Die Plazenta

Die Plazenta ist im wahrsten Sinne des Wortes ein überlebenswichtiges Organ und das nicht nur weil sie während der Schwangerschaft Unglaubliches leistet. Sie entsteht beinahe zeitgleich mit dem neuen Leben, ist für den stofflichen Austausch zwischen Mutter und Kind sowie für die Versorgung des Embryos zuständig.

Lage der Plazenta

Der so genannte Mutterkuchen haftet immer an der Gebärmutterwand, da er zum einen Anteile der Mutter (Blut, Zellgewebe) und zum anderen Anteile des Kindes (Zotten) enthält. Normalerweise liegt die Plazenta gegenüber vom Muttermund. Im Mutter-Kind-Pass sind häufig die Bezeichnungen „Vorderwandplazenta“ oder „Hinterwandplazenta“ zu lesen. Dies gibt Auskunft über die genaue Lage der Plazenta in der Gebärmutter. Für die Schwangerschaft an sich macht dies keinen Unterschied.

Wer eine Vorderwandplazenta hat, spürt die Tritte und Bewegungen seines Babys lediglich ein wenig später und gegebenenfalls auch schwächer, da sie wie ein Kissen zwischen Fötus und Bauchdecke liegt.

Aufgaben

Der Mutterkuchen ist ein echtes Allround-Talent. In Anbetracht der zahlreichen Funktionen, die sie in kurzer Zeit übernimmt, ist nicht nur das Wachstum des Embryos, sondern auch die Plazenta selbst ein kleines Wunderwerk der Natur. Zu ihren Hauptaufgaben zählen:      

  • Hormonproduktion: Hormone spielen während der Schwangerschaft bekanntlich eine besonders große Rolle. Sie sorgen für optimale Wachstumsbedingungen und zahlreiche körperliche Veränderungen der Mutter. Eine der Hauptaufgaben der Plazenta ist daher die Hormonproduktion. Sie schüttet unter anderem Östrogen und Progesteron aus. Außerdem übernimmt sie zwischen der 8. und 10. Schwangerschaftswoche die Produktion des Schwangerschaftshormons HCG (Humanes Choriongonadotropin).
  • Stoffwechsel: Mutter und Kind sind über die Nabelschnur eng miteinander verbunden. Sie führt von der Plazenta weg und bringt Nährstoffe, Vitamine und Sauerstoff zum Fötus. Darüber hinaus ist sie für den Abtransport von Abfallstoffen verantwortlich. Wichtig: es kommt zu keinem Blutaustausch zwischen Mutter und Kind. Zwischen den beiden Blutkreisläufen liegt die so genannte Plazentaschranke. Sie funktioniert wie ein Filter ist aber nicht vollkommen undurchlässig.

Weitere Aufgaben des Mutterkuchens sind: Wärmeregulation, Schutz des Ungeborenen, Aufbau des Nestschutzes durch den Transport von Antikörpern.

Mögliche Komplikationen

Da die Plazenta während der gesamten Schwangerschaft eine Schlüsselrolle in der Versorgung des ungeborenen Babys einnimmt, werden auftretende Probleme und Anomalien vom betreuenden Arzt/der betreuenden Ärztin in der Regel sehr ernst genommen. Bei den verpflichtenden Mutter-Kind-Pass-Kontrollen wird daher neben dem Wachstum des Fötus und dem Gesundheitszustand der Mutter auch immer die Plazenta untersucht (mittels Ultraschall). Komplikationen, die im Zusammenhang mit dem Mutterkuchen auftreten, können sich negativ auf die Schwangerschaft als auch auf die Geburt auswirken. Zu den häufigsten Problemstellungen zählen:

  • Plazenta Praevia: hierbei handelt es um eine Lageanomalie, die unentdeckt eine Gefährdung von Mutter und Kind während des Geburtsvorgangs darstellt. Wenn die Plazenta sehr nahe am Muttermund sitzt, diesen aber nicht verdeckt, steht einer natürlichen Geburt im Normalfall nichts im Wege. Bei einer plazenta praevia marginalis berührt der Mutterkuchen den Muttermund – ein Kaiserschnitt ist wahrscheinlich. Wird der Muttermund teilweise oder vollständig überdeckt (plazenta praevia partialis/totalis), ist eine Schnittentbindung indiziert.
  • Insuffizienz: von einer Plazentainsuffizienz spricht man, wenn die natürliche Funktionsweise des Mutterkuchens gestört ist. Er ist dann nicht mehr in der Lage, den Fötus ausreichend zu versorgen – der Stoffwechsel zwischen Mutter und Kind ist stark beeinträchtigt. Dadurch kann es zu Versorgungsengpässen kommen, die das Ungeborene ernsthaft gefährden. Man unterscheidet zwischen akuter (bei ungewöhnlicher Wehentätigkeit, starken Blutungen oder während der Geburt) und chronischer Plazentainsuffizienz. Es gibt einige Faktoren, die derartige Funktionsstörungen begünstigen. Dazu zählen: Konsum von Alkohol, Drogen oder Nikotin, Diabetes, starker Bluthochdruck und Infektionen.
  • Vorzeitige Ablösung: der Austritt der Plazenta markiert das Ende der Geburt. Es kann jedoch vorkommen, dass sich der Mutterkuchen vorzeitig teilweise oder vollständig von der Gebärmutterwand löst. Auch das ist eine akute Komplikation, die unverzügliche ärztliche Kontrolle und gegebenenfalls ein medizinisches Einschreiten erfordert. Häufig wird in solchen Situationen eine Kaiserschnittentbindung veranlasst und das Baby anschließend auf der Neonatologie versorgt.
  • Verkalkung: so genannte Verkalkungen der Plazenta sind nichts anderes als Alterserscheinungen. In den meisten Fällen handelt es sich nur um leichte Verkalkungen, die entstehen können, wenn der Nachwuchs seinen Aufenthalt in Mamas Bauch um ein oder zwei Wochen verlängert. Grund zur Sorge besteht nicht. Rund um den Geburtstermin werden Schwangere ohnehin engmaschiger überwacht und der Zustand der Plazenta via Ultraschall kontrolliert.

Nachgeburt

Auch wenn es für viele Mamas in diesem besonderen Moment gar nicht mehr wichtig erscheint: eine Geburt ist erst dann beendet, wenn auch die Plazenta geboren wurde. Sobald das kleine Menschlein auf der Welt ist, beginnt die so genannte Nachgeburtsphase. Es dauert normalerweise 10 bis 30 Minuten bis sich die Plazenta von der Gebärmutterwand löst. Der weibliche Körper unterstützt den Prozess durch Wehen, die jedoch selten als schmerzhaft empfunden werden. Längere Ablösungsphasen sind auch möglich, allerdings müssen Hebammen/GeburtshelferInnen in dieser Zeit darauf achten, dass sich die Mutter weiterhin wohl fühlt und (sehr wichtig) ihr Kreislauf stabil bleibt.

Häufig wird der natürliche Ablösungsvorgang in Geburtskliniken beschleunigt z.B. durch die Verabreichung von wehenauslösendem Oxytocin. Darüber hinaus ist es vielerorts auch üblich auf den Bauch zu drücken oder an der Nabelschnur zu ziehen. Alle Maßnahmen, die die Geburt des Mutterkuchens künstlich beschleunigen, werden von Hebammen zunehmend kritisch gesehen. So lange keine medizinische Notwendigkeit besteht, sollte man der Nachgeburtsphase ebenso viel Raum geben, wie der Geburt an sich.

Ist die Plazenta geboren, wird sie sogleich auf Vollständigkeit kontrolliert. Haben sich nur Teile gelöst, muss ein operativer Eingriff folgen, bei dem die restlichen Bestandteile aus der Gebärmutter entfernt werden. Dies ist notwendig, um einen sachgemäßen Abheilungsprozess sicherzustellen. Was nach der Geburt mit dem Mutterkuchen geschehen soll, entscheiden die frisch gebackenen Eltern selbst. Routinemäßig wird er von der Hebamme/vom Spitalspersonal entsorgt.

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, Plazentaglobuli herstellen zu lassen. Ihre Wirkung geht auf die Eigenbluttherapie zurück – die Globuli werden bei unterschiedlichen Erkrankungen (des Säuglings als auch der Mutter) angewandt. Manche Eltern nehmen den Mutterkuchen auch mit nach Hause, um ihn dort im Garten zu vergraben und darauf neues Leben in Form eines Bäumchens oder einer Blume zu pflanzen.

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