Bonding nach der Geburt

Wer sich intensiv mit dem Thema Geburt auseinandersetzt, dem wird der Begriff des Bondings schon geläufig sein. Es handelt sich hierbei um eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Aspekte der frühen Bindung zwischen Mutter beziehungsweise Vater und dem neugeborenen Baby.

Im Mittelpunkt steht die erste Phase des Kennenlernens direkt nach der Geburt. EntwicklungsexpertInnen gehen davon aus, dass Mutter und Kind zu diesem Zeitpunkt besonders sensibel sind und die gegenseitige, intensive Nähe (z.B. durch Körperkontakt) die Beziehung zwischen den beiden nachhaltig prägt. Daher gilt das Bestreben vieler Hebammen und Geburtshelfer seit einigen Jahren dem Umstand, ihr Möglichstes zu tun, um Bonding zu fördern und zu unterstützen.

Bei Hausgeburten oder Geburten im Geburtshaus gehört es beinahe schon selbstverständlich zum Geburtsablauf dazu. Auch auf den Geburtenstationen von Krankenhäusern setzt sich das Wissen rund um diesen wichtigen Bindungsaspekt mehr und mehr durch.

Junge Mutter küsst Baby Mädchen

Erste Kontaktaufnahme

Der Begriff „Bonding“ wurde aus dem englischen Sprachgebrauch ins Deutsche übernommen. „To bond“ bedeutet übersetzt soviel wie „zusammenkleben“, „zusammenschweißen“, „verbinden“. Umgelegt auf die Beziehung von Mutter und Kind heißt das, dass beide die Möglichkeit bekommen sollen, sich so früh wie möglich (idealerweise in den ersten 2 Stunden nach der Geburt) miteinander zu verbinden.

Bonding im Krankenhaus

Hebammen kritisieren, dass diese sensible und wichtige Phase häufig durch die Krankenhausroutine unterbrochen wird oder gar nicht erst zustande kommt. Das liegt daran, dass das Pflegepersonal auf Entbindungsstationen einem Ablauf standardisierter Tätigkeiten folgt. Dazu zählen: die Versorgung der Mutter, Ergreifen medizinischer Maßnahmen (sofern notwendig), Überprüfung des kindlichen Gesundheitszustandes inkl. Wiegen, Abmessen, Reinigen des Babys und anschließend Verlegung von Mutter und Kind auf die Wochenbettstation. Bonding sieht jedoch vor, Mutter, Vater und Neugeborenes in der ersten Zeit nach der Geburt möglichst nicht zu stören.

Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass gerade dieses erste Kennenlernen, das sanfte Herantasten, für Babys besonders wichtig ist. Schließlich gehen sie von der geschützten Welt des Mutterleibs in eine vollkommen neue und fremde Welt über. Grelles Licht, Geräusche und die veränderte Temperatur führen zur Irritation und starken Gefühlen der Unsicherheit. Nicht selten fühlen sich Neugeborene allein, verletzlich und ihrem Umfeld hilflos ausgeliefert. Sie müssen sich rasch zurechtfinden und gleichzeitig das Geburtserlebnis verarbeiten. Die Rolle der wichtigsten Bezugspersonen übernehmen zu diesem Zeitpunkt die Eltern.

Gefördertes Bonding

Mittlerweile gibt es viele Krankenhäuser, die Bonding aktiv fördern. Das bedeutet, dass medizinische Tätigkeiten so gut wie möglich in den Hintergrund gedrängt werden und die frisch gebackene Familie noch im Kreißzimmer die Möglichkeit bekommt, sich in Ruhe kennenzulernen. Sofern es der Zustand der Mutter erlaubt, wird das Neugeborene direkt nach der Entbindung auf ihren Bauch gelegt. Je länger es in dieser Position bleiben darf, desto besser.

Häufig beginnen die Kinder nach kurzer Zeit (etwa 20-30 Minuten) bereits nach der Brust der Mutter zu suchen. Das erste Anlegen beziehungsweise Stillen geht dann oftmals ganz von alleine und ohne Probleme. Die Anwesenheit des Vaters ist ebenfalls von großer Bedeutung. Er ist angehalten, Körperkontakt sowohl mit dem Neugeborenen als auch mit der Mutter herzustellen.

Ein guter Start für Mutter & Kind

OMNI-BIOTIC® PANDA wurde für einen guten Start von Mutter und Kind entwickelt. Für die Entwicklung deines neugeborenen Kindes ist ein funktionierender Darm wichtig. Er ist nicht nur Ort von Nährstoffeinnahme und Verdauung, sondern auch Sitz von 80 % unserer Immunzellen.

Schon ab der 8. Schwangerschaftswoche bis zum ersten Lebensjahr wird OMNI-BIOTIC® PANDA empfohlen. Es enthält vier wissenschaftlich geprüfte Bakterienstämme, die natürlich im menschlichen Darm vorkommen.

Jetzt mehr erfahren

Advertorial

Frühe Bindung

Der Bonding-Ansatz entstammt der Bindungstheorie. Sie geht auf drei Personen zurück: den britischen Kinderpsychiater John Bowlby, den schottischen Psychoanalytiker James Robertson und auf die amerikanische Psychologin Mary Ainsworth. Kernstück der Theorie ist die Annahme, dass die Entwicklung eines Menschen maßgeblich von seinen frühkindlichen Bindungs-Erfahrungen geprägt ist.

Ein stabiles emotionales Umfeld, Vertrauen, Fürsorge und elterliche Nähe seien die besten Voraussetzungen für das positive Heranwachsen eines Kindes. Erlebt es regelmäßige Zuwendung von einer oder mehreren vertrauten Bezugspersonen, ist es auch im Erwachsenenalter in der Lage, harmonische zwischenmenschliche Bindungen einzugehen.

Der Grundstein für eine gute Beziehung zwischen Mutter/Vater und Kind kann durch Bonding gelegt werden. Wie prägend die ersten Stunden nach der Geburt für alle Beteiligten sein können, das ist Thema unterschiedlichster Studien. WissenschaftlerInnen haben herausgefunden, dass Mütter, denen ein früher Erstkontakt mit dem Neugeborenen ermöglicht wurde, eine bessere Bindung zum Kind haben und seltener unter Wochenbettdepression leiden.

Eine schwedische Forschergruppe konnte nachweisen, dass sich Bonding positiv auf den Gesundheitszustand des Babys auswirkt. Neugeborene, die früh in (Haut-)Kontakt mit ihrer Mutter traten, zeigten in Vergleichsstudien bessere Blutzuckerwerte und eine höhere Körpertemperatur als Babys, die direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt wurden. Außerdem wirkten sie insgesamt entspannter: sie schliefen ruhiger, weinten seltener und hatten weniger Probleme beim Saugen an der mütterlichen Brust.

Vorteile

Nicht nur zahlreiche Studien, sondern auch die Hebammenpraxis unterstreicht die Vorteile des Bondings. Es beinhaltet viele positive Aspekte, die teilweise für sich stehen, teilweise jedoch auch ineinander greifen:

  • Bonding steigert das Selbstvertrauen der Mutter in die eigenen Fähigkeiten und stärkt die mütterliche Intuition.
  • Durch aktives Bonding fällt der Start in eine harmonische Stillbeziehung wesentlich leichter, teilweise ergibt sich das erste Anlegen ganz von alleine.
  • Der intensive Hautkontakt mit der Mutter, die Wahrnehmung ihres Geruchs sowie der Klang ihrer Stimme, helfen Neugeborenen dabei, sich an die ungewohnte Situation anzupassen. Ihr Wohlbefinden wird gesteigert.
  • Der Gesundheitszustand von Babys, die Bonding erleben durften, ist bereits wenige Stunden nach der Geburt stabil. Sie zeigen bessere Blutzuckerwerte, haben keine Schwierigkeiten beim Atmen oder beim Stillen und haben eine konstante Körpertemperatur.
  • Frühes Stillen (welches durch Bonding gefördert wird) versorgt das Neugeborene mit wertvollen Nährstoffen, Immunstoffen und verdauungsfördernden Enzymen. Außerdem regt es die Rückbildung der Gebärmutter an.

Bonding bei Kaiserschnitt

Wenngleich es sich bei einem Kaiserschnitt (Sectio) um einen operativen Eingriff handelt, können Pflegepersonal und ein geschultes Team von ÄrztInnen dennoch die notwendigen Rahmenbedingungen für ein gelungenes Bonding schaffen. Dabei ist es von Bedeutung, dass die Eltern bereits im Vorfeld gemeinsam mit den Verantwortlichen den Ablauf der Sectio besprechen und ihre Wünsche bezüglich Erstkontakt mit dem Neugeborenen klar definieren. In vielen Fällen ist es nämlich auch nach einem derartigen Eingriff möglich, medizinische Interventionen und Untersuchungen auf ein Minimum zu reduzieren, so dass das Baby direkt auf den Oberkörper der Mutter gelegt werden kann.

Ist die Mutter nicht in der Lage, das Kind aufzunehmen (z.B. während der Wundversorgung), sollte der Vater/ der Geburtsbegleiter mit dem Baby in Kontakt treten. Für das Neugeborene zählt der rasche Hautkontakt, dieser muss nicht zwingenderweise mit der Mutter erfolgen. Neben dem Bonding kann trotz Kaiserschnitt auch das erste Stillen gefördert werden. Dies hängt jedoch maßgeblich vom Engagement, Einfühlungsvermögen und der Erfahrung des anwesenden Betreuungspersonals ab.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 6 und 3?

Mehr erfahren:

Allergieprävention im Beikostalter

Wenn du mit Beikost beginnst, ist das eine aufregende Phase für dich und dein Baby. Schließlich hat es bislang ausschließlich Milch (Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung) getrunken und jetzt lernt es eine ganz neue Form der Nahrung kennen. Viel falsch machen kannst du bei der Beikosteinführung nicht. Du solltest Lebensmittel Schritt für Schritt einführen und ein wenig darauf achten, was du deinem Baby anbietest. Allergieprävention ist im Rahmen der Beikost auch ein Thema, wenngleich sich auch hier die Einführung aller Lebensmittel positiv auswirkt, wie aktuelle Erkenntnisse nahelegen.

Weiterlesen

Schlaf Kindlein schlaf – Schlafhygiene für Babys und Kleinkinder

Es ist ein Thema, das alle frisch gebackenen Eltern bewegt: das Schlafverhalten ihres Babys. Während die einen bereits von Geburt an selig schlummern, machen andere die Nacht zum Tag. Auch in Punkto Schlaf könnten Kinder nicht unterschiedlicher sein. In den ersten Lebenswochen fehlt ihnen ohnehin jeglicher Schlafrhythmus, sie müssen erst einmal in der neuen Situation ankommen. Und auch später ist der Schlaf störanfällig: Infekte, Schmerzen beim Zahnen, Albträume, ein Überfluss an unterschiedlichen Reizen sowie innere Anspannung – all dies kann Auswirkungen auf die Schlafqualität haben. Welche Schlafstörungen im Baby- und Kleinkindalter besonders oft vorkommen und warum Schlafhygiene wichtig ist, das erfährst du hier bei uns.

Weiterlesen

Entwicklung des Babys im ersten Lebensjahr

In kaum einem Jahr verändert sich so viel wie im ersten Lebensjahr eines Kindes. Vom Neugeborenen bis zum Kleinkind, das sprechen und laufen kann, ist es ein weiter, aber auch schnell vergehender Weg. Auch wenn es typische Entwicklungsphasen gibt, kann das individuelle Tempo eines jeden Kindes sehr unterschiedlich sein – Abweichungen müssen überhaupt nichts Schlechtes bedeuten.

Weiterlesen

10 Facts rund um die Kinderernährung, die staunen lassen

Kaum können unsere Kleinsten sitzen, hat dies einen enormen Einfluss auf die Ernährung. Bereits im zweiten Lebensjahr essen 40% der Kinder das Gleiche wie die Erwachsenen. 10 Facts über Kinderernährung, die Staunen hervorrufen!

Weiterlesen

Melde dich zum Schwanger.at Newsletter an – dich erwarten spannende Artikel, Produkttests und Gewinnspiele!

Was ist die Summe aus 2 und 6?