn dein Baby das Licht der Welt erblickt, benötigt es eine sichere Transportvorrichtung im Auto. In den ersten Monaten verwendet man dafür üblicherweise eine Babyschale, die entgegen der Fahrtrichtung im Auto montiert wird. Dein Baby nimmt darin eine angenehme Position ein. Ab einem Gewicht von etwa 9 kg erfolgt dann der Umstieg auf die nächst größere Kindersitzgruppe. Immer beliebter werden dabei sogenannte Reboarder. Wir erzählen dir, was du über die rückwärtsgerichteten Kindersitze wissen musst, welche Vorteile die Montage eines Reboarders mit sich bringt und wie gängige Modelle in aktuellen Crashtests abschneiden.

Von Autofahrerklubs empfohlen

Hierzulande sind Reboarder erst seit einigen Jahren ein Begriff – in Skandinavien hingegen werden Kinder seit Jahren ausschließlich rückwärtsgerichtet transportiert. Sitzt dein Baby entsprechend gesichert entgegen der Fahrtrichtung im Auto, minimiert diese Position das Verletzungsrisiko bei einem Unfall. Seit den 1990-Jahren gelten Reboarder daher als sicherer Standard in Schweden, der sich immer stärker auch im restlichen Europa zu etablieren scheint. Wenn du von einer Babyschale, die ohnehin rückwärts gerichtet im Auto positioniert wird, auf einen Reboarder umsteigst, muss sich dein Kind nicht einmal umgewöhnen. Schließlich kennt es von Geburt an keine andere Art des Transportes.

Anstelle einer Babyschale kannst du gewisse Reboarder-Modelle auch schon von Geburt an verwenden. Du musst allerdings darauf achten, dass sie für Neugeborene zugelassen sind und über eine entsprechende Neugeboreneneinlage verfügen. Folgende Bestimmungen solltest du beim Umstieg auf die nächst größere Kindersitzgruppe im Kopf behalten:

  • Die „i-Size“ Regelung, die zur EU-Norm ECE R129 gehört, sieht vor, dass Kinder bis zu einem Alter von 15 Monaten oder maximal 13 Kilogramm immer entgegen der Fahrtrichtung befördert werden müssen. I-Size- zertifizierte Sitze sind also Reboarder. Die i-Size Norm gilt seit 18.11.2014.
  • Ebenso gültig für Autokindersitze ist derzeit noch die Norm ECE R-44-04. Sie sieht die rückwärtsgerichtete Sicherung eines Kindes bis zum Gewicht von 9 kg vor.

Sichere Alternative zu herkömmlichen Autokindersitzen

Reboarder-Kindersitze galten eine Zeit lang als Modeerscheinung. Mittlerweile wurden jedoch viele gängige Modelle in Crash- und Sicherheitstests von Autofahrerclubs und Konsumentenschützern aufgenommen. ExpertInnen sind sich aufgrund der Ergebnisse einig, dass Kinder idealerweise auch nach dem 15. Lebensmonat im Reboarder transportiert werden sollen. Grundsätzlich können sie sogar bis zum vierten Lebensjahr in einem Sitz, der gegen die Fahrtrichtung montiert wird, Platz nehmen. Es gibt jedoch Kinder, die dies ab einem gewissen Alter ablehnen oder die beim Fahren unter Übelkeit leiden. Autofahrerclubs geben daher die offizielle Empfehlung aus, Kinder so lange wie möglich in einem Reboarder zu transportieren, da sie gemeinhin sicherer sind als vorwärtsgerichtete Autokindersitze.

Zu den wichtigsten Sicherheitsaspekten eines Reboarders zählen:

  1. Bei einem Frontalcrash ist dein Kind im Reboarder besser geschützt. Das liegt daran, dass jene Kräfte, die bei einem Unfall auf den Körper des Kindes einwirken, anders verteilt werden. In einem herkömmlichen Kindersitz wird nicht nur der Korpus deines Kindes, sondern auch sein Kopf erheblich nach vorne geschleudert.
    Das wirkt sich insofern stärker aus, da der Kopf bei Kindern bis zu einem Alter von sechs Jahren im Verhältnis viel größer ist als der restliche Körper. Das Gewichtsverhältnis zwischen Kopf und Körper liegt bei einem 5-Jährigen beispielsweise bei 25%. Kommt es zu einem Frontalaufprall, während dein Kind in einem Reboarder sitzt, wird es nicht nach vorne geschleudert, sondern gewissermaßen in den Sitz gedrückt. Dadurch verteilen sich die Kräfte gleichmäßiger auf den Rückenbereich. Das Risiko für schwere Verletzungen im Kopf-, Nacken- und Wirbelsäulenbereich verringert sich.
  2. Reboarder haben auch bei einem seitlichen Aufprall gute Ergebnisse in Punkto Schutz und Sicherheit.
  3. Reboarder werden üblicherweise mittels ISOFIX angebracht. Dabei klickst du metallische Arme/Vorrichtungen, die am Kindersitz angebracht sind, in die entsprechende ISOFIX-Vorrichtung (zwei Metallbügel) an der Rückbank im Auto. Bei einem Unfall ist der Kindersitz dadurch sehr sicher verankert, da er direkt mit der Karosserie des Wagens verbunden ist.
  4. I-Size-genormte Reboarder (Kindersitze) müssen verpflichtend Seitenaufpralltests absolvieren (zusätzlich zu den frontalen Aufpralltests).
  5. Wenn du den Reboarder am Vordersitz anbringst, musst du unbedingt den Front-Airbag deaktivieren.

Was du beim Kauf eines Reboarders beachten solltest

Wenn du dich für einen Reboarder entscheidest, solltest du dir Gedanken darüber machen, ob du ihn von Geburt an oder erst nach ein paar Monaten verwenden willst. Es gibt mittlerweile einige Modelle, die gewissermaßen mit deinem Kind mitwachsen. Wird ein Neugeborenes transportiert, ist dafür eine spezielle Einlage vorgesehen. Mit der Zeit kann dein Kind dann ohne Einsatz im Reboarder sitzen. Wenngleich Autofahrerclubs die rückwärtsgerichteten Sitze grundsätzlich empfehlen, gibt es ein paar Dinge, die du beherzigen solltest, um im Alltag viel Freude an deinem Reboarder zu haben:

  • Manchmal sind Rückbänke etwas schmal (vor allem bei kleineren Autos). Überprüfe also, ob in deinem Auto genug Platz für die Montage des Reboarders Dann kann der Sitz nur befestigt werden, wenn der Beifahrersitz sehr weit nach vorne geschoben wird. Das beeinträchtigt den Fahrkomfort des Beifahrers.
  • Vereinbare einen Termin bei einem Fachhändler oder einem Autofahrerclub. Dann bekommst du die Möglichkeit, den Sitz deiner Wahl probeweise in deinem Auto zu montieren.
  • Unerlässlich ist die korrekte Anbringung des Reboarders in deinem Wagen. Während die Montage mittels ISOFIX bzw. gemäß i-Size-Norm zumeist relativ problemlos möglich ist, solltest du dich bei davon abweichenden Montagesystemen unbedingt bei einem Experten/einer Expertin erkundigen.
  • Besonders komfortabel sind Reboarder, die sich in Richtung Autotür drehen lassen. Dadurch ist es viel einfacher für dich, dein Baby in den Kindersitz zu setzen und es mit Gurten entsprechend zu sichern. Sobald dein Kind angeschnallt ist, drehst du den Sitz einfach bis er entgegen der Fahrtrichtung zeigt.
  • Sofern dein Kind es akzeptiert, können Reboarder bis zu einem Alter von vier Jahren oder einem Gewicht von 36 kg oder einer Körpergröße von 105 cm verwendet werden.

Checkliste: Kindersitzkauf

Welche Kindersitzgruppe braucht mein Kind? Wie wird der Sitz im Auto befestigt? Sind die Bezüge abnehmbar und waschbar? All diese Fragen stellen sich, wenn du eine Babyschale oder den ersten Kindersitz für dein Kind besorgst. Damit du gut informiert bist und das richtige Modell findest, hilft dir unsere Checkliste mit den wichtigsten Punkten, die du beim Kauf beachten solltest. Ideal zum Ausdrucken:

Checkliste herunterladen

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 7 plus 4.

Mehr erfahren:

Der Alltag mit dem Neugeborenen

Nach neun Monaten ist es endlich soweit: die Geburt ist überstanden, die frischgebackenen Eltern und der Nachwuchs haben sich schon ein wenig kennengelernt, das Glück über den gesunden Neuankömmling lässt alle Strapazen der vergangenen Stunden und Monate vergessen. Nun gilt es, sich auch in den eigenen vier Wänden auf die neue Situation einzustellen.

Weiterlesen

Die Stillberaterin – So unterstützt sie dich beim Stillen

Stillen wird gerne als „die natürlichste Sache der Welt“ bezeichnet – und wenngleich wir da auch zustimmen würden, wissen wir dennoch, dass eine erfolgreiche Stillbeziehung nicht selbstverständlich ist. Als frisch gebackene Mama bist du vielleicht unsicher, geschwächt von der Geburt oder einfach noch nicht in deiner neuen Rolle angekommen. Das ist vollkommen in Ordnung – nimm dir die Zeit, die du brauchst. Für einen sanften Stillstart empfehlen wir dir, dich schon während der Schwangerschaft zu erkundigen, wer dich beim Stillen professionell unterstützen kann.

Weiterlesen

Familienbett und Co-Sleeping

Egal ob es um Einschlafen oder um Durchschlafen geht, der Schlaf ihrer Kleinsten ist für alle Eltern ein wichtiges Thema. Schließlich sind sie es, die von den Gewohnheiten ihres Nachwuchses direkt betroffen sind. Während unsere Mütter und Väter in Punkto Schlafen keine spezielle Strategie verfolgten, gibt es heutzutage zahlreiche Ansätze und Erziehungstheorien, die sich mit dem kindlichen Ruhebedürfnis beschäftigen.

Weiterlesen

Babyhaut im Sommer: Sonnenschutz und Pflegetipps

Die Tage werden länger und schon bald steht er vor der Tür: der Sommer. Nicht nur Eltern freuen sich über die ersten Sonnenstrahlen, auch für Babys und Kleinkinder ist es wichtig, Zeit im Freien zu verbringen. Die frische Luft tut dem Nachwuchs gut, die Sonne wärmt und das Planschen im kühlen Nass macht Spaß. Wenn es um das Thema Hautpflege geht, dann spielt im Sommer der Sonnenschutz eine große Rolle, aber auch die allgemeine Pflegeroutine sollte ein wenig an die Jahreszeit angepasst werden. Wir haben ein paar Tipps für dich gesammelt und alle wichtigen Informationen zusammengetragen, wie du dein Baby oder Kleinkind am besten vor Sonnenstrahlung schützen kannst.

Weiterlesen

Melde dich zum Schwanger.at Newsletter an – dich erwarten spannende Artikel, Produkttests und Gewinnspiele!

Bitte addieren Sie 9 und 2.