Schwedischer Plustest: Das strengste Sicherheitssiegel für Kindersitze

Niemand möchte sich vorstellen, was bei einem schweren Autounfall passieren könnte – erst recht nicht, wenn ein Kind mitfährt. Umso wichtiger ist die Frage, welcher Kindersitz im Ernstfall den bestmöglichen Schutz bietet. Neben ADAC- und ÖAMTC-Tests gibt es den schwedischen Plus-Test. Er gilt unter Sicherheitsexperten als der strengste Crashtest für Kindersitze weltweit.

In diesem Beitrag erfährst du, was hinter dem Prüfverfahren steckt und warum es ausschließlich Reboarder auszeichnet.

© Emily Uddman

Was ist der schwedische Plus-Test?

Der schwedische Plus-Test ist ein freiwilliger Crashtest für rückwärtsgerichtete Kindersitze, auch Reboarder genannt. Er gilt als das strengste Siegel für Kindersicherheit und konzentriert sich auf einen entscheidenden Aspekt, nämlich den Schutz der empfindlichen Halswirbelsäule bei einem schweren Frontalaufprall.

Entwickelt wurde der Plus-Test im Jahr 2007. Durchgeführt wird er vom schwedischen Verkehrsforschungsinstitut VTI (Statens väg- och transportforskningsinstitut) im schwedischen Linköping. Hinter dem Prüfverfahren stehen neben dem VTI verschiedene Organisationen und Experten, darunter das Schwedische Institut für Normung (SIS), der Automobilhersteller Volvo, das Versicherungsunternehmen Folksam sowie Vertreter von Kindersitzherstellern.

Ziel des VTI Plus-Tests ist es, dir eine ordentliche Orientierung beim Kauf zu liefern und besonders sichere Modelle zu kennzeichnen. Besteht ein Kindersitz den Test, erhält er das offizielle Plus-Test-Siegel und wird in die öffentliche Liste der zertifizierten Modelle aufgenommen.

Warum wurde der schwedische Plus-Test entwickelt?

Der schwedische Plus-Test entstand, weil Schweden nach der Einführung der europäischen Kindersitz-Zulassung an einem besonders wichtigen Sicherheitskriterium festhalten wollte. Bereits vor dem heutigen Plus-Test gab es in Schweden den sogenannten T-Test. Dabei wurde unter anderem gemessen, welchen Kräften die Halswirbelsäule eines Kindes bei einem Frontalaufprall ausgesetzt ist. Mit der Einführung der europäischen Zulassung entfiel diese Messung jedoch.

Schwedische Experten hielten diese Änderung für problematisch. Sie wollten die Belastung der Halswirbelsäule weiterhin berücksichtigen und entwickelten deshalb den Plus-Test. Das freiwillige Prüfverfahren ergänzt die gesetzliche Zulassung um ein Sicherheitskriterium, das aus ihrer Sicht entscheidend für die Sicherheit rückwärtsgerichteter Kindersitze ist.

Bis heute gilt der Reboarder Test deshalb als Maßstab für besonders hohe Sicherheitsanforderungen.

Warum ist die Nackenbelastung für kleine Kinder so gefährlich?

Bei einem Frontalaufprall im Kindersitz wirken innerhalb weniger Millisekunden enorme Kräfte auf den Körper eines Kindes. Besonders gefährdet ist dabei die Halswirbelsäule. Der Grund dafür liegt in der Anatomie von Babys und Kleinkindern:

  • Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper deutlich größer und schwerer als bei Erwachsenen.
  • Die Nackenmuskulatur ist noch nicht vollständig entwickelt und kann den Kopf nur eingeschränkt stabilisieren.
  • Die Wirbelsäule ist noch nicht vollständig verknöchert und dadurch weniger belastbar.
  • Bänder und Gelenke sind besonders elastisch und geben unter Belastung stärker nach.

Kommt es zu einem Frontalaufprall, wird der Oberkörper vom Gurtsystem des Kindersitzes zurückgehalten. Der Kopf bewegt sich aufgrund seines hohen Gewichts jedoch weiter nach vorne. Dadurch entstehen enorme Kräfte, welche im schlimmsten Fall zu schweren Verletzungen der Halswirbelsäule oder sogar des Rückenmarks führen. Genau deshalb misst der schwedische Plus-Test die Nackenbelastung im Kindersitz. Nur wenn diese unter einem festgelegten Grenzwert liegt, besteht ein Modell den Test.

Wie läuft der schwedische Plus-Test ab?

Bevor ein Kindersitz am schwedischen Plus-Test teilnehmen kann, muss er zunächst die gesetzlich vorgeschriebene Zulassung nach i-Size / UN R129 erfüllen. Dabei handelt es sich um die aktuell gültige europäische Sicherheitsnorm für Kindersitze.

Tipp: Viele Eltern kennen vor allem den Begriff i-Size. Genau genommen bezeichnet UN R129 die gesetzliche Prüfnorm, während i-Size eine Kategorie innerhalb dieser Norm ist. Sie ordnet Kindersitze nach der Körpergröße des Kindes ein und schreibt unter anderem vor, dass Kinder mindestens bis zum Alter von 15 Monaten rückwärtsgerichtet mitfahren.

Der schwedische Plus-Test geht über die Anforderungen der gesetzlichen Zulassung hinaus. Während die Prüfung nach UN R129 einen Frontalaufprall mit etwa 50 km/h simuliert, erfolgt der Plus-Test mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 56 km/h. Zusätzlich ist der Bremsweg kürzer. Dadurch wird das Testfahrzeug innerhalb kürzerer Zeit abgebremst, wodurch deutlich höhere Kräfte auf den Kindersitz und das Kind wirken. Das macht den Plus-Test besonders anspruchsvoll.

Um diese Belastungen möglichst realitätsnah zu erfassen, kommen spezielle Crashtest-Dummys zum Einsatz. Je nach Größe des Kindersitzes wird mit dem Q3-Dummy oder dem größeren Q6-Dummy getestet. Hochpräzise Sensoren messen während des Frontalaufpralls unter anderem die auf die Halswirbelsäule wirkenden Kräfte.

Wichtig: Der schwedische Plus-Test ergänzt die gesetzliche Zulassung nach UN R129. Ein Kindersitz kann den Plus-Test nur absolvieren, wenn er zuvor die Anforderungen der europäischen Sicherheitsnorm erfüllt hat.

Bevor ein Kindersitz am schwedischen Plus-Test teilnehmen kann, muss er zunächst die gesetzlich vorgeschriebene Zulassung nach i-Size / UN R129 erfüllen. Dabei handelt es sich um die aktuell gültige europäische Sicherheitsnorm für Kindersitze.

Tipp: Viele Eltern kennen vor allem den Begriff i-Size. Genau genommen bezeichnet UN R129 die gesetzliche Prüfnorm, während i-Size eine Kategorie innerhalb dieser Norm ist. Sie ordnet Kindersitze nach der Körpergröße des Kindes ein und schreibt unter anderem vor, dass Kinder mindestens bis zum Alter von 15 Monaten rückwärtsgerichtet mitfahren.

Der schwedische Plus-Test geht über die Anforderungen der gesetzlichen Zulassung hinaus. Während die Prüfung nach UN R129 einen Frontalaufprall mit etwa 50 km/h simuliert, erfolgt der Plus-Test mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 56 km/h. Zusätzlich ist der Bremsweg kürzer. Dadurch wird das Testfahrzeug innerhalb kürzerer Zeit abgebremst, wodurch deutlich höhere Kräfte auf den Kindersitz und das Kind wirken. Das macht den Plus-Test besonders anspruchsvoll.

Um diese Belastungen möglichst realitätsnah zu erfassen, kommen spezielle Crashtest-Dummys zum Einsatz. Je nach Größe des Kindersitzes wird mit dem Q3-Dummy oder dem größeren Q6-Dummy getestet. Hochpräzise Sensoren messen während des Frontalaufpralls unter anderem die auf die Halswirbelsäule wirkenden Kräfte.

Wichtig: Der schwedische Plus-Test ergänzt die gesetzliche Zulassung nach UN R129. Ein Kindersitz kann den Plus-Test nur absolvieren, wenn er zuvor die Anforderungen der europäischen Sicherheitsnorm erfüllt hat.

Crashtest: Wir waren vor Ort

Unsere Schwanger.at-Redaktion war im Mai 2026 beim VTI in Linköping, Schweden, direkt in der Testhalle vor Ort. Dort konnten wir gemeinsam mit dem erfahrenen VTI-Team einen Crashtest mit dem BeSafe Stretch² aus nächster Nähe verfolgen. Besonders auffällig war, wie abrupt der Schlitten abgebremst wird und welche Kräfte dabei innerhalb kürzester Zeit auf Dummy und Sitz wirken. Nach dem Test durften wir den Kindersitz selbst begutachten. Er blieb stabil und hatte den Aufprall augenscheinlich gut überstanden.

Was wir mitnehmen: Beim Kindersitzkauf im Geschäft bleiben Unfallszenarien meist abstrakt. Man beschäftigt sich mit Normen, Testergebnissen und Sicherheitsmerkmalen, ohne wirklich zu sehen, was bei einem schweren Aufprall passiert. In der Testhalle ist das anders. Dort wird sehr schnell klar, welchen Belastungen ein Kind bei einem Unfall ausgesetzt sein kann. Für uns war genau das der eindrücklichste Teil des Besuchs: Sicherheit wirkt plötzlich nicht mehr theoretisch, sondern sehr konkret. Und man realisiert, dass jede verfügbare Maßnahme, die dem Schutz eines Kindes dient, für Eltern eine Überlegung wert ist.

Warum dürfen nur Reboarder teilnehmen?

Der Plus-Test für Reboarder steht seit 2023 ausschließlich rückwärtsgerichteten Kindersitzen offen. Der Grund dafür ist einfach. Bei einem Frontalaufprall verteilen Reboarder die Aufprallkräfte großflächig über Rücken, Kopf und Nacken des Kindes. Dadurch bleibt die Belastung der Halswirbelsäule deutlich geringer als bei vorwärtsgerichteten Modellen.

Diese Einschätzung wird durch aktuelle Forschungsergebnisse bestätigt. Eine Langzeitstudie des schwedischen Versicherers Folksam wertete Unfalldaten aus den Jahren 1992 bis 2024 aus. Demnach könnten nahezu die Hälfte der Kinder unter vier Jahren und mehr als ein Viertel der Vier- bis Sechsjährigen einen Unfall überleben, wenn sie korrekt rückwärtsgerichtet gesichert wären.

Vorwärtsgerichtete Kindersitze können die strengen Grenzwerte für die Nackenbelastung des schwedischen Plus-Test für Reboarder dagegen praktisch nicht erfüllen. Deshalb sind sie von der Prüfung ausgeschlossen. Das gilt auch für drehbare Kindersitze, wenn sie eine vorwärtsgerichtete Nutzung erlauben.

Verkehrssicherheitsorganisationen messen dem Plus-Test ebenfalls eine hohe Bedeutung bei. In einer Erklärung gegenüber BeSafe erläutert Rickard Cosini, Kommunikationsdirektor der schwedischen Verkehrssicherheitsorganisation NTF, warum sie den schwedischen Plus-Test sowohl für Kinder als auch für Eltern empfehlen:

„Wenn möglich, empfiehlt die NTF immer, einen Kindersitz für Kinder mit der schwedischen Plus-Test-Zulassung zu wählen. Wenn Sie sich für einen Sitz mit dem Plus-Test-Label entscheiden, haben Sie eine zusätzliche Garantie, dass Ihr Kind bei einem Frontalaufprall nicht lebensbedrohlichen Nackenbelastungen ausgesetzt wird. Wir bevorzugen auch, dass die Leute einen Sitz wählen, der bis zu 125 cm zugelassen ist, um das Risiko von Fehlanwendungen zu minimieren.“

Schwedischer Plustest, ADAC-Test oder ÖAMTC Kindersitz Test: Wo liegen die Unterschiede?

Der schwedische Plus-Test und der ÖAMTC sowie ADAC Kindersitz Test verfolgen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich gleichzeitig. Während ADAC und ÖAMTC die Gesamtqualität eines Kindersitzes bewerten, konzentriert sich der Plus-Test für Kindersitze ausschließlich auf die Sicherheit bei einem schweren Frontalaufprall.

Der ADAC und der ÖAMTC prüfen unter anderem die Bedienung im Alltag, den Komfort für das Kind, die Ergonomie, mögliche Schadstoffe sowie den Schutz bei verschiedenen Unfallszenarien. Aus den Ergebnissen wird anschließend eine Gesamtnote vergeben.

Der schwedische Plus Test bewertet dagegen nur eine einzige Frage: Bleibt die Belastung der Halswirbelsäule bei einem schweren Frontalaufprall unter dem festgelegten Grenzwert? Andere Kriterien wie Bedienung, Komfort oder Schadstoffe spielen dabei keine Rolle. Für Eltern liefern beide Prüfverfahren wertvolle Informationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Welche Kindersitze haben den schwedischen Plus-Test bestanden?

Viele namhafte Hersteller bieten inzwischen Kindersitze an, die den schwedischen Plus Test erfolgreich absolviert haben. So sind Kindersitze wie etwa der BeSafe Stretch 2 oder der BeSafe Beyond vom schwedischen Plus-Test zertifiziert. Auch zahlreiche weitere Reboarder tragen das Plus-Test-Siegel.

Beispiel: Kindersitze mit Plus-Test-Siegel

  • BeSafe Beyond
  • Axkid One
  • Britax Max-Safe Pro
  • Joie i-Prodigi
  • Klippan Opti 129
  • Maxi-Cosi MobiFix Pro
  • Nuna North
  • Thule Elm

Da regelmäßig neue Modelle hinzukommen und bestehende Zertifizierungen aktualisiert werden, veröffentlicht das VTI eine laufend aktualisierte Übersicht aller Plus-getesteten Kindersitze. Die vollständige Liste findest du auf der offiziellen VTI-Website.

Praxis-Tipp: Worauf sollten Eltern beim Kauf achten?

Der schwedische Plus-Test kann dir dabei helfen, einen besonders sicheren Kindersitz auszuwählen. Dennoch sollte er nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Achte beim Kauf auch auf weitere wichtige Faktoren, damit du den besten Kindersitz für deinen Nachwuchs auswählst.

Wichtige Kriterien beim Kauf eines Kindersitzes

  1. EU-Sicherheitsnorm beachten: Achte darauf, dass der Kindersitz nach i-Size / UN R129 zugelassen ist. Diese Zulassung ist Voraussetzung dafür, dass der Sitz in Europa verkauft werden darf.
  2. Ergebnisse aus unabhängigen Tests berücksichtigen: Gute Bewertungen im ADAC oder ÖAMTC Kindersitz Test geben Aufschluss über Sicherheit, Handhabung und Schadstoffbelastung.
  3. Auf das Plus-Test-Logo achten: Plus-getestete Kindersitze tragen ein offizielles Prüfzeichen mit der Aufschrift „PLUS TEST“. Es zeigt, dass das Modell die freiwillige schwedische Sicherheitsprüfung bestanden hat.
  4. Möglichst lange rückwärtsgerichtet fahren: Wähle nach Möglichkeit einen Reboarder, der dein Kind über mehrere Jahre rückwärtsgerichtet transportieren kann.
  5. Modelle bis 125 cm bevorzugen: Sie ermöglichen vielen Kindern, länger in der besonders sicheren rückwärtsgerichteten Position mitzufahren.
  6. Vor dem Kauf informieren: Prüfe, ob der Kindersitz zu deinem Fahrzeug passt und deinen Anforderungen im Alltag entspricht.
  7. Kindersitz vor dem Kauf testen: Probiere den Sitz nach Möglichkeit im Fachhandel oder im eigenen Fahrzeug aus und achte darauf, dass er sich korrekt einbauen lässt und dein Kind darin bequem sitzt.

Wichtig: Auch der sicherste Kindersitz schützt nur dann optimal, wenn er korrekt eingebaut und entsprechend den Herstellerangaben verwendet wird.

FAQ: Schwedischer Plus-Test für Kindersitze

Nein. Jeder in Europa verkaufte Kindersitz muss die gesetzlichen Anforderungen der i-Size / UN R129 erfüllen. Der schwedische Plus-Test ist eine freiwillige Zusatzprüfung mit besonders hohen Anforderungen an den Schutz der Halswirbelsäule.

Nein. Der Plustest ist freiwillig und ergänzt die gesetzlich vorgeschriebene Zulassung nach i-Size / UN R129.

Der schwedische Plustest gilt als strenger, wenn es um den Schutz der Halswirbelsäule bei einem Frontalaufprall geht. ADAC und ÖAMTC bewerten dagegen zusätzlich Kriterien wie Handhabung, Ergonomie und Schadstoffe. Die Tests ergänzen sich.

Vorwärtsgerichtete Kindersitze können die strengen Grenzwerte für die Nackenbelastung bei einem Frontalaufprall nicht einhalten. Deshalb werden ausschließlich Reboarder zertifiziert.

Plus-getestete Kindersitze tragen das offizielle PLUS TEST-Prüfzeichen. Außerdem findest du alle zertifizierten Modelle in der offiziellen Liste des VTI.

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