Österreich hinkt bei Stillförderung hinterher

Die Stillförderung in Österreich ist lückenhaft – das zeigt eine aktuelle Erhebung der World Breastfeeding Trends Initiative (kurz WBTi). Hebammen sowie Still- und Laktationsberaterinnen sprechen sich daher für die regelmäßige Erfassung von Stilldaten und die Entwicklung umfassender Strategien zur Stillförderung aus.

Mutter stillt ihr Baby in Tracht an einem Bergsee

Die positiven Effekte des Stillens auf die Gesundheit von Mutter und Kind wurden bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, einen Säugling in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen und das Kind auch in den Folgemonaten begleitend zur Beikost mit Muttermilch zu versorgen. Neben der ernährungsphysiologischen Bedeutung spielt der emotionale Aspekt eine Rolle. Stillen stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind, es sorgt für Vertrauen und Geborgenheit. Ebenso unumstritten: die gesundheitlichen Vorteile. Das unterstreicht auch DSA Anita Schoberlechner, Präsidentin des VSLÖ (Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreich): „Viele gesundheitliche Beeinträchtigungen, die ein Mensch im späteren Leben erleiden kann - Essstörungen, Verdauungsbeschwerden, Übergewicht, hohe Cholesterinwerte, Herzinfarkt, ernährungsbedingte Krebsarten uvm. – können durch das Stillen verhindert werden“.

Dennoch besteht in Österreich in Punkto Stillförderung großer Aufholbedarf – diese Erkenntnis bringt ein aktueller Report der World Breastfeeding Trends Initiative (WBTi) zu Tage. Untersucht wurde der Status Quo zur Stillförderung in 96 WHO-Mitgliedsländern, Österreich überzeugt dabei nur in wenigen Kategorien.

Der internationale Vergleich zeigt, dass gezielte Maßnahmen zur Stillförderung zwar gesetzt, aber nicht aktiv genug verfolgt werden. Die Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“, die sich für die Gestaltung des Geburtserlebnisses und die Stillförderung in der Geburtshilfe stark macht, ist in Österreich nur auf 21% aller Geburtenstationen umgesetzt. Das bedeutet nur ein Bruchteil aller Spitäler ist als „Babyfreundlich“ zertifiziert. Das wiederum erklärt, warum Österreich in diesem Zusammenhang europaweit auf Platz 11 von 15 und weltweit auf Platz 36 von 96 Ländern liegt. Erhebliche Mängel gibt es zudem im Ausbildungswesen. In der Kategorie „Informationsfluss sowie Aus- und Fortbildung zum Thema Säuglings- und Kleinkindernährung“ belegt Österreich den 77. Platz von 96 Ländern weltweit. Außerdem fehlen aktuelle Daten zum Stillverhalten der Österreicherinnen. Romana Wagner, Hebamme und Vorstandsmitglied des österreichischen Hebammengremiums, weist darauf hin, dass seit der letzten Stillstudie im Jahr 2006 keine entsprechende Erhebung mehr durchgeführt wurde. Aktuelle Daten seien laut Wagner jedoch eine Grundvoraussetzung für Evaluierung und Qualitätssicherung im Gesundheitssystem.

Flächendeckende Hebammen-Betreuung im Wochenbett

Die Zeit nach der Geburt ist eine wichtige und gleichermaßen sensible Phase für die frisch gebackene Familie. Seit 2017 hat jede Frau Anspruch auf Hebammenbetreuung im Wochenbett. Die Krankenkasse bezahlt fünf Hausbesuche nach der Entbindung und bei Bedarf sieben weitere Besuche einer Hebamme. Diese intensive Betreuung bildet einen wichtigen Rahmen für die Stillförderung, wie auch ÖHG Präsidentin Petra Welskop bestätigt:

„Stillberatung ist ein ganz wesentlicher Teil der Hebammen-Betreuung im Wochenbett. Damit hat theoretisch jede Frau in Österreich Zugang zu Stillberatung gleich nach der Geburt. Die Hebamme kommt dafür zu der Frau und ihrem Neugeborenen nach Hause, was wirklich ideal ist. Leider gibt es jedoch bei weitem nicht genug Hebammen für die Wochenbett-Betreuung.“

Welskop rät schwangeren Frauen daher, sich rechtzeitig bei ihrer Wunschhebamme anzumelden.

Über das Österreichische Hebammengremium

Das Österreichische Hebammengremium (ÖHG) ist die gesetzliche Standesvertretung der österreichischen Hebammen. Sie zählt etwa 2.300 Mitglieder, sowohl aus dem freiberuflichen als auch aus dem niedergelassenen Bereich. Hebammen unterstützen Frauen in der Schwangerschaft, rund um die Geburt, im Wochenbett und darüber hinaus im gesamten ersten Lebensjahr des Kindes.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Martina |

Ich finde es traurig, dass die Still-Bilanz so schlecht aussieht, aber ich finde es gut, dass darüber gesprochen wird (dass es ein "Problem" gibt). Ich hoffe, dass in Zukunft ganz viel dafür getan wird, um das Stillen zu fördern! Ich kann als 2fache Mutter aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht immer leicht ist, zu stillen aber ich bin davon überzeugt, dass es das Beste für die Kleinen ist! Leider konnte mir keiner bei meinen Still-Schwierigkeiten und monatelangen Schmerzen helfen, aber ich habe es trotzdem durchgehalten und  es nie bereut! Aber ich verstehe, dass andere Frauen irgendwann nicht mehr können, wenn keine Hilfe da ist und man sich an niemanden wenden kann! DESHALB gehört in diesen Bereichen noch ganz viel getan! Danke für diesen Artikel!

Melde dich für unseren Newsletter für Rabatte, Gewinnspiele & Aktionen an: