Stillstreik oder Saugverwirrung? Mein Baby verweigert die Brust!

Eine erfolgreiche Stillbeziehung ist gewissermaßen ein Prozess. Startschwierigkeiten, der eine oder andere Milchstau, vielleicht sogar eine Brustentzündung, Probleme mit dem Milchspendereflex, emotionaler Stress – jedes Mutter-Kind-Duo hat seine individuelle Still-Geschichte. Ein besonders nervenaufreibendes Kapitel ist die Phase, in der das Baby die Brust immer wieder ablehnt. Dann gilt es herauszufinden, ob es sich um einen Stillstreik, die Brustschimpfphase oder eine Saugverwirrung handelt.

Drama beim Stillen

Möglicherweise hast du es selbst schon einmal erlebt: von einem Tag auf den anderen verweigert der Nachwuchs die Brust und das in einer an sich gut eingespielten Stillbeziehung. Das ablehnende Verhalten deines Kindes lässt zumeist keinen Zweifel offen: es schreit und brüllt die Brust an, überstreckt sich häufig, wendet sich der Brust zu und dreht den Kopf sofort wieder weg. Manche Babys fassen die Brustwarze kurz wie gewohnt, um sie anschließend wieder loszulassen, sie saugen nur kurz oder gar nicht richtig an. Ob dein Kind tatsächlich trinkt, erkennst du an den Schluckgeräuschen. Bleiben sie aus, bekommt es vermutlich keine Milch. Häufig ist auch nur ein Schmatzen zu hören, einige Babys bilden an den Wangen Grübchen, wenn sie nicht trinken. Nach dem Stillen wirkt dein Kind unruhig und unzufrieden.

Üblicherweise zeigen die Babys dieses Verhalten tagsüber bei jeder Stillmahlzeit, in der Nacht gibt es hingegen weniger Probleme. In solchen Situationen ist der Frust auf beiden Seiten groß und das ist vollkommen verständlich. Dein Nachwuchs ist wütend, weil ihm das Trinken an der Brust Schwierigkeiten bereitet und er seinen Hunger für den Moment nicht ausreichend stillen kann. Auch dein Frustlevel steigt mit jedem Versuch, der darin endet, dass dein Baby die Brust zum wiederholten Male anschreit. Vermutlich beginnst du damit, dir Vorwürfe zu machen, die Schuld bei dir zu suchen und natürlich machst du dir Sorgen darüber, ob dein Kind genug Milch bekommt. Stillen bedeutet für euch beide dann plötzlich Stress und ist vielmehr ein täglicher Kampf an der Brust als ein harmonisches Erlebnis.

Das Verweigern der Brust kann einen kritischen Moment im Laufe deiner Stillkarriere darstellen. Vielleicht fühlst du dich persönlich gekränkt, möchtest lieber gleich abstillen oder machst dich selbst dafür verantwortlich, dass dein Baby nicht ordentlich zunimmt. All diese Gedanken führen zu noch mehr Stress und einer inneren Blockade, die sich letztlich auch auf dein Kind überträgt. Ihr habt beide dann die Erwartungshaltung, dass der nächste Stillversuch „ohnehin wieder nicht klappen wird“, Geduld ist in solchen Situationen ein Fremdwort. Dabei wären Ruhe und Gelassenheit genau die Eigenschaften, die euch helfen würden. Wir wissen, dass das leicht gesagt ist, es mit einem schreienden Kind am Arm jedoch schwer fällt, Nerven zu bewahren. Daher wollen wir die ganze Geschichte einmal analytisch angehen: die Ablehnung der Brust kann viele verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen steckt eine Saugverwirrung oder ein Stillstreik dahinter.

Junge Mutter stillt ihr Baby im Krankenhaus

Saugverwirrung

Sie ist wohl das Schreckensgespenst vieler Eltern: die Saugverwirrung. Es handelt sich dabei im tatsächlichen Sinne um eine Verwirrung seitens des Babys, die auftreten kann, wenn es sowohl an der Brust, am Fläschchensauger und möglicherweise auch an einem Schnuller nuckelt. Hintergrund ist der, dass dein Baby an der Brust eine andere Saugtechnik benötigt als an einem künstlichen Sauger. Aus einem Schnuller hingegen fließt gar keine Milch, dein Baby muss also erst verstehen, dass der Nuckel nur zur Beruhigung gedacht ist. Eine Saugverwirrung kann außerdem auftreten, wenn du Stillhütchen verwendest und diese langsam wieder absetzen möchtest. Dein kleiner Zwerg ist von raschen oder häufigen Wechseln zwischen Brust und Fläschchen oder Schnuller möglicherweise überfordert. Auch kann es ihm schwer fallen, die Brust zu fassen, wenn er eigentlich ein Brusthütchen gewöhnt ist.

Was du als Mama nun also wissen musst: Hebammen empfehlen, in den ersten sechs Wochen auf Schnuller und/oder künstlichen Sauger zu verzichten. In dieser Zeit spielt sich die Stillbeziehung erst ein. Sobald das Stillverhalten deines Babys stabil ist, kannst du es mit dem Fläschchen oder dem Schnuller versuchen. Beide Alternativen zur Brust sollten immer mit Bedacht eingesetzt werden. Achte darauf, mögliche Hungeranzeichen nicht mit dem Schnuller zu übergehen, biete deinem Baby immer zuerst die Brust an oder versuche es mit anderen Beruhigungsmethoden (z.B. Tragen, Kuscheln, Wippen, sanftes Schaukeln, Spazieren an der frischen Luft).

Ebenfalls von Vorteil: künstliche Sauger, die in ihrer Form der Brustwarze ähneln. Zudem sollten sie nur ein Loch haben, damit sich dein Baby beim Saugen anstrengen muss. Wird das Saugen am Fläschchensauger nämlich zu einfach, ist das ein guter Grund für den Nachwuchs, das Fläschchen der Brust vorzuziehen. Es ist übrigens nicht erforderlich, die Größe des Saugers bzw. die Anzahl der Löcher zu verändern, wenn dein Baby wächst. Schließlich ändern sich deine Brustwarzen während der gesamten Stillzeit auch nicht.


Stillstreik

Die Symptome einer Saugverwirrung sind nahezu ident mit den Anzeichen eines Stillstreiks. Du kennst diesen Streik möglicherweise auch unter der Bezeichnung „Brustschimpfphase“. Wie auch immer man es nennt, das Ergebnis ist stets das Gleiche: dein Baby lehnt die Brust vehement ab, es schreit und brüllt bei jeder Stillmahlzeit. Nach kürzester Zeit ist der Frust auf beiden Seiten groß. Ein Stillstreik kann viele Ursachen haben, manchmal spielt auch das Zusammenwirken individueller Faktoren eine Rolle. Ob es die so genannte „Brustschimpfphase“ tatsächlich gibt, darüber sind sich ExperInnen uneinig. Rund um den dritten Lebensmonat beginnt dein Kind zu begreifen, dass Mutter und Brust zwei unterschiedliche Dinge sind. Manche Entwicklungspädagogen gehen davon aus, dass das Anschreien der Brust als Protest gesehen werden kann. Andere sind wiederum der Meinung, dass das Stillen während eines Wachstumsschubes immer störanfälliger ist als sonst.

Mögliche weitere Gründe für das vehemente Verweigern der Brust, können folgende Faktoren sein:

  • Dein Baby ist krank. Es leidet unter Ohrenschmerzen, Halsschmerzen oder Fieber. Auch eine verstopfte Nase kann das Trinken an der Brust erschweren, da deinem Baby das Atmen dann schwer fällt.
  • Dein Baby zahnt. Das Anlegen der Zähne im Kiefer wird von den meisten Kindern als sehr schmerzhaft empfunden. Das Zahnfleisch ist an der betroffenen Stelle wund, wird sie mit Milch umspült, schmerzt das zusätzlich.
  • Dein Baby leidet unter den Auswirkung einer traumatischen Geburt (z.B. Verspannungen nach einer Zangengeburt oder einem Kaiserschnitt).
  • Deinem Baby „schmeckt“ die Milch nicht mehr. Der Fall tritt ein, wenn du Lebensmittel zu dir genommen hast, die den Geschmack der Muttermilch kurzfristig verändern (z.B. Spargel) oder wenn du deine Regelblutung wieder bekommen hast. Die Einnahme gewisser Medikamente kann sich ebenfalls auf den Geschmack der Muttermilch auswirken.
  • Dein Baby kämpft mit einem starken oder einem verzögerten Milchspendereflex.
  • Dein Baby ist beim Stillen abgelenkt (z.B. durch eine unruhige Atmosphäre, die Geräuschkulisse, eine ungewohnte Umgebung).
  • Dein Baby spürt, wenn du gestresst/überfordert bist oder dich mit deinem Partner streitest.
  • Dein Baby nimmt einen veränderten Geruch wahr, beispielsweise wenn du ein neues Deodorant, Duschgel oder Körperpflegeprodukt verwendest.

Fachkundige Unterstützung

Da einem Stillstreik viele unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen können, empfehlen wir, eine individuelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Hebammen und Stillberaterinnen sind in diesem Zusammenhang die richtigen Ansprechpersonen. Sie können gemeinsam mit dir auf Ursachensuche gehen und dir anschließend mit praktischen Tipps zur Seite stehen. In jedem Fall benötigst du eine gute Portion Geduld. Stillstreik sowie Saugverwirrung gehen vorüber, mit Hilfe einiger Maßnahmen wird sich das Stillverhalten deines Babys wieder stabilisieren. Aber das kann, je nach Intensität der Phase, schon einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher ist eine persönliche Begleitung durch eine Stillexpertin auch so wertvoll. Wie du mit dem Stillstreik umgehen kannst, hängt maßgeblich von dem Auslöser/den Auslösern ab. Steckt emotionaler Stress dahinter, wird dir deine Stillberaterin beispielsweise Ruhe und die Unterstützung im Haushalt (durch den Partner oder Freunde) verordnen, bei einer Saugverwirrung hingegen werden alle künstlichen Sauger weggelassen, damit sich dein Baby wieder ausschließlich an die Brust gewöhnt.

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