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Nestlé ruft Babynahrung zurück: Verzögerte Warnung sorgt für Kritik
Nestlé hat weltweit Babynahrungsprodukte zurückgerufen. Der Grund ist eine mögliche Verunreinigung mit dem bakteriellen Toxin Cereulid, das bei Säuglingen gesundheitliche Beschwerden auslösen kann. Brisant ist vor allem der Zeitpunkt der öffentlichen Warnung. Interne Hinweise lagen offenbar bereits Wochen früher vor, informiert wurde die Öffentlichkeit jedoch erst deutlich später.
Update 9. Februar 2026: Mittlerweile wurde bekannt, dass auch der Hersteller Danone laut Foodwatch Aptamil- und Milumil-Chargen zurückgerufen hat. Die genauen Chargen findest du hier.
Rückruf von Nestlé-Babynahrung: Was ist passiert?
Nach übereinstimmenden Medienberichten entdeckte Nestlé bereits Anfang Dezember 2025 bei internen Kontrollen Hinweise auf eine mögliche Verunreinigung von Säuglingsnahrung mit dem bakteriellen Toxin Cereulid. Am 9. Dezember 2025 informierte der Konzern erstmals zuständige Behörden in den Niederlanden über entsprechende Funde in einem dortigen Werk.
- Ab dem 10. Dezember 2025 begann ein erster, begrenzter Rückruf in einzelnen Ländern. Welche Märkte konkret betroffen waren, wurde öffentlich nicht kommuniziert. Eine umfassende Warnung für Verbraucher blieb zunächst aus.
- Nach Bekanntwerden der ersten Rückrufe setzte sich Foodwatch mit der österreichischen Behörde für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Verbindung. Die Mitarbeiter teilten mit, dass es keinen Bezug für Österreich gäbe.
- Laut dem EU-Schnellwarnsystem RASFF wurden am 16. Dezember 2025 auch in Proben von Nestlé-Säuglingsnahrung aus deutscher Produktion Cereulid-Rückstände festgestellt.
- Erst am 5. Januar 2026 machte Nestlé den Rückruf offiziell. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Produkte in rund 60 Ländern betroffen. Die zeitliche Verzögerung zwischen den ersten internen Hinweisen und der breiten Information der Öffentlichkeit steht seither im Zentrum der Kritik.
Wichtig: Eltern sollten betroffene Produkte nicht weiter verwenden. Auch angebrochene Packungen sollten entsorgt oder gemäß den Rückrufhinweisen zurückgegeben werden.
Was ist Cereulid?
Cereulid ist ein bakterielles Toxin, das vom Keim Bacillus cereus gebildet wird. Es gilt als besonders problematisch, weil es hitzestabil ist. Selbst starkes Erhitzen oder Abkochen kann das Gift nicht zuverlässig zerstören. In Lebensmitteln bleibt Cereulid daher auch nach der Verarbeitung wirksam.
Bei Säuglingen kann Cereulid Erbrechen, Durchfall, ungewöhnliche Müdigkeit und Unruhe auslösen. Aufgrund des noch unreifen Verdauungssystems reagieren Babys besonders empfindlich. Schon geringe Mengen können Beschwerden verursachen. Deshalb gelten bereits Verdachtsfälle in Babynahrung als besonders ernst.
Nach bisherigen Erkenntnissen stammt die Verunreinigung aus einer einzelnen Zutat in der Lieferkette. Einem Medienbericht zufolge handelt es sich um sogenanntes Ara-Öl mit Arachidonsäure, einen wichtigen Bestandteil bestimmter Säuglingsmilchprodukte. Dieses Öl wurde demnach von einem spezialisierten Zulieferer bezogen, der mehrere Hersteller beliefert. Als mögliches Ursprungsland der betroffenen Zutat wird China genannt. Die genaue Herkunft der Kontamination wird allerdings weiterhin untersucht.
Wichtig: Achte auf mögliche Symptome bei deinem Baby. Dazu zählen vor allem Erbrechen, Durchfall, ungewöhnliche Müdigkeit oder Unruhe. Treten solche Beschwerden auf, dann hole dir ärztlichen Rat.
Ausmaß des Rückrufs: Auch andere Hersteller betroffen
Der Rückruf von Säuglingsnahrung von Nestlé hat ein weltweites Ausmaß angenommen. Nach aktuellen Angaben sind rund 60 Länder betroffen. Insgesamt geht es um mehr als 800 Produkte, die in über zehn Nestlé-Produktionsstandorten hergestellt wurden. Schweizer Medien sprechen vom größten Rückruf in der Unternehmensgeschichte.
Inzwischen betrifft der Skandal um verunreinigte Säuglingsnahrung nicht mehr nur Nestlé. Auch die Hersteller Danone und Lactalis haben Rückrufe gestartet. Betroffen sind auch bei ihnen verschiedene Produkte in mehreren Ländern, darunter auch große europäische Märkte. Die Babynahrungshersteller haben wahrscheinlich auf einen gemeinsamen Zulieferer zurückgegriffen, der verunreinigte Zutaten bereitgestellt hat
In Österreich gibt es bislang keine bestätigten Erkrankungsfälle im Zusammenhang mit den zurückgerufenen Produkten. Die Behörden beobachten die Lage jedoch weiterhin aufmerksam.
Tipp: Prüfe regelmäßig die offiziellen Rückruflisten. Aktuelle Informationen veröffentlichen unter anderem Hersteller, nationale Behörden und zentrale Warnportale für Lebensmittelsicherheit.
Kritik an Informationspolitik und kein Einzelfall
Im Zentrum der Kritik steht vor allem die wochenlange Verzögerung bei der öffentlichen Warnung. Obwohl interne Hinweise und behördliche Informationen bereits früh vorlagen, wurden Eltern erst deutlich später informiert.
Gerade bei Babynahrung gilt fehlende Transparenz als besonders problematisch. Entsprechend mehren sich Forderungen nach klareren Meldepflichten, schnelleren Warnsystemen und verbindlichen Vorgaben für Hersteller und Behörden.
Der aktuelle Rückruf reiht sich zudem in eine Serie früherer Vorfälle ein. Nestlé stand in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen Rückrufen im Bereich Babynahrung in der Kritik. Auch aktuell laufen Untersuchungen und Verfahren in mehreren Ländern. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Kontrolle sensibler Lebensmittel und zur Verantwortung großer Konzerne auf.
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