Die Scheidenflora in der Schwangerschaft

In den Schleimhäuten deiner Scheide haben sich unendliche viele Mikroorganismen und Keime angesiedelt. Sie bilden gemeinsam die sogenannte Scheidenflora und schützen vor unliebsamen Erregern und Eindringlingen. Aufgrund hormoneller Umstellungen wie beispielsweise in einer Schwangerschaft, kann das Scheidenmilieu jedoch gewissermaßen kippen. Infektionen, Vaginosen oder Pilzerkrankungen sind die Folge.

Die Scheidenflora in der Schwangerschaft

Gestörtes Milieu in der Scheide

Wir wissen also: Die Scheide ist von Millionen Bakterien besiedelt. Dabei handelt es sich um Milchsäurebakterien, die sich hier besonders wohlfühlen. Pro einem Milliliter Scheidensekret können bis zu 100 Millionen Milchsäurebakterien nachgewiesen werden! Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit anderen Keimen und Pilzen, den Haushalt der Scheide im Gleichgewicht zu halten. So senken sie beispielsweise den pH-Wert – das wiederum macht es für „schlechte“ Erreger weniger interessant, sich in den Schleimhäuten anzusiedeln. Nun, wenn alles rund läuft, benötigt deine Scheide keine besondere Pflege, alle Prozesse regulieren sich von selbst.

Stress, eine einseitige Ernährung, die Einnahme von Medikamenten oder eine Umstellung im Hormonhaushalt, können sich jedoch auch auf deine Scheidenflora auswirken. Sie ist sensibler, als du es bisher vielleicht angenommen hast. Üblicherweise liegt der pH-Wert in der Scheide unter 4,5 und das ändert sich auch nicht, wenn du schwanger wirst. Allerdings hast du in der Schwangerschaft möglicherweise mehr Stress, mehr Sorgen und Ängste, du ernährst dich anders (Heißhunger!) oder du musst mehr Untersuchungen absolvieren. Emotionaler Stress sowie die Veränderung deines Hormonspiegels können das Immunsystem schwächen – ein perfekter Nährboden für Keime. Das Milieu kippt, wenn ein Erreger, ein Keim oder ein Pilz im Überfluss vorhanden sind und die Zusammensetzung der Scheidenflora gefährden. Ein Teil der Infektionen verläuft unbemerkt. Normalerweise sind jedoch verstärkter Ausfluss mit intensivem fischartigem Geruch, Juckreiz und Hautrötungen (z.B. an den Schamlippen und dem Scheideneingang) ein Hinweis auf eine Infektion. Manche Frauen haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder auf der Toilette.

Diagnose

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge absolvierst du ohnehin die vorgeschriebenen Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen. Diese beinhalten auch immer eine gynäkologische Untersuchung, bei der ein sogenanntes Nativpräparat aus der Scheide gewonnen und unter dem Mikroskop betrachtet wird. Dein Gynäkologe/deine Gynäkologin beurteilt dabei die „Cluecells“. Das sind vaginale Zellen, die mit Bakterien besiedelt sind. Außerdem kann der pH-Wert der Scheide gemessen werden. Er ist bei vielen Infektionen deutlich erhöht. Dein Arzt/deine Ärztin wird dich auch befragen, ob du typische Symptome wie Juckreiz, Rötungen oder ein Brennen verspürt hast.

Je nach Diagnose verschreibt er/sie Zäpfchen, Cremes, Spülungen oder Gele, die vaginal zur Anwendung kommen, oder Medikamente zum Einnehmen. Pilzinfektionen sind gegen Ende der Schwangerschaft relativ häufig, sie können in der Regel aber gut behandelt werden. Bakterielle Vaginosen darf man ab einer gewissen Schwangerschaftswoche mit einem Antibiotikum behandeln.

Bakterielle Vaginose

Etwa 7-20% aller Schwangeren leiden unter einer bakteriellen Vaginose. Es handelt sich hierbei um eine Infektion der Scheide, die von Bakterien ausgelöst wird. Am häufigsten kann der Erreger Gardnerella vaginalis nachgewiesen werden, aber auch Infektionen mit anderen Bakterien sind möglich, ebenso wie eine Mischinfektion aus Pilzen und Bakterien.  Nicht jede Vaginose wird von den Betroffenen sofort als solche erkannt. Manche Frauen haben kaum bis gar keine Symptome, andere bemerken übel riechenden Ausfluss (z.B. nach dem Geschlechtsverkehr), seltener Juckreiz oder Rötungen.

Üblicherweise wird im Rahmen der Therapie ein Antibiotikum mit dem Wirkstoff Clindamycin in Form von Zäpfchen oder in Form von Tabletten (orale Einnahme) verabreicht. Nach der Behandlung wird die Scheidenflora mithilfe von Milchsäurebakterien (z.B. Döderlein-Kapseln) wiederaufgebaut. Vorbeugend und bei aufeinanderfolgenden Vaginosen empfehlen GynäkologInnen die Verwendung von speziellen Vaginalgels, die mittels Applikators in der Scheide angebracht werden und die Scheidenflora stabilisieren sollen. Auch in der Schwangerschaft wird eine Vaginose mit einem Antibiotikum behandelt – allerdings ist die Darreichungsform je nach Schwangerschaftsdrittel abweichend. Eine regelmäßige Kontrolle ist unerlässlich, da eine unentdeckte Vaginose zu einem vorzeitigen Blasensprung oder einer Frühgeburt führen kann.

Scheidenentzündung (Kolpitis)

Eine Kolpitis ist eine Entzündung der Scheide und gewissermaßen ein Sammelbegriff für den Großteil aller Komplikationen in diesem Bereich. Der genaue Verlauf und die Symptomatik sind von den jeweiligen Erregern abhängig. Im Gegensatz zur bakteriellen Vaginose ist bei einer Scheidenentzündung auch der gesamte äußere Bereich der Scheide, die Vulva sowie die Schamlippen betroffen. Diese Stellen sind gerötet, manchmal geschwollen, sie können jucken oder brennen (z.B. auf der Toilette, beim Geschlechtsverkehr). In manchen Fällen lassen sich auch Knötchen an den Schleimhäuten oder undefinierbare Rötungen feststellen. Begleiterscheinung einer Kolpitis ist auch immer starker Ausfluss, der wiederum je nach Erreger, anders riecht. Die Beschaffenheit des Sekretes reicht von dünn-weißlich, über grün-geblich, schleimig bis hin zu schaumig-weiß.

Eine Scheidenentzündung muss in jedem Fall behandelt werden. Im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung wird ein Abstrich gemacht und die Besiedelung der Scheide unter dem Mikroskop untersucht. Je nach Auslöser stehen dann unterschiedliche Therapien zur Verfügung.

Pilzinfektionen

Sie sind nicht nur in der Badesaison der „Klassiker“ unter den Frauenkrankheiten. Infektionen mit dem Hefepilz Candida albicans sind ein häufiges Problem, das viele Frauen (ob schwanger oder nicht schwanger) kennen. Von einem Scheidenpilz sind sowohl die Scheide als auch die äußeren Geschlechtsorgane befallen. Sie sind gerötet und jucken zumeist stark. Außerdem lässt sich ein weißer, leicht krümeliger Ausfluss beobachten. Manchmal empfinden Betroffene den Sex als schmerzhaft. Im letzten Schwangerschaftsdrittel ist das Risiko für eine Pilzinfektion am höchsten, da die hormonellen Veränderungen das Immunsystem schwächen und sich die Pilze im feucht-warmen Milieu der Scheide noch schneller vermehren können.

Wenn das System kippt, heißt es für dich: Bitte um Abklärung beim Frauenarzt/bei der Frauenärztin. Es gibt frei verkäufliche Mittel gegen Pilzinfektionen in der Apotheke, diese solltest du jedoch nur nach medizinischer Rücksprache anwenden. Zumeist wird ein Antipilzmittel (Antimykotikum) als Zäpfchen mit einer juckreizstillenden Creme kombiniert. Eine lokale Behandlung ist üblicherweise ausreichend. Da Infektionen in der Schwangerschaft eine Frühgeburt auslösen können, sind regelmäßige Kontrollabstriche empfehlenswert. Wenn du möchtest, kannst du den pH-Wert deiner Scheidenflora auch zu Hause testen. Das wird vor allem Frauen mit einem Frühgeburtsrisiko und immer wiederkehrenden Infektionen empfohlen.

Tipps für eine stabile Scheidenflora

Wir haben ein paar Ideen gesammelt, wie du verhindern kannst, dass deine Scheidenflora ins Ungleichgewicht gerät. Die Tipps gelten sowohl für Schwangere als auch nicht schwangere Frauen:

  • Verzichte bei deiner Unterwäsche auf synthetische Materialien und luftundurchlässige Kleidung (wie z.B. Bodys).
  • Slipeinlagen sollten ebenfalls luftdurchlässig und unparfümiert sein. Mittlerweile gibt es auch schon Einlagen, die aus Bio-Baumwolle hergestellt sind. Alternativ kannst du auch Slipeinlagen und Binden aus Stoff verwenden.
  • Wenn du keine Menstruationstasse benutzt, empfiehlt es sich, dein Tampon alle 2-3 Stunden zu wechseln.
  • Verzichte auf übertriebene Intimhygiene! Eine tägliche Reinigung unter lauwarmem Wasser ist vollkommen ausreichend. Wenn du möchtest, kannst du gelegentlich eine Waschlotion verwenden, die für den Intimbereich hergestellt wurde. Bei Scheidentrockenheit empfehlen sich Lotionen und Gele, die das natürliche Milieu der Scheide nicht stören.
  • Je gereizter die Haut im Intimbereich ist, desto anfälliger zeigt sie sich für Infektionen. Achte also darauf, dass deine Vulva direkt nach dem Enthaaren keiner strengen Reibung ausgesetzt ist, z.B. beim Geschlechtsverkehr oder durch sehr enge Kleidung, die scheuert.
  • Ist dein Partner auch betroffen oder kehrt die Infektion immer wieder zurück – solltest du eine Behandlung deines Partners andenken. Ansonsten besteht das Risiko, die Erreger beim ungeschützten Geschlechtsverkehr hin und her zu geben.
  • Beim Einsatz von alternativen Mitteln oder Hausmitteln solltest du vor allem in der Schwangerschaft immer zuvor mit deiner Hebamme oder deiner Gynäkologin/deinem Gynäkologen sprechen. In manchen Fällen haben sich beispielsweise Rosenzäpfchen oder Anwendungen mit Teebaumöl sehr bewährt – von einer Eigentherapie wird jedoch abgeraten.
  • Achte darauf, dass Unterwäsche und Handtücher regelmäßig bei 60 Grad in die Maschine wandern.

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