Schwanger trotz Verhütung?

Es gibt bisher noch keine Verhütungsmethode, die alle Ansprüche auf einmal optimal erfüllen kann, d.h. die gleichzeitig vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt, eine Schwangerschaft verhindert, und frei von Nebenwirkungen bzw. Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit ist. Und nicht nur Anwendungsfehler sind der Grund der dafür, dass man trotz Verhütung schwanger werden kann.

Die Zuverlässigkeit von Methoden der Empfängnisverhütung ist messbar. Der nach dem Biologen Raymond Pearl benannte Pearl-Index, gibt an, wie viele sexuell aktive Frauen innerhalb eines Jahres trotz Anwendung einer Empfängnisverhütung schwanger werden. Dabei wird folgende Formel verwendet: Die Gesamtzahl der Schwangerschaften von Frauen, die eine bestimmte Verhütungsmethode angewendet haben wird mit zwölf multipliziert. Die Zwölf steht dabei für die zwölf Zyklen eines Jahres. Dieser Wert wird dividiert durch das Produkt der Zahl der Frauen und der Zahl der Anwendungsmethode. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert. Je niedriger das Ergebnis, also der Pearl-Index einer Verhütungsmethode, umso sicherer ist sie.

Dabei muss betont werden, dass nur gemessen wird, wie sicher eine Methode in Bezug auf Empfängnisverhütung ist und keine Angaben über den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten gemacht werden. Das Kondom beispielsweise hat mit 2-12 einen hohen Pearl-Index (d.h. zwei bis zwölf von hundert Frauen, die in einem Jahr so verhüten, werden schwanger) und ist im Vergleich zu anderen Methoden weniger sicher. Gleichzeitig ist es aber die einzige Methode, die vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.

Wie sicher sind die Verhütungsmethoden?

Verschiedene Kriterien sollten bei der Auswahl der Verhütungsmethode eine Rolle spielen: Neben der Sicherheit des Empfängnisschutzes und dem Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten sind auch allgemeine gesundheitliche Aspekte, sowie das Alter und die Lebens- und Paarsituation der Sexualpartner zu beachten. Jeder kann – im Idealfall mit ärztlicher Beratung – die für seine Bedürfnisse passende Verhütungsmethode(n) finden. Egal ob hormonelle, chemische Verhütungsmethoden, Barrieremethoden oder natürliche Empfängnisverhütung: Häufig kommt es vor, dass Verhütungsmethoden ausprobiert und dann wieder gewechselt werden. Statistisch gesehen birgt ein Wechsel ein erhöhtes Risiko für eine ungewollte Schwangerschaft. Deswegen sollte man sich vor der Umstellung gut informieren, um bei der Anwendung der neuen Methode Fehler zu vermeiden.

Ohne Verhütung liegt der Pearl-Index im Schnitt bei 85. 85 von 100 Frauen, die (in einem Jahr) nicht verhüten, werden statistisch gesehen schwanger. Einen so hohen Wert erreicht kein Verhütungsmittel, nicht einmal der Coitus Interruptus, der eigentlich gar nicht als anerkanntes Verhütungsmittel angeführt werden sollte. Bei den angegebenen Werten muss jedoch generell beachtet werden, dass der Pearl-Index nicht zwischen der Methodensicherheit, d.h. eine Verhütungsmethode wird korrekt angewendet und es kommt zu einer Schwangerschaft, und der Anwendungssicherheit, d.h. es kommt zu einem Anwendungsfehler oder einer Panne und dann zur Schwangerschaft, unterscheidet.

Der Pearl-Index der verschiedenen Methoden

Viele Schwangere berichten im Nachhinein, dass das Kondom gerissen sei oder sie vergessen hatten, die Pille zu nehmen. Aber auch ohne Anwendungsfehler bietet kein einziges Verhütungsmittel einen 100%igen Schutz. Einige Frauen, die trotz Pille schwanger geworden sind – in diesem Zusammenhang spricht man oft von Tro-Pi-Kindern – benennen ihr Kind dann sogar nach der Pille trotz derer sie schwanger wurden.

Folgende Werte werden den verschiedenen Verhütungsmethoden (diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es werden laufend neue Methoden entwickelt) laut Pearl-Index zugeordnet:

  • Kalendermethode 9
  • Vaginalfilm 6
  • Verhütungsschwamm 3-10
  • Coitus Interruptus 4-18
  • Chemische Verhütungsmittel 3-21
  • Kondom 2-12
  • Pessar 1-20
  • Spirale 0,9-3
  • Temperaturmethode 0,8-3
  • Verhütungspflaster 0,72-0,9
  • Minipille mit Levonorgestrel 0,5-3
  • Vaginalring 0,4-0,65
  • Drei-Monats-Spritze 0,3-1,4
  • Hormonspirale 0,16
  • Minipille mit Desogestrel 0,14-0,4
  • Pille 0,1-0,9
  • Kupferkette 0,1-0,3

Selbst eine Sterilisation bietet keinen garantierten Schutz vor einer Schwangerschaft: Bei der Sterilisation von Frauen liegt der Pearl-Index bei 0,1 und bei der Sterilisation von Männern sogar bei 0,25.

Bei neuen Verhütungsmethoden, wie beispielsweise dem Verhütungsstäbchen, gibt es noch keine aussagekräftigen Werte. Das liegt daran, dass die Genauigkeit des Pearl-Indexes abhängig ist, von der Verbreitung und langfristigen Anwendung einer Verhütungsmethode. Die oben angegebenen Werte können zum Teil von den Angaben, die die Hersteller verschiedener Verhütungsmittel machen, abweichen. Das liegt daran, dass bei der Berechnung des Pearl-Indexes keine Mindestgröße der Grundgesamtheit oder der Stichprobe vorgeschrieben sind – eine wissenschaftliche Ungenauigkeit, die man sich natürlich zu Nutze machen kann, um „gute“ Werte zu präsentieren.

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Kommentar von Weiblich |

Hallo ich nehme seit Wochen eine neue Pille. Meine letzte Blutung war am 15.3.17
Aber ich fühle mich seid Donnerstag komisch, habe Übelkeit habe mich auch 1 mal übergeben bin schwach und mir geht's so komisch,können das Schwangerschaftsanzeichen sein?

Antwort von Schwanger.at

Hallo Weiblich, vermutlich hast du deine Regel mittlerweile bekommen. Ansonsten empfehlen wir einen Besuch beim Frauenarzt/dein der Frauenärztin. Wenn deine Übelkeit anhält, kann dies auch an deiner neuen Pille liegen. Nicht jedes Präparat wird gleich gut vertragen. Alles Gute!

Kommentar von theresa |

Hallo! Ich bin in der 1. Woche meiner Pilleneinnahme und habe heute (Sonntag 3:30) bemerkt, dass ich eine Pille vergessen haben muss. Und das entweder am Mittwoch oder am Donnerstag (also am 3. oder 4. tag des Blisters Madonella). Ich hatte Dienstag und Mittwoch Geschlechtsverkehr. Bringt die Pille danach noch etwas oder soll ich einfach abwarten und ganz viel Grüntee trinken?

Antwort von Schwanger.at

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