Nabelschnurblut: Nutzen, Spende und Einlagerung

Kaum eine Schwangerschaft vergeht, in der sich werdende Eltern nicht mit Fragen rund um die Entnahme und Lagerung von Nabelschnurblut beschäftigen. Am Markt gibt es private Firmen, die Konservierung und Einlagerung des Nabelschnurblutes übernehmen. Doch: Welche Vorteile hat mein Kind dadurch - jetzt und in der Zukunft?

Nabelschnurblut enthält wertvolle Stammzellen, die in der Medizin zur Behandlung bestimmter Krankheiten eingesetzt werden können. In medizinischen Fachkreisen wird dieses Thema seit einigen Jahren diskutiert, wie so oft gibt es Befürworter als auch Kritiker. Die Aufklärungsrate bei jenen, die wirklich davon betroffen sind, ist gering;  schwangere Mütter und werdende Väter wissen oftmals wenig über Nabelschnurblut und mögliche Verwendungszwecke.

Fakt ist: in Österreich besteht die Möglichkeit, nach der Entbindung Blut aus der Nabelschnur des Neugeborenen zu entnehmen. Es kann für private Zwecke, zur so genannten Eigenvorsorge, gelagert oder aber auch an eine Nabelschnurblutbank gespendet werden.

Aktuelle medizinische Einordnung

Stammzellen aus Nabelschnurblut werden heute bereits bei zahlreichen Erkrankungen eingesetzt. Laut aktuellen wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten können Nabelschnurblut-Stammzellen bei mehr als 80 verschiedenen Krankheiten zum Einsatz kommen, vor allem bei Erkrankungen des Blutes und des Immunsystems wie Leukämie, bestimmten Stoffwechselstörungen oder genetischen Blutkrankheiten.

Gleichzeitig untersuchen zahlreiche klinische Studien weltweit weitere mögliche Anwendungen, etwa bei neurologischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder in der regenerativen Medizin. Viele dieser Ansätze befinden sich jedoch noch im Forschungsstadium, sodass sich erst in den kommenden Jahren zeigen wird, welche Therapien sich langfristig etablieren.

Eine aktuelle Übersicht zum Forschungsstand bietet beispielsweise die Studie “Cord blood banking: Balancing hope and hype in stem cell therapy” (2024).

Neben Nabelschnurblut rücken auch andere Gewebe rund um die Geburt zunehmend in den Fokus der Forschung. Dazu zählen etwa Nabelschnurgewebe oder Teile der Plazenta, die sogenannte mesenchymale Stammzellen enthalten. Diese besitzen andere Eigenschaften als Stammzellen aus dem Nabelschnurblut und werden derzeit in zahlreichen klinischen Studien untersucht – etwa für Anwendungen in der regenerativen Medizin oder bei neurologischen Erkrankungen.

Welche Krankheiten können mit Nabelschnurblut behandelt werden?

Die Stammzellenforschung beschäftigt sich als vergleichsweise junge Wissenschaft mit dem Einsatz von Stammzellen zur Heilung von bestimmten Krankheiten. Wenn ein Kind beispielsweise unter Fehlfunktionen des Stoffwechsels, Leukämie oder einer Blutkrankheit leidet, dann können durch die Transplantation von passenden Stammzellen, die aus Nabelschnurblut gewonnen wurden, gewisse Heilungserfolge erzielt werden. Ob es sich um einen fremden oder einen Spender aus dem Familienkreis handelt, spielt dabei keine Rolle.

Gewisse genetische Parameter müssen erfüllt und die Menge der zu transplantierenden Stammzellen muss ausreichend sein, dann steht dem Transfer nichts mehr im Wege. Nabelschnurblut kann sowohl für Therapien bei anderen Patienten als auch innerhalb der Familie (z.B. Geschwister) verwendet werden, wenn genetische Übereinstimmungen bestehen.

Entscheiden sich Eltern also für die Entnahme von Nabelschnurblut, bedeutet dies nicht automatisch, dass es sich hierbei nur um eine vorsorgende Maßnahme für das eigene Kind handelt. Neben Stammzellen aus Nabelschnurblut stehen in der Medizin auch andere Quellen wie Knochenmark oder Blut zur Verfügung.

Wo werden Nabelschnurblutstammzellen eingesetzt?

Seit über 30 Jahren werden Stammzellen aus Nabelschnurblut erfolgreich in der Transplantationsmedizin eingesetzt. Sie unterstützen die Wiederherstellung von Blut- und Immunfunktionen und werden bei zahlreichen schweren Erkrankungen genutzt. Ihr Einsatzgebiet erweitert sich zunehmend auf die regenerative Medizin, beispielsweise bei Autismus und Hirnverletzungen. Klinische Studien zeigen vielversprechendes Potenzial für neue Therapieansätze.

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Wie wird Nabelschnurblut nach der Geburt entnommen?

Nabelschnurblut wird direkt nach der Entbindung entnommen. Zu diesem Zweck wird die Nabelschnur unter sterilen Bedingungen punktiert. Das gewonnene Blut wird in einen speziellen Behälter abgefüllt. Die Entnahme ist für Mutter und Kind schmerzfrei. Das Nabelschnurblut muss innerhalb von 48 bis 72 Stunden verarbeitet und konserviert werden. Zur Entnahme sind nur speziell geschulte Teams oder GeburtshelferInnen und Hebammen mit Zusatzausbildung berechtigt. Zusätzlich zum Blut an sich, müssen einige relevante Informationen gespeichert werden:

  • Details zu Erbkrankheiten beider Eltern und der Geschwister
  • Eckdaten zum Schwangerschaftsverlauf und zur Entbindung (insbesondere bei Komplikationen und Risikoschwangerschaften)
  • Blutgruppe
  • Vorliegende Erkrankungen des Neugeborenen

Nicht in jedem Fall, ist die Entnahme von Nabelschnurblut zum Eigenbedarf oder für eine Spende möglich. Folgende Faktoren sprechen dagegen:

  • Schwere Infektionskrankheiten (wie HIV, Hepatitis, etc.)
  • Ernsthafte Komplikationen während der Schwangerschaft und/oder während der Entbindung
  • Fehlende Einverständniserklärungen seitens der Mutter/Eltern als auch seitens der GeburtshelferInnen. In diesem Fall steht gar kein Entnahmeset zur Verfügung. 

Die Blutentnahme an sich ist relativ einfach und mit keinerlei Risiko verbunden. Manche Hebammen weisen darauf hin, dass der Ablauf rund um die Entnahme gut organisiert sein sollte, damit die erste Zeit nach der Geburt möglichst ruhig verlaufen kann. Grundsätzlich wird weder dem Kind, noch der Mutter Blut entnommen, das Bonding sollte daher kaum davon beeinträchtigt werden.

Nabelschnurblutspende

Mit den aus Nabelschnurblut extrahierten Stammzellen gelingt es im Rahmen moderner Therapieverfahren, kranke Zellen z.B. Krebszellen durch gesunde Zellen zu ersetzen. Die gesunden Zellen kommen meist von einem Spender und werden dem Empfänger transplantiert. Eltern können sich also dafür entscheiden, das Nabelschnurblut des eigenen Kindes zu spenden. Das bedeutet, dass sie das Transplantat der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Im Anlassfall erhält ein geeigneter Empfänger die Stammzellen zu Therapiezwecken.

Wer möchte kann jedoch auch verfügen, dass das Nabelschnurblut für wissenschaftliche Forschungszwecke verwendet wird. Laut Bundesministerium für Gesundheit wäre es sogar wünschenswert, wenn es mehr Eltern gäbe, die sich zu diesem Schritt entschließen. Wichtig: soll das Nabelschnurblut weiterhin Verwendung finden (in der Forschung, als private Einlagerung oder als Spende), muss man dies der Geburtsklinik sowie einen entsprechenden, privaten Anbieter etwa 6 Wochen vor dem Entbindungstermin bekannt geben. Ansonsten werden das Blut und die Plazenta direkt nach der Geburt entsorgt.

Private Einlagerung

Alternativ zur Spende besteht die Möglichkeit, Nabelschnurblut zu entnehmen und es für private Zwecke bei einem entsprechenden Anbieter einzulagern. Es gibt Anbieter, die Gesamtpakete schnüren und sich sowohl um die Entnahme als auch um Transport und die Konservierung kümmern. Die Kosten für eine Einlagerung zu privaten Zwecken tragen die Eltern selbst. Sie liegen je nach Anbieter zwischen etwa 1.500 Euro und 2.500 Euro.

Typische Leistungen bei einer privaten Einlagerung sind zum Beispiel:

  1. Bereitstellung eines Entnahmesets für die Geburt
  2. Transport des Nabelschnurblutes in ein spezialisiertes Labor
  3. Aufbereitung und kryogene Lagerung der Stammzellen
  4. langfristige Aufbewahrung in speziellen Stickstofftanks
  5. teilweise auch zusätzliche Einlagerung von Nabelschnur- oder Plazentagewebe

Grundsätzlich sollte man sich im Vorfeld sorgfältig erkundigen. Wichtig ist, dass der Anbieter wissenschaftlich-medizinische Standards erfüllt und das Nabelschnurblut unter kontrollierten Bedingungen langfristig konserviert. Wenn man sich für diesen Schritt entscheidet, sollte man sich bewusst sein, dass Stammzellen aus dem eigenen Nabelschnurblut aktuell nur selten zur direkten Behandlung des eigenen Kindes eingesetzt werden. Häufiger kommen passende Stammzellen von Spendern zum Einsatz. Dennoch kann die Einlagerung eine Form der medizinischen Vorsorge für dein Kind darstellen – insbesondere für Geschwister oder nahe Familienangehörige, bei denen genetische Übereinstimmungen höher sein können.

Neben Nabelschnurblut bieten manche Anbieter mittlerweile auch die Einlagerung von Nabelschnurgewebe oder Plazentagewebe an. Diese enthalten sogenannte mesenchymale Stammzellen, die derzeit in zahlreichen Studien für mögliche Anwendungen in der regenerativen Medizin untersucht werden.

Fazit: Nabelschnurblut kann nicht nur dem Kind selbst, sondern auch Geschwistern zugutekommen. Die Frage, ob eine Einlagerung sinnvoll ist, lässt sich daher nicht allein anhand der gesundheitlichen Situation der Familie beantworten.

FAQ: Nabelschnurblut

Nabelschnurblut ist das Blut, das sich nach der Geburt noch in der Nabelschnur und der Plazenta befindet. Es enthält besondere Stammzellen, die sich zu verschiedenen Blutzellen entwickeln können und in der Medizin zur Behandlung bestimmter Erkrankungen eingesetzt werden.

Stammzellen aus Nabelschnurblut können bei einigen Erkrankungen des Blutes oder des Immunsystems eingesetzt werden, etwa bei bestimmten Formen von Leukämie, Stoffwechselstörungen oder genetischen Blutkrankheiten. In solchen Fällen werden gesunde Stammzellen transplantiert, um kranke Zellen zu ersetzen.

Die Entnahme erfolgt direkt nach der Geburt, nachdem die Nabelschnur durchtrennt wurde. Unter sterilen Bedingungen wird Blut aus der Nabelschnur in einen speziellen Beutel gesammelt. Der Vorgang ist für Mutter und Kind schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.

Ja. Wenn Eltern Nabelschnurblut spenden oder privat einlagern möchten, müssen sie dies meist einige Wochen vor dem Geburtstermin mit der Geburtsklinik oder einem Anbieter organisieren. Ohne vorherige Anmeldung wird das Nabelschnurblut in der Regel nicht gesammelt.

Kommentare

Kommentar von Rita Laurin |

Wir haben uns innerlich schon für eine Nabelschnurblut-Einlagerung bei einem günstigen Anbieter entschieden, damit die Stammzellen möglicherweise einmal für unser Kind verwendet werden können. Jetzt haben wir die Möglichkeit einer Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurgewebe bei einem anderen Anbieter entdeckt, die ist natürlich deutlich teurer.

Hat jemand von euch schon mal das Gewebe eingelagert? Wie bewertet ihr den Unterschied?

Wir haben hier das erste mal von dieser Möglichkeit gelesen: https://ratgeber.kigorosa.de/stammzellen-aus-nabelschnurblutgewebe-einlagern/

Die weiterführenden Quellen sind mir dort zu kompliziert und mir fehlt der Zugang zu dem Thema, vielleicht ist ja eine Expertin von euch da?

Kommentar von Carina |

Der Artikel wurde nicht gründlich geprüft! -->Nabelschnurblut dient also in erster Linie dazu, anderen (Geschwistern oder nicht verwandten Personen) zu helfen. Das ist ein wichtiger Punkt, der von privaten Nabelschnurblutbanken nicht immer ganz klar kommuniziert wird) --> Natürlich gibt es die Möglichkeit für SEIN Kind Nabelschnurblut einzulagern....dies steht dann dem eigenen Kind zur Verfügung... auch noch im hohen Alter und kann bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt werden! Vorteile von Nabelschnurblut im Vergleich zum Knochenmark sind belegt! Habe bei diesem Artikel das Gefühl, man möchte den Eltern von einer Einlagerung abraten!?

Antwort von Schwanger.at

Hallo Carina, vielen Dank für deinen Kommentar. Wir beziehen uns auf eine Stellungnahme der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation e.V. Darin heißt es: „Wenn Stammzellen des Nabelschnurblutes eines Neugeborenen vorübergehend eingefroren und zur späteren Nutzung gelagert werden sollen, so ist eine solche Nutzung für dieses Kind in Deutschland derzeit äußerst unwahrscheinlich. Die Nutzung für einen Erwachsenen als einzige und anderen Therapien eindeutig überlegene Behandlungsform ist gegenwärtig rein spekulativ.“ Das eigene Kind könnte von einer Einlagerung profitieren, eine 100% Versicherung (gegen Krankheiten etc.) sind die Stammzellen jedoch nach derzeitigem Wissensstand nicht.

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