Familienbett und Co-Sleeping

Egal ob es um Einschlafen oder um Durchschlafen geht, der Schlaf ihrer Kleinsten ist für alle Eltern ein wichtiges Thema. Schließlich sind sie es, die von den Gewohnheiten ihres Nachwuchses direkt betroffen sind. Während unsere Mütter und Väter in Punkto Schlafen keine spezielle Strategie verfolgten, gibt es heutzutage zahlreiche Ansätze und Erziehungstheorien, die sich mit dem kindlichen Ruhebedürfnis beschäftigen.

Ein Trend, der seinen Weg über Amerika nach Europa gefunden hat, ist das so genannte Co-Sleeping.

Bonding

Wenngleich es sich beim bewussten „Co-Sleeping“ um eine junge Entwicklung handelt, ist der Umstand, dass Eltern und Kinder sich ein Bett teilen nicht neu. In gewissen Kulturen schlafen Kinder wie selbstverständlich und von Anfang an im Bett der Eltern.

Auch hierzulande rückten sozial benachteiligte Familien (z.B. Arbeiterfamilien in Deutschland) in der Nacht enger zusammen. Der Wohnraum war begrenzt, oft gab es nur ein beheiztes Zimmer in dem ein Bett stand. Aufgrund des wachsenden gesellschaftlichen Wohlstandes sind Platzprobleme heute eher selten ein Grund, warum Familien ein gemeinsames Bett wählen. Vielmehr ist es eine bewusste Entscheidung auch und besonders in der Nacht die Nähe zum eigenen Nachwuchs zu fördern. Laut Umfragen schläft jedes dritte Kind in Österreich im Elternbett, in skandinavischen Ländern liegt die Rate der „Co-Sleeper“ bei 50%.

Positive Auswirkungen

Befürworter gehen davon aus, dass Co-Sleeping positiv auf die Eltern-Kind-Beziehung wirkt. Für jene Eltern, die tagsüber einen sehr aufmerksamen Erziehungsstil pflegen, ist Co-Sleeping eine gute Möglichkeit, den Kindern auch in der Nacht ein hohes Maß an Fürsorge zu schenken. Sind Papa und Mama berufstätig, können die gemeinsamen Nächte dabei helfen, wertvolle Familienzeit nachzuholen. Die unmittelbare Nähe zu den Eltern vermittelt Kindern ein besonderes Gefühl der Sicherheit.

James J. McKenna, Anthropologe und führender Experte beim Thema Co-Sleeping, ist davon überzeugt, dass Kinder sich selbstbewusster entwickeln, wenn sie die Anwesenheit der Eltern tatsächlich spüren. Wer mit seinem Kind ein Bett teilt, vermittelt ihm Rückhalt und Sicherheit. Atemgeräusche, Bewegungen, Berührungen oder aber auch der Geruch der Eltern lösen beim Kind ein Wohlgefühl aus. Die Eltern-Kind-Bindung wird McKenna zufolge dadurch nachhaltig gestärkt, das intensive Bonding der ersten gemeinsamen Stunden und Tage sozusagen fortgesetzt.

Das Familienbett

Sind Eltern und Kinder „Co-Sleeper“, verbringen sie ihre Nächte in unmittelbarer, körperlicher Nähe zueinander. Die Kinder schlafen zu diesem Zweck im Bett der Eltern oder in einem Beistellbett, welches direkt am Elternbett angebracht ist. Ein in diesem Zusammenhang häufig verwendeter Begriff ist das Familienbett. Es handelt sich hierbei um ein Bett, welches im Idealfall größer ist als herkömmliche Doppelbetten. Es dient nicht nur den Eltern, sondern auch den Kindern als nächtliche Schlafstätte. Kinder, die im Familienbett übernachten, haben kein eigenes Bett (z.B. Gitterbett).

Mutter liegt mit Kleinkind im Familienbett

Wissenschaftliche Studien

Co-Sleeping und Stillen

Studien zum Thema Co-Sleeping wurden bislang hauptsächlich im anglo-amerikanischen Raum durchgeführt. Untersucht wurden jeweils unterschiedliche Aspekte dieser Schlafform. Ein wichtiger Punkt scheint dabei die Auswirkung des gemeinsamen Schlafens auf die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind zu sein. Teilen Mutter und Kind ein Bett, hat dies positive Effekte auf das Stillen. Beide passen sich beinahe automatisch dem Rhythmus des anderen an, die Mutter kann außerdem in der Nacht schneller reagieren, wenn sich das Baby mit Hunger meldet. Das Stillen wird sozusagen in die nächtliche Ruhephase integriert. Die Mutter muss nicht extra aufstehen, häufig wird der Nachwuchs im Liegen gestillt. In diesem Zusammenhang gilt die Vermutung, dass die Schlafphasen für Mutter und Kind erholsamer und länger sind, wenn sie gemeinsam in einem Bett schlafen. Außerdem wird so das Stillen allgemein gefördert – das regt wiederum den Milchfluss an.

Attached-Parenting-Philosophie

Einige Eltern, die „Co-Sleeping“ erfolgreich praktizieren, sind davon überzeugt, dass sie ihre Kinder aufgrund der zusätzlichen Nähe zu selbstbewussteren, offeneren und sozial kompetenteren Menschen erziehen. Der intensive familiäre Rückhalt und das Gefühl stets behütet zu sein, würden die Entwicklung solcher Eigenschaften begünstigten. SozialwissenschaftlerInnen, die sich mit dem Thema beschäftigen, weisen jedoch darauf hin, dass das Familienbett lediglich einen Aspekt des kindlichen Aufwachsens darstellt. Wie und ob sich das gemeinsame Schlafen auf die Persönlichkeit des Kindes auswirkt, hängt maßgeblich davon ab, wie Familienleben und Erziehung insgesamt ausgestaltet werden. Häufig ist Co-Sleeping beispielsweise Teil einer Attached-Parenting-Philosophie, in deren Rahmen dem Nachwuchs viel Aufmerksamkeit und Nähe geschenkt (z.B. durch langes Stillen, häufiges Tragen im Tragetuch) wird, um eine intensive Eltern-Kind-Bindung und einen liebevollen Start ins Leben zu ermöglichen.

Sicherheit im Schlaf

Die Sicherheit des eigenen Babys ist für viele Eltern ein großes Thema. Wer sich mit so einem kleinen Wesen das Bett teilt, befürchtet vielleicht, es im Schlaf unabsichtlich zu erdrücken oder dass es zwischen den Eltern und Decken ersticken könnte. Zur Verunsicherung tragen außerdem mehrere Studien bei, die einen möglichen Zusammenhang zwischen dem plötzlichen Kindstod (SIDS) und dem Schlafen im Familienbett nachweisen. Die American Academy of Pediatrics (AAP) empfiehlt aus diesem Anlass, sich mit den Kindern einen Raum, aber nicht das Bett zu teilen. Eine britische Forschergruppe der Universität in Bristol stellte im Rahmen einer Studie fest, dass von 80 Kindern, die im Säuglingsalter verstorben sind, etwa die Hälfte die letzte Nacht im Elternbett oder mit zumindest einem Elternteil auf dem Sofa verbracht hat.

Solche und ähnliche Studienergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. SIDS-Fälle sind nicht immer auf einen Auslöser zurückzuführen, so konnte beispielsweise nicht bewiesen werden, dass der plötzliche Kindstod nur aufgrund des gemeinsamen Schlafens eingetreten ist. Meistens sind es andere Faktoren wie Rauchen, Alkoholmissbrauch, zahlreiche Kissen, Bauchlage des Kindes oder Überhitzung, die in Kombination mit dem Familienbett ein erhöhtes SIDS-Risiko darstellen. James J. McKenna weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es problemlos möglich ist, für „Co-Sleeper“ eine sichere, risikoarme Schlafumgebung zu schaffen.

Tipps fürs „Co-Sleeping“

Wer gemeinsam mit dem Nachwuchs im Familienbett übernachten will, sollte folgende Aspekte beachten:

  • Alle Familienmitglieder sollten auf einer festen Matratze liegen – Wasserbetten sind nicht zu empfehlen.
  • Haben die Eltern Drogen, Alkohol oder Nikotin konsumiert, sollten sie darauf verzichten, mit dem Baby in einem Bett zu schlafen.
  • Dicke Polster, Plüschtiere, Felle, dicke Daunendecken und ähnliches müssen aus dem Familienbett verbannt werden (Erstickungsgefahr).
  • Eine Überhitzung des Säuglings ist in jedem Fall zu vermeiden (sowohl hinsichtlich Raumtemperatur als auch hinsichtlich des Zudeckens).
  • Es empfiehlt sich, das Baby stets auf dem Rücken in das Bett zu legen. 

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Kommentare

Kommentar von andreas |

Ich, als Familienvater von 2 Kindern, kann das Schlafen im gemeinsamen Familienbett absolut empfehlen, wenn man sich an gewisse Regeln hält. Für mich ist es das Schönste auf der Welt, meine Kinder auch nachts in meiner Nähe zu haben. Wir schlafen alle sehr erholsam. Wird das Baby nachts unruhig, stillt meine Freundin es einfach und beide schlafen gemeinsam wieder ein.

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