Breifreie Beikost

In den ersten Lebensmonaten sind Säuglinge mit Muttermilch oder künstlich hergestellter Milchersatznahrung bestens versorgt. Gemäß österreichischer Beikostempfehlung sollten Eltern zwischen dem 5. Lebensmonat und spätestens mit Ende des 6. Lebensmonates damit beginnen, Still- oder Milchmahlzeiten langsam durch Beikost zu ersetzen. Neben der klassischen Zufütterung von Babybrei hat sich mittlerweile ein weiterer Ernährungstrend etabliert: die breifreie Beikost.

Geprägt wurde die breifreie Ernährung von der Britin Gill Rapley. Sie kreierte den Begriff „Baby-Led-Weaning“, der im Deutschen häufig mit „breifreier Beikosteinführung“ oder aber auch „vom Baby geführtes Abstillen“ übersetzt wird. Anstelle von püriertem Brei gibt es für die Kleinsten Obst und Gemüse „im Ganzen“. Der Nachwuchs bestimmt dabei selbst, wann und wie viel er essen möchte.

Frau hält aufgeschnittene Avocado

Alternative zum klassischen Babybrei

Dass die Umstellung von ausschließlich flüssiger Nahrung auf mittelfeste Nahrung mitunter zur echten Herausforderung werden kann, davon weiß wohl der Großteil aller Eltern ein Lied zu singen. Gerade zu Beginn der Beikostphase haben Babys Schwierigkeiten damit, den ihnen angebotenen Brei richtig aufzunehmen und das obwohl Mama oder Papa bei der Fütterung um keinen Trick verlegen sind. Ehe man es sich versieht, befindet sich die Mahlzeit überall nur nicht im Mund des Babys.

Putzen, Aufräumen und dem Kind frische Kleidung zu verpassen, dauert dann mindestens genauso lange, wie die Zubereitung des Breis selbst. Solche und ähnliche Erfahrungen mögen vielleicht der Grund dafür sein, dass Ernährungsalternativen immer beliebter werden. Wenngleich die breifreie Ernährung nicht unbedingt weniger Schmutz verursacht, findet sie zahlreiche große und kleine Anhänger.

Was kommt auf Babys Teller?

Wie der Begriff schon erahnen lässt, wird bei dieser Methode auf pürierte Mahlzeiten und Breie verzichtet. Babys bekommen ihre Nahrung in durchgegarter aber fester Form also z.B. ein gekochtes Stück Karotte oder eine gedünstete Kartoffel. Pro Mahlzeit erhalten sie nicht nur eines, sondern zwei oder drei unterschiedliche Lebensmittel. So könnte ein breikostfreies Essen aus einem gekochten Stück Brokkoli, einem weichem Stück Fleisch und einem faustgroßen, gedünsteten Apfel bestehen.

Angerichtet wird wie bei den Erwachsenen auf einem Teller, gegessen wird idealerweise im Kreise der Familie. Viele Eltern schätzen am Baby-Led-Weaning, dass die Extra-Zubereitung des Breis entfällt. Schließlich können Kinder im Normalfall das essen, was auch der Rest der Familie z.B. als Gemüsebeilage zu sich nimmt.

Spielerisch essen lernen

Wer die Beikostphase seines Kindes breifrei gestalten will, der sollte zu Beginn eigene Erwartungen beziehungsweise Erwartungen an den Nachwuchs zurückschrauben. Vor allem für sehr junge Babys sind die angebotenen Lebensmittel in erster Linie eines: ein spannendes Spielzeug. Sie werden am Anfang also eher damit beschäftigt sein, das Gemüse- oder Obststück zu erkunden. Die eigentliche Nahrungsaufnahme tritt dabei noch in den Hintergrund.

Laut Baby-Led-Weaning-Pionierin Rapley trifft dies jedoch genau den Sinn der Sache. Da Kinder von Natur aus neugierig und spielerisch veranlagt sind, ist es ein Leichtes, ihre Aufmerksamkeit mit Hilfe eines vielfältigen Nahrungsangebotes zu gewinnen. Brokkoli, Karotten, Kartoffeln und Co. unterscheiden sich nicht nur in ihrem Geschmack, sondern auch in Form, Konsistenz und Farbe. Das spricht den Entdeckergeist der Kleinsten an – sie gewöhnen sich leichter an die feste Nahrung.

Für eine erfolgreiche Einführung von breifreier Kost gibt es mehrere Voraussetzungen:

  • Das Kind muss bereits Interesse an festen Lebensmitteln zeigen.
  • Es besteht seitens des Kindes kein Zungenstoßreflex mehr.
  • Der Haltungsapparat des Babys ist soweit ausgebildet, dass es mit wenig Unterstützung alleine sitzen kann.
  • Das Kind muss in der Lage sein, seinen Kopf selbstständig zu halten.
  • Der Greifreflex sollte bereits gut ausgebildet sein.
  • Idealerweise wird das Kind in den ersten sechs Lebensmonaten und auch weiterhin gestillt. Breifreie Beikost funktioniert allerdings auch, wenn das Baby Ersatzmilch bekommt. Eltern müssen dann lediglich darauf achten, dass das Kind zu den Mahlzeiten bereits etwas Flüssigkeit aufnimmt.

Ernährungswissenschaftliche Perspektive

Repräsentative Studien zur breifreien Beikost sucht man derzeit noch vergeblich, da es sich hierbei  um ein vergleichsweise junges Ernährungskonzept handelt. Befürworter der Methode gehen jedoch davon aus, dass Kinder, die mit breifreier Kost erzogen werden, sich auch im Erwachsenenalter gesünder und vielfältiger ernähren. Außerdem sehen sie Baby-Led-Weaning als ideale Vorbereitung für das Sprechen, da der gesamte Muskelapparat und die Zunge durch das frühe Kauen und Lutschen an fester Nahrung besser trainiert werden, als bei der bloßen Aufnahme von pürierten Lebensmitteln. Ergebnisse aus Langzeitstudien oder wissenschaftliche Nachweise gibt es für diese Annahmen noch keine.

Grundsätzlich gelten für die breifreie Beikost die gleichen Ernährungsregeln wie für die Breizubereitung: zuckerhaltige, stark gewürzte oder gesalzene Speisen sind tabu. Ebenso sollte auf Fast Food und Fertiggerichte verzichtet werden. Empfehlenswert sind diverse Gemüse- und Obstsorten, genauso wie Fleisch und Fisch (unbedingt auf Grätenfreiheit achten!). Alle Nahrungsmittel müssen sorgfältig gekocht, gedünstet oder gegart werden, bevor der Nachwuchs damit experimentieren kann. Ausgewogenheit spielt auch eine große Rolle. Kohlehydrathaltige Lebensmittel wie Kartoffeln, Reis, Nudeln und Getreide kommen als Beilage auf den Teller, Gemüse sollte den Hauptbestandteil der Mahlzeit ausmachen.

Pro & Contra

Ob Baby-Led-Weaning funktioniert, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Für Kinder, die den Löffel verweigern, stellt die breifreie Beikost eine gute Alternative dar. Eltern berichten außerdem, dass die Mahlzeiten entspannter und stressfreier ablaufen, da die Kinder mit der ganzen Familie am Tisch sitzen und überwiegend das bekommen, was auch die anderen z.B. ältere Geschwister essen. Dadurch fühlen sich sich „erwachsener“ und besser integriert. Späterhin zeigen Kinder, die breikostfrei erzogen wurden, angeblich eine Präferenz für gesündere Lebensmittel und eine höhere Bereitschaft, neue Speisen auszuprobieren.

Kritiker der Methode warnen hingegen vor einer möglichen Unterernährung – vor allem dann, wenn das Essen hauptsächlich zum Spielen dient. Durch ergänzende Stillmahlzeiten kann man dieses Risiko jedoch leicht in den Griff bekommen. Auch wenn der Aufwand der Breizubereitung entfällt, wartet nach dem Essen (ähnlich wie bei Breimahlzeiten) einiges an Arbeit. Essensreste müssen vom Tisch, Boden und vom Stuhl entfernt, der kleine Feinschmecker gegebenenfalls umgezogen werden. Außerdem entsteht bei dieser Beikost-Methode verhältnismäßig viel Essens-Abfall, der nicht weiterverarbeitet oder wiederverwertet werden kann.

Auch wenn der klassische Brei unter den Ernährungsempfehlungen für Säuglinge immer noch Standard ist, gehen ExpertInnen davon aus, dass es keinesfalls schadet, es auch einmal mit breifreier Kost zu versuchen. In vielen Familien wird ohnehin ein „Misch-Modell“ praktiziert, das überwiegend gut funktioniert, da sich Eltern nicht so viel Gedanken über das „Wie“ des Zufütterns machen. Sie handeln intuitiv und entsprechen dadurch in den meisten Fällen genau den Bedürfnissen aller Beteiligten.

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