Trageumfrage 2023: Alle Ergebnisse im Überblick

Von Mai bis August 2023 hatten Schwangere und deren Partner*innen sowie Eltern, die bereits Kinder haben, die Möglichkeit, ihre Trageerfahrungen im Rahmen der Trageumfrage 2023 (Deutschland, Österreich, Schweiz) zu teilen. Bereits zum zweiten Mal wurde die Trageumfrage durchgeführt – dieses Mal mit dem Ziel, mehr über das Thema „Tragen und Bindung“ und die Nutzung von Tragehilfen im Alltag zu erfahren. Die spannendsten Ergebnisse haben wir nun für dich zusammengefasst.

Person liest auf dem Smartphone eine Trageumfrage 2023 zu Schwangerschaft und Elternschaft.

Bindung & Tragen

Gemeinhin geht man davon aus, dass Eltern ihren Nachwuchs tragen, um ihm Sicherheit zu vermitteln und allen voran die Bindung zu stärken. Auch in der bedürfnisorientierten Erziehung wird das Tragen in einem Tuch oder einer Tragehilfe als relevant für die Entwicklung des Babys eingestuft. Bei der Trageumfrage 2023 geben 52,6% Bindung als Hauptmotiv fürs Tragen an. In der Praxis überwiegen dann ebenso Aspekte wie Flexibilität (54 %), das schnelle Beruhigen des Kindes (86,7%) und die Einschlafbegleitung/das schnelle Einschlafen (83,7%). Konkret auf das Thema Bindung bezogen spielt Tragen eine sehr große Rolle. Eltern bauen Bindung über das Tragen (95,5%) und das Stillen (91,2%) auf.  Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass 97,8% aller Erstgebärenden und ihre Partner*innen schon während der Schwangerschaft planen, ihr Baby zu tragen. Der Zeitpunkt für den Erwerb einer Trage ist das dritte Semester oder kurz nach der Geburt. Am beliebtesten bei frisch gebackenen Eltern sind Halfbuckles (Hüftgurt wird mit Schnalle oder Klett verschlossen, Schulterträger werden gebunden) oder Fullbuckles (Hüft- und Schultergurt werden mit einer Schnalle geschlossen).

Trageverhalten & Herausforderungen im Alltag

Im Rahmen der Trageumfrage sollte auch erhoben werden, wie Eltern Tragehilfen oder Tuch in der Praxis nutzen, wer bevorzugt damit trägt und ab welchem Alter bzw. wie lange Kinder durchschnittlich getragen werden. Die Befragung hat gezeigt, dass viele Eltern ihre Tragehilfe kurz nach der Geburt erworben haben – das ist auch der Zeitpunkt, ab dem mit dem Tragen begonnen wird. 47,6% der Eltern tragen ab der Geburt oder in den ersten zwei Monaten danach und bleiben bis zum 12. – 18. Lebensmonat dabei. Getragen wird insgesamt so lange, wie Eltern und Kind es wollen. Darin sind sich 81,6% aller Umfrageteilnehmer*innen einig. Die Frage, wer trägt, wird in den Familien wie folgt gelöst: Drei Viertel der Mütter geben an, dass sie ihr Kind mehrheitlich selbst tragen, bei weniger als einem Viertel ist es innerhalb der Elternbeziehung ausgeglichen. Wenn der*die Partner*in weniger trägt, liegt das meistens an Zeitmangel (73,2%). Auch Unsicherheit kann dazu beitragen, dass ein Elternteil weniger trägt.

Dazu Michaela Lehner, Expertin von Die Trageschule ® Österreich und Schweiz: „In unserer heurigen Umfrage haben wir festgestellt, dass in etwa 75% der Fälle Frauen (bzw. Personen, die sich als Mütter identifizieren) hauptsächlich die Tragearbeit für ihre Kinder leisten, während es bei ca. 20% der Befragten eine ausgeglichenere Aufteilung gibt. Überraschenderweise gaben 20% der Mütter, die hauptsächlich trugen, an, dass ihre Partner sich unwohl fühlten und deshalb nicht trugen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, in Trageberatungen verstärkt die gesamte Familie und Bezugspersonen einzubeziehen, um sicherzustellen, dass die Tragearbeit nicht allein von den Frauen oder Müttern geleistet wird. Insbesondere weil einige Mütter sich gelegentlich überfordert fühlen.”

Trageberatung & Informationsquellen

Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote und Möglichkeiten für Eltern, sich über unterschiedliche Tragesysteme, Bindeweisen und Modelle zu informieren. Die Trageumfrage hat gezeigt, dass 86,9% aller Teilnehmer*innen einer markenunabhängigen Trageberaterin vertraut haben. Sie hat ihnen geholfen, dass für die Familie individuell passendste Produkt zu finden. Trageberatungen bevorzugt der Großteil persönlich vor Ort, 64,1% der Befragten haben angegeben, dass sie auf eine Online-Beratung verzichten würden. Etwa die Hälfte der schwangeren Erstgebärenden planen, eine Trageberatung in Anspruch zu nehmen – Anlaufstellen sind hier mit 35,5% Hebammen und mit 29,1% Trageberater*innen.

Die Trageumfrage 2023

Das Studiendesign wurde von einem Expert*innen-Team bestehend aus Stefan Eipeltauer und Barbara Brischar (FOKUS KIND Medien), Michaela Lehner (Die Trageschule® Österreich und Schweiz) sowie Nicola Schmidt (artgerecht-projekt) erstellt. Dank der finanziellen Unterstützung der Tragehersteller*innen Hoppediz, Fellhof und Ergobaby konnte das Projekt realisiert werden. Die technische Umsetzung wurde von FOKUS KIND Medien vorgenommen.

Alle Ergebnisse auf der Website www.trageumfrage.com allen Interessierten kostenlos zum Download zur Verfügung.

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