Kindersicherheit im Auto: Ein Ratgeber für Babyschale, Reboarder und Kindersitz

Wir widmen uns in dieser Artikelserie dem wichtigen Thema der Kindersicherheit im Auto. Noch vor der Geburt musst du dir Gedanken darüber machen, wie du am Heimweg von der Klinik im Auto sicherst, am besten ist die Babyschale in den letzten Schwangerschaftswochen schon fix montiert. Mit dem Wachstum deines Kindes ändern sich die Anforderungen an einen Autokindersitz. Zudem gibt es gesetzliche Bestimmungen, unterschiedliche Sitzgruppen und seit kurzer Zeit auch die neue EU-weite i-Size Norm. Wir haben alle Informationen für dich gesammelt – beginnen wir nun mit den Grundlagen der Kindersicherung.

Die gesetzlichen Bestimmungen in Österreich

Ob Baby, Klein- oder Kindergartenkind, es ist deine Pflicht, dein Kind altersgerecht im Auto zu sichern. Wie lange Kinder entsprechend gesichert werden müssen, ist im § 106 des Kraftfahrgesetzes geregelt. Seit einer Novellierung im März 2019 gilt die verpflichtende Gurtsicherung mit einem Kindersitz oder einer Sitzerhöhung nur mehr bis zu einer Körpergröße von 135cm. Das bedeutet, wenn dein Kind größer als 135cm ist, darfst du es mit dem normalen Autogurt anschnallen.

Die ExpertInnen gehen aber dennoch davon aus, dass Kinder auch ab einer Körpergröße von 135cm in einem sogenannten Rückhaltesystem besser gesichert sind als mit dem bloßen Autogurt. Für ältere Kinder bietet sich hier eine Sitzerhöhung mit Gurtführung an – vor allem bei schmäleren Kindern besteht nämlich die Gefahr, dass sie unter dem Gurt durchrutschen, durch die vorgegebene Führung kann dies verhindert werden.

Aufgepasst im Urlaub

Woran du vielleicht nicht denkst: Im Ausland gibt es für die Beförderung von Kindern bis zu einem gewissen Alter gesetzliche Bestimmungen, die sich nicht mit jenen in Österreich decken. Das ist etwas, das du bei Urlaubsreisen ins benachbarte Ausland beachten solltest. In Kroatien, Tschechien, Italien, Ungarn, in der Schweiz und in Slowenien sieht die Verkehrsordnung für Kinder unter 150cm Körpergröße und/oder unter 36 kg Körpergewicht einen Kindersitz vor.

In Italien ist der rückwärtsgerichtete Transport von Kindern unter neun Kilo zudem Pflicht. Erkundigen solltest du dich auch, wenn du einen Mietwagen vor Ort ausborgen möchtest. Es gilt abzuklären, ob die Autovermietung gesetzeskonforme Sitze zur Verfügung stellt oder ob ihr mitgebrachte Sitze befestigen könnt.

ECE-Norm

ECE-Normen sind Richtlinien, die von der Europäischen Wirtschaftskommission festgelegt und von den einzelnen Mitgliedsstaaten freiwillig anerkannt werden. Um die Sicherheit der Autokindersitze auch seitens der Hersteller zu gewährleisten, gelten für Babyschalen, Sitze und Sitzerhöhungen die ECE-Normen 44.04. (beim Kauf) sowie 44.03. (bei der Verwendung).

Kindersitze, die diesen Normen nicht entsprechen, dürfen im Auto nicht verwendet werden. Jeder Sitz ist gewissermaßen mit einer Plakette ausgestattet, auf der die Prüfnummer vermerkt ist. Die Aktualität der Plakette solltest du unbedingt vor dem Neukauf und vor allem beim Kauf eines gebrauchten Autokindersitzes überprüfen. Der Aufkleber gibt zudem die Art der Verwendung (universal, semi-universal, fahrzeugtypisch) sowie das zugelassene Körpergewicht an.

© Zwergperten

i-Size

2013 wurde mit der UN R129-Verordnung eine neue Norm für Kindersitze eingeführt. Sitze, die nach i-Size zugelassen sind, müssen strengere Kriterien erfüllen als jene aus der „alten“ Sitzgruppenzuteilung. Bei i-Size orientiert man sich an der Körpergröße des Kindes. Die Hersteller legen von sich aus fest, in welchem Größenbereich der Sitz genutzt werden darf. Im erforderlichen Zulassungsverfahren werden die Angaben geprüft. Die Ausrichtung auf die Körpergröße des Kindes soll für mehr Sicherheit und dafür sorgen, dass Kinder nicht zu früh in den nächstgrößeren Sitz gesetzt werden.

Eine weitere Neuerung bringt i-Size mit sich: Bis zum 15. Lebensmonat müssen Kinder rückwärts gerichtet, also entgegen der Fahrtrichtung, transportiert werden können. Das bedeutet, Hersteller müssen gewährleisten, dass Sitze nicht nur in die Fahrtrichtung, sondern auch gegen die Fahrtrichtung verwendet werden können. Bei sogenannten Reboardern, die als Nachfolger einer Babyschale zum Einsatz kommen, ist das ohnehin der Fall. Crashtests haben gezeigt, dass der Nachwuchs rückwärtsgerichtet vor allem bei einem Frontalaufprall besser geschützt ist. Auch Hals-, Nacken-, und der Wirbelbereich sind bei einem Aufprall weniger Belastungen ausgesetzt.

So findest du den richtigen Kindersitz

Beschäftigen solltest du dich mit dem Thema bereits während der Schwangerschaft – schließlich benötigst du nach der Entbindung eine sichere Transportlösung für dein Baby. Derzeit bekommst du am Markt Autokindersitze, die sowohl nach dem Sitzgruppensystem (Klassifizierung nach Gewicht) als auch nach i-Size (Klassifizierung nach Körpergröße) eingeteilt sind.

Je nach Alter und Gewicht deines Kindes kommen für dich folgende Klassen in Frage:

Gruppe 0 (0 – 10 kg) und 0+ (0 – 13 kg): Dabei handelt es sich immer um eine Babyschale, die rückwärts gerichtet im Auto montiert wird oder eine Reboarder-Babyschale.

Gruppe 1 (9 – 18 kg): Je nach Modell werden diese Sitze in oder gegen die Fahrtrichtung (Reboarder) befestigt. Die Sicherung erfolgt immer mittels eines 5-Punkte-Gurts, der direkt an der Babyschale/dem Kindersitz angebracht ist.

Gruppe 2/3 (15 – 36 kg): Darunter versteht man jene Modelle, die dann auch noch später im Schulalter verwendet werden können. Dein Kind kann bis zu einer Körpergröße von 150cm auf einer Sitzerhöhung oder in einem Sitz mit Rückenlehne transportiert werden. Gesetzlich vorgeschrieben ist so eine Erhöhung nur mehr bis zu einer Größe von 135cm. Sitze dieser Gruppe werden mit ISOfix (wenn vorhanden) und dem Gurt des Autos gesichert.

Tipps für den Kauf

Beginnen wir mit dem wichtigsten Tipp: Der Kindersitz muss in dein Auto passen. Das klingt jetzt möglicherweise etwas übertrieben, wenn wir es extra anführen, aber nicht jeder Kindersitz kann in jedem beliebigen Automodell so angebracht werden, dass er dein Kind ausreichend schützt. Wir empfehlen dir also, dich von einem Experten/einer Expertin oder einem Mitarbeiter/einer Mitarbeiterin des ARBÖ oder ÖAMTC ausreichend beraten zu lassen.

Im ersten Schritt legst du eine Babyschale, einen Sitz, eine Sitzerhöhung (was auch immer dem Alter und der Größe deines Kindes entspricht) fest. Anschließend überprüfst du, ob der Sitz mit dem Auto, in dem er hauptsächlich verwendet wird, kompatibel ist. Viele Fachgeschäfte und auch die Autofahrerclubs bieten die Möglichkeit, dein Auto (und vielleicht auch dein Kind) zum Kauf mitzunehmen. Du kannst dann direkt vor Ort probieren, wie sich der Autokindersitz für dein Kind anfühlt (z.B. ob der Fangkörper akzeptiert wird) und ob der Einbau in deinen Wagen klappt. Die korrekte Befestigung im Fahrzeug ist nämlich das Um und Auf.

ISOfix Vorrichtung

Idealerweise hast du in deinem Auto eine ISOfix Vorrichtung. Es handelt sich hierbei um Befestigungsbügel, die mit der Karosserie deines Fahrzeuges verbunden beziehungsweise fix verbaut sind. Verfügt dein Kindersitz also über eine ISOfix Befestigung, kannst du den Autokindersitz zusätzlich an den Metallbügeln, die sich zwischen Autorücksitz und Lehne „verstecken“, befestigen. Die Extra-Sicherung mit dem herkömmlichen Gurt des Autos führt in Kombination mit ISOfix, dazu, dass der Sitz äußerst stabil im Auto verankert ist.

Experten-Überprüfung durch

Kai Schaffran

Herr Kai Schaffran ist Geschäftsführer der Zwergperten GmbH und Inhaber Zwergperten Berlin. Er ist Familienvater, Ingenieur für KFZ-Technik, langjähriger Prüfer und Sachverständiger beim TÜV Süd.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 5 und 3?

Mehr erfahren:

Dass die Geburt zu den Wendepunkten im Leben eines Paares zählt, wissen die meisten von ihnen spätestens dann, wenn die ersten gemeinsamen Stunden im eigenen Zuhause anstehen. Gaben Hebammen und Schwestern im Krankenhaus noch zusätzliche Sicherheit, sind Eltern ab diesem Punkt auf sich alleine gestellt. Vor allem das Wohlbefinden des Neuankömmlings wird nun zur Hauptaufgabe.

Das Wochenbett ist eine wichtige Phase, die von manchen Hebammen sogar als viertes Trimester bezeichnet wird. Auch wenn das mathematisch gesehen nicht richtig ist, hat diese Perspektive dennoch etwas für sich. Dein Baby hat zwar das Licht der Welt erblickt, aber du benötigst noch Zeit, um in der Mutterrolle anzukommen. Genauso liegt es an dem Neugeborenen, sich in der Welt außerhalb des geschützten Mutterleibs zurechtzufinden. Warum frisch gebackene Mütter gestärkt werden müssen und wie sich das mit unserem hektischen Alltag vereinbaren lässt, erklärt ein besonderes Buch für das Wochenbett: „Die ersten vierzig Tage“ von Heng Ou.

Wenn du mit Beikost beginnst, ist das eine aufregende Phase für dich und dein Baby. Schließlich hat es bislang ausschließlich Milch (Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung) getrunken und jetzt lernt es eine ganz neue Form der Nahrung kennen. Viel falsch machen kannst du bei der Beikosteinführung nicht. Du solltest Lebensmittel Schritt für Schritt einführen und ein wenig darauf achten, was du deinem Baby anbietest. Allergieprävention ist im Rahmen der Beikost auch ein Thema, wenngleich sich auch hier die Einführung aller Lebensmittel positiv auswirkt, wie aktuelle Erkenntnisse nahelegen.

Der Großteil aller werdenden Mütter möchte nach der Geburt stillen und glücklicherweise wird das auf den meisten Entbindungsstationen gefördert. Viele Mamas geben die Stillbeziehung nach wenigen Wochen auf oder steigen auf eine Kombination aus Pre-Nahrung und Muttermilch um. Nur die wenigsten stillen über ein Jahr hinaus oder länger. Ab wann spricht man vom Langzeitstillen? Was versteht man unter dem „natürlichen Abstillalter“ und welche Vorteile bringt es, sein Baby länger zu stillen?

Im Newsletter erwarten dich spannende Artikel, Aktionen, Gewinnspiele & Produkttests.

Bitte addieren Sie 5 und 4.
×