Alkohol in der Schwangerschaft

Monatelang blieb der Kinderwunsch unerfüllt. Dann steht der Geburtstag der besten Freundin an. Für einen Abend abschalten und ausgelassen feiern - und schon hat man das eine oder andere Glas zu viel erwischt. Wenige Tage später hält man unerwartet dann doch den sehnlichst gewünschten positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Und plötzlich stellt sich die Frage: Hat das ungeborene Baby bereits unter den Folgen des Alkoholkonsums zu leiden?

Alkohol in der Schwangeschaft

Alkohol im Blutkreislauf

Trinkt eine Schwangere Alkohol, so gelangt dieser in ihren Blutkreislauf - und in weiterer Folge über die Plazenta auch in den Blutkreislauf ihres ungeborenen Kindes. Somit ist der Fötus stets dem selben Blutalkoholspiegel ausgesetzt wie die werdende Mutter. Lediglich kurz nach der Befruchtung, also bis zur inkl. dritten Schwangerschaftswoche - der ersten der embryonalen Entwicklung - besteht noch keine direkte Verbindung zwischen der werdenden Mutter und der befruchteten Eizelle, da sich bis zu diesem Stadium die Plazenta erst entwickelt.

Noch vor Ausbleiben der Periode beginnt allerdings der Blutkreislauf zu funktionieren, somit kann Alkohol bereits dann die embryonalen Zellen geschädigt haben.

Ärzte betonen in diesem Zusammenhang aber das “alles oder nichts”-Prinzip, das für die gesamte Frühschwangerschaft gilt. Erfolgte in den ersten Tagen der embryonalen Entwicklung ein fehlerhafter Ablauf der Zellteilung und des Zellwachtums - sei es durch äußere Einflüsse wie Alkohol oder durch ein natürliches Phänomen - entwickelt sich der Embryo normalerweise nicht weiter und es kommt zu einem Abort. In vielen Fällen geschieht dies um den Zeitpunkt der erwarteten Periode, so dass den meisten Frauen die Fehlgeburt gar nicht als solche bewusst wird.

Wie wirkt Alkohol auf die embryonale Entwicklung?

Beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen giftige Abfallprodukte, die die embryonalen Zellen angreifen und in ihrem Wachstum beeinträchtigen. Das kindliche Gewebe entwickelt sich dadurch fehlerhaft oder nicht ausreichend. Das Gehirn ist dabei besonders gefährdet, da diese Abbauprodukte wie ein Nervengift wirken.

Im Gegensatz zu der Leber eines Erwachsenen ist die embryonale Leber nicht ausgereift. Gelangt Alkohol über das Blut der werdenden Mutter in den Körper des ungeborenen Kindes, verlangsamt sich sein Abbau. Der Alkohol konzentriert sich und seine giftigen Eigenschaften wirken dadurch länger auf die embryonalen Zellen ein.

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Welche Nährstoffe in der Schwangerschaft?

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Welche Schäden verursacht Alkohol?

Sowohl Alkohol selbst als auch sein Abbauprodukt, Acetaldehyd genannt, gelangen über den Blutkreislauf der Schwangeren in den Körper ihres ungeborenen Kindes. Je nachdem, in welchem Entwicklungsstadiumsich der Fötus gerade befindet, treten unterschiedliche Formen von alkoholbedingten Schädigungen der embryonalen Zellen auf.

In den ersten drei Monaten bewirkt Alkohol meist körperliche Schädigungen, danach zeigt sich übermäßiger Alkoholkonsum während der Schwangerschaft vor allem in der geistigen Entwicklung des Kindes.

Zu den häufigsten körperlichen Merkmalen einer vorgeburtlichen Alkoholvergiftung zählen Anomalien der Gesichtsformen, Kleinwüchsigkeit, verschiedene Fehlbildungen der inneren Organe und ein verminderter Kopfumfang. Im Rahmen der geistigen Entwicklung kommt es zu messbar verminderter Intelligenz sowie zu Verhaltensauffälligkeiten. Alle diese Merkmale werden als fetale Alkoholeffekte zusammengefasst. Rund vier bis fünf von 1.000 Neugeborenen weisen derartige Effekte auf.

Trinkt eine schwangere Frau nur selten Alkohol oder nur geringe Mengen davon, sind diese Merkmale oft nur sehr leicht ausgeprägt und können nicht mehr eindeutig auf den Alkoholkonsum der Mutter zurückgeführt werden. Die Dunkelziffer der betroffenen Kinder ist somit höher.

Bei regelmäßigem Alkoholkonsum der Schwangeren tritt meist eine Kombination aus körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen auf. Dies wird als fetales Alkoholsyndrom bezeichnet. Etwa einer von 1.000 Säuglingen wird mit derart schweren Alkoholschädigungen geboren.

Da die Art der von Alkohol verursachten embryonalen Schädigungen je nach Entwicklungsstadium variiert, zahlt sich ein Verzicht auf Alkohol zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft aus. Hat eine Frau beispielsweise erst sehr spät eine Schwangerschaft bemerkt und bis dahin regelmäßig Alkohol zu sich genommen, schützt sie ihr Kind vor möglichen weiteren Vergiftungserscheinungen, wenn sie ab diesem Zeitpunkt darauf verzichtet.

Wie viel Alkohol ist “erlaubt”?

Aus medizinischer Sicht gilt: Schwangere sollten gänzlich auf Alkohol verzichten. Da der Abbau von Alkohol im Körper individuell verschieden ist - sowohl bei der werdenden Mutter als auch beim Fötus - lässt sich keine “sichere” Menge festlegen.

Ärzte gehen davon aus, dass es ab rund 48 bis 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag zu fruchtschädigenden Effekten kommt. Das entspricht beispielsweise einem Liter Bier oder einem halben Liter Wein. Doch bereits ein tägliches Glas Wein erhöht die Wahrscheinlichkeit auf körperliche oder geistige Anomalien.

Regelmäßiger Genuss von geringen Alkoholmengen ist dabei risikoärmer als der gelegentliche Konsum größerer Mengen Alkohols.

In welcher Form man den Alkohol zu sich nimmt, ist dabei egal. Nur die Menge ist ausschlaggebend. Ein kleiner Schuss Rum in einer Torte macht dem ungeborenen Baby nichts aus, auf die ganze Flasche Wein dazu sollte man verzichten. Man muss allerdings beachten, dass ein Glas Hochprozentiges mehr Alkohol beinhaltet als ein Glas Bier oder Wein.

Hat eine Schwangere Bedenken, ob vorangegangener Alkoholkonsum bereits negative Folgen für ihr ungeborenes Kind hatte, empfiehlt es sich, ärztlichen Rat einzuholen. Eine Auflistung, wann und wie viel Alkohol konsumiert wurde, ist dabei hilfreich. Ein Arzt kann einschätzen, ob die Möglichkeit einer Fruchtschädigung besteht, und bei Bedarf im weiteren Schwangerschaftsverlauf verstärkt auf entsprechende Merkmale beim Fötus achten.

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