Mutter-Kind-Einrichtungen

Bei so genannten Mutter-Kind-Einrichtungen oder Mutter-Kind-Heimen handelt es sich um Institutionen, die für schwangere Frauen und Mütter in Krisensituationen wichtige Anlaufstellen sind. Dort erhalten sie rasch und unbürokratisch eine vorübergehende Wohnmöglichkeit sowie professionelle Beratung. Größtenteils richten sich solche Angebote an werdende Mütter und Frauen mit Kind, teilweise werden jedoch auch Väter oder die ganze Familie aufgenommen.

Für die Nutzung der Wohnungen, Zimmer und Gemeinschaftsräume ist von den Betroffenen ein finanzieller Beitrag zu leisten. Dieser richtet sich jedoch nach sozialen Kriterien. Die Mutter-Kind-Einrichtungen der Fonds Soziales Wien heben mindestens 140 Euro und maximal 349 Euro monatlich als Entgelt ein.

Krisenintervention

Hilfe und Unterstützung in einer entsprechenden Einrichtung zu suchen, fällt vielen Frauen nicht leicht. Nicht selten ist es der letzte Ausweg. Sich einzugestehen, dass man selbst nicht mehr in der Lage ist, die eigene Situation unter Kontrolle zu bringen, erfordert viel Mut und Verantwortungsbewusstsein. Aber gerade dies ist ein wichtiger Schritt in ein neues Leben. Frauen, die gemeinsam mit ihren Kindern ein Mutter-Kind-Haus aufsuchen beziehungsweise beim Sozialreferat einen betreuten Wohnplatz beantragen, befinden sich meist in einer ausgesprochenen Notsituation. Vielleicht wurden sie vom Partner verlassen und stehen von einen Tag auf den anderen ohne jegliche Existenzgrundlage da. Vielleicht wurden sie und ihre Kinder jedoch auch Opfer von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt. Manche haben Probleme damit, ihren Kindern jene Fürsorge und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie benötigen. Andere kämpfen mit schier unlösbar scheinenden Problemen am Arbeitsplatz, mit der eigenen Gesundheit oder mit einer Suchtkrankheit.

Wie auch immer es zu der angespannten Situation kommen mag, in Mutter-Kind-Einrichtungen erhalten betroffene Familien eine sichere Unterkunft sowie rasche Beratung in einer Krisensituation. In den Mutter-Kind-Heimen stehen geschulte Fachkräfte wie SozialpädagogInnen, SozialarbeiterInnen, PsychotherapeutInnen und meist auch ehrenamtliche MitarbeiterInnen zur Verfügung, die sich kompetent mit den Anliegen der Hilfesuchenden auseinandersetzen und dabei helfen, komplizierte Lebensabschnitte ein wenig zu „entwirren“.

Zielgruppen

Das Angebot österreichischer Mutter-Kind-Heime richtet sich an alle Frauen und ihre Kinder, die unerwartet in Notsituationen geraten. Insbesondere jedoch an:

  • Teenager, die ungewollt schwanger sind oder kürzlich erst entbunden haben
  • Obdachlose Frauen und Kinder
  • Mütter, die die ausreichende Versorgung ihrer Kinder nicht mehr oder nur mehr unzureichend gewährleisten können
  • Frauen in beruflichen, sozialen und familiären Krisensituationen
  • Frauen und Kinder, die Opfer seelischer, körperlicher und/oder sexueller Gewalt wurden
  • Suchtgefährdete sowie psychisch erkrankte Mütter
  • Mütter, die nicht mehr in der Lage sind, die Anforderungen des Alltags alleine zu bewältigen

Hilfe zur Selbsthilfe

Zwei Aspekte stehen bei der Arbeit in Mutter-Kind-Einrichtungen im Vordergrund. Einerseits sollen notleidende Frauen und Kinder so schnell wie möglich ein Dach über den Kopf erhalten. Ein sicherer Rückzugsort hilft dabei, die aus den Fugen geratene Lebenssituation zu stabilisieren. Aufenthalte in entsprechenden Heimen sind zeitlich meistens auf  1-2 Jahre begrenzt. Daher ist es SozialarbeiterInnen andererseits ein Anliegen, die Frauen zu ermutigen, selbst aktiv zu werden und sie Schritt-für-Schritt in ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu begleiten. Ziel ist es, dass betroffene Familien am Ende des Aufenthaltes eine eigene Wohnung beziehen und die täglichen Routinen des Lebens wieder selbst bewältigen können.

Wohnformen

Je nach Ausstattung und räumlichen Möglichkeiten stehen in Mutter-Kind-Einrichtungen unterschiedliche Wohnvarianten zur Verfügung. Am häufigsten sind kleine Appartements/2-Zimmer Wohnungen vorzufinden, die voll möbliert und mit allen wichtigen Haushaltsgeräten ausgestattet sind. Es gibt jedoch auch Gemeinschaftswohnformen. Jede Bewohnerin hat ein Zimmer für sich und die Kinder, gewisse Bereiche wie Küche, Aufenthaltsräume und Sanitäranlagen werden jedoch gemeinschaftlich mit anderen Bewohnern genutzt. Die Ausnahmen bilden Notquartiere und das so genannte „Abklärungswohnen“. In Notquartieren kann eine bestimmte Anzahl von Frauen und Kindern sofort und unbürokratisch für maximal 6 Wochen untergebracht werden. Beim „Abklärungswohnen“ steht die Beziehung zwischen Mutter und Kind sowie das Kindswohl im Vordergrund. Im Anschluss an den Aufenthalt wird festgelegt, ob Kinder vorübergehend von ihrer Mutter getrennt werden müssen oder ob eine von SozialarbeiterInnen gestützte Lösung für den Alltag denkbar ist.

Unterstützung in allen Lebensbereichen

Grundsätzlich finden betroffene Frauen/Familien in Mutter-Kind-Einrichtungen ein engmaschiges Betreuungsnetz vor. In manchen Einrichtungen ist das Fachpersonal rund um die Uhr anwesend, während die SozialberaterInnen in anderen Heimen nur wochentags und zu bestimmten Zeiten tätig sind. Die Unterstützungsangebote erstrecken sich auf alle Lebensbereiche. Folgende Inhalte stehen im Mittelpunkt der Betreuung:

  • Beratung in finanziellen und rechtlichen Fragen (z.B. Unterhalt, Kinderbetreuungsgeld, Notstandshilfe, Anspruch auf Leistungen der Sozialversicherungsträger)
  • Spezielle Förderangebote für Babys und Kleinkinder (PEKiP, Bewegungsprogramme, Babyschwimmen)
  • Psychologische Hilfestellung im Aufbau einer gesunden und stabilen Beziehung zwischen Mutter und Kind
  • Intervention und Kontaktaufnahme zu Freunden, Familie, ehemaligen Partnern/Kindesvätern
  • Hilfestellung bei der Bewältigung von allfälligen Behördenwegen
  • Beratung in Alltagsfragen (Haushaltsführung, Einkaufsplanung, Sauberkeit, Hygiene, Gesundheitsvorsorge, Kindererziehung etc.)
  • Unterstützung bei einer Re-Integration am Arbeitsmarkt (Jobsuche, Bewerbungsverfahren)

Angebote für Teenager

Für Teenager, die ungewollt schwanger wurden oder sehr jung ein Kind bekommen haben, gibt es häufig auch spezielle Mutter-Kind-Einrichtungen. Die Jugendlichen finden dort einen Zufluchtsort, wenn sie aufgrund der Schwangerschaft mit familiären, schulischen oder partnerschaftlichen Problemen konfrontiert sind. Neben der allgemeinen Betreuung durch SozialpädagogInnen, stehen ExpertInnen für die Begleitung der Schwangerschaft (Hebammen, ÄrztInnen) zur Verfügung. Ziel ist es, gemeinsam mit der jungen Mutter herauszufinden, wie sie die Schwangerschaft am besten bewältigen kann und welche Maßnahmen für ein späteres Leben mit dem Kind getroffen werden müssen. Schulische und berufliche Perspektiven werden genauso thematisiert wie Erziehungs- und Kinderbetreuungsfragen.

Anlaufstellen in Österreich

Wohnangebote für Mütter und Kinder in Not gibt es in ganz Österreich. Erste AnsprechpartnerInnen in Wien sind die Mitarbeiter und MitarbeiterInnen des Fonds Soziales Wien:

In den Bundesländern geben folgende Institutionen und gemeinnützige Einrichtungen Auskunft über entsprechende Angebote zum betreuten Wohnen:

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