Hitze in der Schwangerschaft: Risiken & die besten Tipps

Heiße Sommertage in der Schwangerschaft stellen eine große Belastung dar. Während einzelne warme Tage meist kein Problem für die Schwangeren sind, können anhaltende Hitzewellen zu Kreislaufbeschwerden und Flüssigkeitsmangel führen. Sie können sogar das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen erhöhen. Da extreme Hitze in Österreich, Deutschland und der Schweiz immer häufiger auftritt, solltest du deinen Körper jetzt besonders gut schützen.

Hitze in der Schwangerschaft: Risiken & die besten Tipps

Warum macht Hitze Schwangeren besonders zu schaffen?

Während der Schwangerschaft steigt das Blutvolumen um etwa 40 bis 50 Prozent, damit das Baby ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Gleichzeitig arbeiten Herz und Kreislauf der Schwangeren deutlich mehr, während Stoffwechselaktivität und Wärmeproduktion ebenfalls zunehmen. An heißen Tagen muss dein Körper deswegen besonders viel leisten, um seine Temperatur konstant zu halten. Dadurch geraten Schwangere schneller ins Schwitzen und reagieren empfindlicher auf hohe Temperaturen.

Risiken bei extremer Hitze für Mutter und Kind

Einzelne heiße Tage sind für die meisten Schwangeren unproblematisch. Halten hohe Temperaturen jedoch über mehrere Tage an, steigt das Risiko für verschiedene Beschwerden und Schwangerschaftskomplikationen. Mittlerweile bringen mehrere Studien starke Hitze mit verschiedenen Auswirkungen in der Schwangerschaft in Verbindung.

Auswirkungen von großer Hitze in der Schwangerschaft

  • Kreislaufprobleme und Dehydrierung: Durch die Erweiterung der Blutgefäße kann der Blutdruck sinken. Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufbeschwerden treten dann häufiger auf. Gleichzeitig verliert der Körper durch starkes Schwitzen mehr Flüssigkeit.
  • Mehr Wassereinlagerungen und Krampfadern: Hohe Temperaturen fördern Schwellungen an Füßen und Beinen und können bestehende Wassereinlagerungen sowie Krampfadern in der Schwangerschaft verstärken.
  • Belastung für das ungeborene Kind: Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Daten von mehr als 200.000 Schwangeren zeigt, dass Hitze messbare Auswirkungen auf Mutter und Baby hat. Nach Hitzeeinwirkung stieg die Herzfrequenz der Mutter durchschnittlich um 38 Schläge pro Minute, die Körperkerntemperatur um rund 0,5 °C und die Herzfrequenz des Babys um durchschnittlich 13 Schläge pro Minute.
  • Erhöhtes Risiko für Frühgeburten: Mehrere Forschungsarbeiten weisen darauf hin, dass anhaltende Hitzewellen das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen können. Eine Hamburger Studie mit mehr als 42.900 Geburten beobachtete insbesondere zwischen der 34. und 37. Schwangerschaftswoche ein erhöhtes Risiko. Vor allem mehrere aufeinanderfolgende Hitzetage erwiesen sich als kritisch.
  • Langfristige Auswirkungen: Verschiedene Untersuchungen bringen starke Hitze außerdem mit einem erhöhten Risiko für Totgeburten, einem niedrigen Geburtsgewicht sowie bestimmten angeborenen Herzfehlern in Verbindung. Die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen werden derzeit aber noch erforscht.

Nicht nur Schwangere leiden unter hohen Temperaturen. Auch Babys reagieren besonders empfindlich auf Hitze. Wie du dein Kind nach der Geburt schützt, erfährst du in unserem Artikel: Die Hitze und dein Baby: Tipps für einen angenehmen Sommer.

Hitze in den einzelnen Schwangerschaftsphasen

Schwangere reagieren nicht in jeder Phase auf hohe Temperaturen. Das liegt an den verschiedenen Prozessen, die im Körper ablaufen. Während im ersten Trimester die Organentwicklung im Vordergrund steht, wächst im zweiten Trimester das Blutvolumen deutlich an. Im letzten Schwangerschaftsdrittel erreicht die körperliche Belastung ihren Höhepunkt. Entsprechend unterscheiden sich auch die Auswirkungen von Hitze.

Hitze im 1. Trimester

Im ersten Trimester stellt sich dein Körper komplett auf die Schwangerschaft ein. Die Schwangerschaftshormone erweitern die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt häufig leicht ab. Deshalb leiden viele Frauen gerade in den ersten Wochen unter Schwindel, Müdigkeit oder Kreislaufproblemen.

Hohe Temperaturen können diese Beschwerden verstärken. In Kombination mit starkem Schwitzen steigt dadurch das Risiko für einen Flüssigkeitsmangel. Achte deshalb besonders darauf, ausreichend zu trinken und längere Aufenthalte in der prallen Sonne zu vermeiden.

Hitze im 2. Trimester

Viele Schwangere empfinden diese Phase als die angenehmste der Schwangerschaft. Auch wenn du dich fit und gesund fühlst, solltest du an heißen Tagen regelmäßig Pausen einlegen und ausreichend trinken. Denn dein Herz leistet jetzt deutlich mehr Arbeit als vor der Schwangerschaft.

Bis zur Mitte der Schwangerschaft hat sich das Blutvolumen bereits stark erhöht, damit dein Baby ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Dadurch reagierst du empfindlicher auf Hitze und dein Körper beginnt früher zu schwitzen. Auch Wassereinlagerungen oder erste Krampfadern treten jetzt häufiger auf.

Hitze im 3. Trimester

Im letzten Schwangerschaftsdrittel erreicht die körperliche Belastung ihren Höhepunkt. Der wachsende Babybauch erschwert die Wärmeabgabe, gleichzeitig steigt dein Sauerstoff- und Flüssigkeitsbedarf weiter an. Viele Schwangere schwitzen jetzt stärker und ermüden schneller.

Außerdem drückt die Gebärmutter zunehmend auf die großen Blutgefäße im Becken, wodurch sich Wassereinlagerungen und geschwollene Beine verstärken können. Besonders angenehm empfinden viele Schwangere jetzt das Schlafen auf der linken Seite. Dadurch wird der Rückfluss des Blutes zum Herzen verbessert und der Kreislauf entlastet. Gerade im letzten Drittel der Schwangerschaft sind regelmäßige Pausen, ausreichend Flüssigkeit und möglichst kühle Aufenthaltsorte essenziell.

Arbeiten bei Hitze in der Schwangerschaft – was ist erlaubt?

Schwangere haben Anspruch auf einen besonderen Schutz am Arbeitsplatz. Nach dem österreichischen Mutterschutzgesetz dürfen werdende Mütter nicht mit Arbeiten betraut werden, bei denen ihre Gesundheit oder die ihres Kindes gefährdet werden könnte. Dazu gehören unter anderem Tätigkeiten unter Einwirkung von starker Hitze, wenn eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht ausgeschlossen werden kann.

Wichtig: Eine feste Temperaturgrenze nennt das Gesetz nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob die Arbeitsbedingungen eine gesundheitliche Gefährdung darstellen. Dabei spielen unter anderem die Dauer der Hitzeeinwirkung, die körperliche Belastung, direkte Sonneneinstrahlung sowie individuelle Faktoren eine Rolle.

Arbeitet eine Schwangere überwiegend im Freien oder ist sie hohen Temperaturen ausgesetzt, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen treffen. Dazu zählen beispielsweise ausreichend Trinkpausen, schattige Arbeitsbereiche, angepasste Arbeitszeiten oder eine vorübergehende Umsetzung auf einen kühleren Arbeitsplatz.

Seit dem 1. Jänner 2026 verpflichtet die österreichische Hitzeschutzverordnung Arbeitgeber zudem, bei Hitzewarnungen Gefährdungen zu beurteilen und entsprechende Schutzmaßnahmen umzusetzen. Schwangerschaft gilt dabei ausdrücklich als individueller Risikofaktor.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder besteht trotz Anpassungen weiterhin eine gesundheitliche Gefahr für Mutter oder Kind, kann der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin ein individuelles Beschäftigungsverbot aussprechen.

Gut zu wissen: Schwitzen und Hitzewallungen können frühe Schwangerschaftsanzeichen sein. Die Ursache dafür sind hormonelle Veränderungen, speziell der Anstieg des Progesterons. Gleichzeitig erhöhen sich das Blutvolumen und die Basaltemperatur, wodurch der Körper schneller ins Schwitzen gerät. Diese Beschwerden sind ein normaler Bestandteil der Frühschwangerschaft und nicht mit sommerlicher Hitze gleichzusetzen.

Was ziehe ich als Schwangere im Sommer an?

Mit der richtigen Kleidung kannst du deinem Körper an heißen Tagen dabei helfen, nicht zusätzlich zu überhitzen. Am angenehmsten sind lockere Schnitte und atmungsaktive Materialien wie Baumwolle, Seide oder Leinen. Sie lassen die Luft zirkulieren, nehmen Schweiß gut auf und fühlen sich auch bei hohen Temperaturen angenehm auf der Haut an.

Tipp: Verzichte möglichst auf eng anliegende Kleidung aus Polyester oder anderen Kunstfasern, da sich darunter Wärme und Feuchtigkeit leichter stauen können.

Helle Farben reflektieren die Sonnenstrahlen besser als dunkle Kleidung und heizen sich weniger auf. Auch bequeme Schuhe sind im Sommer wichtig, besonders wenn deine Füße durch die Hitze anschwellen.

Ein Sonnenhut oder eine Kappe schützt zusätzlich vor direkter Sonneneinstrahlung. Hältst du dich länger im Freien auf, solltest du außerdem eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

Tipps für eine Schwangerschaft im Sommer

Mit ein paar einfachen Maßnahmen kannst du deinen Körper an heißen Tagen entlasten und typische Beschwerden wie Kreislaufprobleme oder geschwollene Beine lindern. Die folgenden Tipps helfen dir dabei, die Sommermonate entspannt und gut geschützt zu genießen.

10 Tipps für Schwangere im Sommer

  1. Trinke ausreichend. Am besten trinkst du mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßte Tees, regelmäßig über den Tag verteilt.
  2. Meide die Mittagshitze. Zwischen etwa 11 und 16 Uhr ist die UV-Strahlung und Hitzebelastung am stärksten.
  3. Gehe schwimmen. Das Wasser hilft deinem Körper, sich abzukühlen, entlastet den Kreislauf und kann geschwollene Beine sowie Wassereinlagerungen lindern. Gleichzeitig werden Gelenke und Rücken geschont.
  4. Halte deine Wohnung und dein Schlafzimmer kühl. Schließe tagsüber Rollläden oder Vorhänge und lüfte morgens sowie nachts gründlich, wenn die Temperaturen niedriger sind.
  5. Nutze einen Ventilator oder eine Klimaanlage. Sie können für angenehme Abkühlung sorgen. Achte jedoch darauf, dass der Luftstrom nicht dauerhaft direkt auf deinen Körper gerichtet ist. Eine Schüssel mit kaltem Wasser oder Eiswürfeln vor den Ventilator gestellt, kann die Kühlung zusätzlich verbessern.
  6. Lege regelmäßig die Beine hoch. Das unterstützt den Rückfluss des Blutes und kann Schwellungen sowie schweren Beinen vorbeugen.
  7. Iss leichte und wasserreiche Mahlzeiten. Obst, Gemüse, Salate oder Joghurt belasten den Kreislauf weniger als schwere Speisen und liefern zusätzlich Flüssigkeit.
  8. Trage luftige Kleidung und schütze dich vor der Sonne. Helle Kleidung aus Baumwolle oder Leinen, ein Sonnenhut und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor helfen, einen Hitzestau zu vermeiden.
  9. Plane ausreichend Pausen ein. Höre auf deinen Körper und gönne dir zwischendurch bewusst Ruhe, besonders an sehr heißen Tagen.
  10. Achte auf Warnzeichen. Bei anhaltendem Schwindel, Kreislaufproblemen, Wehen, Blutungen, Fieber oder deutlich weniger Kindsbewegungen solltest du umgehend deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Hebamme kontaktieren.

Auch wenn die Sommerhitze manchmal herausfordernd sein kann, musst du auf die schönen Seiten dieser Jahreszeit in der Schwangerschaft nicht verzichten. Mit etwas Rücksicht auf deinen Körper, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßigen Pausen kannst du warme Tage bestimmt gut genießen. Höre auf dein Bauchgefühl und gönne dir Ruhe, wenn du sie brauchst. So wird auch eine Schwangerschaft im Sommer zu einer wunderschönen Erinnerung.

FAQ: Hitze in der Schwangerschaft

Einzelne heiße Tage sind meist unproblematisch. Anhaltende Hitzewellen können jedoch Kreislaufprobleme, Flüssigkeitsmangel und das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen erhöhen.

Eine feste Temperaturgrenze gibt es nicht. Besonders bei Temperaturen über 30 °C und mehreren heißen Tagen hintereinander solltest du körperliche Anstrengung meiden und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

Das Baby wird im Mutterleib gut geschützt. Gerät die Mutter jedoch unter starken Hitzestress oder verliert viel Flüssigkeit, kann auch das ungeborene Kind belastet werden.

Schwindel, Kopfschmerzen, starke Müdigkeit, Übelkeit oder Kreislaufprobleme können auf eine Überhitzung hindeuten. Bei Wehen, Blutungen, Fruchtwasserabgang oder deutlich weniger Kindsbewegungen solltest du sofort ärztliche Hilfe suchen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag liefert ausschließlich allgemeine Informationen und ersetzt keinesfalls den fachkundigen Rat eines Arztes, einer Hebamme oder anderen dafür qualifizierten Experten (Stillberaterinnen, Therapeuten etc.)

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