Dammmassage

Der Dammmassage kommt in der Geburtsvorbereitung eine besondere Bedeutung zu - das sensible Gewebe zwischen Scheide und After kann bereits vor der Geburt ein wenig gedehnt und auf die Herausforderungen der letzten Geburtsphase vorbereitet werden. Dann drückt nämlich das Köpfchen des Babys auf den gesamten Dammbereich und dieser muss sich erst langsam dehnen, um dem Kind den Weg aus dem Geburtskanal zu erleichtern.

Der Dehnungsvorgang ist ungewohnt und wird von den meisten Gebärenden als schmerzhaft empfunden. Außerdem erfordert er eine Menge Geduld. In dem Wissen, den Nachwuchs bald in die Arme schließen zu können, pressen einige Frauen zu stark; manchmal sind sie auch schon so erschöpft, dass es ihnen schwer fällt, auf die Anweisungen der Hebamme zu hören. Diese sind jedoch in dieser Phase besonders wichtig, denn die Hebamme kontrolliert sowohl Damm als auch den Austritt des kindlichen Kopfes.

Ist der Damm dem hohen Druck nicht gewachsen, kommt es zu Verletzungen des Dammgewebes. Um dies zu vermeiden, wird bei Entbindungen im Krankenhaus häufig ein so genannter Dammschnitt gesetzt. Arzt oder Ärztin nehmen einen kontrollierten Schnitt im Dammbereich vor, der sowohl den übermäßigen Druck nimmt als auch die letzte Etappe der Geburt erleichtert. Nach der Entbindung muss ein derartiger Schnitt sorgfältig vernäht und auch im Wochenbett versorgt werden. Zu Dammschnitten kommt es bei etwa 40% aller Spitalsgeburten, die Weltgesundheitsorganisation spricht sich jedoch für eine Senkung der Dammschnittrate auf 5-10% aus. In diesem Prozentbereich liegen dann idealerweise nur mehr die Geburten, bei denen ein Schnitt aus medizinischer Sicht unabdingbar ist. Das ist beispielsweise bei Lage-Anomalien, stark vernarbtem Dammgewebe oder Saugglocken- und Zangengeburten der Fall.

Frau hält Dammmassageöl in der Hand

Vorbeugende Massagen

In der Geburtsvorbereitung setzt sich ein Großteil aller Hebammen dafür ein, denn Damm bereits wenige Wochen vor der Geburt geschmeidig und dehnbar zu machen. Grundsätzlich gilt: durch regelmäßige Dammmassagen reduzieren schwangere Frauen das Risiko während der Geburt Dammverletzungen zu erleiden. Auch einem gezielten Dammschnitt wird dadurch vorgebeugt. Dammmassagen bedeuten jedoch nicht, dass Verletzungen oder Schnitte verhindert werden. Auch bei einer komplikationslos verlaufenden Schwangerschaft kann es während der Geburt zu bestimmten Situationen kommen, die das Eingreifen der ÄrztInnen in Form eines Dammschnittes erfordern.

Dennoch hat sich die Dammmassage bewährt. Sie bereitet die schwangere Frau auf den Austritt des Babys aus dem Geburtskanal vor und hilft dabei, sich mit der ungewohnten Dehnung/Spannung in diesem Bereich vertraut zu machen. Darüber hinaus bietet die Massage die Möglichkeit, sich selbst und den eigenen Beckenboden besser kennenzulernen. Viele Hebammen halten dies für besonders wichtig, da man Ängste und Sorgen in Bezug auf die Geburt besser aufarbeiten kann, wenn man weiß, wie der eigene Körper funktioniert.

Empfehlenswerte Öle

Solange es der wachsende Babybauch zulässt, können schwangere Frauen ihren Damm ganz einfach selbst massieren. Dafür benötigen sie lediglich etwas Zeit, Ruhe, die richtige Technik und ein paar Tropfen Massageöl. Bei der Wahl des passenden Körperöls sollte man auf Naturbelassenheit und Reinheit setzen. Während der Schwangerschaft reagiert die weibliche Haut manchmal nämlich empfindlich. Verzichten sollten Schwangere auf Öle mit künstlichen Zusatzstoffen und auf jene, die stark parfümiert sind. Hebammen empfehlen Weizenkeimöl, Jojobaöl, Mandelöl aber auch hochwertiges Oliven- oder Distelöl. Wichtig ist hierbei der Vitamin E Gehalt der Öle, den Vitamin E hilft dabei, die Haut geschmeidig und elastisch zu halten. Manche Hebammen mischen Dammmassageöle selbst; es gibt mittlerweile auch schon einige Firmen, die spezielle Öle für die Geburtsvorbereitung anbieten. Diese fertigen Mischungen enthalten meistens auch ätherische Öle, die zusätzlich zur Entspannung beitragen sollen.

Die Massage als Schwangerschaftsritual

Schwangere Frauen können 6-8 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin mit der Massage des Damms beginnen. Dabei kommt es vor allem auf die Regelmäßigkeit der Massageeinheiten an. Als ideal gelten 5-10 Minuten pro Tag. Wer möchte kann die Massage auch zweimal täglich für jeweils 5 Minuten durchführen z.B. morgens und abends. Sie in tägliche Schwangerschafts- oder Pflegerituale einzubinden, wäre eine andere Möglichkeit. Ein warmes Bad oder das Auflegen von warmen Kompressen vor Massagebeginn machen das Gewebe geschmeidiger und öffnen die Poren, so dass die Wirkstoffe des Öls noch besser in die Haut eindringen können.

Für die Massage selbst sucht man sich eine Position, in der man den Dammbereich gut erreichen kann. Manche Frauen stellen dafür ein Bein auf den Rand der Badewanne oder der Toilette. Andere hocken sich einfach hin oder sie legen sich gestützt von einem großen Polster leicht auf den Rücken und ziehen dabei die Beine an. Vor Beginn der Massage sollten sich Schwangere mit dem Abschnitt zwischen Vagina und After vertraut machen. Hebammen empfehlen, sich alles ganz genau anzusehen - als hilfreich hat sich hierbei ein kleiner Taschenspiegel erwiesen. Anschließend wird ein wenig Öl in den Händen erwärmt und der Damm sowie die inneren Schamlippen damit benetzt. Das Öl sollte gut in die Haut einmassiert werden. Nun gilt es, den Dammbereich vorsichtig zu dehnen. Dafür werden zu Beginn 1 oder 2 Finger 3-4 cm tief in die Scheide eingeführt. Durch Spreizen der Finger soll sanfter Druck Richtung After und nach außen aufgebaut werden. Sobald die Dehnung als unangenehm empfunden wird, muss sie noch ca. 2 Minuten beibehalten werden. Mit der Zeit gewöhnen sich Schwangere an dieses Gefühl. Je näher der Geburtstermin rückt desto mehr Finger sollten zur Massage in die Vagina eingeführt werden.

Wichtig: die Dehnung des Damms darf unangenehm aber nicht schmerzhaft sein. Bei starken Schmerzen solle man sich an die Hebamme oder den betreuenden Arzt/die bertreuende Ärztin wenden. Wer möchte, bindet den Partner mit ein – auch er kann die Dammmassage durchführen und so seiner Partnerin aktiv in der Geburtsvorbereitung beistehen.

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