Die Fruchtbarkeit des Mannes - das Spermiogramm

Wenn es nicht klappen will mit dem Kinderwunsch, suchen viele Frauen die Ursache daran alleinbei sich. Doch Statistiken zeigen, dass in rund 40 Prozent dieser Fälle verminderte Zeugungsfähigkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit des Mannes „schuld“ an der ausbleibenden Schwangerschaft ist.

Junges Paar mit Kinderwunsch

Unfruchtbar?

Liegt aufgrund einer ausbleibenden Schwangerschaft der Verdacht auf Unfruchtbarkeit nahe, sollten sich stets beide Partner ärztlich untersuchen lassen. So können medizinische Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch festgestellt und gegebenenfalls behandelt werden. Nur bei rund jedem fünften unfreiwillig kinderlosen Paar bleiben diese Untersuchungen ergebnislos.

Für Frauen ist dabei der Gang zum Gynäkologen selbstverständlich. Männliche Unfruchtbarkeit hingegen ist auch heute noch ein Tabuthema, wodurch sich Männer oft davor scheuen, einen Experten zu konsultieren. Denn eine verminderte Zeugungsfähigkeit wird fälschlicherweise oft mit Impotenz in Verbindung gebracht. Dabei sagt die Spermienqualität nichts über das „Stehvermögen“ eines Mannes aus. Vereinfacht ausgedrückt: Wer mehrmals täglich Sex hat ist nicht automatisch zeugungsfähig, und umgekehrt sind die Samenzellen impotenter Männer in den meisten Fällen uneingeschränkt fruchtbar.

Beim Mann kann sehr einfach festgestellt werden, ob eine verminderte Zeugungsfähigkeit oder sogar eine Unfruchtbarkeit vorliegt. Dazu ist eine Laboruntersuchung der Samenzellen nötig. Denn es ist die Aufgabe der Samenzellen, zur weiblichen Eizelle vorzudringen und diese zu befruchten. Dazu müssen ausreichend viele und gesunde Spermien vorhanden sein.

Das Spermiogramm

Im Rahmen eines sogenannten Spermiogramms wird eine Spermaprobe untersucht, um die Anzahl und Qualität der darin enthaltenen Samenzellen bestimmen zu können. Diese Spermaprobe wird mittels Masturbation gewonnen. Eine vorangegangene Enthaltsamkeit von rund drei bis fünf Tagen wird empfohlen, um das Untersuchungsergebnis nicht zu verfälschen. Eine längere Zeitspanne verbessert das Ergebnis nur unwesentlich.

Das Spermium, also die Samenzelle des Mannes, wird im Hoden gebildet. Sie besteht umgangssprachlich aus einem Kopf, einem Mittelteil oder „Hals“ und der auch als Schwanz bezeichneten Geißel. Der Kopfteil beinhaltet die Information des Erbmaterials, der Mittelteil liefert die Energie zur Fortbewegung und die Geißel sorgt für den Antrieb.

 

Um erfolgreich eine weibliche Eizelle befruchten zu können, müssen die Spermien verschiedene Voraussetzungen erfüllen, die mit Hilfe eines Spermiogramms untersucht werden können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dazu statistisch errechnete Standardwerte festgelegt, nach denen die Spermienqualität bewertet wird.

  • In einigen Fällen ist ein zu spät behandelter Hodenhochstand der Grund einer verminderten Zeugungsfähigkeit. Normalerweise wandern die Hoden bereits vor der Geburt, spätestens aber im ersten Lebensjahr, vom Bauchraum in den Hodensack. Verbleiben die Hoden im Bauchraum oder in der Leistengegend, sind sie einer höheren Temperatur ausgesetzt. Dadurch können Anzahl und Beweglichkeit der Spermien vermindert werden.
  • Eingeschränkte Zeugungsfähigkeit kann auch die Folge von Infektionen sein. Eine späte Mumpsinfektion – während oder nach der Pubertät – kann die Hoden befallen. Auch eine zu spät behandelte Ansteckung mit Clamydien – einem bakteriellen Erreger, der Entzündungen im Genitalbereich verursacht – kann die Spermienqualität dauerhaft beeinträchtigen.
  • Eine Varikozele kommt ebenso als Ursache eines schlechten Spermiogramms in Frage.

Dabei handelt es sich um ein Krampfaderngeflecht im Hoden, das je nach Schweregrad tastbar oder sogar sichtbar sein kann. Eine Varikozele erhöht Druck und Temperatur im Hoden, was sich negativ auf Spermienanzahl und -qualität auswirken kann. Zwischen 15 und 25 Jahren ist das Risiko der Bildung einer Varikozele am größten. Eine operative Behandlung ist nur nötig, wenn der Betroffene über Schmerzen klagt oder die Spermienqualität beeinträchtigt ist.

  • Hormonelle Störungen beeinträchtigen die Spermienqualität. Ein Mangel am männlichen Sexualhormon Testosteron führt zu einer geringeren Produktion von Samenzellen. Doch auch ein Prolaktinom, ein Tumor an der Hirnanhangdrüse, kann den Hormonhaushalt stören und so zu verminderter Fruchtbarkeit führen. 
  • In seltenen Fällen liegt eine Chromosomenstörung wie etwa das Klinefelter-Syndrom vor. Davon betroffene Männer sind unfruchtbar. 
  • Äußere Einflüsse wie Stress, übermäßiger Genuss von Nikotin oder Alkohol, Drogenkonsum, die Einwirkung von Pflanzenschutzgiften oder eine regelmäßige Überwärmung der Hoden (beispielsweise durch eine Sitzheizung) können die Spermienqualität ebenfalls mindern.
  • Bei einer sogenannten retrograden Ejakulation, also einem rückwärts gerichteten Samenerguss, gelangt die Samenflüssigkeit nicht nach außen, sondern über die Harnröhre in die Harnblase. Als Ursache dafür kommt unter anderem eine Form von Diabetes in Frage.
  • Eine absichtliche (Vasektomie) oder versehentliche (z.B. bei Leistenoperationen)Durchtrennung der Samenleiter kann dazu führen, dass sich keine Samenzellen im Sperma befinden.
  • Einige Medikamente oder Therapieformen wie etwa eine Strahlentherapie können ebenfalls Ursache eines ungünstigen Spermiogramms sein.
  • Bei rund 15 bis 20 Prozent der betroffenen Paare liegt eine sogenannte idiopathische Sterilität vor. Das bedeutet, dass es bei beiden Partnern keine medizinischen Ursachen für eine Unfruchtbarkeit gibt, sich aber dennoch der Kinderwunsch nicht erfüllt.

Je nach Diagnose kann entweder die Qualität der Spermien verbessert werden, oder es kommen medizinisch unterstützte Befruchtungsformen in Frage. Nur bei irreparablen Störungen wie etwa Chromosomendefekten ist eine Befruchtung unmöglich, da keine zeugungsfähigen Spermienproduziert werden.

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