Eltern-Kind-Pass wird digital: Das bietet die neue App

Der bekannte gelbe Eltern-Kind-Pass (früher Mutter-Kind-Pass) gehört bald der Vergangenheit an! Denn Österreich macht das Vorsorgeprogramm für Schwangere und Kinder digital. Eigentlich sollte die Umstellung bereits Anfang 2026 starten, wurde dann aber auf Oktober verschoben. Künftig kannst du wichtige Informationen und Untersuchungsergebnisse über eine App oder den Webbrowser abrufen. Gleichzeitig wird das Untersuchungsprogramm erweitert. Erfahre, was sich beim Eltern-Kind-Pass ändert und welche Vorteile die digitale Version bietet.

Eltern-Kind-Pass wird digital: Das bietet die neue App

Der Eltern-Kind-Pass wird zum digitalen Begleiter

Den Eltern-Kind-Pass gibt es in Österreich bereits seit 1974. Das Vorsorgeprogramm, das früher als Mutter-Kind-Pass bekannt war, begleitet Schwangere, Babys und Kleinkinder mit regelmäßigen Untersuchungen. Künftig soll das vertraute gelbe Papierheft schrittweise durch den elektronischen Eltern-Kind-Pass abgelöst werden. Informationen und Untersuchungsergebnisse stehen dann digital zur Verfügung.

Die verpflichtende elektronische Speicherung startet allerdings nicht für alle Familien gleichzeitig. Sie gilt für Schwangerschaften, die ab dem 1. Oktober 2027 ärztlich festgestellt werden. Bei Kindern erfolgt die Umstellung für Geburten ab dem 1. März 2028.

Diese Vorteile bietet der elektronische Eltern-Kind-Pass

Der digitale Eltern-Kind-Pass soll Familien vor allem den Alltag erleichtern. Statt das gelbe Heft zu Arztterminen mitzunehmen und sicher aufzubewahren, kannst du die hinterlegten Informationen künftig auch unterwegs aufrufen.

Die wichtigsten Funktionen im Überblick

  • Deine gespeicherten Daten und Untersuchungsergebnisse kannst du jederzeit einsehen.
  • Eine Erinnerungsfunktion hilft dir dabei, anstehende Vorsorgetermine im Blick zu behalten.
  • Auch Ultraschallbilder lassen sich künftig digital hinterlegen.
  • Das Angebot wird um weitere Untersuchungen und Beratungen ergänzt.
  • Ein verlegtes oder verlorenes Papierheft gehört mit der digitalen Version der Vergangenheit an.
  • Die Gesundheitsdaten werden verschlüsselt gespeichert. Zugriff erhalten nur Personen, die dazu berechtigt sind.

Für die Nutzung wird eine kostenlose Eltern-Kind-Pass-App für Android und iOS zur Verfügung stehen. Wer keine App verwenden möchte, kann über einen Webbrowser auf den elektronischen Eltern-Kind-Pass zugreifen. Für die Anmeldung benötigst du eine ID Austria.

Untersuchungsprogramm wird bereits ab Oktober erweitert

Auch wenn die vollständige Digitalisierung noch auf sich warten lässt, gibt es beim Eltern-Kind-Pass bereits ab dem 1. Oktober 2026 wichtige Neuerungen. Dann tritt der neue Gesamtvertrag in Kraft, der den bisherigen Vertrag aus dem Jahr 1974 ablöst. Damit wird auch das medizinische Untersuchungsprogramm erweitert.

Diese Leistungen kommen neu hinzu

  • eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung
  • die Bestimmung des Rhesusfaktors im Labor
  • eine allgemein- und familienmedizinische Untersuchung
  • ein Gesundheitsgespräch

Wichtig: Für Familien ändert sich beim Eltern-Kind-Pass damit ab Oktober 2026 einiges. Die vollständige digitale Umstellung erfolgt anschließend schrittweise. Langfristig sollen die App, automatische Erinnerungen und der digitale Zugriff auf wichtige Gesundheitsdaten die Nutzung des Eltern-Kind-Passes im Familienalltag einfacher machen.

Welche Kritik gibt es am digitalen Eltern-Kind-Pass?

Neben den Vorteilen gibt es auch Kritik an der geplanten Umsetzung. Besonders sensibel ist der Umgang mit Daten zu Schwangerschaften. Bereits in der politischen Debatte wurde kritisiert, dass eine registrierte Schwangerschaft auch nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch über einen längeren Zeitraum im System aufscheinen kann.

Für betroffene Frauen kann das emotional belastend sein. Auch die lange Speicherung sensibler Gesundheitsdaten und die fehlende Möglichkeit, vollständig auf eine digitale Dokumentation zu verzichten, wurden bereits kritisch diskutiert. Wer genauer wissen möchte, welche Daten gespeichert werden und was das beispielsweise nach einer Fehlgeburt bedeuten kann, findet dazu hier weitere Informationen.

Was sagen Hebammen dazu?

Auch das Österreichische Hebammengremium sieht Verbesserungsbedarf. Es kritisiert insbesondere, dass Hebammen bislang nicht ausreichend in die Gestaltung des elektronischen Eltern-Kind-Passes eingebunden seien und eigene Vorsorgeleistungen im geplanten System nicht in gleichem Umfang dokumentieren können sollen. Lisa Rakos, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums, fordert:

„Jetzt ist der Moment, nicht nur technische Fehler zu korrigieren, sondern auch fachliche und strukturelle Fehler. Wer eine moderne Schwangerenvorsorge will, muss Hebammen endlich als das einbinden, was sie sind: zentrale Gesundheitsfachpersonen für Frauen, Kinder und Familien.“

Das Gremium fordert unter anderem entsprechende Schreibrechte für Hebammen und mehr Wahlfreiheit für Schwangere bei der Vorsorge. Als Vergleich verweist es auf andere europäische Länder: In Deutschland, Großbritannien, Dänemark oder Finnland sind Hebammen regulär in die Schwangerschaftsvorsorge eingebunden. Bei unkomplizierten Schwangerschaften übernehmen sie dort zentrale Vorsorgeleistungen eigenständig oder gemeinsam mit Ärzt*innen.

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