Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Infekte, die für gesunde Menschen kaum eine Gefährdung darstellen, können für immunschwache Personen und Schwangere durchaus riskant sein. So verhält es sich auch bei einer Infektion mit Toxoplasmose. Worauf schwangere Frauen achten sollten und welche Strategien sich zur Vorbeugung eignen, kannst du hier nachlesen.

Infektion mit Toxoplasma Gondii

Toxoplasmose wird von einem winzigen Parasiten, Toxoplasma Gondii, ausgelöst. Er kommt häufig vor, befällt ausschließlich Wirbeltiere und ist bei Kontakt auch für Menschen gefährlich. Wie gelangt der Erreger nun in den menschlichen Körper? Als so genannte Endwirte fungieren hauptsächlich Katzen. In deren Verdauungstrakt entstehen Toxoplasma Gondii-Oozyten, die mit dem Kot ausgeschieden und von anderen Tieren (z.B. Nutzvieh wie Schweine, Schafe, Rinder, Hühner) aufgenommen werden.

Der Mensch wiederum infiziert sich, wenn er rohes Fleisch von einem erkrankten Tier verzehrt oder wenn er mit infiziertem Katzenkot in Berührung kommt. Ungeborene Babys erkranken im Mutterleib, wenn die Mutter sich im Laufe der Schwangerschaft zum ersten Mal ansteckt.

Symptome & Diagnose

Eine Infektion mit Toxoplasmose könnte man durchaus als tückisch bezeichnen: sie verläuft bei gesunden Menschen nämlich weitgehend ohne Symptome. Die Erkrankung ist meist harmlos und verheilt von selbst wieder. Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und allen voran für Schwangere ist Toxoplasmose jedoch ein Risiko. Infiziert sich eine werdende Mutter mit dem Erreger, kann es vorkommen, dass auch sie die Krankheit nicht bemerkt. Das ungeborene Baby ist dennoch gefährdet, denn der Parasit ist in der Lage, die Plazentaschranke zu überwinden. In so einem Fall spricht man von einer pränatalen Infektion. Es ist davon auszugehen, dass sich etwa 50% aller ungeborenen Babys anstecken, wenn die Erstinfektion der Mutter innerhalb der neun Schwangerschaftsmonate stattfindet.

Eindeutige Symptome gibt es keine, am ehesten kann man die Beschwerden mit jenen vergleichen, die während einer leichten Grippe auftreten: erhöhte Temperatur, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit. Häufig sind auch die Lymphdrüsen geschwollen, seltener kommt es zu Durchfällen. Bei Verdacht auf eine Toxoplasmose Infektion oder bei allgemeiner Unsicherheit, sollten Schwangere sich auf jeden Fall unter ärztliche Aufsicht begeben. Wird tatsächlich Toxoplasmose festgestellt, ist nämlich rasches Handeln geboten, um schwere Folgeschäden beim Fötus zu vermeiden.

Ob eine akute Infektion vorliegt oder ob der Körper schon einmal mit dem Erreger in Kontakt gekommen ist, zeigt eine labordiagnostische Untersuchung des Blutes. Im Test werden Toxoplasma-Gondii-Antikörper bestimmt. Es gibt drei Typen (Typ IgM, Typ IgG und Typ IgA), die in jeweils unterschiedlichen Phasen der Infektion gebildet werden. Im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Kontrollen ist seit 1975 eine verpflichtende Untersuchung auf Toxoplasmose vorgesehen. Der entsprechende Bluttest muss bis zu 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, optional können sich Frauen auch schon bei Kinderwunsch testen lassen. Die Kosten dafür werden vom Versicherungsträger aber nur im Zuge der Schwangerschaftsvorsorge übernommen. Ist das Testergebnis negativ, folgen in regelmäßigen Abständen bis zur 32. Schwangerschaftswoche weitere Untersuchungen, um eine Infektion frühestmöglich zu erkennen. War eine Schwangere bereits mit dem Erreger in Kontakt, ist sie aller Wahrscheinlichkeit nach immun und muss keine Neuansteckung während der Schwangerschaft fürchten.

Auswirkungen auf Mutter und Kind

Während betroffene Schwangere kaum Symptome zeigen, kann eine unentdeckte Infektion mit Toxoplasmose für das ungeborene Baby fatal enden - der Erreger ist in höchstem Maße gesundheitsschädlich. Zu den schlimmsten Folgen einer derartigen Infektion zählen Fehlgeburten und Totgeburten. Dabei spielt es immer eine Rolle, wann die Mutter sich infiziert und wie schnell von ärztlicher Seite aus gehandelt werden kann. In den ersten Schwangerschaftswochen hat die Infektion erhebliche negative Auswirkungen auf den Fötus. Das liegt unter anderem darin begründet, dass sich die wichtigsten Funktionen und Organe in dieser Zeit fast vollständig ausbilden. Einer Erkrankung im letzten Drittel der Schwangerschaft ist hingegen leichter beizukommen, das Risiko von Folgeschäden ist vergleichsweise gering, wenngleich dennoch vorhanden.

Zu folgenden Schädigungen des Fötus kann es bei einer Infektion in den ersten Schwangerschaftsmonaten kommen:

  • Entzündungen des Gehirns und der Hirnhaut
  • Wasserkopf
  • Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung
  • Verkalkungen im Gehirn

Bahnt sich Toxoplasma Gondii erst im letzten Schwangerschaftsdrittel seinen Weg zum ungeborenen Kind, sind in vielen Fällen bei der Geburt gar keine direkten Auswirkungen festzustellen. Folgeschäden treten im Laufe der Zeit auf - beziehungsweise werden sie erst nach Monaten oder Jahren sichtbar. Mögliche Erkrankungen betreffen dann ebenfalls das Gehirn und das Sehvermögen, aber auch andere Bereiche wie z.B. die Lunge, Leber oder Milz.

Behandlungsmöglichkeiten

Kommt es zur Erstinfektion während der Schwangerschaft, wird die werdende Mutter mit Antibiotika und Antiparasitika behandelt. Am häufigsten kommen dabei die Präparate Pyrimethamin und Spiramycin zur Anwendung. Sie sollen verhindern, dass der Erreger auf das ungeborene Kind übertragen wird. Infizierten Schwangeren wird im Normalfall auch empfohlen, weiterführende Untersuchungen zu absolvieren, bei denen festgestellt werden soll, ob das Kind bereits krankhafte Veränderungen aufweist. Eine Möglichkeit ist eine erweiterte Ultraschalluntersuchung rund um die 20. Schwangerschaftswoche, eine andere Möglichkeit stellt die Fruchtwasseruntersuchung dar. Letztere ist jedoch auch nicht vollkommen risikofrei.

Vorbeugung

Eine Infektion mit Toxoplasmose kann weitreichende Folgen haben. Zum Glück gibt es zahlreiche Maßnahmen, die Schwangere selbst treffen können, um mit dem Erreger gar nicht erst in Kontakt zu kommen. Es sind drei Bereiche, in denen erhöhte Vorsicht geboten ist.

Küche – Zubereitung von Speisen:

Eine ordentliche Küchenhygiene ist das A und O der Prävention und wer dabei nach seinem gesunden Hausverstand geht, kann gar nichts falsch machen. Obst und Gemüse sollen vor dem Verzehr immer ausreichend gewaschen und gegebenenfalls auch geschält werden. Für die Zubereitung von Gemüse und rohem Fleisch empfiehlt es sich, unterschiedliche Küchenutensilien (Messer, Schneidebrett) zu verwenden und diese anschließend auch unter heißem Wasser gut zu reinigen. Regelmäßiges Händewaschen ist ebenso geboten wie die gewissenhafte Reinigung von Arbeitsplatten, Kühlschrank und Herdplatten. Das beugt so ganz nebenbei auch Infektionen mit anderen Erregern z.B. Listerien vor.

Bei der Zubereitung von rohem Fleisch gilt es, neben der Küchenhygiene, vor allem eines zu beachten: das Fleisch muss ausreichend gegart d.h. mindestens über 70 Grad Celsius erhitzt werden. Erst bei dieser Temperatur werden die gefährlichen Erreger abgetötet. Wer sich unsicher ist, dem sei die Anschaffung eines Fleischthermometers ans Herz gelegt. Schwangere dürfen kein rohes Fleisch wie beispielsweise rohes Faschiertes, Beef tartare oder Mettwurst essen. Industriell verarbeitete Fleischwaren gelten hingegen als unbedenklich.

Gartenarbeit:

Für Liebhaberinnen der Gartenarbeit gilt eine einfache Regel: den direkten Hautkontakt mit Erde meiden und nie ohne Gartenhandschuhe arbeiten.

Haustiere/Katzen:

Eine Schwangerschaft ist kein Grund den vierbeinigen Mitbewohner vor die Tür zu setzen, es genügt schon, sich im Alltag ein wenig umzustellen. Die Reinigung des Katzenklos sollte einer anderen Person übertragen werden. Wenn das nicht möglich ist, schützen einfache Plastikhandschuhe und gründliches Hände Waschen vor einer Infektion. Es empfiehlt sich außerdem, das Katzenklo häufig zu leeren und den Kot nicht eintrocknen zu lassen. Ausgiebige Kuscheleinheiten mit der Katze sollten ebenfalls auf die Zeit nach der Schwangerschaft verschoben werden. Beim Füttern sind industriell gefertigtes Katzen- sowie Trockenfutter rohem Fleisch vorzuziehen.

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