Dammmassage

Der Dammmassage kommt in der Geburtsvorbereitung eine besondere Bedeutung zu - das sensible Gewebe zwischen Scheide und After kann bereits vor der Geburt ein wenig gedehnt und auf die Herausforderungen der letzten Geburtsphase vorbereitet werden. Dann drückt nämlich das Köpfchen des Babys auf den gesamten Dammbereich und dieser muss sich erst langsam dehnen, um dem Kind den Geburtsweg zu erleichtern.

Der Damm & die Geburt

Der Dehnungsvorgang ist ungewohnt und wird von den meisten Gebärenden als schmerzhaft empfunden. Außerdem erfordert er eine Menge Geduld. Viele Frauen schieben das Baby instinktiv heraus, andere brauchen viel Anleitung von der Hebamme. Die Hebamme versucht beim „Dammschutz“ den Damm zu stützen und das Tempo des Kopfaustrittes zu regulieren.

Ist der Damm dem hohen Druck nicht gewachsen, kommt es zu Verletzungen des Dammgewebes. Manchmal wird auch ein sogenannter Dammschnitt gesetzt. Hebamme, Arzt oder Ärztin nehmen einen kontrollierten Schnitt im Dammbereich vor, der sowohl den übermäßigen Druck nimmt als auch die letzte Etappe der Geburt erleichtert. Nach der Entbindung muss ein derartiger Schnitt sorgfältig vernäht und auch im Wochenbett versorgt werden.

Zu Dammschnitten kommt in Österreich bei etwa 10-20% aller Spitalsgeburten, die Weltgesundheitsorganisation spricht sich jedoch für eine Senkung der Dammschnittrate auf 5-10% aus. In diesem Prozentbereich liegen dann idealerweise nur mehr die Geburten, bei denen ein Schnitt aus medizinischer Sicht unabdingbar ist. Das ist beispielsweise bei sehr auffälligen Herztönen des Babys und manchmal bei Lage-Anomalien, stark vernarbtem Dammgewebe oder Saugglocken- und Zangengeburten der Fall.

Info: Einen Dammschnitt zu setzen, um einem Riss vorzubeugen, ist nicht mehr zeitgemäß. Tatsächlich kommt es in Verbindung mit einem Dammschnitt sogar etwas öfter zu schweren Dammrissen, da der vermeintlich kontrollierte Schnitt weiterreißen kann.

Frau hält Dammmassageöl in der Hand

Vorbeugende Massagen

In der Geburtsvorbereitung setzt sich ein Großteil aller Hebammen dafür ein, denn Damm bereits wenige Wochen vor der Geburt geschmeidig und dehnbar zu machen. Grundsätzlich gilt: durch regelmäßige Dammmassagen reduzieren schwangere Frauen das Risiko während der Geburt Dammverletzungen zu erleiden. Auch einem gezielten Dammschnitt wird dadurch vorgebeugt. Dammmassagen bedeuten jedoch nicht, dass Verletzungen oder Schnitte verhindert werden. Auch bei einer komplikationslos verlaufenden Schwangerschaft kann es während der Geburt zu bestimmten Situationen kommen, die das Eingreifen der ÄrztInnen oder Hebammen in Form eines Dammschnittes erfordern.

Dennoch hat sich die Dammmassage bewährt. Sie bereitet die schwangere Frau auf den Austritt des Babys aus dem Geburtskanal vor und hilft dabei, sich mit der ungewohnten Dehnung/Spannung in diesem Bereich vertraut zu machen. Darüber hinaus bietet die Massage die Möglichkeit, sich selbst und den eigenen Beckenboden besser kennenzulernen. Viele Hebammen halten dies für besonders wichtig, da man Ängste und Sorgen in Bezug auf die Geburt besser aufarbeiten kann, wenn man weiß, wie der eigene Körper funktioniert.

Empfehlenswerte Öle

Solange es der wachsende Babybauch zulässt, können schwangere Frauen ihren Damm ganz einfach selbst massieren. Dafür benötigen sie lediglich etwas Zeit, Ruhe, die richtige Technik und ein paar Tropfen Massageöl. Bei der Wahl des passenden Körperöls sollte man auf Naturbelassenheit und Reinheit setzen. Während der Schwangerschaft reagiert die weibliche Haut manchmal nämlich empfindlich. Verzichten sollten Schwangere auf Öle mit künstlichen Zusatzstoffen und auf jene, die stark parfümiert sind. Hebammen empfehlen Weizenkeimöl, Jojobaöl, Mandelöl aber auch hochwertiges Oliven- oder Distelöl. Wichtig ist hierbei der Vitamin E Gehalt der Öle, den Vitamin E hilft dabei, die Haut geschmeidig und elastisch zu halten. Manche Hebammen mischen Dammmassageöle selbst; es gibt mittlerweile auch schon einige Firmen, die spezielle Öle für die Geburtsvorbereitung anbieten. Diese fertigen Mischungen enthalten meistens auch ätherische Öle, die zusätzlich zur Entspannung beitragen sollen.

Die Massage als Schwangerschaftsritual

Schwangere Frauen können 6-8 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin mit der Massage des Damms beginnen. Dabei kommt es vor allem auf die Regelmäßigkeit der Massageeinheiten an. Als ideal gelten 5-10 Minuten pro Tag, doch für viele Schwangere ist die Massage recht anstrengend und eine Dauer von 3-5 Minuten daher besser machbar. Wer möchte kann die Massage auch zweimal täglich für jeweils 5 Minuten durchführen z.B. morgens und abends. Sie in tägliche Schwangerschafts- oder Pflegerituale einzubinden, wäre eine andere Möglichkeit. Ein warmes Bad oder das Auflegen von warmen Kompressen vor Massagebeginn machen das Gewebe geschmeidiger und öffnen die Poren, sodass die Wirkstoffe des Öls noch besser in die Haut eindringen können.

Wichtig: die Dehnung des Damms darf unangenehm aber nicht schmerzhaft sein. Bei starken Schmerzen solle man sich an die Hebamme oder den betreuenden Arzt/die bertreuende Ärztin wenden. Wer möchte, bindet den Partner mit ein – auch er kann die Dammmassage durchführen und so seiner Partnerin aktiv in der Geburtsvorbereitung beistehen.

Cancer Research UK and Amada44 (c) Wiki Creative Commons

 

So geht's

  1. Für die Massage selbst sucht man sich eine Position, in der man den Dammbereich gut erreichen kann. Manche Frauen stellen dafür ein Bein auf den Rand der Badewanne oder der Toilette. Andere hocken sich einfach hin oder sie legen sich gestützt von einem großen Polster leicht auf den Rücken und ziehen dabei die Beine an.Vor Beginn der Massage sollten sich Schwangere mit dem Abschnitt zwischen Vagina und After vertraut machen. Wer möchte, kann sich einen kleinen Taschenspiegel zu Hilfe nehmen.Anschließend wird ein wenig Öl in den Händen erwärmt und der Damm sowie die inneren Schamlippen damit benetzt. Das Öl sollte gut in die Haut einmassiert werden. Massieren ca. eine Minute lang den inneren und äußeren Dammbereich. Stelle dir eine Uhr vor und massiere zwischen 3 und 9 Uhr.

  2. Führe den Daumen in die Vagina ein. Massiere mit diesen Pendelbewegungen ein bis zwei Minuten zuerst mit kreisenden Bewegungen, dann mit stärkerem Druck. Dehne anschließend den Dammbereich mit sanftem Druck und ebenfalls in Pendelbewegungen von innen nach außen.

  3.  Dringe mit der Daumenspitze in die Vulva ein. Beim Ausatmen dehnst du das Gewebe mit dem Daumen in Richtung Anus. Wiederhole diese Dehnung strahlenförmig.

  4. Anschließend wird der Damm mit dem Daumen nach untenaußen gewölbt. Auch diese Übung sollte auf dem imaginären Ziffernblatt zwischen 3 und 9 Uhr wiederholt werden. Der Widerstand, den du dabei spürst, sollte nicht schmerzhaft sein. Mit der Zeit gewöhnen sich Schwangere an dieses Gefühl.

Bildquelle: Cancer Research UK and Amada44 (c) Wiki Creative Commons

Hebammentipp: Schon gewusst? Auch regelmäßiges Beckenbodentraining in der Schwangerschaft reduziert das Verletzungsrisiko während der Geburt. Sehr zu empfehlen sind weiters gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, da eine sehr hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft mit mehr Geburtsverletzungen verbunden ist. Während der Geburt kann die Gebärende die Hebamme um warme Dammkompressen in der Endphase bitten und Gebärpositionen wie Rückenlage oder tiefe Hocke vermeiden, da diese den Damm stärker belasten. Auch so erhöht sie ihre Chance auf einen intakten Damm.

ExpertInnen-Überprüfung durch

Hebamme Eva Schranz, BSc

Seit 2010 ist Eva Schranz als Hebamme tätig. Sie arbeitet in einem Krankenhaus mit ca. 1000 Geburten pro Jahr und ist zudem freiberuflich in der Schwangerenberatung, Geburtsvorbereitung, Wochenbettbetreuung und Rückbildung tätig. Eva ist Mutter zweier Kinder und erwartet 2020 das dritte. Mehr über Hebamme Eva erfährst du hier.

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Wir haben es bereits erwähnt: die Milch reguliert sich auf natürliche Art und Weise über Angebot und Nachfrage. Maßgeblich für die Milchproduktion verantwortlich ist das Hormon Prolaktin. Sobald sich der Prolaktin-Spiegel im Blut erhöht, beginnt das empfindliche Drüsengewebe in der Brust damit, Milch auszuschütten.

Wenn es mit dem Stillen nicht auf Anhieb klappt oder dein Baby zu schwach ist, um direkt an der Brust zu trinken, kannst du es dennoch mit Muttermilch versorgen. Du gewinnst die Milch dann entweder per Hand oder mit Hilfe einer Pumpe. Abpumpen ist vor allem empfehlenswert, wenn du größere Milchmengen benötigst und dein Kind regelmäßig Muttermilch erhalten soll. Vollstillende Mütter nutzen diese Form der Milchgewinnung manchmal auch, um etwas Unabhängigkeit zu erlangen oder unterwegs, (z.B. am Arbeitsplatz), die Brust zu entleeren.

Wird eine Stillbeziehung beendet, nennt man diesen Vorgang üblicherweise Abstillen. Stillberaterinnen empfehlen, die Entwöhnung von der Brust als Prozess zu sehen. Mutter und Kind sollen ausreichend Zeit haben, den alten Abschnitt zu beenden und ein neues Kapitel zu beginnen.

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