Hausgeburt

Neben einer ambulanten oder einer stationären Geburt, besteht die Möglichkeit, den Nachwuchs in den eigenen vier Wänden auf die Welt zu bringen. Während der Anteil an Hausgeburten in den Niederlanden bei etwa 30% liegt, ist er in Österreich mit 1,5% jedoch verschwindend gering. Dafür gibt es laut ExpertInnen zwei Gründe.

Einerseits sind die Kosten für eine Hausgeburt für die Eltern relativ hoch – von den Krankenkassen wird nur ein Teil zurückerstattet. Andererseits ist der Geburtsprozess stark im medizinischen Kontext verankert und wird daher überwiegend Krankenhäusern und Spitälern zugeordnet. Diese Zuschreibung findet sowohl seitens der Sozialversicherungsträger, die Geburten im Krankenhaus zu 100% finanzieren, als auch seitens der Eltern, die sich häufig aufgrund fehlender Informationen für den Gang ins Krankenhaus entscheiden, statt. Das österreichische Hebammengremium bemüht sich daher seit einigen Jahren um Aufklärung. Erblickt ein Kind das Licht der Welt, ist dies ein natürlicher Prozess und jede Frau soll die Möglichkeit haben, sich frei für jenen Geburtsort zu entscheiden, an dem sie sich wohl fühlt.

Hebammenbetreuung

Wer in der eigenen Wohnung entbinden möchte, der erhält dabei Unterstützung von einer erfahrenen Hebamme. Sie ist rund um den errechneten Geburtstermin in Rufbereitschaft und steht der Gebärenden zur Seite, sobald die ersten Wehen einsetzen. Die Hebammenbetreuung beginnt jedoch schon einige Monate zuvor, im Idealfall schon in der Frühschwangerschaft. Es empfiehlt sich, bereits innerhalb des ersten Trimesters oder bis spätestens zur 20. Schwangerschaftswoche eine geeignete Hebamme zu suchen und mit ihr Kontakt aufzunehmen.

Bei einem ersten Treffen macht sich die Hebamme ein Bild vom Gesundheitszustand der werdenden Mutter. Außerdem werden Vorstellungen, Ängste und Wünsche rund um die geplante Hausgeburt thematisiert. Schließlich ist eine Hausgeburt ein sehr intimes, persönliches Ereignis – daher muss die Gesamtsituation für alle Beteiligten (auch für den Partner bzw. den Geburtspartner/die Geburtspartnerin) stimmig sein. Die Aufgabe der Hebamme ist es, die schwangere Frau auf ihrem Weg zu begleiten. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Fragen während der Schwangerschaft, unterstützt aktiv bei der Geburt und sie übernimmt danach auch die Betreuung im Wochenbett. Im Laufe der Zeit entwickelt sich zwischen den werdenden Eltern und der Hebamme eine intensive Beziehung, die Studien zu Folge einen positiven Geburtsverlauf begünstigt, da die Gebärende sich geborgen und sicher fühlt.

Voraussetzungen

Verläuft eine Schwangerschaft ohne Komplikationen, dann ist eine Hausgeburt genauso sicher wie eine Entbindung im Krankenhaus. Dies ist das Ergebnis mehrerer Studien, die zur Sicherheit von außerklinischen Geburten durchgeführt wurden. Wenn sich eine schwangere Frau wünscht, in den eigenen 4 Wänden zu entbinden, dann muss sie jedoch gewisse Voraussetzungen erfüllen. An erster Stelle steht der Gesundheitszustand von Mutter und Kind. Bei regelmäßigen Kontrollen verfolgen sowohl Arzt/Ärztin als auch Hebamme den Verlauf der Schwangerschaft und die Entwicklung des Kindes. Die Untersuchungen nach dem Mutter-Kind-Pass sowie Gespräche mit der Schwangeren stellen eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Hebammen dar. Sie stimmen einer Hausgeburt nämlich nur dann zu, wenn gewisse Risikofaktoren ausgeschlossen werden können. Dazu zählen:

  • Komplikationen bei vorangegangenen Schwangerschaft/Geburten
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Lageanomalien des Kindes z.B. Steißlage, Querlage
  • Andere Risikofaktoren wie beispielsweise Schwangerschaftsdiabetes, hoher Blutdruck, Blutungen
  • Placenta Praevia (Plazenta verschließt den Muttermund teilweise oder vollkommen)

Zusätzlich zu den medizinisch/gesundheitlichen Faktoren spielen auch persönliche, individuelle Aspekte eine Rolle. Im Gespräch wird die Hebamme versuchen herauszufinden, warum sich die werdenden Eltern für eine Hausgeburt entscheiden, ob sie tatsächlich die intime Atmosphäre bevorzugen oder ob vielleicht eine unbewusste Angst vor Spitälern/Krankenhäusern dahintersteckt. Stimmt die Hebamme dem Entschluss zu Hause zu entbinden zu, dann gilt es, die Wohnung auf die Geburt vorzubereiten. Im Regelfall verschafft sich die Hebamme bei ihren Hausbesuchen einen Überblick über die Gegebenheiten vor Ort. Anschließend bespricht sie gemeinsam mit den Eltern, welche Anschaffungen z.B. wasserfeste Unterlagen, genügend Handtücher, Stoffwindeln noch getätigt werden müssen.

Hinweis: wer eine Hausgeburt plant, sollte sich gleichzeitig auch im nächstgelegenen Krankenhaus für die Geburt anmelden. Wenn sich herausstellt, dass die Entbindung doch nicht wie geplant zu Hause stattfinden kann, ist das Krankenhaus dann zumindest vorbereitet.

Vorteile einer Hausgeburt

Nicht für jede Schwangere ist die eigene Wohnung der ideale Ort, um den Nachwuchs auf die Welt zu bringen. Ob eine Hausgeburt in Frage kommt oder nicht, hängt von individuellen Bedürfnissen und Wünschen ab. Während die einen die medizinische Infrastruktur im Krankenhaus schätzen, legen andere Wert auf Privatsphäre und Ruhe. Hebammen und Frauen, die bereits zu Hause entbunden haben, führen folgende Vorteile einer Hausgeburt an:

  • Die vertraute Umgebung wirkt beruhigend und positiv auf den Geburtsverlauf.
  • Aufgrund des starken Vertrauensverhältnisses zwischen Hebamme und Gebärender kommt es seltener zu Geburtskomplikationen.
  • Der Betreuungsschlüssel liegt bei 1:1. Die Hebamme konzentriert sich voll und ganz auf die Gebärende und ihre Bedürfnisse.
  • Geschwisterkinder und/oder andere Familienmitglieder können, sofern gewünscht, bei der Geburt anwesend sein.
  • Die Gebärende agiert ausschließlich nach ihren Vorstellungen. Sie kann sich frei bewegen und Gebärpositionen beliebig oft wechseln.
  • Es gibt keine Einflüsse von außen (z.B. Piepsen medizinischer Geräte oder hektisches Treiben) – die Gebärende kann sich ungestört auf die Geburt einlassen.
  • Hilfsmittel wie Saugglocke oder Geburtszange kommen seltener zum Einsatz. Dammschnitte werden ebenfalls seltener gemacht.

Nachteile einer Hausgeburt

Häufigstes Argument von Kritikern ist die fehlende medizinische Infrastruktur bei einer Hausgeburt. Das ist natürlich ein Punkt, der im Vorfeld thematisiert werden muss. Grundsätzlich gilt: Hebammen sind verpflichtet, die Verlegung in ein Krankenhaus zu veranlassen, sollten sich unerwartete Komplikationen abzeichnen. Frauen mit schwierigem Schwangerschaftsverlauf werden bereits im Vorfeld nicht für eine Hausgeburt angenommen.

Folgende Nachteile bringt eine Entbindung zu Hause mit sich:

  • Im Notfall muss die Gebärende sofort in das nächstgelegene Krankenhaus überstellt werden – dieser Transport nimmt kostbare Zeit in Anspruch.
  • Hebammen dürfen nur leichte Schmerzmittel und alternative Methoden der Schmerzlinderung anbieten. Die Verabreichung von starken Schmerzmitteln oder einer Epiduralanästhesie ist bei einer Hausgeburt nicht möglich.
  • Eltern müssen einen Teil der Kosten selbst übernehmen.

Kosten

Je nach Hebammen-Tarif kostet eine Hausgeburt zwischen 1.400 und 1.600 Euro. In den meisten Fällen sind Rufbereitschaft und Vorsorgeuntersuchungen schon inkludiert. Die Kosten sind von den Eltern selbst zu tragen, eine Rückerstattung durch die Krankenkasse ist jedoch möglich. Rückerstattet werden 80% des geltenden Kassentarifs für Hebammen/Vorsorgeuntersuchungen/Geburten. Hebammen, die über einen Kassenvertrag verfügen und Hausgeburten anbieten, rechnen direkt mit der Gebietskrankenkasse ab. 

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