Eltern-Kind-Pass: Petition gegen geplante Streichung der kostenlosen Hebammenberatung

Für werdende Mütter in Österreich sollte der neue Eltern-Kind-Pass eigentlich mehr Unterstützung und eine modernisierte, umfassendere Vorsorge bringen. Besonders ein Punkt galt als großer Fortschritt: ein verpflichtendes Hebammengespräch in der Frühschwangerschaft, das allen Frauen - unabhängig von Einkommen, Herkunft oder persönlichen Umständen - einen sicheren und verlässlichen Einstieg in die Betreuung bieten sollte.

Nun wurde überraschend bekannt, dass dieser verpflichtende Termin aus Budgetgründen gestrichen werden soll. Eine Entscheidung, die viele Fachleute beunruhigt, weil gerade zu Beginn einer Schwangerschaft wichtige Fragen, Sorgen und mögliche Belastungen sichtbar werden. Bleibt dieser Kontakt aus, könnte es für manche Frauen deutlich schwerer werden, frühzeitig Hilfe zu bekommen.

Eltern-Kind-Pass: Petition gegen geplante Streichung der kostenlosen Hebammenberatung

Hebammen warnen vor Folgen für besonders vulnerable Schwangere

Das Österreichische Hebammengremium (ÖHG) reagiert mit scharfer Kritik, da besonders vulnerable Gruppen betroffen sind. ÖHG-Präsidentin Gerlinde Feichtlbauer, MSc, erklärt:

„Gerade jene Frauen, die unsere Unterstützung am dringendsten brauchen, werden durch diese Entscheidung im Stich gelassen. Ein freiwilliger Hebammentermin erreicht sozioökonomisch benachteiligte und besonders vulnerable Schwangere häufig nicht.“

Für viele Frauen wäre der verpflichtende Termin ein sicherer Ankerpunkt gewesen, vor allem für jene, die aufgrund von Stress, Armut, Mehrfachbelastung oder fehlendem sozialen Netz weniger Zugang zu medizinischen Angeboten haben.

Wie war es eigentlich geplant?

Im aktuellen Mutter-Kind-Pass gibt es nur ein einziges Hebammengespräch. Eine vom Gesundheitsministerium eingesetzte Expert*innengruppe hatte jedoch empfohlen, zwei zusätzliche Termine zu integrieren – darunter einen verpflichtenden Kontakt im ersten Schwangerschaftsdrittel.

Warum verpflichtend? Weil freiwillige Angebote von jenen, die am meisten Unterstützung brauchen, erfahrungsgemäß am seltensten wahrgenommen werden. In der aktuellen Vorbereitung des EKP-Gesetzes wurde diese Verpflichtung unerwartet gestrichen.

Schon seit 2014 wird an einer Reform des Mutter-Kind-Passes gearbeitet. Fachgesellschaften, Ärzt*innen, Hebammen, Wissenschaft und Bioethikkommission entwickelten über Jahre ein neues, zeitgemäßes Untersuchungsprogramm. Die verpflichtende Hebammenberatung war darin ein wichtiger Baustein – und erhielt die Zustimmung von insgesamt vier Gesundheitsminister*innen. Seit 2023 liegt das fertige Programm vor. Dass die Maßnahme nun doch nicht umgesetzt werden soll, sorgt in allen Fachbereichen für Irritation.

Warum dieser Termin für Schwangere so wichtig wäre

  • Früherkennung von Risiken: Hebammen erkennen psychosoziale Belastungen, Gewalt, Überforderung oder depressive Symptome oft frühzeitig.
  • Unterstützung ohne Hürden: Der verpflichtende Termin erreicht auch Frauen, die freiwillige Angebote kaum nutzen können oder wollen.
  • Internationale Erfahrungen: Länder mit kontinuierlicher Hebammenbetreuung – z. B. Skandinavien – erzielen nachweislich bessere Schwangerschafts- und Geburtsverläufe.
  • Mehr Chancengleichheit: Besonders Frauen in schwierigen Lebenslagen würden profitieren.

Petition gegen die Änderung

In Erwartung der Reform wurden österreichweit mehr Studienplätze für Hebammen geschaffen. Viele junge Fachkräfte haben nun Sorge, dass ein wichtiges Arbeitsfeld wegfällt und Familien dadurch weniger Unterstützung erhalten. Hebamme Eva Schranz (@evaschranz.hebamme) meint dazu:

"Aus dem letzten Jahrzehnt wissen wir, dass wir mit einem freiwilligen Hebammenberatungsgespräch nur etwa ein Drittel aller Schwangeren erreichen, nämlich in der Regel diejenigen, die ohnehin gut informiert und engagiert sind. Gerade die Schwangeren, die am meisten von einer Hebammenberatung profitieren könnten, nehmen freiwillige Termine oft nicht wahr, z.B. weil sie im Alltag sehr belastet sind oder mit finanziellen Sorgen kämpfen und denken, freiwillige Termine wären privat zu zahlen.

Ein verpflichtender Termin wäre ein Garant dafür, dass jede Schwangere früh Kontakt zu einer kompetenten Ansprechperson zu allen Fragen rund um die Schwangerschaft und Babyzeit bekommt und weiß, wohin sie sich wenden kann, wenn Probleme auftauchen. Gerade die Kassengynäkolog*Innen können es aus Zeitgründen sehr häufig nicht leisten, Schwangere umfangreich zu Sorgen und Problemen zu beraten.

Mütter, die überfordert mit ihrem Baby sind und enorm von Hausbesuchen einer Hebamme profitieren könnten, wissen häufig gar nicht, dass diese Hausbesuche eine Kassenleistung sind und jeder Familie zustehen - weil sie nie Kontakt zu einer Hebamme hatten."

Daher wurde eine Petition ins Leben gerufen, um diese Änderung zu revidieren. Jede*r, die*der gerne unterstützen möchte, kann dies mit wenigen Klicks tun oder den Link an andere (werdende) Mütter oder Unterstützer*innen teilen:

Zur Petition

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Mehr erfahren:

Baby wird beim Arzt geimpft

Impfungen im ersten Lebensjahr

An Untersuchungen beim Kinderarzt oder der Kinderärztin gewöhnt sich der Nachwuchs rasch, schließlich sieht der Mutter-Kind-Pass regelmäßige Überprüfungen der Gesundheit und des allgemeinen Entwicklungsstandes des Säuglings vor. Ab dem dritten Lebensmonat steht der nächste große Schritt an: die erste Impfung. Für Eltern ist dies oft ein emotionales Thema, denn sie fürchten sich einerseits vor unerwarteten Nebenwirkungen, andererseits bereitet ihnen der Gedanke, ihr Kind dem Impfschmerz auszusetzen, Sorge.

Weiterlesen …

Rektusdiastase nach der Geburt

Man spricht von Rektusdiastase, wenn die geraden Bauchmuskeln zur Seite hin ausweichen und ein Spalt entsteht. So baust du deine Muskeln im Wochenbett auf.

Weiterlesen …

Baby liegt auf dem Bauch auf dem Sofa, gehalten von Elternteil

Robben, krabbeln, gehen: So bewegt sich dein Baby im 1. Jahr

Kaum ist dein Baby auf der Welt, geht seine Entwicklung rasant weiter: Über das erste Lächeln, das Greifen nach deiner Hand – und eines Tages dreht es sich plötzlich von selbst um. Im ersten Lebensjahr passiert unglaublich viel, hauptsächlich in Sachen Mobilität. Dein Kind dreht sich, robbt, krabbelt – und wagt vielleicht sogar schon die ersten Schritte.

Weiterlesen …

Schwangere Frauen sitzt auf der Toilette

Inkontinenz nach der Geburt

Auch wenn es möglicherweise unangenehm erscheint, wir widmen uns einem Tabuthema, das viele Frauen speziell nach der Geburt beschäftigt. Sie leiden unter Harninkontinenz, in seltenen Fällen auch unter Stuhlinkontinenz. Wenn Ausscheidungen nicht mehr kontrolliert abgegeben werden können, ist das für Betroffene eine große Belastung. Wir klären dich über die Ursachen, mögliche Therapien und den Nutzen von Beckenbodentraining auf.

Weiterlesen …

Melde dich zum Schwanger.at Newsletter an – dich erwarten spannende Artikel, Produkttests und Gewinnspiele!

Bitte rechnen Sie 1 plus 6.