Rektusdiastase nach der Geburt

Bei der Rektusdiastase handelt es sich um eine Muskeldiastase, die häufig nach Schwangerschaften oder Mehrlingsgeburten auftritt, seltener ist sie angeboren. Man spricht von einer krankhaften Diastase, wenn die geraden Bauchmuskeln zur Seite hin ausweichen und dadurch ein Spalt entsteht. Nach außen ist dieser als Wölbung des Bauches zu erkennen, die auch Monate nach der Geburt des Babys nicht zurückgeht.

Ursache

Zu Beginn der Schwangerschaft benötigt dein Baby noch nicht so viel Platz, aber das ändert sich spätestens mit dem zweiten Trimester. Das Baby wächst, die Gebärmutter dehnt sich aus und der Bauchraum muss gewissermaßen neu geordnet werden. Du hast vielleicht schon bemerkt, dass dein Baby auf deine Blase drückt oder in deinen Magen viel weniger hineinpasst als noch zuvor. In der Schwangerschaft findet eine Organverschiebung statt, damit dein Baby ausreichend Raum hat, um sich auszubreiten. Diese Verschiebung betrifft auch diverse Muskelstränge, die sich im Bauchraum befinden. Darunter vor allem jene Stränge der geraden Bauchmuskeln, die an der Linea Alba, eine Bindegewebsnaht in der Bauchmitte, verlaufen. Im Laufe der Schwangerschaft werden die Muskeln, Sehnen und das gesamte Gewebe weicher – dafür sind die Hormone verantwortlich. Im letzten Schwangerschaftsdrittel wird vermehrt Relaxin gebildet. Es wirkt entspannend auf den Muttermund und auf das Becken, dein Körper wird dadurch optimal auf die Geburt vorbereitet. Als Nebeneffekt werden alle Muskeln und Sehnen in deinem Körper gelockert. Das wirkt sich natürlich auch auf den Spalt aus, den die geraden Bauchmuskeln bilden, er wird bis zur Entbindung immer größer. Nach der Schwangerschaft sollte sich der Spalt langsam wieder verschmälern.

In selteneren Fällen ist eine Rektusdiastase auf Übergewicht oder eine erbliche Veranlagung zurückzuführen. Sie kann auch bei Männern auftreten, wird jedoch häufiger bei Frauen nach mehreren Schwangerschaften und/oder Mehrlingsgeburten diagnostiziert.

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So erkennst du eine Rektusdiastase

Von einer krankhaften Veränderung der Bauchmuskulatur nach der Schwangerschaft spricht man, wenn der Spalt der geraden Bauchmuskeln zwischen 2 cm und 10 cm liegt. In seltenen Fällen kann der Abstand auch bis zu 15 cm betragen. Solange sich dein Baby noch im Bauch befindet, ist der Spalt vollkommen normal. Nach der Schwangerschaft ist eine bestehende Rektusdiastase an einem kleinen Bäuchlein oder eine Wölbung zu erkennen, die sich auch nach Monaten nicht zurückbildet. Häufig kannst du die Spalte selbst ertasten, wenn du am Rücken liegst und den Bauchbereich leicht anspannst. Kommen Schmerzen im Rückenbereich, am Po oder in der Hüfte dazu, solltest du dich an deinen Arzt/deine Ärztin wenden. Frauen, die unter einer Rektusdiastase leiden, beklagen ein höheres Schmerzlevel, wenn der Druck im Bauchraum steigt, dann vergrößert sich (z.B. unter Belastung) auch der Spalt der Bauchmuskeln. Insgesamt fehlt es der Körpermitte an Stabilität. Das wiederum wirkt sich auf die Haltung und den Bewegungsapparat aus.

Diagnose: Der Arzt/die Ärztin wird eine Tastuntersuchung durchführen sowie dich im Rahmen einer ausführlichen Anamnese zu deinen Beschwerden, zur Geburt und zur Rückbildung befragen. Eine Ultraschalluntersuchung wird im Regelfall nicht gemacht. Auf die unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten werden wir später noch eingehen, üblicherweise bekommst du eine Zuweisung zum Physiotherapeuten/zur Physiotherapeutin. Mithilfe eines konsequenten Muskelaufbaus und gezielten Übungen für zu Hause sollen die Muskelstränge gestärkt und der Spalt wieder geschlossen werden.

V.l.n.r.: normale Bauchmuskulatur, Bauchmuskulatur mit Rektusdiastase während der Schwangerschaft, Bauchmuskulatur mit Rektusdiastase nach der Geburt

Bauchmuskeln im Wochenbett aufbauen

Für manche klingt es, als würden Muskelaufbau und Wochenbett nicht so recht zusammenpassen. Schließlich ist das Wochenbett jene Zeit, in der du wieder Kraft tanken und dich von der Geburt erholen sollst. Außerdem gibt es da auch noch den frisch gebackenen kleinen Erdenbürger, der deine gesamte Liebe und Fürsorge beansprucht. Die ersten Wochen nach der Entbindung gehören nur euch. Lasst euch im Wochenbett von deinem Partner, einer Oma, einer Freundin oder einer Doula verwöhnen. Kommt an in dieser neuen Phase eures Lebens. Nicht nur für dein Baby, auch für dich bedeutet das eine große Umstellung. Wenn du schon Mama bist, gilt es nun, die Bedürfnisse aller Kinder unter einen Hut zu bringen. Wenn es dein erstes Kind ist, wirst du feststellen, dass selbst kleinste Wesen in der Lage sind, den Alltag ihrer Eltern auf den Kopf zu stellen.

Etwa sechs Wochen nach der Geburt findet eine gynäkologische Kontrolluntersuchung statt. Das ist eine gute Gelegenheit, um dich bei deinem Arzt/deiner Ärztin zu erkundigen, ob du mit einem leichten Bauchmuskeltraining beginnen darfst. Wie stark dein Körper schon wieder belastet werden kann, hängt davon ab, ob du einen Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt hattest und davon, ob Geburtsverletzungen bestehen, die noch verheilen müssen. Bei einer ausgeprägten Rektusdiastase wird dein Arzt/deine Ärztin eine Physiotherapie oder eine ähnliche konservative Heilbehandlung empfehlen.

Die Stärkung der inneren Bauchmuskeln und des Beckenbodens ist in der Rückbildung ohnehin ein wichtiges Thema, besonders relevant sind Kräftigungseinheiten jedoch für Frauen, bei denen eine Rektusdiastase festgestellt wird. Mithilfe von kleinen Workouts wird der Spalt nach und nach geschlossen, der Rumpf stabilisiert und der gesamte Haltungsapparat unterstützt. Folgende Übungen kannst du, nach Absprache mit dem Arzt und/oder deine Hebamme, schon wenige Wochen nach der Geburt durchführen:

  • Bauch und Beckenboden an- und entspannen: Dabei liegst du flach am Rücken auf einer Matte, die Beine sind angewinkelt, der untere Teil deines Rückens hebt sich in seiner natürlichen Form ein wenig von der Unterlage ab. Mit dem Atemfluss spannst du den Beckenboden und den Bauchraum an, dann lässt du wieder locker.
  • Den Beckenboden kannst du auch in der Seitenlage anspannen und wieder entspannen. Dafür legst du dich auf deiner Unterlage seitlich hin, winkelst die Beine etwas ab und stützt deinen Kopf mit einem Arm.
  • Auch die klassische Katzenbuckel/Pferderücken-Übung lässt sich ein wenig umwandeln, um die inneren Bauchmuskeln zu stärken. Im Vierfüßlerstand atmest du ein und aus, dabei spannst du den Beckenboden an und lässt bei der Ausatmung wieder los.

Hinweis: Übungen, die die Bauchmuskeln zu stark belasten, sind bei einer Rektusdiastase am Anfang tabu. Dazu zählen Crunches in allen erdenklichen Variationen, Sit-Ups und Planks. Gewisse Übungen aus dem Yoga, die eine starke Beugung des Rückens erfordern, gelten ebenso als nicht empfehlenswert. Manche Frauen haben mit Pilates gute Erfahrungen gemacht, da hier die Atmung mit der Spannung der Muskeln kombiniert wird. Für die Schließung der Rektusdiastase ist es wichtig, von innen zu beginnen, also die tieferliegenden Bauchmuskeln und den Rumpf zu stärken. Ein Training der oberflächlichen Bauchmuskeln ist erst sinnvoll, wenn der Spalt bereits wieder geschlossen ist und du deinen Bauch „nur“ mehr in Form bringen möchtest.

Weitere Therapiemöglichkeiten

Es gibt neben den ersten Übungen, die du im Wochenbett durchführen kannst, natürlich auch weitere Möglichkeiten, deine Rektusdiastase zu behandeln. Wir haben uns zwei gängige und eine noch eher unbekannte Methode genauer angesehen.

Belly Binding

Hierbei handelt es sich um eine Bindetechnik aus Malyasia, die im Wochenbett eingesetzt wird. Eine ausgebildete Doula oder Hebamme bindet ein bis zu 17 Meter langes Band/Tuch aus natürlichen Materialien in einer bestimmten Art und Weise um deine gesamte Körpermitte. Das Band wird geknotet und straffgezogen und über mehrere Stunden getragen, gerne auch im Liegen. Dadurch werden Rücken und Beckenboden gestützt, bei einer bestehende Rektusdiastase kann man mit Hilfe der Bindebänder die Muskelstränge wieder näher zueinander bringen, den Spalt verschmälern. Belly Binding sollte nur von einer in dieser Technik geschulten Person ausgeführt werden. Wenn du möchtest, kannst du deine Bauchmitte vorm Anlegen des Bandes mit einem wärmenden Körperöl. Das steigert die Durchblutung sowie dein allgemeines Wohlbefinden.

Rückbildung

Im Zuge der klassischen Rückbildungsgymnastik kannst du auch daran arbeiten, deine Rektusdiastase zu schließen. Je nach Kurs oder Training wird dein Beckenboden gestärkt, dein Rumpf gefestigt und deine Bauchmitte stabilisiert.

Tipp: Informiere deinen Kursleiter/deine Kursleiterin über deine Diagnose. Es gibt bestimmte Übungen, die du nicht durchführen darfst, solange ein großer Spalt besteht.

Operation

Selten muss eine Rektusdiastase operativ behandelt werden. Das ist vor allem dann der Fall, wenn es häufig zu Nabelbrüchen oder Brüchen der Mittellinie. Bei einem Eingriff werden die Bauchmuskeln chirurgisch fixiert, anschließend musst du für ein paar Wochen spezielle Stützwäsche tragen.

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