Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft arbeitet dein Organismus auf Hochtouren. Genaugenommen beginnt er schon mit jedem Eisprung damit, sich auf eine mögliche Einnistung vorzubereiten. Nach erfolgter Befruchtung finden zahlreiche Umstellungsprozesse statt, die deinem ungeborenen Baby ein sicheres Wachstum ermöglichen sollen. In den neun Monaten benötigst du daher mehr Nährstoffe, Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und ab dem zweiten Trimester etwa 200-300 Kalorien zusätzlich pro Tag. Da nicht alle Mikronährstoffe ausreichend über die Ernährung gedeckt werden können, wird der Griff zum Nahrungsergänzungsmittel vielfach propagiert. Warum das in vielen Fällen gar nicht notwendig ist, worauf Veganerinnen achten sollten und warum du deine Nährstoffwerte vom Arzt bestimmten lassen solltest, wir klären auf.

Die wichtigsten Schwangerschaftsnährstoffe

Sowohl in der Apotheke als auch im Drogeriemarkt findet man ein großes Angebot an Nährstoffpräparaten, die speziell für Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere und stillende Mütter entwickelt wurden. Meist sind es Kapseln, die eine Kombination von unterschiedlichen Mikronährstoffen enthalten. Dazu zählen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Je nach Hersteller enthalten die handelsüblichen Präparate Folsäure, Vitamine der Gruppe B, Vitamin C, Vitamin A, Eisen, Zink, Magnesium und Biotin. Mikronährstoffe sind in gewisser Hinsicht die kleinen Motoren für die Makronährstoffe (Kohlehydrate, Protein, Fett). Während der Körper Letztere unbedingt benötigt, um ausreichend Energie zu gewinnen, arbeiten Vitamine, Mineralien und Spurenelemente dem Organismus zu. Sie sind wichtig für zahlreiche Zell- und Stoffwechselfunktionen, auch das Immunsystem kann durch bestimmte Nährstoffe wie z. B. Vitamin D oder Selen gestärkt werden.

Der springende Punkt dabei ist: Mikronährstoffe kann der Körper nicht selbst produzieren und er kann sie auch nicht aus den Makronährstoffen gewinnen. Also müssen wir darauf achten, dass wir sie mit jenen Lebensmitteln zuführen, die wir täglich konsumieren. In Anbetracht der unterschiedlichsten Supplemente, die beworben werden, könnte man nun meinen, dass es gar nicht möglich ist, unseren Bedarf über die herkömmliche Nahrung zu decken. Grundsätzlich ist es jedoch so, dass unser Bedarf an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen schwankt. Faktoren wie Alter, Stresslevel, Ernährung und chronische Erkrankungen spielen dabei eine Rolle. Nun kannst du dir bestimmt schon denken, was das für dich als Schwangere bedeutet. Du musst zwar nicht für zwei essen, aber deinen Körper mit mehr Nährstoffen versorgen als sonst, schließlich wächst neues Leben in dir heran. Dein Organismus arbeitet auf Hochtouren und dafür braucht er im Speziellen:

Folsäure

Mit der Aufnahme von Folsäure beginnst du idealerweise schon vor der Schwangerschaft, da sie bereits in den ersten Wochen benötigt wird. Bei einem Mangel an Folsäure besteht ein erwiesenermaßen erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, Neuralrohdefekt, Früh- und Fehlgeburten. GynäkologInnen empfehlen ab Kinderwunsch 400 µg Folsäure täglich, in der Schwangerschaft 550 µg und in der Stillzeit 450 µg pro Tag.

Jod

Jod wird in allererster Linie von der Schilddrüse benötigt. Wenn du ein Kind erwartest, gibt dein Körper Jod an dein Baby ab, um Fehlbildungen (Kropf), Störungen des Hörsinns und der kognitiven Leistung vorzubeugen. Man geht davon aus, dass die Jodversorgung in Österreich gut ist, da Jod beispielsweise auch dem Speisesalz zugesetzt ist.

Vitamin D

Es ist ein Vitamin, das seit einiger Zeit in aller Munde ist. Vitamin D ist essenziell fĂĽr den Aufbau der Knochen und fĂĽr ein starkes Immunsystem. Es wird gebildet, wenn wir ausreichend Sonnenlicht tanken, das wiederum ist, vor allem in den Wintermonaten, nicht so einfach.

Eisen

Hierbei handelt es sich um ein Spurenelement, das für eine gute Sauerstoffzirkulation im Blut sorgt und bei Kindern für die Gehirnentwicklung wichtig ist. Frauen können aufgrund der Menstruationsblutung und im Wochenbett (manchmal darüber hinaus) unter einem Eisenmangel leiden. Auch in der Schwangerschaft ist der Eisenbedarf erhöht.

Magnesium

In der Fachsprache bezeichnet man Magnesium als ein Mengenelement. Es beeinflusst die Muskelfunktion und damit auch die Muskulatur deiner Gebärmutter. Bei einem starken Magnesiummangel in der Schwangerschaft kann es zu ungewollten Gebärmutterkontraktionen (vorzeitigen Wehen) kommen.

Supplemente – Nur nach Rücksprache mit dem Arzt

Folsäure, Eisen, Vitamin D, Magnesium und Jod sind jene Mikronährstoffe, die von Schwangeren in jedem Fall aufgenommen werden sollten. Ob andere Vitamine, Spurenelemente oder Mineralien erforderlich sind, sollte individuell entschieden werden. Was du nicht machen solltest: Auf eigene Faust und wahllos „Schwangerschaftsvitamine“ oder spezielle Präparate zu dir nehmen. Idealerweise wendest du dich bereits bei einem bestehenden Kinderwunsch an deinen Frauenarzt/deine Frauenärztin. Zu diesem Zeitpunkt kann eine Mikronährstoffanalyse (oder ein erweitertes Blutbild) Auskunft darüber geben, welche Depots gut gefüllt sind und welche optimiert werden dürfen.

Ebenso wird dein Arzt/deine Ärztin im Rahmen einer Anamnese erheben, ob du aufgrund von Vorerkrankungen, Vorbelastungen wie z. B. Übergewicht/Untergewicht, vorangegangenen Schwangerschaften oder anderen Faktoren eine spezielle Supplementierung benötigst. Viele erforderlichen Nährstoffe können problemlos über Lebensmittel, die du abwechslungsreich in deinen Alltag einbaust, aufgenommen werden. Manchmal ist es jedoch so, dass die Menge dennoch nicht ausreicht, um deinen individuell gesteigerten Bedarf in der Schwangerschaft zu decken. In so einem Fall kann dein Arzt/deine Ärztin dir Präparate verschreiben, mit denen du gezielt jene Nährstoffe aufnimmst, die dir fehlen.

Am häufigsten erhalten Schwangere Folsäure- und Magnesiumpräparate. Ebenso steigt im Laufe der Schwangerschaft der Eisenbedarf, welcher nur schwer über die Ernährung gedeckt werden kann. Auch hier wird dann ein rezeptpflichtiges Eisenpräparat verschrieben.

Tipp: Wenn du durch die Einnahme von Eisen unter Verstopfung leidest, kannst du dir die Wechselwirkung von Eisen und Magnesium zunutze machen, da Magnesium stuhlauflockernd wirkt.

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