Die 5. Woche nach der Geburt

Dein Baby ist nun schon über einen Monat alt und ihr befindet euch streng genommen immer noch in der Wochenbettphase – auch wenn sich vieles schon sehr routiniert anfühlt. Nun ist es sinnvoll, gewisse Abläufe zu entwickeln, die dich gut durch die nächsten Monate und Entwicklungsphasen tragen. Dabei geht es zum einen darum, einen Alltag mit deinem Baby zu etablieren, aber auch ausreichend Zeit für dich, für deinen Partner oder die Pflege deiner sozialen Kontakte einzuplanen.

Mama-Baby

Manchmal möchten wir aus dem Alltag einfach nur ausbrechen, wünschen uns einen Tapetenwechsel oder gleich die Ruhe auf einer einsamen Insel. Als frisch gebackene Mama geht es dir da vielleicht ganz anders: Deine Tage sind seit der Geburt deines Babys auf links gedreht, keine Nacht gleicht der anderen und du wünschst dir vielleicht mehr Planbarkeit und ein paar wohltuende Fixpunkte in deinem Leben.

Die gute Nachricht: Du hast es selbst in der Hand, dir ein paar kleine Vorhaben zu gönnen, die du im Alltag umsetzen möchtest. Die schlechte Nachricht: Dein Baby wird vermutlich nicht immer mitspielen. Wir empfehlen dir also, dich nicht zu überfordern – das führt am Ende nur zum Frust, wenn die Struktur nicht so gelingt, wie du es dir vorstellst.

Glücklich mit dem neuen Alltag

Alltag muss nicht zwingend etwas Schlechtes sein. Geregelte Abläufe, Fixpunkte, auf die wir uns verlassen können und „Termine“, an denen wir etwas erledigen möchten, sorgen für Halt. Würden wir beständig in den Alltag hineinleben, hätten wir vielleicht irgendwann einmal das Gefühl, nichts mehr richtig zu schaffen oder es wäre uns schrecklich langweilig, weil uns schlichtweg die sinnerfüllte Tätigkeit fehlen würde.

Nun ist es, wie wir wissen, gerade mit einem Neugeborenen beinahe unmöglich, von einem geregelten Alltag zu sprechen oder überhaupt nur daran zu denken. An einem Tag sieht es so aus, als kehre endlich ein gewisser Rhythmus ein, am nächsten Tag ist alles schon wieder anders. Mütter kennen das und Mütter sind flexibel. Wenn du einige Wochen nach der Geburt das Gefühl hast, wieder ein bisschen Routine in dein Leben bringen zu wollen, dann ist es ratsam, langsam damit anzufangen.

Kurse, Treffen & Gruppen

Von einem Termin zum nächsten zu hetzen, wird dich nur bedingt glücklich machen. Wie wäre es, wenn du dir einen Fixpunkt pro Woche vornimmst? Das kann eine Yogastunde oder eine Massage nur für dich allein sein, du kannst aber auch gemeinsam mit deinem Kind etwas unternehmen. Mittlerweile gibt es viele Yogagruppen für frisch gebackene Mamas, Mama-Baby-Treffs, Stillgruppen oder Rückbildungskurse, bei denen es ausdrücklich erlaubt ist, dein Kind zu integrieren. In dieser Wochenbettphase ist es vollkommen ausreichend, wenn du einen Kurstermin pro Woche absolvierst.

Aufgrund der Coronasituation findet der Großteil aller Kurse und Angebote online statt. Du kannst also bequem von zu Hause aus teilnehmen, Mamas in einer ähnlichen Lebenssituation treffen, dich austauschen oder sogar etwas für deinen Körper tun. Alternativ kannst du dich natürlich auch einmal pro Woche mit einer Freundin oder einer anderen Mama mit Baby verabreden, um beispielsweise gemeinsam spazieren zu gehen oder einfach nur so zu plaudern. Wichtig ist, dass du den Termin tatsächlich ernst nimmst und du ihn dir auch einträgst. Das empfehlen wir dir nicht, weil wir denken, dass du nicht organisieren kannst. Ganz im Gegenteil, Mamas sind richtige Management-Talente. Es geht hierbei eher darum, diese Einheit/Auszeit vom Alltag wirklich wichtig zu nehmen, keine Ausreden oder Verschiebungen (außer im Notfall) zuzulassen. Wer sich langsam wieder eine Struktur aufbauen möchte, sollte sich auch an diese Strukturen halten.

Nach und nach besteht die Möglichkeit, um weitere kleine Einheiten zu ergänzen. Sieh dir am Beginn der Woche deinen Plan für die kommenden Tage an und beginne bewusst, die geplanten Aktivitäten als auch die Auszeiten wahrzunehmen. Wenn du lieber allein mit deinem Baby sein magst, könntest du dir beispielsweise auch vornehmen, jeden zweiten Tag immer zur gleichen Uhrzeit eine Runde spazieren zu gehen. Dazu noch die Still- und Schlafenszeiten deines Babys tagsüber und schon hast du eine kleine und überschaubare Tagesstruktur.

Tipp: Es gibt Mamas, die kommen sehr gut damit zurecht in den Tag hinein zu leben und spontan zu entscheiden, was als nächstes passieren wird. Vor allem mit Baby ist das eine Haltung, die sich bezahlt macht. Schließlich funktioniert das Neugeborene nicht nach einem bestimmten Schema. Mit gedanklicher und auch praktischer Flexibilität lässt sich der Alltag um einiges gelassener bewältigen. Wenn du allerdings der Typ bist, der gewisse Strukturen braucht, um sich nicht zu verlieren, raten wir dir dazu, dir ab der fünften Wochenbettwoche für jeden Tag eine kleine Aktivität (siehe oben) vorzunehmen. Idealerweise ist es ein Ritual nur für dich, natürlich kann es auch etwas sein, das du mit deinem Baby gemeinsam machst, z.B. ein Spaziergang. Probiere es einfach aus, wie viel Struktur dir gut tut und wann es besser ist, offen zu bleiben und sich vielleicht auch bewusst nichts vorzunehmen.

Für Mehrlingsmamas

Wenn du Zwillinge oder Mehrlinge geboren hast, bedeutet das natürlich mehr Arbeit, aber auch mehr Freude! Zwillingsmamas sollten sich bereits von Anfang an, und damit meinen wir tatsächlich ab der Schwangerschaft, Unterstützung organisieren und Netzwerke dementsprechend aufbauen. Im Wochenbett sind zusätzlich zur Hebamme eine Doula oder eine Familienhelferin Gold von unbezahlbarem Wert. Großeltern und liebe Verwandte dürfen ebenso tatkräftig unterstützen. Wenn du möchtest, kannst du deine Zwillinge auch stillen: Man nennt das dann Tandemstillen. Mit einem Kind ist es manchmal schon nicht so einfach, darum zögerst du vielleicht bei zwei Kinder. Vollkommen verständlich! Kontaktiere eine Stillberaterin vor Ort – sie ist auf das Stillen in besonderen Situationen spezialisiert und wird dir viele gute Tipps geben, die dir den Alltag erleichtern. Ganz wichtig: Binde deinen Partner mit ein. Ihr könnt euch die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes aufteilen. Teambuilding ist vor allem in der Nacht wichtig, wenn der Hunger ruft oder gewickelt werden muss.

Tipp: Für Zwillinge gibt es vieles in doppelter Ausführung, du benötigst aber nicht alles zweimal. Als praktisch erwiesen haben sich ein Zwillingskinderwagen sowie Wippen, in denen beide Kinder Platz haben. Ebenso eine gute Investition ist ein Tragetuch oder eine Tragehilfe – du kannst abwechselnd ein Kind in die Trage nehmen und eines im Kinderwagen oder später im Buggy führen.

Trageberatung für dich und dein Baby

Babys werden gerne getragen, das ist kein Geheimnis. Wir tragen sie am Arm oder legen sie sanft über die Schulter oder wir wiegen sie, indem wir ihr kleines Köpfchen in unserer Armbeuge ablegen. Wenn du möchtest, kannst du dein Baby aber auch in einem Tragetuch um deinen Körper binden oder es in eine Tragehilfe, die mit Schnallen befestigt wird, setzen. Diese Tragevarianten haben folgenden Vorteil: Dein Baby ist ganz nah bei dir und genießt die Geborgenheit, während du beide Hände frei hast, um im Haushalt ein wenig zu arbeiten oder mit dem Geschwisterkind zu spielen.

Ebenfalls praktisch ist eine Tragehilfe/ein Tuch, beim Spazieren, Einkaufen oder Wandern. Eine Tragehilfe zu verwenden erleichtert jedoch nicht nur deinen Alltag. Du stärkst dadurch auch die Bindung zu deinem Baby. Die Bewegung, die auf dein Kind übertragen wird, erinnert es an die Schaukelbewegungen im Mutterleib. Wenn es in einer Trage oder ins Tuch gebunden bei dir sein kann, spürt es deinen Herzschlag, es riecht dich und kann den Körperkontakt ungestört genießen. Für Babys ist das die absolute Geborgenheit. Du erfüllst also das elementare Bedürfnis deines Kindes nach Nähe und Sicherheit im Handumdrehen. Gleichzeitig bist du flexibler, freier und hast einen größeren Bewegungsradius. Tragen wird auch gerne für jene Babys empfohlen, die Anpassungsstörungen oder Probleme beim Beruhigen oder Schlafen haben. Ebenso kann Tragen helfen, wenn dein Baby Blähungen oder ganz allgemein Probleme damit hat, sich zu regulieren. Gerne werden Babys auch verstärkt getragen, wenn sie Schmerzen haben, z.B. beim Zahnen oder sie sich in einem aufreibenden Entwicklungsschub befinden. Mehr zum Thema Tragen erfährst du in diesem Bereich.

Hilfreich: Eine Trageberatung

Wenn du magst, ist jetzt schon ein guter Zeitpunkt für eine Trageberatung. Viele Trageberaterinnen kommen auch zu dir nach Hause. Du kannst unterschiedliche Tragevarianten, Tücher, Bindeweisen oder vielleicht auch einen RingSling probieren. Nicht jede Trageart passt für jedes Mama-Kind-Duo. Eine Trageberaterin ist geschult darin, herauszufinden, welche Trage euch am besten unterstützt. Im Rahmen der Trageberatung kannst du auch alle Fragen stellen, die dir wichtig sind. Vielleicht möchtest du mehr darüber erfahren, wie du dein Baby im Sommer oder im Winter richtig anziehen sollst beim Tragen? Vielleicht interessiert es dich aber auch, warum die Anhock-Spreiz-Haltung so wichtig ist und was es bedeutet, dein Baby auf „Kusshöhe“ zu tragen? Bei einer Trageberatung kannst du üblicherweise auch unterschiedliche Tragehilfen ausprobieren und dir mitunter auch eine Tragehilfe/ein Tuch ausborgen, um zu testen, wie ihr im Alltag damit zurechtkommt. Finde eine Trageberatung in deiner Nähe (österreichweit).

Wichtig: Denke auch an den Papa! Viele Papas freunden sich mit den langen Stoffbahnen eines Tragetuchs nur schwer an, für sie gibt es tolle Alternativen, die mit Schnallen zu befestigen sind, jedoch den gleichen positiven Effekt wie ein Tuch haben.

Ein neues Körpergefühl

Wie fühlt sich dein Körper mittlerweile an? Bist du entspannt und glücklich mit deinen „neuen“ Rundungen oder leidest du vielleicht noch unter ein paar „Nachwehen“ deiner Schwangerschaft oder Geburtserfahrung? Wir können es nicht oft genug betonen, all das ist vollkommen normal und vor allem: Kein Körper gleicht dem anderen. Während manche Frauen relativ rasch wieder einen flachen Bauch haben, tragen andere noch mehrere Monate ein kleines Bäuchlein mit sich. Wir finden, dass man hier die körperliche und die emotionale Ebene unterscheiden sollte. Physisch geht es darum, ob der Rückbildungsprozess gut funktioniert, deine Narben verheilen und du keine körperlichen Beschwerden mehr hast, die auf die Geburt zurückzuführen sind.

Eine wichtige Rolle spielt dabei beispielsweise dein Beckenboden. Es handelt sich hierbei um einen Muskel, der wenige Wochen nach der Schwangerschaft einfach noch nicht in der alten „Form“ ist. Vielleicht spürst du es, vielleicht merkst du aber auch, dass du deinen Urin nicht so gut halten kannst, z.B. beim Lachen oder beim Niesen. Wie jeden anderen Muskel musst du den Beckenboden nun erst wieder trainieren. Bau ihn nach und nach auf, um ein besseres Körpergefühl zu erlangen und auch, um ihn wieder „normal“ belasten zu können, wenn du beispielsweise Sport betreiben oder körperlich arbeiten möchtest.

Das seelische Wohlbefinden

Kommen wir zum seelischen Wohlbefinden, zur Zufriedenheit mit dir selbst und deinem Körper. Nicht alle Frauen gehen vollkommen entspannt mit den vielen Veränderungen um, wenn ein Baby das Licht der Welt erblickt hat. Und wie viele Situationen im Leben hat auch diese Phase zwei Seiten. Stillen ist eine wunderschöne Aufgabe, die dir hilft, die Bindung zu deinem Kind zu festigen und dich zu entspannen. Gleichzeitig kann es auch anstrengend sein, wenn ein vollgestilltes Baby in kurzen Abständen nach der Brust verlangt, ganz gleich, ob Tag oder Nacht. Wenn schon Geschwisterkinder da sind, wurde euer Familienleben durch ein neues Mitglied erweitert und die Momente, in denen die älteren Geschwister ihren Bruder/ihre Schwester kennenlernen oder beim Wickeln helfen, sind unbezahlbar.

Dennoch fordern sie auf der anderen Seite die volle Aufmerksamkeit ihrer Mama, ob bei den Schulaufgaben, beim Spielen oder wenn sie sich einfach einmal nicht so gut fühlen. Mama-Sein ist ein Vollzeitjob, vor allem und gerade mit einem Neugeborenen. Es liegt also nicht nur an dir, wenn du derzeit das Gefühl hast, zu kurz zu kommen, vermutlich ist es im Moment auch tatsächlich so. Und da kommen wir nun zur berechtigten Frage, wie sollst du die Veränderungen deines Körpers lieben lernen, wenn du im hektischen Alltag nicht einmal die Zeit hast, eine Tasse Tee in Ruhe zu trinken? Das ist durchaus ein Balance-Akt, bei dem dir ein 3-Schritte-Plan helfen kann:

  1. Schritt: Checke all jene Dinge ab, die medizinisch gesehen noch eine Klärung benötigen, wie z.B. Wundheilung, Rückenschmerzen, Beschwerden beim Wasser lassen, Probleme mit der Kaiserschnittnarbe.
  2. Schritt: Gehe dann dazu über, gut für die Regeneration deines Körpers zu sorgen. Kümmere dich darum, dass er heilen kann. Gönne ihm Ruhe, ausreichend Schlaf (sofern möglich) und sorge dafür, dass du dich ausgewogen, saisonal abgestimmt und mit kräftigenden Lebensmitteln und Speisen ernährst. Als Plus kannst du sanfte Dehnungsübungen aus dem Yin-Yoga oder etwas Bewegung an der frischen Luft in deinen Alltag einbauen. Jedoch alles mit Maß und Ziel, ohne Stress und Leistungsanspruch.
  3. Schritt: Praktiziere Selbstfürsorge – und das aktiv. Auch wenn die Tage gefühlt zu wenige Stunden haben oder komplett durchgetaktet sind, nimm dir täglich Zeit für dich. Ein paar Minuten können vollkommen ausreichend sein. Wenn es dir schwerfällt, dich zu entspannen, empfehlen wir dir eine Meditation oder eine kleine Fantasiereise auf dem Sofa. Ebenso wirkt ein Nickerchen kleine Wunder, vielleicht auch ein Telefonat mit einer guten Freundin oder eine Dusche mit deinem Lieblingsduschgel. Für gelungene Selbstfürsorge gibt es kein Patentrezept – jede darf für sich selbst herausfinden, was ihr gut und wobei sie sich am besten entspannen kann.

Gynäkologische Routinekontrolle

Zwischen der fünften und sechsten Woche nach der Geburt sollte eine gynäkologische Untersuchung erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Wochenfluss schon versiegt oder am Abklingen, auch die Gebärmutter hat sich weitgehend zurückgebildet. Einige Wochen nach der Entbindung wird dein Gynäkologe/deine Gynäkologin eine Nachuntersuchung machen. Dabei entnimmt er/sie einen Abstrich vom Gebärmutterhals (Krebsabstrich) entnommen, außerdem erfolgt eine Ultraschall- sowie eine Tastuntersuchung. Der Arzt/die Ärztin überwacht den Rückbildungsstatus deiner Gebärmutter und untersucht auch vorsichtig deine Brust. Er/sie wird die Wundheilung möglicher Geburtsnarben begutachten und sich erkundigen, ob beim Stillen alles klappt oder du Probleme hast. Ebenso solltet ihr über das Thema Verhütung sprechen. Viele Frauen möchten nach der Geburt nicht mehr hormonell verhüten, interessieren sich für den Einsatz einer Kupferspirale oder alternative/stillverträgliche Verhütungsmethoden.

Tipp: Die Kontrolluntersuchung ist die perfekte Gelegenheit, um jene Fragen zu klären, die dich nach der Geburt beschäftigen. Vielleicht leidest du unter Hämorrhoiden, Scheidentrockenheit, einer bakteriellen Vaginose oder Juckreiz. Außerdem kannst du mit deinem Arzt/deiner Ärztin darüber sprechen, ob du mit dem Beckenbodentraining, der Rückbildungsgymnastik und/oder einer anderen Sportart deiner Wahl beginnen darfst. Sobald du das „OK“ deiner Gynäkologin/deines Gynäkologen hast, kannst du dich wieder auspowern, wenn du das möchtest.

Training für den Beckenboden

Der Beckenboden ist ein zentrales Stützelement unseres gesamten Bewegungsapparates. Während es im Yoga, Tantra und anderen Richtungen durchaus schon ein Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Muskelgruppe gibt, haben wir üblicherweise wenig, dass wir mit dem Thema Beckenboden verbinden. Frauen kommen meistens zum ersten Mal mit dem Beckenboden in Kontakt, wenn sie schwanger werde oder spätestens nach der Geburt, wenn sie vielleicht aufgrund von Schmerzen oder unfreiwilligem Harnverlust gezwungen sehen, sich damit auseinanderzusetzen. Der Beckenboden besteht aus drei unterschiedlichen Muskelschichten, sogenannten Bändern und Bindegewebe. Er dichtet deinen Körper nach unten hin gewissermaßen ab und spielt nicht nur während der Schwangerschaft eine tragende Rolle. Wo wir gerade dabei sind: In der Schwangerschaft und während der Geburt muss der Beckenboden enormen Kräften standhalten. Die Muskulatur und die Bänder geben durch Dehnung nach, die Gebärmutter wird vom Beckenboden gehalten. Im Frühwochenbett besteht selbstverständlich noch keine Notwendigkeit, den Beckenboden wieder zu trainieren. In dieser Zeit liegt der Fokus auf der Regeneration und dem Einleben im neuen Baby-Alltag. Nach und nach kannst du jedoch mit leichten Übungen beginnen.

Tipp: Wir empfehlen dir, dich an einen Experten/an eine Expertin für Beckenbodentraining zu wenden. Schließlich ist es gar nicht so einfach, die Übungen daheim korrekt durchzuführen. Sehr häufig berichten Frauen, dass es ihnen generell schwerfällt, den Beckenboden bewusst wahrzunehmen, bewusst anzuspannen und wieder locker zu lassen. Daher macht es durchaus Sinn, dich von einem Experten/einer Expertin anleiten zu lassen. Die richtigen AnsprechpartnerInnen sind PhysiotherapeutInnen sowie ÄrztInnen für physikalische Medizin oder Sexualmedizin. Folgend stellen wir dir einige Methoden vor, die dir dabei helfen, deinen Beckenboden zu kräftigen.

Beckenboden im Alltag stärken

Schon kleine Veränderungen in deinen Gewohnheiten können dir dabei helfen, den Beckenboden im Alltag zu kräftigen. Dazu zählt in den ersten Wochen nach der Geburt das Einnehmen der Bauchlage und wenn du einfach immer wieder versuchst, bewusst anzuspannen und loszulassen. Achte darauf, deine Blase regelmäßig zu entleeren und beim Stuhlgang nicht zu pressen. Auch im Sitzen kannst du den Beckenboden immer wieder anspannen (das fühlt sich etwa so an, als würdest du Urin zurückhalten) und nach ein paar Sekunden wieder lockerlassen.

Körperzentrierte Übungen & Bio-Feedback

Bei anhaltenden Problemen mit dem Beckenboden ist es ratsam, einen Arzt/eine Ärztin für Allgemeinmedizin oder einen Spezialisten/eine Spezialistin aufzusuchen. Je nach Behandlungsmethode kann er/sie dir konkrete Übungen zur Kräftigung der Muskulatur zeigen oder dich nach der ersten Abklärung an einen Physiotherapeuten/eine Physiotherapeutin überweisen. Bewährt hat sich im Zusammenhang mit dem Beckenboden auch das sogenannte Bio-Feedback. Es handelt sich hierbei um eine Methode, bei der mithilfe von Geräten deine Muskelspannung gemessen wird. Dadurch fällt es dir leichter, wahrzunehmen, wann deinen Muskeln angespannt sind und wann nicht. Dieses Wissen wiederum unterstützt dich bei der Ausführung der entsprechenden Trainingseinheiten.  

Hilfsmittel wie Kugeln und Konen

Es mag vielleicht eigenartig klingen, aber gewisse Spielzeuge aus der Erotikecke sind perfekt, um deinen Beckenboden zu trainieren. Kugeln in unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichem Gewicht sowie Konen werden auch bei der physikalischen Therapie eingesetzt. Du führst die Kugel oder Kegel in deine Scheide ein (sie sind an einem Rückholbändchen befestigt) und gehst damit entweder ganz normalen Alltagstätigkeiten nach oder führst ein spezielles Trainingsprogramm durch. Die Gegenstände helfen dir dabei, deine Muskulatur besser zu spüren und zu lernen, wie du anspannen und lockerlassen kannst, indem du die Muskeln gegen die Kugel/den Kegel drückst.

Epi-No & Mechanische Beckenbodentrainer

Ebenso gibt es Geräte, die manuell oder per Akku betrieben werden, mit denen du deinen Beckenboden stärken kannst. Das Prinzip ist auch hier jenes, so viel Druck aufzubauen, um die entsprechenden Muskeln wahrzunehmen und auch zu trainieren (durch An- und Entspannung). Beim Epi-No handelt es sich beispielsweise um einen aufblasbaren Ballon, der in die Scheide eingeführt wird und mittels Handpumpe vergrößert werden kann. Über eine Druckanzeige kannst du die Intensität des Trainings und auch den Trainingsfortschritt kontrollieren.

Sexualität & Paarbeziehung

Eine Beziehung verändert sich nach der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes und dann noch einmal, wenn ein zweites oder drittes Kind hinzukommt. Wie sich die Familiengründung auf eure Beziehung auswirkt, hängt ein wenig von der Beziehungskultur ab, die ihr davor hattet. Paare, die es gewohnt sind, viel Zeit exklusiv miteinander zu verbringen, die gemeinsame Hobbys oder einen großen Freundeskreis teilen, die gerne verreisen und ihre Wochenenden mal spontan, mal durchgeplant verbringen, werden es mit der Umstellung etwas schwerer haben als jene, die ohnehin einen sehr gemütlichen Lebensstil pflegen. Aktiven Paaren fällt es dafür oft leichter, nach der Geburt wieder zu einem Paaralltag zurückzukehren, da sie beispielsweise gemeinsame Hobbys wieder aufnehmen, während der Nachwuchs von der Oma oder einem Babysitter betreut wird.

Besonders wichtig: Kommunikation

Auch die Kommunikationskultur spielt eine wichtige Rolle. Seid ihr gewöhnt, Probleme offen anzusprechen? Findet ihr gemeinsame Lösungen für gegenseitige Bedürfnisse oder versucht sich jeder mit seinem Bedürfnis vorrangig durchzusetzen? Wie geht ihr mit Konflikten um? Und nehmt ihr euch auch einmal in dem Arm, um euch gegenseitig Wertschätzung auszudrücken oder einfach „Danke“ zu sagen? Das sind nur ein paar Fragen, über die es sich lohnt nachzudenken und anschließend ehrlich Bilanz zu ziehen. Wenn ein Kind auf die Welt kommt, benötigt eure Paarbeziehung ein solides Fundament, um größeren und kleineren Stürmen standhalten zu können. Und diese Stürme werden auf euch zukommen, soviel steht fest. Schließlich lernt ihr euch in ganz neuen Rollen und von einer anderen Seite kennen. Ihr müsst euch neu einspielen und die Aufmerksamkeit noch dazu mit einem kleinen Wesen teilen, das rund um die Uhr umsorgt und gepflegt werden möchte.

Achtung: Beziehungsprobleme (mit oder ohne Kind) kommen zumeist auf leisen Sohlen. Werden Probleme nicht gelöst, sondern aufgestaut, werden ungute Gefühle unterdrückt, dann vergiftet das nach und nach die Liebe. Zudem besteht die Gefahr der Entfremdung. Jeder geht seinem Alltag, seinen Aufgaben nach – man tauscht sich vielleicht nur mehr über Organisatorisches aus, die Kommunikation dreht sich um die Kinder. Das darf phasenweise natürlich auch so sein, allerdings solltet ihr achtsam damit umgehen und es nicht zur Gewohnheit werden lassen.

Liebesleben neu entdecken

Ja, es ist vollkommen okay, wenn sich der Sex nach der Geburt eigenartig anfühlt und nein, ihr müsst nicht sofort wieder sofort wieder zur Top-Form auflaufen. Die Ankunft eines kleinen Erdenbürgers verändert auch euer Liebesleben. Es dauert seine Zeit, bis sich die Frau an ihren neuen Körperformen gewöhnt hat und auch Männer haben vielleicht Berührungsängste, im wahrsten Sinn des Wortes. Wir empfehlen euch: Sprecht darüber und dann probiert einfach aus, welche Form der Sexualität jetzt für euch passt. Wenn die Brüste vom Stillen empfindlich oder wund sind, dann bitte deinen Partner auf das Liebkosen dieser Körperstellen zu verzichten. Wenn Sorgen oder Ängste da sind, wie es sich denn anfühlt, wenn dein Partner in dich eindringt – mach auch das zum Thema. Geht behutsam vor und sorgsam miteinander um.

Tipp: Wie wäre es, mit einer Massage oder dem Austausch von Zärtlichkeiten zu beginnen und dann einfach zu schauen, was sich daraus entwickelt. Erlaubt es euch, einander langsam wieder näher zu kommen und nehmt es mit Humor, wenn ihr einmal (oder öfter) von eurem Baby unterbrochen werdet. Entwickelt kreative Ideen – wo könnt ihr euch Zweisamkeit schaffen? Kuschelt euch ins Bett, wenn das Baby zu Mittag ein Nickerchen macht oder trefft euch zum Hauptabendprogramm in der Badewanne!

Partner-Tipp

Reserviert euch zumindest einen Abend pro Woche oder eine Stunde am Wochenende (wenn das Baby schläft), um euch Gehör zu schenken. Gebt euch wechselseitig ein paar Minuten Zeit, um zu erzählen, wie es euch geht, was ihr braucht, welches Bedürfnis derzeit unerfüllt und welches vielleicht erfüllt ist. Damit meinen wir jetzt nicht, dass ihr diskutieren oder Dinge „zerreden“ sollt. Hört einander einfach zu, schenkt euch Aufmerksamkeit. Das schafft Verbindung und ist ein wichtiger Anker in eurem Paaralltag. Deine Partnerin wird vielleicht nach einem langen Tag nicht daran denken, darum ermutigen wir dich (und alle Männer), die Initiative zu übernehmen. Teile es dir so ein, dass du früher von deiner Arbeit nach Hause kommst, deiner Partnerin noch mit dem Nachwuchs hilfst und anschießend den gemütlichen Abend vorbereitest. Vielleicht legst du Musik auf oder kochst ihr eine heiße Schokolade, wenn euer Baby nicht (mehr) gestillt wird, spricht natürlich auch nichts gegen ein Glas Wein.

Über Glücksgefühle und Stimmungstiefs

Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, das dir mittlerweile schon sehr vertraut ist. Das Leben verläuft (zum Glück) nun mal nicht gleichförmig, schon gar nicht nach der Geburt eines Kindes. Es wird Tage geben, an denen du dich halbwegs ausgeruht und aktiv fühlst, dann wiederum solche, an denen du das Sofa nicht verlassen willst und du es bis zum Abend nicht schaffst, dich entspannt unter die Dusche zu stellen. Schwankungen sind normal, nimm sie an und wehre dich nicht dagegen. Je leichter es dir fällt, zu akzeptieren, dass in dieser Phase kein Tag dem anderen gleicht, desto eher wird sich eine gewisse Gelassenheit einstellen.

Eine Wochenbettdepression ist kein Baby-Blues

Das Wochenbett ist eine Zeit der Umstellung und als solche auf natürliche Art und Weise krisenanfällig. An dieser Stelle möchten wir daher die Unterscheidung zwischen Wochenbettdepression und Baby-Blues ansprechen und ein gewisses Bewusstsein schaffen. Der Baby-Blues (auch Heultage genannt) kann dich wenige Tage nach der Geburt einholen. Du bist erschöpft, weinerlich, vielleicht ängstlich oder unruhig. Es handelt sich hierbei um eine Reaktion deines Körpers/deiner Psyche auf die aktuellen Ereignisse. Etwa dreiviertel aller Wöchnerinnen sind davon betroffen, du bist nicht allein. Lass dich von deinem Partner, deiner Hebamme oder Doula auffangen, suche das Gespräch mit einer guten Freundin und du wirst sehen, der Blues zieht so schnell vorbei, wie er gekommen ist.

Anders verhält es sich bei einer Wochenbettdepression (Postpartale-Depression). Es ist eine Erkrankung, die man oftmals nicht auf den ersten Blick als solche erkennt. Sie blitzt wenige Wochen nach der Geburt auf oder aber erst, wenn das Baby schon mehrere Monate alt ist. Eine Wochenbettdepression ist keine Erschöpfung, sie ist eine ernste Sache. Symptome sind auf körperlicher als auch psychischer Ebene zu beobachten:

  • Du fühlst dich schlapp, ausgebrannt, erschöpft und das permanent.
  • Du hast Angstzustände, negative Gedankenspiralen, aus denen du nicht mehr aussteigen kannst und bist unruhig oder angespannt.
  • Du hast Panikattacken und fühlst dich ohne ersichtlichen Grund traurig, mutlos, hoffnungslos.
  • Du zweifelst massiv an deinen Qualitäten als Mutter, hast Angst, dein Baby zu vernachlässigen, zu verletzen oder es zu verlieren.
  • Du kannst nicht mehr schlafen, hast keinen Appetit/Hunger, kannst dich nicht konzentrieren oder länger bei einer Tätigkeit bleiben.
  • Du hast Probleme mit deiner Verdauung (anhaltende Bauchschmerzen, Reizmagen)

Etwa 15% aller Frauen leiden unter einer Wochenbettdepression – psychische Vorerkrankungen können ebenso eine Rolle spielen wie traumatische Erfahrungen in der Schwangerschaft oder während der Geburt. Eine Wochenbettdepression kann jedoch auch ohne Vorboten auftreten. Essenziell ist die Diagnose bei einem Facharzt/einer Fachärztin und eine kontinuierliche Begleitung in Form von einer medikamentösen Behandlung (auch stillverträglich) und/oder einer Psychotherapie. Erste Ansprechpartner im Wochenbett sind häufig Doula, Hebamme oder auch Familienmitglieder, die du ins Vertrauen ziehen kannst. Eine Wochenbettdepression ist kein Grund, sich schuldig zu fühlen oder sich zu schämen. Erlaube dir, um Hilfe zu bitten und professionelle Unterstützung anzunehmen!

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