Der Dammschnitt

Es ist wohl eines der großen Themen in der Schwangerschafts- und Geburtsvorbereitung, wenngleich eines, das vielen schwangeren Frauen etwas Angst macht. Während der Geburt muss der weibliche Damm sehr viel Druck aushalten und manchmal ist er diesem nicht gewachsen. Es kommt zu einem Dammriss oder, noch bevor der Einriss droht, zu einem ärztlich durchgeführten Dammschnitt. Ob Dammschnitte medizinisch gesehen unbedingt notwendig sind oder nicht, wird in Expertenkreisen seit Jahren diskutiert.

Während die einen der Meinung sind, dass ein „sauberer“ Schnitt besser verheilt als ein „unnatürlicher“ Einriss, gehen andere davon aus, dass die Chancen auf Heilung dann am besten sind, wenn das Gewebe ohne Außeneinwirkung reißen darf. Fakt ist, dass die so genannte Episiotomie (Dammschnitt) bis vor wenigen Jahren routinemäßig bei Geburten durchgeführt wurde. Durch den Schnitt sollte das Köpfchen des Kindes leichter und schneller aus dem Geburtskanal heraustreten können und Dehnungsschmerzen gelindert werden. Die Dammschnittrate lag in vielen Krankenhäusern bei über 80%. Mittlerweile greift man seltener zu Schere oder Skalpell – der Schnitt wird bei bis zu 40% aller Geburten gesetzt. Die tatsächliche Zahl der Eingriffe ist jedoch von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO plädiert für eine weitere Senkung der Dammschnittrate auf 5-10%.

Dehnbares Gewebe

Der Damm zwischen Scheide und After liegend wird selten bewusst wahrgenommen. Sein Muskelgewebe bildet jedoch einen wichtigen Teil des Beckenbodens; er schließt den Körper sozusagen nach unten hin ab. Das Damm-Gewebe reagiert sehr sensibel auf Berührungen und gilt sowohl bei Männern als auch bei Frauen als erogene Zone.

Am Ende des Geburtsvorganges kommt dem Damm eine besondere Bedeutung zu. In der Austreibungsphase muss er nämlich einem hohen Druck Stand halten. Der Kopf des Kindes drängt am Ende des Geburtskanals heraus und dehnt dadurch den Dammbereich und den Beckenboden. Dies macht sich in Form eines stechenden oder brennenden Schmerzes bemerkbar. Die Aufgabe der Hebamme ist es, in dieser Phase die Dehnung des Dammes zu beobachten und darauf zu achten, dass der Kopf des Kindes nicht zu schnell oder zu heftig durch den Geburtskanal gepresst wird. Sie gibt der Gebärenden klare Anweisungen und unterstützt die Dehnung des Gewebes durch eine Dammmassage oder leichtes „Abstoppen“ des kindlichen Kopfes. Regelmäßige Dammmassagen, mit denen die werdende Mutter selbst wenige Wochen vor der Geburt beginnt, können einem Dammriss gegebenenfalls vorbeugen.

Verletzungen am Damm

Der Bereich von Scheide bis zum Beginn des Afters wird während der letzten Geburtsphase übermäßig gedehnt; der Druck, der vom Kopf des Kindes ausgeht, ist enorm. Der Geburt ihren natürlichen Lauf zu lassen, fällt Gebärenden in diesem Zustand besonders schwer. Die Presswehen sind anstrengend und erschöpfend, der kindliche Kopf dehnt beim Austritt den Scheiden- und Dammbereich – ein Umstand, der weitere Schmerzen verursacht. Hebammen sind jedoch bemüht, diese Phase gemeinsam mit der gebärenden Frau zu überwinden, um dem Damm Zeit zu geben, sich trotz der starken Druckeinwirkung langsam zu dehnen. Wird zu stark gepresst, führt dies zu einer Überbeanspruchung. Als Folge können Geburtsverletzungen in Form von Dammrissen entstehen. Erfordert die Geburt Hilfsmittel wie Geburtszange oder Saugglocke, kann dies ebenfalls einen Riss des Gewebes nach sich ziehen.  Je nach Intensität, werden Dammrisse in drei Grade unterteilt:

  • Grad I:
    hierbei handelt es sich lediglich um leichte Verletzungen und feine Einrisse. Die Risse sind kaum spürbar und verheilen meist von selbst. Eine Naht ist nur selten erforderlich.
  • Grad II:
    liegt eine Dammverletzung zweiten Grades vor, sind zusätzlich Muskelgewebe und Fasern im Afterbereich vom Einriss betroffen. Sofern der Schließmuskel keine Verletzung aufweist, ist dieser Riss mit einer entsprechenden Naht zu schließen. Es handelt sich hierbei um einen medizinischen Routineeingriff, der manchmal auch unter lokaler Betäubung durchgeführt wird.
  • Grad III:
    unter einem Riss dritten Grades versteht man sehr starke Verletzungen des Dammbereichs und zusätzlich einen Riss des Schließmuskels und angrenzender Darmschleimhäute. Derartige Verletzungen müssen direkt nach der Geburt versorgt und sorgfältig genäht werden. Üblicherweise geschieht dies unter Narkose.

Die Auswirkungen eines Dammrisses variieren je nach Schweregrad der Verletzung. Kommt es zu stärkeren Einrissen, kann dies auch noch Wochen nach der Geburt schmerzhaft sein und/oder Probleme zum Beispiel beim Gang auf die Toilette verursachen.

Kontrollierter Dammschnitt

In den meisten Krankenhäusern werden Dammschnitte nur mehr durchgeführt, wenn dies aus medizinischer Sicht absolut notwendig erscheint. In Fachkreisen wird ein Dammschnitt auch Episiotomie genannt und nach Art der Schnittführung wie folgt klassifiziert:

  • Mediane Episiotomie:
    der Schnitt wird mittig von der Scheide Richtung After geführt und eher kurz gehalten. Dadurch kann dem Köpfchen ein wenig mehr Platz eingeräumt, der Schnitt jedoch bei Komplikationen nicht erweitert werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Schnitt im Laufe der Geburt weiter Richtung Schließmuskel einreißt. Bei fachgerechter und erfahrener Schnittführung verspricht diese Variante allerdings sehr gute Heilungschancen und minimale Beschwerden im Wochenbett.
  • Mediolaterale Episiotomie:
    dieser Schnitt wird von der Mitte gesehen leicht schräg angesetzt und ist länger als der mediane Dammschnitt. Der Beckenboden kann dadurch weiter geöffnet werden. Nachteil: die Wunde ist größer und es kommt zu stärkeren Blutungen.
  • Laterale Episiotomie:
    die dritte Form der Schnittführung kommt nur mehr selten zur Anwendung, da die entstehende Wunde tendenziell schlechter abheilt als Wunden nach einer medianen oder mediolateralen Episiotomie.

Hebammen plädieren weitgehend dafür, Dammschnitte bestmöglich zu vermeiden, vor allem dann, wenn sie einen vorzeitigen Eingriff in das Geburtsgeschehen und keine medizinische Notwendigkeit darstellen. In bestimmten Fällen ist ein Dammschnitt dennoch erstes Mittel der Wahl:

  • Beim Einsatz von Saugglocke oder Geburtszange.
  • Wenn der Dammbereich der Gebärenden stark beschädigt ist oder erhebliche Narben aufweist.
  • Bei Frühgeburten und Beckenendlagen.
  • Wenn sich der Gesundheitszustand des Kindes erheblich verschlechtert (z.B. Herztöne) und rasches Handeln gefragt ist.
  • Wenn ein operativer Eingriff in den Geburtsverlauf erforderlich ist.

Schwangere Frauen, die einen Dammschnitt nur im Notfall wünschen, sollten dies bereits bei der Anmeldung für die Geburt bekannt geben und darauf achten, dass der Geburtspartner oder die Hebamme während der Austreibungsphase auf die Einhaltung dieses Wunsches besteht.

Heilungsprozess

Wunden, die aufgrund eines Dammschnittes oder eines Dammrisses entstehen, heilen unterschiedlich schnell. Die Schmerzen sind meist im Wochenbett noch wahrnehmbar. Viele Frauen berichten außerdem von Schwierigkeiten beim Sitzen, Stehen, Liegen oder bei der Versorgung des Neugeborenen. In den ersten Wochen nach der Geburt sollte der Dammbereich daher geschont, gepflegt und sauber gehalten werden. Folgende Maßnahmen eignen sich zur Versorgung der Wunde/der Naht:

  • Kurze Sitzbäder mit den Zusätzen Kamille, Eichenrinde oder Calendula.
  • Nach der Geburt sollten Frauen möglichst viel liegen, um den empfindlichen Bereich beim Sitzen nicht zu sehr zu belasten.
  • Binden und Einlagen sollten häufig gewechselt werden und dürfen nicht scheuern.
  • Bei Bedarf kann der Dammbereich auch vorsichtig gekühlt werden.
  • Frische Luft unterstützt den Abheilungsprozess – frischgebackene Mütter sollten also regelmäßig ohne Unterwäsche auf dem Bett liegen z.B. auf einer alten Decke oder einer waschbaren Unterlage.
  • Die Wunde sollte stets trocken sein.
  • Manche Hebammen empfehlen, die Naht mit ein paar Tropfen Muttermilch zu benetzen – auch das fördert die Wundheilung.

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