HypnoBirthing

Bei HypnoBirthing handelt es sich um eine spezielle Form der Geburtshilfe, die gelegentlich auch die „Mongan-Methode“ genannt wird. In den USA und in Großbritannien erfreut sich HypnoBirthing größter Popularität und gilt als anerkannte Entbindungsmethode.

Im deutschsprachigen Raum sind die Techniken, die von der Hypnotherapeutin Marie F. Mongan entwickelt wurden, hingegen wenig verbreitet. Im Mittelpunkt steht die natürliche Geburt. Marie F. Mongan ist davon überzeugt, dass jede Frau sanft und weitgehend schmerzfrei entbinden kann, sofern sie sich entsprechend auf die Geburt vorbereitet. HypnoBirthing beginnt demnach bereits schon in der Schwangerschaft. Denn die Methode zielt darauf ab, bestimmte Entspannungs- und Visualisierungstechniken durch tägliches Üben so zu verinnerlichen, dass sie Frauen in der Geburtssituation sofort abrufen können.

Schwangere Frau hält Babybauch

Den Geburtsschmerz verstehen

HypnoBirthing soll Gebärenden dabei helfen, die Ankunft des eigenen Kindes positiver zu erleben und Schmerzen besser zu bewältigen. Damit dies auch wirklich gelingt, ist es notwendig, dass Frauen genau verstehen, was während einer Geburt geschieht. Es geht hier natürlich nicht darum, sich tiefgründiges, medizinisches Wissen anzueignen. Marie F. Mongan legt vielmehr Wert darauf, dass Frauen ihre Ängste und negativen Glaubensvorstellungen thematisieren und diese anschließend ablegen. Der Weg dorthin führt einerseits über das Verständnis des Geburtsverlaufs und andererseits über die Auseinandersetzung mit vorangegangen, traumatischen Geburtserfahrungen.

Nicht nur während der Schwangerschaft, sondern vor allem auch während der Entbindung vollbringt der weibliche Körper Höchstleistungen. Der Muttermund muss sich auf 10cm öffnen und das Baby muss durch den Geburtskanal geschoben werden. Für Muskeln, Bänder, Sehnen und Bindegewebe ist dies eine Ausnahmesituation, die sich bei der Gebärenden in Form von mittleren bis starken Schmerzen bemerkbar macht. Mit der Angst vor diesen Schmerzen kommt nahezu jede schwangere Frau in Berührung, unabhängig davon, ob sie bereits ein Kind geboren hat oder nicht. Wer diese Angst auch zur Geburt mitnimmt, der riskiert, dass sich das Schmerzempfinden sogar noch verstärkt.

Bereits vor einigen Jahren hat sich Grantly Dick-Read mit diesem Phänomen beschäftigt und festgestellt, dass Gebärende häufig in einen Teufelskreis aus Angst, Anspannung und Schmerz geraten. Starke Verkrampfung und Anspannung während der Entbindung hemmen die Ausschüttung wichtiger Hormone (Oxytocin, Endorphine und viele mehr), die wiederum als natürliche Schmerzmittel gelten. Gelingt es also, diesen Schmerz-Angst-Kreislauf zu durchbrechen, erhöhen sich die Chancen, eine sanfte und leichte Geburt zu erleben.

(Selbst-)Hypnose

In diesem Sinne kann man HypnoBirthing also auch als Schmerzbewältigungs-Programm verstehen. Was jedoch in der Theorie relativ einfach klingt, erfordert in der Praxis jede Menge Übung. Der Schlüssel zur positiven Geburt liegt laut Marie F. Mongan in der Selbsthypnose. Sie greift dabei auf Konzepte der Hypnose zurück, die bereits seit Jahren erfolgreich in der Schmerztherapie (z.B. bei Zahnärzten) oder in der Psychotherapie zum Einsatz kommen. Mit Hilfe bestimmter Techniken lernen Schwangere, sich in einen tiefen Zustand der Entspannung/Trance zu versetzen. Ähnlich funktioniert beispielsweise auch autogenes Training, das im Profisport gerne zur Vorbereitung auf Wettkämpfe eingesetzt wird. In diesem Zustand ist das Unterbewusstsein jedenfalls besonders empfänglich für positive Botschaften und Glaubenssätze. Ängste oder traumatische Geburtserlebnisse können aufgelöst und durch schöne Bilder und stärkende Affirmationen ersetzt werden.

Vorteile von HypnoBirthing

Selbstverständlich gilt HypnoBirthing nicht als Garant für eine absolut schmerzfreie Geburt. Einige Studien konnten jedoch zeigen, dass die mentale Geburtsvorbereitungstechnik positive Effekte auf den Geburtsverlauf hat:

  • Schmerzmittel kommen seltener zum Einsatz.
  • Frauen gelingt es, den Kreislauf aus Angst-Schmerz-Anspannung zu durchbrechen – somit erleben sie die Geburt gelassener.
  • Die erste Geburtsphase verkürzt sich um einige Stunden.
  • Pausen zwischen den Wehen können effektiver zur Erholung genutzt werden.
  • Die gemeinsame Vorbereitung auf die Geburt stärkt die Bindung zwischen Geburtspartner und gebärender Frau. Dies ermöglicht dem Geburtspartner, die Frau während der Entbindung besser zu unterstützen.
  • Frauen erholen sich nach der Geburt schneller.
  • Die Mutter-Kind-Beziehung wird bereits während der Schwangerschaft gestärkt.

Geburtsvorbereitung

HypnoBirthing ist eine Methode mit der sich schwangere Frauen intensiv auf die Geburt und ihren persönlichen Umgang mit Wehen vorbereiten können. Ziel ist es, während der Entbindung einen tiefen Entspannungs- beziehungsweise Trancezustand zu erreichen, in dem der Schmerz nicht so intensiv wahrgenommen wird. Bildlich gesprochen soll die Trance die Gebärende über jede Wehe und somit den Schmerz hinweg tragen. Das geht jedoch nicht von alleine. Frauen müssen bereits während der Schwangerschaft bestimmte Techniken erlernen und regelmäßig praktizieren, mit deren Hilfe sie sich in den entsprechenden Entspannungszustand versetzen. Dazu zählen:

  • Atemtechniken: Schlafatmung, langsames Atmen und Geburtsatmung
  • Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, Setzen von mentalen Ankern, entspannende Massage durch den Geburtspartner
  • Visualisierungstechniken: umfassen Affirmationen und gedankliche Bilder (z.B. „die sich öffnende Blüte“) sowie die so genannte Regenbogenentspannung
  • Besondere Vertiefungstechniken:Handschuhentspannung, Tiefometer, der sensorische Kontrollschalter sowie die Technik der Zeitverzerrung

Es empfiehlt sich, die entsprechenden Techniken und Visualisierungen bereits ab der 15. Schwangerschaftswoche zu erlernen. Bis zur Geburt ist dann noch genug Zeit, um regelmäßig zu üben – so lange, bis die Techniken in Fleisch und Blut übergehen. Schwangere sollten sich jedoch nicht unter Druck setzen. Es ist nicht erforderlich, sich alle Entspannungsmethoden anzueignen. HypoBirthing funktioniert dann, wenn Frauen jene Techniken aussuchen, mit denen sie sich wohl fühlen und diese dann regelmäßig üben.

HypnoBirthing-Seminare

Wer sich für HypnoBirthing interessiert, dem stehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten offen. Entweder man bereitet sich im Selbststudium mit Hilfe von Buch und Audio-CD vor oder man besucht einen entsprechenden Kurs. HypnoBirthing Kurse werden von Hebammen und zertifizierten HypnotherapeutInnen in ganz Österreich angeboten. Die Kurse finden entweder geblockt an einem Wochenende oder in wöchentlichen Einheiten statt. Die Kosten liegen zwischen 250 und 500 Euro.

Eine spannende Diskussion zum Thema HypnoBirthing findest du auch unter: http://www.babyforum.at/discussion/comment/112627

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