Interventionen zur Prävention einer Mastitis nach Geburt eines Kindes

Wer sein Kind stillt, legt damit einen guten Grundstein für die positive gesundheitliche Entwicklung. Die allgemeine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet daher, dass Kinder so rasch wie möglich nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden sollen. Ebenso gilt das ausschließliche Stillen bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat als optimal, anschließend kann mit der Beikost begonnen werden. Das Ende der Stillzeit wird von Mutter und Kind individuell bestimmt. Grundsätzlich kann bis zum zweiten Lebensjahr oder darüber hinaus gestillt werden. Auch Langzeitstillkinder profitieren von den Inhaltsstoffen der Muttermilch.  

Fakten-Box

Titel im Original: Interventions for preventing mastitis after childbirth

Veröffentlichungsdatum: 29.09.2020

StudienautorInnen: Maree Crepinsek, Emily Taylor, Keryl Michener, Fiona Stewart

Status: Peer Reviewed

Link: https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD007239.pub4/full/de

Hintergrund der Studie

In der Praxis fällt die durchschnittliche Stilldauer deutlich geringer aus als jener Zeitraum, der von der WHO empfohlen wird. Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungen. Zum einen liegt es daran, dass bei manchen Frauen der Stillstart problematisch verläuft, die Milchbildung nur zögerlich in Gang kommt, das Baby nicht ordentlich ansaugt und die Frauen vielerorts nicht ausreichend unterstützt werden in solchen Situationen (z. B. durch eine Hebamme oder Stillberaterin). Zum anderen sind Komplikationen im Laufe der Still-Karriere ein Grund diese vorzeitig zu beenden. Zu den häufigsten Stillproblemen zählen Entzündungen der Brust, die sowohl infektiös als auch nicht infektiös verlaufen können.

Ziel der Studie ist es herauszufinden, wie gewisse Strategien zur Vorbeugung einer erstmalig auftretenden oder wiederkehrenden Brustentzündung wirken. Das ist insofern relevant, als eine Brustentzündung Mütter davon abhalten kann, so lange zu stillen, wie sie es gerne möchten. Je besser die Prävention funktioniert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter entlang der empfohlenen Stilldauer stillen kann (wenn sie es möchte).

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um eine Meta-Analyse von bestehenden Studien. Herangezogen wurden das Cochranee Pregnancy and Childbirth's Trials Register, ClinicalTrials.gov, die International Clinical Trials Registry Platform (ICTRP) der WHO (3. Oktober 2019) und die Referenzlisten der gefundenen Studien. Die Studien wurden von zwei ExpertInnen unabhängig voneinander überprüft, insbesondere um die Evidenzsicherheit nach Arbeitsgruppe GRADE (“Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation”) zu gewährleisten. Einbezogen wurden quasi-randomisierte kontrollierte Studien und abstrakte Studien. Wo es möglich war, wurden die Autoren nach bislang unveröffentlichten Ergebnissen gefragt.

Studienergebnisse

Insgesamt wurden 10 Studien in dem Review eingeschlossen (3034 stillende Frauen), neun davon (2395 stillende Frauen) lieferten auswertbare Daten. Die AutorInnen weisen jedoch darauf hin, dass bei manchen Studien die Evidenz als nicht sicher eingestuft werden muss, da sie entweder zum Teil von industriellen Interessenvertretern finanziert wurden oder das Sample zu klein ausgefallen ist (zu wenige Teilnehmerinnen für repräsentative Ergebnisse). Dem Großteil der Studien ist zu entnehmen, wie viele Frauen an einer Brustentzündung erkranken, es gab jedoch wenige Hinweise darauf, ob Nebenwirkungen wie Schmerzen in der Brust, Brustabszesse oder wunde Brustwarzen auftreten. Ebenso fand man keine Hinweise auf die Stilldauer sowie wiederkehrende Brustentzündungen. Aufgeschlüsselt wurden die Ergebnisse nach drei häufigen Interventionen bei der Therapie bzw. Vorbeugung einer Mastitis:

  1. Therapie mit Probiotika: Probiotika können das Risiko für eine Brustentzündung möglicherweise verringern. Die Ergebnisse der dazu gefundenen Studie sind jedoch wenig evident, da die Forschergruppe mit einem Hersteller von Probiotika kooperiert hat.
  2. Antibiotikabehandlung: Das Risiko, an einer Mastitis zu erkranken, wird ähnlich eingeschätzt bei Behandlung mit Antibiotika und Fusidinsäure‐Salbe, Antibiotika und Mupirocin‐Salbe, Fusidinsäure‐Salbe und Stillberatung, Mupirocin‐Salbe und Stillberatung, Fusidinsäure und Mupirocin, bei einer Einheit Stillberatung sowie der Routineversorgung.
  3. Manuelle Behandlungen mit Niedrigfrequenztherapie oder Akupunkt-Massage: Sowohl die Massage von Akupunkturpunkten als auch die Behandlung mit Elektroimpulsen im Niedrigfrequenzbereich senken wahrscheinlich das Risiko für eine Brustentzündung.

Empfehlungen der AutorInnen

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es vereinzelt Hinweise darauf gibt, dass die Verabreichung von Probiotika wirksam sein könnte (im Vergleich zur Gabe von Placebo), dass Akupunkt-Massage wirksamer sein könnte als eine Routinebehandlung und dass Brustmassagen und die Niederfrequenzimpulsbehandlungen ebenfalls vorbeugend wirken könnten. Die AutorInnen weisen jedoch explizit darauf hin, dass ihnen die Ergebnisse einer großen Probiotika-Studie nicht bekannt sind, da sie bislang nicht veröffentlicht wurden. Die Evidenz der Studien im Review ist allgemein als gering anzusehen. Die AutorInnen fordern die Durchführung größerer Studien, die eine ausreichende Anzahl an Teilnehmerinnen umfassen, um klinisch bedeutsame Unterschiede zwischen den einzelnen Interventionen identifizieren zu können. Ebenso setzen sie sich dafür ein, dass alle verfügbaren Studienergebnisse in diesem Themenfeld öffentlich zugänglich gemacht werden sollen.

Brustentzündung oder Milchstau?

Die Unterscheidung einer Brustentzündung und eines Milchtaus ist in der Praxis manchmal fehleranfällig, da die Symptome zumindest zu Beginn beider Komplikationen ähnlich gelagert sind. Bei einem Milchstau kommt es zu verhärteten Stellen und einem vermehrten Schmerzempfinden an der Brust, häufig wird auch das Stillen als schmerzhaft wahrgenommen. Der Bereich rund um die Stauung in den Milchkanälen ist gerötet und eventuell warm/heiß. Wird der Milchstau nicht behandelt oder liegt eine bakterielle/nicht bakterielle Infektion zugrunde, kann sich in weiterer Folge eine Brustentzündung entwickeln. Es kommen Symptome wie Schüttelfrost, Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit hinzu. In so einem Fall ist eine ärztliche Behandlung unerlässlich, es gibt stillverträgliche Medikamente sowie Antibiotika. Ein Abstillen ist bei der richtig gewählten Intervention nicht erforderlich.

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