Muttermilch & Stillen

Es ist die natürlichste und manchmal auch komplizierteste Sache der Welt: die Versorgung des Säuglings mit Muttermilch. Sofern aus medizinischen Gründen nichts dagegen spricht, entscheidet sich der Großteil aller Mütter dafür, ihr neugeborenes Baby zumindest bis zum vollendeten 6. Lebensmonat zu stillen.

Die Stilldauer ist jedoch individuell unterschiedlich und hängt davon ab, wie harmonisch sich die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind gestaltet. ExpertInnen sind sich mittlerweile einig, dass vor allem im ersten Lebensjahr jeder Tag, an dem gestillt wird, wertvoll ist. Selbst wenn es nur 3 Monate klappt, werden dem Kind in dieser Zeit schon wichtige Nähr-und Abwehrstoffe mit auf den Weg gegeben. Für frisch gebackene Mamas bedeutet die intensive Versorgung des eigenen Nachwuchses eine große Umstellung – diese wird leichter zu bewältigen, wenn man versteht, was im eigenen Körper passiert.

Veränderung der Brüste

Bereits während der Schwangerschaft bereitet sich das Drüsengewebe auf die spätere Versorgung des Kindes vor. Erste Anzeichen gibt es dafür schon in einer sehr frühen Schwangerschaftsphase. Die Brüste wirken praller und sind berührungsempfindlicher. Im Laufe der Monate verändert sich auch das Erscheinungsbild der Brüste. Sie werden größer, Brustwarzen und Vorhöfe verdunkeln sich, durch die verbesserte Durchblutung treten die Adern rund um die Brüste stärker hervor als sonst, die Haut wirkt dünner/durchscheinender. Dafür verantwortlich zeichnen die Hormone Östrogen, Progesteron und Prolaktin. Unter der Hormoneinwirkung bedarf die ohnehin schon empfindliche Region rund um die Brust einer besonderen Pflege. Brustwarzen und Brustwarzenvorhöfe trocknen manchmal stark aus. Dadurch werden sie rissig und es entsteht ein Juckreiz. Wer die Brüste regelmäßig eincremt (z.B. mit einer Bepanthen-Salbe) oder einölt (z.B. mit einem Schwangerschaftsöl), kann nicht nur dem Spannungsgefühl sondern auch Dehnungsstreifen vorbeugen.

Die Milchdrüsen beginnen zwischen dem vierten und fünften Schwangerschaftsmonat mit der Arbeit. Sie produzieren die so genannte Vormilch, auch Kolostrum genannt. Es handelt sich hierbei um sehr nahrhafte Muttermilch, die jedoch nur in geringen Mengen vorhanden ist, da bestimmte Hormone die Produktion vorerst noch hemmen. Gegen Ende der Schwangerschaft tritt die Vormilch gelegentlich von selbst oder beim Massieren der Brust aus. Einige Hebammen empfehlen, diese Milch zur Pflege der Brustwarzen und umliegenden Haut zu verwenden. Das Kolostrum wird bis zur Geburt im Drüsengewebe hergestellt, bis zum dritten Lebenstag wird das Kind damit genährt. Die Ausschüttung wird durch das erste Anlegen des Kindes angeregt. Der Saugreflex signalisiert dem Körper, dass er nun ein kleines Wesen zu versorgen hat und dafür entsprechend viel Milch benötigt wird.

Zusammensetzung der Milch

Muttermilch ist nicht gleich Muttermilch. Vor der Schwangerschaft und in den ersten 2 Wochen nach der Entbindung verändert sich die Zusammensetzung der Milch. In dieser Phase passt sie sich nämlich den Bedürfnissen des Neugeborenen an.

Die bereits erwähnte Vormilch ist vom Farbton eher gelblich, reich an Nährstoffen aber leicht verdaulich, um das Verdauungssystem des Babys nicht zu überlasten. Sie enthält einen hohen Anteil an Abwehrstoffen und Immunglobulinen, diese schützen das Neugeborene vor Keimen, Viren und Infektionen. Die Vormilch regt außerdem die erste Ausscheidung (= Kindspech) an.

Die so genannte Übergangsmilch überbrückt die Zeit bis zur Produktion der reifen Muttermilch. Sie wird ab dem dritten Tag nach der Geburt gebildet und bis zur zweiten Lebenswoche an das Kind weitergegeben. Etwa 14 Tage nach der Entbindung wird die reife Muttermilch (Frauenmilch) gebildet. Sie enthält viele Kalorien, wichtige Vitamine, Spurenelemente und Nährstoffe (z.B. Zink, Mangan, Vitamin K, Biotin) und bleibt bis zum Abstillen in der Zusammensetzung unverändert.

Bei der reifen Milch unterscheidet man während dem Stillvorgang Vordermilch und Hintermilch. Die Vordermilch besteht aus den angesammelten Milchresten des letzten Stillvorgangs. Sie ist dünn, weißlich und nur mäßig sättigend. Daher wird sie auch gerne mit einer Vorspeise verglichen. In diesem Sinne ist die Hintermilch die Hauptspeise. Sie ist vergleichsweise fett und dickflüssig, an ihr können sich Säuglinge richtig satt essen. Qualität und Kaloriengehalt der Muttermilch sind natürlichen Schwankungen unterlegen. Faktoren wie Tageszeit, Stillintervalle, Gesundheit der Mutter oder Stress spielen dabei eine große Rolle.

Vorteile des Stillens

Die positiven Effekte des Stillens gelten mittlerweile auch in medizinischen Fachkreisen als unumstritten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in den ersten 6 Lebensmonaten das Kind ausschließlich mit Muttermilch zu versorgen. Vorteile gibt es sowohl auf physiologischer als auch auf psychischer Ebene:

  • ErnährungsexpertInnen gehen davon aus, dass Muttermilch alle Stoffe (Vitamine, Mineralien etc.) enthält, die ein Kind in den ersten Monaten benötigt, um sich gesund entwickeln und wachsen zu können.
  • Über die Muttermilch werden wichtige Immun-Abwehrstoffe von der Mutter an das Kind übertragen. Der Säugling ist dadurch gegen Erreger und Keime geschützt.
  • Muttermilch ist leicht verdaulich.
  • Muttermilch ist (feste) Nahrung und Flüssigkeit in einem.
  • Stillen ist gleichzeitig eine Prävention späterer Allergien beim Kind.
  • Die Bindung (Bonding) zwischen Mutter und Kind wird gestärkt.
  • Stillen wirkt sich positiv auf die Entwicklung des kindlichen Kiefers aus.
  • Stillen unterstützt den Rückbildungsprozess des Körpers nach der Schwangerschaft.

Unterstützung durch Hebamme oder Stillberaterin

Wenngleich es sich beim Stillen um einen natürlichen Prozess handelt, fühlen sich viele Mütter in Anbetracht der ungewohnten Aufgabe dennoch überfordert. In vielen Krankenhäusern gibt es mittlerweile spezielle Stillberaterinnen, die stillende Mütter in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt unterstützen. Sie helfen beim Anlegen des Kindes an die Brust, zeigen unterschiedliche Stillpositionen und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Das Gleiche gilt für Hebammen. Sie haben einen großen Erfahrungsschatz und stehen oft weit über das Wochenbett hinaus als Beraterinnen zur Verfügung. Kommt es zu Stillproblemen wie beispielsweise Milchstau, Entzündungen der Brust oder wunde Brustwarzen empfehlen sie bewährte Hausmittel oder aber auch (falls erforderlich) den Gang zum Arzt/zur Ärztin. Hebammen und Stillberaterinnen sind kompetente Ansprechpartnerinnern in unterschiedlichsten Situationen und für alle individuellen Fragen rund ums Stillen. Mütter sollten also nicht zögern, entsprechende Beratungsangebote auch tatsächlich anzunehmen.

Stillgruppen

Eine weitere Möglichkeit Gleichgesinnte zu treffen und Erfahrungen auszutauschen sind Stillgruppen. Hierbei handelt es sich um Gruppen, die regelmäßig Treffen veranstalten, um sich gegenseitig bei Stillproblemen zu unterstützen. Thematisiert werden all jene Fragen, die frisch gebackene Mütter oder Eltern in den ersten Lebensmonaten des Kindes bewegen (Ernährung in der Stillzeit, Abstillen, Koliken, Schlafverhalten des Babys, Beikost, Paarbeziehung etc.). Stillgruppen-Treffen finden häufig in Krankenhäusern, Geburtshäusern, Hebammen-Praxen oder in Räumlichkeiten anderer Institutionen (z.B. Caritas, Kirchengemeinden) statt. Je nachdem ob Informationsmaterialien oder Verpflegung bereitgestellt wird, ist von den TeilnehmerInnen ein kleiner Unkostenbeitrag zu leisten. 

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