Tragen eines Neugeborenen

Wenn du dich gerade im Wochenbett befindest, stellst du dir vielleicht die Frage, ob du es schon in einem Tragetuch oder einer geeigneten Babytrage tragen darfst. Natürlich kannst du dein Baby schon gemütlich in ein Tuch wickeln – es wirkt sich sogar positiv auf die Entwicklung deines Säuglings aus und gibt ihm ein Stück Geborgenheit, das er noch aus dem Mutterleib kennt. Wichtig ist jedoch, gewisse Regeln zu beachten, da sich dein Baby wenige Tage nach der Geburt einfach noch nicht selbst stabilisieren kann und besondere Zuwendung benötigt.

Ab wann darf ich mein Baby tragen?

Kinder sind Traglinge und auf das Getragen werden von Beginn an angewiesen. Auch ihr biologischen Merkmale zeigen das. Zudem genießen sie gerade in der ersten Zeit nach der Geburt die Nähe zur Mama beziehungsweise zu einer vertrauten Bezugsperson. Babys brauchen den Körperkontakt, um in dieser für sie vollkommen fremden Welt ankommen zu können. Wenn du dein Baby viel bei dir hast, ganz egal ob es in deinen Armen liegt oder du es Bauch-an-Bauch in ein Tuch wickelst, gibst du ihm Halt und vermittelst Geborgenheit.

Gesunde Säuglinge, die mit einem Gewicht von drei Kilogramm oder mehr geboren werden, kannst du jederzeit in ein Tragetuch oder eine Babytrage einkuscheln. Es gibt auch Tragen und Bindeweisen, die für Frühchen und Babys mit einem Gewicht unter 2,5 kg geeignet sind. Grundsätzlich gilt: Schwache oder zu früh geborene Kinder profitieren enorm vom Körperkontakt, der durch das Tragen entsteht. Allerdings haben sie auch spezielle Bedürfnisse, da sie eben noch nicht so robust sind. Bevor du mit dem Tragen beginnst, solltest du dich an eine/n TrageberaterIn wenden. Sie kann dir spezielle Bindeweisen zeigen, die in der ersten Zeit optimal für dich und dein Baby sind.

Wichtig: Es spielt auch eine Rolle, wie du dich fühlst und ob du schon bereit bist, dein Baby zu tragen. Dein Haltungsapparat ist noch geschwächt, die Bauch- und Rückenmuskeln müssen sich erst regenerieren, die Gebärmutter bildet sich zurück und auch dein Beckenboden darf sich erholen. Vorsicht ist nach einem Kaiserschnitt geboten. Die allgemeine Empfehlung lautet ja, einige Wochen nicht schwer zu heben und auch die Kaiserschnittnarbe nicht zu belasten. Das Gewicht deines Kindes ist dir im Normalfall jedoch zuzumuten, das bedeutet, dass du im Grunde tragen dürftest. Achte darauf, dass das Tragetuch nicht auf deine Narbe drückt und du ausreichend Pausen einlegst, wenn es dir zu anstrengend wird. Es empfiehlt sich, die Trageeinheiten langsam zu steigern und dein Baby zwischendurch auch immer wieder abzulegen.

TragetĂĽcher fĂĽr Neugeborene

Ob du nach der Geburt ein Tragetuch oder eine Tragehilfe verwendest, hängt davon ab, was für dich und dein Baby stimmig ist. TrageberaterInnen raten in den ersten Wochen zumeist zum Tuch, da du es individuell an die Bedürfnisse bzw. den Körper deines Babys anpassen kannst. Wichtig ist, dass du die Wickeltechnik gut beherrscht – es gibt Anleitungsvideos der Hersteller oder aber auch von TrageberaterInnen. Wenn du möchtest, kannst du auch vor der Geburt eine Beratungseinheit bei einer Tragespezialistin buchen oder du suchst dir eine Hebamme, die sich beim Thema Tragen gut auskennt. Je sicherer du beim Binden bist, desto mehr Vergnügen wirst du dabei haben, ein Tragetuch zu verwenden. Dein Baby muss sicher und fest eingebunden sein, am besten eignen sich dafür die Wickelkreuztrage sowie die Känguru-Bindeweise.

Achte darauf, dass der Kopf deines Babys nicht hängt oder wegkippen kann, schließlich ist die selbstständige Kopfkontrolle bei einem Neugeborenen noch nicht gegeben. Du kannst deinen Schatz auch in einem RingSling tragen. Das ist ein kurzes Tragetuch, bei dem dieses durch zwei Ringe gezogen wird. Du kannst es sehr schnell anlegen, es ist für Neugeborene und auch für Frühchen geeignet.

Tipp: Ringslings und Tragetücher gibt es in unterschiedlichen Längen. Welche Variante für dich die Richtige ist, hängt von deiner Körpergröße und deinem Körperbau ab. Lass dich vom Hersteller oder von einer/m TrageexpertIn beraten. Tragetücher gibt es nicht nur in unterschiedlichen Längen, sondern auch aus verschiedensten Stoffen. Grundsätzlich muss dir der Stoff zusagen, ganz gleich, ob es sich um ein dickeres oder ein dünneres Material handelt. Üblicherweise werden feste Stoffe empfohlen, im Gegensatz zu sogenannten elastischen Tragetüchern. Letztere sind sehr weich und flexibel, bieten dadurch aber nur einen sicheren Halt, wenn sie ordentlich gebunden werden.

Tragen von FrĂĽhchen

Wenn dein Kind zu früh geboren wurde, kannst du es dennoch tragen – wann du damit jedoch beginnst, hängt von vielen Faktoren ab. Dein gesundheitlicher Zustand spielt ebenso eine Rolle wie die Verfassung deines Babys. Wenn dein Baby auf der Neonatologie versorgt wird, bist du auf die Kooperationsbereitschaft des Pflegepersonals angewiesen. Es ist durchaus möglich, trotz Sonde, Monitor oder anderer medizinischer Geräte dein Baby in einem Tuch oder RingSling zu tragen. Sprich darüber mit dem Personal auf der Station und wende dich gegebenenfalls an eine/n TrageberaterIn, die auf diesem Gebiet Erfahrung mitbringt. Gerade für zu früh geborene Kinder ist der Känguruh-Effekt, der beim Tragen entsteht, besonders wichtig. Sie benötigen eine Extra-Portion Wärme, Nähe und Geborgenheit. Wenn sie sich in so engem Kontakt mit der Mama oder dem Papa befinden, hilft es ihrem Körper, Herzschlag und Atemrhythmus zu regulieren, da sie sich automatisch an die Bezugsperson anpassen. Das Tragen im Tuch fördert die Bindung von Mutter und Kind, außerdem bietet es deinem Baby Schutz in einer Welt, die es als Frühchen ohnehin überfordert.

Tipp: Ein Frühchen zu tragen, kann sich positiv auf die Gesundheit und die Entwicklung deines Babys auswirken. Es gibt jedoch bestimmte Regeln, die unbedingt befolgt werden müssen, um die Stabilität und Sicherheit des zarten Wesens zu gewährleisten. Babys, die ein wenig oder viel zu früh geboren werden, sind oftmals zu zart für herkömmliche Tragetücher oder RingSlings. Gewisse Hersteller bieten daher schmälere Modelle an, die speziell auf die Bedürfnisse von Frühchen abgestimmt sind, z. B. von Fidella oder elastische Tücher von ErgoBaby.

"Känguruhen" als bindungsfördernde Maßnahme

Gut zu wissen: Wenn dein Baby zu früh das Licht der Welt erblickt, ist die Überforderung groß. Schließlich habt ihr euch die erste Zeit mit eurem Schatz anders vorgestellt, das Wochenbett vermutlich schon in den eigenen vier Wänden geplant. Stattdessen verbringt ihr nun viel Zeit auf der Frühchen-Station, während euer Baby in einem Inkubator versorgt wird und an medizinische Geräte angeschlossen ist. Es ist normal, dich hilflos und verzweifelt zu fühlen. Auch für dein Baby ist das nun eine sehr sensible Zeit, in der es vielen Eindrücken, Reizen und vielleicht sogar Eingriffen ausgesetzt ist. Selbst wenn du das Gefühl hast, jetzt nicht ausreichend für dein Baby da sein zu können, es gibt es Wege, die Nähe zu deinem Kind ermöglichen.

Das sogenannte „Känguruhen“ ist eine bindungsfördernde Maßnahme für Eltern und Kind, die mittlerweile auf allen Frühchenstationen zur Anwendung kommt. Unter Anleitung des Stationspersonals wird dir dein Baby auf die nackte Brust gelegt. Wenn es der gesundheitliche Zustand erlaubt, könnt ihr so ein paar Stunden miteinander verbringen. Das gilt auch für den Papa. Der intensive Hautkontakt beruhigt dein Baby, reduziert Stress und ermöglicht ein Nachholen des Bondings. Dein Baby orientiert sich an deinem Herzschlag, wenn es auf dir liegt und die enge Bindung über die Haut hilft ihm dabei, seinen eigenen Herzschlag zu regulieren. Ein weiterer Vorteil des Känguruhens ist es, dass Mamas mit Unterstützung der Hebamme oder einer Stillberaterin immer wieder versuchen können, das Frühchen an die Brust zu bringen, sofern es noch nicht zu schwach ist, um zu saugen.

Bonding

Das sogenannte Bonding ist ein wesentliches Element in der Bindung zwischen Mama/Papa und ihrem Kind. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Bindung, Verbindung, aber auch Kleben. Das erste Bonding findet direkt nach der Geburt statt, wenn ein Baby auf den Bauch der Mutter gelegt wird. Dadurch schütten beide Bindungshormone aus, lernen sich kennen und treten zum ersten Mal außerhalb des Mutterleibs miteinander in Kontakt. Dem Neugeborenen vermittelt es Schutz und Geborgenheit, die Mutter knüpft dadurch sofort ein Band mit ihrem Nachwuchs. Die Bondingphase nach der Geburt sollte idealerweise ungestört und frei von medizinischen Interventionen ablaufen. Etwa zwei Stunden gelten als ideal. Erfolgreiches Bonding wirkt sich positiv auf die Anpassungsleistung des Babys sowie aufs Stillen aus. Bonding ist auch nach einem Kaiserschnitt möglich – wenn du dir das wünschst, deponiere das vorm Termin bei deinem Geburtsteam.

Tipp: Bonding beschränkt sich nicht nur auf die Mama. Wenn es Komplikationen gab oder du im Kreißsaal nachversorgt werden muss, kann den ersten intensiven Hautkontakt auch der Papa übernehmen. Für dein Baby macht es keinen Unterschied, ob die liebende Bezugsperson, die es in dieser Welt willkommen heißt, männlich oder weiblich ist.

Trageberaterin Michaela Lehner zeigt in diesem BABY ACADEMY-Vortrag, warum Säuglinge aus evolutionsbiologischer Sicht „Traglinge“ sind und in welchen Alltagssituationen das Tragen eines Babys eine besonders wertvolle Unterstützung darstellt. Außerdem hebt sie die positiven Effekte des Tragens in Punkto Bindung, Vertrauensaufbau und Geborgenheit hervor:

ExpertInnen-ĂśberprĂĽfung durch

Michaela Lehner

Michaela Lehner

Zertifizierte Trageberaterin, Leiterin von Die Trageschule® Österreich und Schweiz und Obfrau des Dachverbands österreichischer Trageschulen. Seit 2004 beschäftigt sie sich mit dem gesunden Tragen von Babys und Kleinkindern und war maßgeblich am Aufbau des österreichischen Trageberatungs-Netzwerks beteiligt.

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