Der Säugling

Vom 1. bis zum 3. Lebensmonat

Die ersten Wochen sind vergangen und dein Baby ist nun kein Neugeborenes mehr. Ihr habt euch aneinander gewöhnt und möglicherweise auch schon einen Alltagsrhythmus entwickelt. Nach etwa 4-6 Wochen wirst du merken, dass dein Nachwuchs aktiver und insgesamt wacher wirkt. Sinne und Motorik entwickeln sich in einem rasenden Tempo, die angeborenen Reflexe werden nach und nach durch gezielte Bewegungen ersetzt.

Säugling in gelbem Entenbody schläft

Motorik

Fein- und Grobmotorik

Bislang hat es sich dein Nachwuchs sehr gemütlich gemacht, das ändert sich in den ersten Lebensmonaten. Sobald Babys in der neuen Welt angekommen sind und das familiäre Umfeld nicht mehr fremd erscheint, beginnen sie damit, es zu erkunden. Das funktioniert zum einen über die Kontaktaufnahme mit Mama und Papa, zum anderen aber auch über erste motorische Übungen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Fein- und Grobmotorik. Letztere umfasst alle Aktivitäten, die darauf abzielen, den ganzen Körper zu bewegen, also z.B. Laufen oder Springen. Für feinmotorische Fähigkeiten benötigen die Kleinen schon etwas mehr Geschick, beispielsweise einen Gegenstand mit dem Pinzettengriff zu schnappen oder die Hand gezielt zum Mund zu führen.

Die Reflexe deines Babys

In den ersten Lebenswochen ist das Verhalten deines Babys von seinen angeborenen Reflexen gesteuert. Diese sichern das Überleben und verschaffen ihm eine erste Orientierung in der neuen Umgebung. Den Saug-Reflex hast du schon direkt nach der Geburt kennengelernt. Wenn dir dein Baby auf den Bauch oder an die Brust gelegt wird, sucht es automatisch nach der Brust der Mutter und beginnt zu saugen, sobald du es anlegst. Genauso wichtig ist der Greif-Reflex, der dafür sorgt, dass Babys sich an Mamas Finger regelrecht festklammern und ihn nicht mehr loslassen. Weitere Reflexe sind der Schreit-Reflex, der Moro-Reflex und der Bauer-Reflex. Ab dem ersten Lebensmonat lernt dein Baby, wie sein Körper funktioniert. Der Greif-Reflex nimmt um den zweiten Lebensmonat ab, dein Baby kann seine Hand öffnen und auch wieder zur Faust ballen. Vielleicht versucht es schon, eine Rassel oder einen Greifling zu umklammern.

Die Muskulatur reift aus

Möglicherweise ist dir aufgefallen, dass dein Neugeborenes gerne in der Fötusstellung schläft oder liegt. Auch das ändert sich nun. Die Muskulatur reift langsam aus, dein Baby wird von Tag zu Tag kräftiger. Es trainiert übrigens auch während es am Rücken liegt. Die Kontrolle über Nacken- und Rückenmuskulatur verbessert sich, gegen Ende des dritten Monats kann der Nachwuchs den Kopf schon kurz heben und halten. Dennoch ist es wichtig, dass du das kleine Köpfchen beim Tragen und Hinlegen stützt. Es wird noch einige Monate dauern, bis dein Kind seinen Kopf aus eigener Kraft heraus halten kann.

Bewegung

Apropos Training: Strampeln ist derzeit die Lieblingsbeschäftigung deines Babys. Es rudert mit Händen und Füßen, streckt sie in die Luft, zieht sie wieder zusammen und macht allerlei komische Verrenkungen. Das ist ungemein wichtig, denn auch dadurch wird der gesamte Bewegungsapparat gestärkt und auf spätere Entwicklungsschritte wie Aufrichten, Krabbeln oder Umdrehen vorbereitet. Die Bewegungen wirken anfangs noch holprig, mit der Zeit werden sie aber immer geschmeidiger und selbstverständlicher. Gegen Ende des dritten Monats entdeckt dein kleiner Schatz seine Hände und entwickelt dafür eine Begeisterung, die ihn noch lange begleiten wird.

Die eigenen Fingerchen sind vielen Babys das liebste Spielzeug. Sie versuchen, sich selbst an der Hand zu fassen, die Hand zum Mund zu führen oder die Finger zu verschränken. Zudem ballen sie die Hand zur Faust, um sie anschließend gleich wieder loszulassen. Den Großteil seiner Zeit verbringt ein Baby in diesem Alter auf dem Rücken. Der Kopf liegt entweder flach oder seitlich auf, viele Kinder haben eine bevorzugte Seite. Um eine Abflachung des Hinterkopfes zu vermeiden, solltest du dein Baby immer wieder dazu animieren, den Kopf auf die andere Seite zu drehen. Je älter es wird, desto häufiger kannst du es tagsüber in Bauchlage bringen (am Anfang für ein paar Minuten, später sind auch größere Zeitspannen möglich).

  • Tipp: Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und das ist auch gut so. Wir wissen mittlerweile, welche Entwicklungsschritte und Fähigkeiten im Laufe der Zeit anstehen und im Großen und Ganzen auch, wann diese Schritte stattfinden. Davon solltest du dich aber nicht beirren lassen. Manche Babys überspringen Entwicklungsstufen, andere benötigen wiederum sehr lange, bis sie einen gewissen Status erreichen. Das ist vollkommen normal und unbedenklich, solange dein Kind gesund ist. Bei Unsicherheiten wende dich an deine Hebamme oder deinen Kinderarzt/die Kinderärztin. Regelmäßige Mutter-Kind-Pass-Kontrollen bieten ebenfalls Gelegenheit, über deine Sorgen und den Entwicklungszustand deines Kindes zu sprechen.

Sinneswahrnehmung

Hören

Wenn Babys das Licht der Welt erblicken, sind sie unbeschriebene Blätter. Sie müssen sich erst zurechtfinden und sehen sich einer Flut von Eindrücken gegenüber. Das ist eine große Umstellung, schließlich waren sie im Mutterleib abgeschirmt und gut geschützt. Beinahe ausgeprägt ist zu diesem Zeitpunkt bereits der Hörsinn. Babys nehmen die Stimmen von Mama und Papa wahr, sie unterscheiden laute und leise Geräusche und sind empfänglich für Melodien, die sie möglicherweise schon aus der Zeit im Bauch kennen. Sprechen oder Vorsingen, das sind für Babys wichtige Akte der Zuwendung. Sie fühlen sich dann geborgen, die vertraute Stimme der Bezugsperson vermittelt Sicherheit. Gegen Ende des dritten Monats können manche Babys Geräusche auch schon lokalisieren. Das bedeutet, sie drehen den Kopf in die Richtung aus der das Geräusch gekommen ist.

Sehen

Kommen wir zum nächsten Sinn: dem Sehen. Zu Beginn sehen Babys sehr unscharf. Sie nehmen die Welt um sich herum verschwommen wahr und können auch noch nicht fokussieren. Das ändert sich in den ersten drei Lebensmonaten relativ rasch. Der Blick wandert hin und her, sie nehmen erste Kontraste, Muster sowie den Wechsel von Hell und Dunkel wahr. Zudem dauert es nicht lange, bis sie einen Gegenstand, ein Gesicht oder den Finger der Mama mit den Augen verfolgen können. Rund um den zweiten Lebensmonat sehen Babys etwa auf einen Meter scharf. Sie erkennen bereits schemenhaft die Gesichter ihrer Bezugspersonen, ihr Sehvermögen differenziert sich immer mehr aus. Manche Babys versuchen auch schon aktiv, den Blickkontakt mit den Eltern aufzunehmen.

Tasten

Sobald es gelingt, die Hand zum Mund zu führen, entwickeln Babys den sogenannten Tastsinn. Sie erkunden Gegenstände mit dem Mund oder mit der Hand. Einige Kinder stecken sich auch gerne ihre Zehen in den Mund, das wiederum trainiert den Muskelapparat und schärft die Sinne. Babys haben zudem feine Näschen. Sie sind sehr sensibel, um nicht zu sagen geruchsempfindlich. Am liebsten mögen sie, ihnen vertraute Gerüche, sie erkennen den Geruch der Mutter und jenen der Muttermilch. Auf Parfums, parfümierte Körperpflegeprodukte und das Vernebeln von ätherischen Ölen solltest du in den ersten sechs Monaten verzichten. Unterschiedlich intensive olfaktorische Eindrücke können dein Baby verwirren und zudem die Schleimhäute reizen.

Spielerisch fördern

Du möchtest deinen Nachwuchs spielerisch fördern? Dann empfehlen wir dir in dieser Zeit Krabbelspiele, Fingerspiele oder das Vorsingen von altersgerechten Kinderreimen. Außerdem sehr beliebt: Krabbeldecken mit lustigen Motiven und kräftigen Farben, erste Rasseln und Greiflinge sowie Mobile über dem Gitterbett oder dem Wickeltisch.

Kommunikation

So kommuniziert dein Baby

Babys sind hoch-kommunikative Wesen, sie sprechen ihre eigene Sprache und teilen ihren Eltern von Anfang an mit, wie sie sich fühlen. Als frisch gebackene Mama ist es für dich natürlich noch ungewohnt, die Sprache deines Babys zu entschlüsseln. Aber mit der Zeit wirst du immer sicherer und bald versteht ihr euch blind. Wenn dein Baby dir etwas sagen möchte, wird es in den ersten Monaten hauptsächlich jammern, wimmern, weinen oder manchmal auch schreien. Das ist seine einzige Möglichkeit, um dir zu signalisieren, dass es Hunger hat, gewickelt oder gehalten werden möchte. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensmonat sucht es immer öfter den Blickkontakt zu dir, es beginnt vielleicht auch schon damit, undefinierbare Laute von sich zu geben. So imitiert es das Sprechverhalten der Eltern.

Das Lächeln des Babys

Eine weitere Form der Kontaktaufnahme ist das Lächeln deines Babys. Während es in den ersten Wochen hauptsächlich im Schlaf lächelt („Engelslächeln“), zielt sein Lächeln ab dem zweiten Monat schon auf einen sozialen Austausch mit nahestehenden Personen ab. Du wirst bald feststellen, dass es dich anlächelt, wenn du dich ihm liebevoll zuwendest. Es trainiert dadurch auch schon feinmotorische Fähigkeiten für das Sprechen. Kindern in diesem Alter macht es bereits Spaß, zu testen, wie andere auf ihr Lächeln reagieren. Deswegen suchen sie immer und immer wieder den Blickkontakt zu ihren Bezugspersonen.

Gefühle

Sicherheit gewinnen

Wir haben bereits erwähnt, dass Babys sehr feinfühlig sind. Sie können Wahrnehmungen nicht filtern, einordnen und verarbeiten wie Erwachsene. Dein Nachwuchs lernt jeden Tag etwas Neues dazu, es hört, fühlt und sieht viel Unbekanntes. Das kann so ein kleines Wesen schon auch mal überfordern und ängstigen. Eltern sind in dieser Zeit der sichere Hafen. Sie vermitteln ihrem Baby Zuversicht und Geborgenheit, indem sie verlässlich auf seine Bedürfnisse reagieren. Körperkontakt, Aufmerksamkeit und Nähe helfen deinem Schatz ebenso dabei, Sicherheit zu gewinnen und sich zu beruhigen. Je gelassener du auf das Weinen oder Schreien deines Babys reagierst, desto leichter wird es euch beiden fallen, die Situation anzunehmen wie sie eben gerade ist. Vergiss nicht, dass Weinen eine der wenigen Ausdrucksmöglichkeiten deines Babys ist und eine Form, Stress sowie Anspannung abzubauen.

Was Eltern tun können

Was ihr tun könnt: präsent und aufmerksam sein und sich abwechseln, damit die Akkus der Erwachsenen auch zwischenzeitlich aufgeladen werden. Wenn du dich stark überfordert fühlst und nicht mehr weißt, wie es weitergehen soll, zögere nicht, dich an deine Hebamme oder eine Beratungsstelle zu wenden. Es gibt in Österreich Schreiambulanzen und spezialisierte BeraterInnen, die dich professionell unterstützen. Zusätzlich empfiehlt es sich natürlich, gesundheitliche Ursachen für untröstliches Weinen auszuschließen. Und auch wenn es manchmal sehr anstrengend sein kann, diese Phase zeigt, wie neugierig dein Baby auf die Welt ist und wie prächtig es sich entwickelt. Als Mama oder Papa darfst du dieses Heranwachsen vom ersten Moment an begleiten.

Was euch in dieser Zeit außerdem beschäftigt:

Milchschorf und Kopfgneis

Bei beiden Erscheinungsbildern handelt es sich um eine Veränderung der Kopfhaut. An der Oberfläche entstehen weiß bis gelblich verkrustete Schuppen, die sich nicht ablösen lassen. Die Unterscheidung ist nicht immer eindeutig, manchmal ist der Übergang fließend. Kopfgneis muss nicht medizinisch behandelt werden, üblicherweise lösen sich die Schuppen im Laufe der Zeit von selbst ab. Beim Milchschorf hingegen entstehen mit der Zeit gelbe Bläschen, die auf eine Entzündung hindeuten. Dein Baby verspürt einen starken Juckreiz, die Bläschen können sich auf der Kopfhaut und bis ins Gesicht ausbreiten.

Wenn du dir nicht sicher bist, kontaktiere deinen Kinderarzt/deine Kinderärztin. Er/sie wird dir vermutlich ein spezielles Mittel verschreiben, das du beim Haare waschen und bei der anschließenden Pflege verwenden kannst. Es gibt zudem einige Hausmittel und Anwendungen aus der Pflanzenheilkunde, die bei Milchschorf und Kopfgneis zur Therapie eingesetzt werden können. Diesbezüglich solltest du dich jedoch im Vorfeld mit deinem Arzt/der Ärztin absprechen.

Stillen oder Fläschchen

Das Stillen hat sich mittlerweile schon gut eingespielt und dein Körper ist in der Lage, sich flexibel auf die benötigte Milchmenge einzustellen. Es ist vollkommen normal, dass dein Baby einmal mehr und einmal weniger trinkt. Weiterhin gilt die Empfehlung nach Bedarf zu stillen, die zusätzliche Gabe von künstlicher Säuglingsnahrung ist üblicherweise nicht erforderlich.

Wenn du deinem Baby PRE-Milch gibst, kannst du auch das nach Bedarf tun. Wer möchte, kann es zwischen dem ersten und dritten Lebensmonat mit einem Schnuller versuchen, das Trinkverhalten sollte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr darunter leiden. Bist du dir dennoch unsicher, kontaktiere eine Stillberaterin in deiner Nähe.

Mögliche Erkrankungen in dieser Zeit:

Drei-Monats-Koliken

Bei den Drei-Monats-Koliken handelt es sich nicht um eine Krankheit im klassischen Sinn, sondern vielmehr um typische Beschwerden, mit denen Babys in einem bestimmten Alter zu kämpfen haben. Die Koliken, also krampfartigen Schmerzen, treten ab dem dritten Lebensmonat überwiegend in der Bauchgegend auf. Das Baby wirkt angespannt, es winkelt seine Beinchen an und ist insgesamt sehr unruhig. Manche Kinder schreien stundenlang, bevorzugt am Abend oder in der Nacht.

Wodurch die Koliken ausgelöst wurden, ist bislang unklar. Ein möglicher Faktor ist die Unreife des kindlichen Darms und dadurch entstehende Blähungen. Ein anderer Faktor ist übermäßiges Schlucken von Luft, wenn Babys von der Brust oder aus dem Fläschchen trinken. Wie lange der Nachwuchs von den lästigen Koliken geplagt wird, ist individuell unterschiedlich. Üblicherweise sind sie nach sechs oder spätestens acht Monaten überstanden. So kannst du deinem Baby helfen: Tragen im Tragetuch oder der Babytrage, sanfte Bauchmassagen oder ein Babybad. Außerdem ist es empfehlenswert, am Abend für eine ruhige Atmosphäre und immer gleich bleibende Rituale zu sorgen. Das gibt deinem Baby Sicherheit und Geborgenheit.

Fehlstellungen der Hüfte

Etwa vier Prozent aller neugeborenen Babys leidet unter einer Anomalie in der Hüftentwicklung. Die häufigste Fehlstellung ist die sogenannte Hüftgelenksdysplasie. Der Hüftgelenkkopf passt dann nicht in die Gelenkpfanne, weil sie dafür zu klein ist. Wenn der Gelenkkopf nicht mehr in der Pfanne liegt, sondern außerhalb, spricht man von einer Hüftgelenksluxation. Eine derartige Dysplasie ist angeboren, du kannst also im Vorfeld nichts dagegen tun.

Babys, die darunter leiden, werden in der Regel breit gewickelt oder sie erhalten eine Spreizhose. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, Bandagen oder einem Gips anzulegen. In besonders schweren Fällen wird zu einer Operation geraten – das hängt jedoch vom Alter des Kindes und der Ausprägung der Hüftgelenksdysplasie ab. Tipp: Das Tragen im Tragetuch korrigiert eine leichte Fehlstellung auf natürliche Art und Weise, da das Baby automatisch die Anhock-Spreiz-Haltung einnimmt.

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