Störungen der Sexualität

Ein erfülltes Sexleben gehört für viele Paare zu einer ausgeglichenen Liebesbeziehung. Durch Körperkontakt und lustvolle Berührungen werden zahlreiche Hormone ausgeschüttet, die die Bindung zwischen Mann und Frau stärken. Probleme sowie sexuelle Funktionsstörungen können sich negativ auf die Paarbeziehung auswirken.

Traurige Frau im Bett

Sexuelle Probleme in der Partnerschaft

Sexualität ist eine zutiefst intime Angelegenheit. Vorlieben und Bedürfnisse sind individuell verschieden, jedes Paar entwickelt im Laufe der Zeit eine eigene Sex-Routine, die idealerweise für beide Partner gleichermaßen befriedigend ist. Die Häufigkeit spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wie oft ihr miteinander schläft, hängt davon ab, wie ihr eure Paar-Zeit gestaltet und ob ihr euch gut über die Bedürfnisse des Einzelnen verständigen könnt. Erlaubt ist, was gefällt. Vergleiche mit anderen Paaren solltest du möglichst vermeiden, schließlich wisst ihr beide am besten, was euch gut tut.

PaartherapeutInnen sind sich mittlerweile darüber einig, dass sich nicht nur die Partner, sondern auch die Sexualität im Laufe einer Beziehung ändern können. Zu Beginn ist die Anziehung groß, beide Partner sind sexuell engagiert, das lustvolle Erleben steht im Vordergrund. Womöglich könnt ihr die Finger nicht voneinander lassen, jede Berührung, jede Zärtlichkeit ist aufregend und vielversprechend zugleich. Im Zustand der ersten Verliebtheit nehmen sich beide Partner ausreichend Zeit für Verabredungen, gemeinsame Übernachtungen und Liebeswochenenden. In dieser Phase wird der Grundstein für die körperliche Bindung gelegt, Sex wird regelrecht zelebriert.

Je länger die Beziehung andauert, desto eher greift der Alltag. Sex wird nicht weniger wichtig, andere Dinge treten jedoch vermehrt in den Vordergrund. Gemeinsame Unternehmungen, Treffen mit Freunden, der erste Urlaub und möglicherweise auch die erste größere Auseinandersetzung werden zum Thema. Es ist normal, wenn du nach gewisser Zeit den Eindruck hast, dass euer Sexleben ein wenig „eingeschlafen“ ist. Es gibt zudem einige Faktoren, die sich auf die Sexualität auswirken können. Dazu zählen: Stress in der Arbeit, ungelöste Paarkonflikte, Erkrankungen, familiäre Probleme und emotionale Unsicherheiten in Bezug auf die eigene Sexualität. Verändert sich die Paar-Konstellation, weil ein Kind auf die Welt kommt, bedeutet dies ebenso eine Veränderung im sexuellen Erleben.

Phasen der Lustlosigkeit bei einem Partner oder auf beiden Seiten sind also normal. Es empfiehlt sich, die Situation so zu akzeptieren, wie sie gerade ist und mit dem Partner das Gespräch zu suchen. Wer sich offen begegnet, kann sich damit auseinandersetzen, was in der Beziehung fehlt, was es brauchen würde, um wieder mehr Lust für den anderen zu empfinden und, wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Manche Paare nehmen sich dann bewusst mehr Zeit für Sexualität, indem sie einen fixen Abend pro Woche „reservieren“. Andere entschließen sich dafür, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren, für wiederum andere ist es vollkommen in Ordnung, die Sexflaute mit dem Austausch von Zärtlichkeit und liebevoller Aufmerksamkeit im Alltag zu überbrücken.

Zu krisenhaften Situationen kommt es erst dann, wenn die sexuellen Probleme die Partnerschaft beeinträchtigen (das kann übrigens auch umgekehrt der Fall sein). Leidet ein Partner sehr unter den sexuellen Problemen des anderen, wird ein lustvolles Miteinander immer schwieriger. Scham- und Schuldgefühle machen sich breit, Sexualität wird als unbefriedigend erlebt und vielleicht sogar tabuisiert. Funktionsstörungen können beide Partner betreffen, sie sind sowohl individuell als auch von Mann zu Frau unterschiedlich. Zu den häufigsten Störungen zählen Ejakulationsstörungen, Orgasmusstörungen, Potenzprobleme, Lustlosigkeit, Vaginismus und ein stark vermindertes sexuelles Verlangen.

Funktionsstörungen bei Mann

Ist die Sexualität gestört, leiden Männer und Frauen unterschiedlich. Lustlosigkeit, Orgasmusstörungen und eine sexuelle Appetenzstörung (geringe Libido) können beide Geschlechter gleichermaßen treffen. Dem liegen psychische oder physische Ursachen zugrunde, wenngleich die körperlichen Ursachen bei Mann und Frau naturgemäß abweichen. Bei Männern sind folgende Symptome häufig zu beobachten:

Ejakulationsstörungen

Erreicht ein Mann seinen sexuellen Höhepunkt, kommt es zur Ejakulation. Das bedeutet, Spermien und andere Flüssigkeiten treten aus dem Penis aus. Männer ejakulieren zumeist nur wenige Sekunden, anschließend nimmt die Erektion relativ rasch ab. Von Ejakulationsstörungen spricht man, wenn es zu einem vorzeitigen Samenerguss kommt oder es aber dem Mann generell nicht möglich ist, zu ejakulieren. Der vorzeitige Erguss ist zumeist für beide Partner unbefriedigend. Noch vor oder kurze Zeit nach dem Eindringen in die Scheide, erreicht der Mann schon seinen Höhepunkt und ejakuliert. Das kann mit der sexuellen Erfahrung, dem Alter oder aber der Paar-Konstellation zusammenhängen.

Erektionsstörungen

Möchte der Mann in die Frau eindringen, ist es erforderlich, dass sein Penis relativ steif ist. Gelingt es nicht, ausreichend Erregung aufzubauen, kann das Glied schlaff bleiben und somit einen erfüllenden Geschlechtsakt verhindern. Ist die Erektion gestört, fühlt sich der Mann zwar erregt und zu seiner Partnerin hingezogen, der Penis wird aber dennoch nicht steif genug für die Penetration. Dabei ist zu unterscheiden, ob die Erektionsstörung dauerhaft besteht oder nur punktuell auftritt. Gelegentliche Probleme mit der Erektion können auf Stress, Missstimmungen in der Partnerschaft oder persönliche Anspannung zurückzuführen sein. Tritt die Störung regelmäßig auf, sollten körperliche Ursachen ausgeschlossen werden.

Probleme mit der Libido

Unter Libido versteht man in der Psychoanalyse jenes Verlangen, das dem Sexualtrieb zugrunde liegt. Sie sorgt also dafür, dass wir uns zum Partner sexuell hingezogen fühlen, dass wir in der Lage sind, uns gegenseitig zu erregen und bis zum Höhepunkt zu führen. Für Libido-Probleme gibt es zahlreiche individuelle Ursachen: Stress, Leistungsdruck, sexuelle Tabuthemen, unausgesprochene Wünsche, Beziehungsprobleme, Existenzsorgen, Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation. Will sich die Libido nicht einstellen, können körperliche Probleme zugrunde liegen, das wird üblicherweise im Rahmen einer umfassenden Sexualtherapie geklärt.

Weibliche Sexualstörungen

Etwa 50 % aller Frauen geben an, im Laufe ihres Lebens zumindest phasenweise unter sexuellen Störungen zu leiden. Die Abgrenzung zwischen einem Problem und einer Störung liegt üblicherweise beim Arzt/bei der Ärztin. Wenn sexuelle Unlust oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr die Beziehung übermäßig belasten, empfiehlt sich eine gründliche medizinische Untersuchung, um mögliche körperliche Ursachen festzustellen. Häufig sind es jedoch auch psycho-soziale Faktoren, die zu Schwierigkeiten mit der eigenen Sexualität führen. Dazu zählen: Stress, mangelndes Selbstwertgefühl nach der Geburt eines Kindes, negative Erfahrungen aus vorangegangenen Beziehungen sowie Überlastung im Alltag und persönlichen Erleben. SexualforscherInnen wissen mittlerweile auch, dass Leistungsdruck und Erwartungshaltungen in puncto Sexualität zugenommen haben. Durch die Enttabuisierung von Sexualität, Pornokonsum und allgegenwärtigen sexualisierten Darstellungen im Alltag setzen sich viele Frauen unter Druck, die „perfekte“ Geliebte zu sein. Auch das kann sich auf die sexuelle Erregbarkeit und das Lustempfinden auswirken. Zudem wissen viele Frauen nicht, an welchen Stellen sie sehr erregbar sind und wie sie selbst zum Höhepunkt kommen. Selbstbefriedigung und das Kennenlernen des eigenen Körpers sind daher zwei wesentliche Schritte auf dem Weg zu einem erfüllten Sexleben.
Zu den sexuellen Störungen bei Frauen zählen:

Orgasmusstörung

Der weibliche Höhepunkt ist eine sensible Angelegenheit. Der Großteil aller Frauen erlebt einen Orgasmus bei ausreichender Stimulation der Klitoris. Vaginale Orgasmen sind ebenfalls möglich, wenngleich etwas seltener. Oralsex ist für viele Frauen eine gute Alternative, um zum Höhepunkt zu gelangen. Ob und wie schnell dieser erreicht wird, hängt häufig auch von der Tagesverfassung ab, je besser die Frau loslassen kann, desto größer die Chancen auf sexuelle Befriedigung. Dass die Intensität und das Orgasmusempfinden wanken, ist also vollkommen normal. Wenn eine Frau jedoch noch nie einen Höhepunkt erlebt hat, spricht man von einer Orgasmusstörung, die beim Facharzt/der Fachärztin abgeklärt werden sollte.

Fehlende Libido

Bleibt die Lust auf sexuelles Erleben trotz Stimulation oder entsprechender Anregung durch den Partner aus, spricht man von fehlender Libido (Appetenzstörung). Diese Störung kann in unterschiedlichen Lebensphasen auftreten und hat zumeist psychische Ursachen.

Schmerzen beim Sex

Empfindet eine Frau Schmerzen, wenn der Partner in sie eindringt, ist es ihr nicht möglich, das Liebesspiel zu genießen. Im Falle eines Vaginismus verkrampft sich die Scheide beziehungsweise der Scheideneingang derart, dass der Penis nicht eingeführt werden kann. Entzündungen im Vaginalbereich, kleine Verletzungen an den Schleimhäuten sowie Verwachsungen und Myome können ebenfalls Schmerzen beim Sex auslösen.

Therapie

Probleme mit der Sexualität sollten stets ernst genommen werden, schließlich ist der Liebesakt ein sehr wichtiger Bestandteil gut funktionierender Beziehungen. Die Therapie sexueller Störungen richtet sich nach dem Krankheitsbild. Im ersten Schritt werden üblicherweise körperliche Ursachen untersucht. Auf Verhaltensebene gibt es im zweiten Schritt dann viele Möglichkeiten, dem Problem auf dem Grund zu gehen. Eine Sexualtherapie, eine Psychotherapie und spezielle Sexualitätstrainings empfehlen sich für beide Partner, sofern es ihr Ziel ist, Sexualität gemeinsam zu verändern und erleben. Im Rahmen einer Therapie werden nicht nur deine Einstellung zu Sex, sondern auch mögliche Problemfelder im Alltag erforscht, die sich negativ auf eure Liebesleben auswirken können. Letztlich geht es immer auch darum, nicht nur das Symptom zu bekämpfen, sondern auch die Ursachen zu beheben.

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