Die dritte Woche nach der Geburt

Die Tage vergehen wie im Flug – nun sind wir schon bei der dritten Wochenbettwoche angelangt und das bedeutet auch, dass du schon bald die Hälfte deiner Wochenbettreise hinter dir hast. Wie geht es dir mittlerweile? Fühlt sich alles schon etwas „normaler“ an? Vielleicht bist du auch schon das erste Mal länger am Spielplatz oder beim Spazieren gewesen, vielleicht hast du auch das erste Mal nach langer Zeit zwei Stunden für dich! Die dritte Wochenbettwoche dauert vom 14. Tag bis zum 21. Tag nach der Entbindung und auch wenn viele Zeichen nun wieder auf Alltag stehen, wir empfehlen dir, nicht sofort wieder in Routinen zurückzukehren. Regeneration braucht eben Zeit.

Mama-Baby

Du wirst das hier wohl noch öfter lesen: Vergiss nicht, dass du dich noch im Wochenbett befindest! Viele Frauen fühlen sich drei Wochen nach der Entbindung schon wesentlich besser, das Stillen hat sich eingespielt und nun ist man versucht, wieder zum normalen Alltag zurückzukehren. Du denkst dir möglicherweise, dass es ja kein Problem sei, ab sofort wieder die Wäsche zu waschen, täglich die Wohnung zu saugen oder am Abend für die ganze Familie zu kochen. Schließlich fühlst du dich ja schon wieder relativ „normal“.

Es ist schön, dass du zu deiner alten Form zurückkehrst und du dich mit dem Baby langsam einspielst. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass du wieder alle Rollen im Haushalt erfüllen musst. Wochenbett ist Wochenbett und das dauert nicht umsonst zwischen sechs bis acht Wochen. Dein Körper darf sich nicht nur von der Geburt erholen, er hat gewissermaßen neue Aufgaben bekommen. Wenn du dein Baby stillst, muss ausreichend Milch produziert werden. Auch musst du derzeit vermutlich mit weniger Schlaf auskommen als sonst. Das bedeutet, dass sich dein Organismus neuen Rahmenbedingungen anpassen muss.

Auch emotional befindest du dich immer noch in der Phase des Ankommens. Dein Baby nimmt nun schon aktiver am Geschehen teil, es wirkt wacher und fordert die Erfüllung seiner Bedürfnisse mitunter lautstark ein. Du wirst das Gefühl haben, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche für deinen Schatz verfügbar sein zu müssen und wenn es größere Geschwister gibt, fällt es dir vielleicht sogar schwer, in Ruhe zu duschen oder aufs WC zu gehen. Was wir damit sagen wollen: Das ist vollkommen normal. Mamas sind nun mal an allen Ecken gefragt, auch wenn sie sich gerade noch im Wochenbett befinden. Umso mehr plädieren wir dafür, dass du bewusst versuchst, dir Zeit für dich zu nehmen. Wir wissen, dass das gar nicht so einfach ist.

Hier ein paar Ideen: Bitte deinen Partner, mit den größeren Geschwistern auf den Spielplatz zu gehen oder dir das Baby für zwei Stunden abzunehmen. Wenn du möchtest, kannst du auch etwas Milch abpumpen, damit der Papa reagieren kann, sollte der Nachwuchs hungrig werden. Frag Freunde, Omas oder andere Vertrauenspersonen, ob sie für eine Stunde zu dir kommen würden, um auf das Baby aufzupassen. Du kannst dir in der Zwischenzeit eine Massage gönnen, ein heißes Bad nehmen oder einfach „nur“ schlafen.

Tipp: Es gibt Masseure, Shiatsu-Praktiker und Cranio-Sacral-Therapeuten, die ihre Dienste auch mobil anbieten. Dann musst du für deine Auszeit nicht einmal das Haus verlassen! Last but not least, genieße Kuscheleinheiten mit deinem Baby bewusst. Lass dich von deinem kleinen Wunder verzaubern und koste die Zeit im Wochenbett genussvoll aus. Es ist in der Tat eine heilige Phase, der Alltag kommt früher zurück, als man denkt. Also schiebe allen Alltagsroutinen noch ein wenig den Riegel vor. Die Wohnung muss nicht perfekt aufgeräumt sein, zwischendurch darf man auch beim Lieferdienst Essen bestellen und wenn die Kinder einmal einen Tag nicht an die frische Luft kommen, tut das ihrer Gesundheit auch keinen Abbruch. Du darfst es locker angehen, du darfst einfach sein.

Verarbeitung von (traumatischen) Geburtserlebnissen

Nicht jede Geburt verläuft ideal. Manchmal kommt es zu dramatischen Situationen, die dir erst im Rückblick bewusst werden. Mit einer schwierigen Geburt bist du jedoch nicht allein, es gibt viele Frauen, denen es ähnlich geht wie dir.

Am Anfang denkst du dir vielleicht, dass das alles schon wieder wird oder du hörst Aussagen wie „Hauptsache Mutter und Baby sind gesund“. Belastende Erfahrungen, die du während der Entbindung gemacht hast, können dich jedoch auch später noch bewegen oder in anderen Stresssituationen wieder hochkommen. Wenn du dich müde und ausgelaugt fühlst sowie den Eindruck hast, dich im Alltag nicht zurechtzufinden, könnte das auf ein unverarbeitetes Geburtserlebnis zurückzuführen sein. Vielleicht hattest du einen Notkaiserschnitt, Komplikationen, die den Einsatz einer Saugglocke oder Geburtszange erfordert haben, eine Frühgeburt, Lageanomalien beim Baby oder unerwartete medizinische Probleme während der Geburt. Bei komplizierten Geburten ist meist jedoch nicht nur die Mutter, sondern auch das Baby gefährdet. Das bedeutet, dass du während der Entbindung auch Angst um deinen Nachwuchs hattest, ihr nach der Geburt vielleicht sogar getrennt wurdet oder eine Verlegung auf die Neonatologie erforderlich war.

Psychotherapeutische Unterstützung

Wenn eine Geburt nicht so verläuft, wie du es dir erwartet hast, es zu kritischen Situationen gekommen oder einem ungeplanten Kaiserschnitt gekommen ist oder Interventionen erforderlich waren, die deine Grenzen der Belastbarkeit weit überschritten haben, kann dies Wochen, Monate und manchmal sogar Jahre nach der Entbindung eine psychische Krise auslösen. An dieser Stelle ist es wichtig festzuhalten, dass wir nicht vom klassischen Baby-Blues (den Heultagen) sprechen. Ungelöste Traumata können sich im Körper und in der Psyche festsetzen – depressive Verstimmungen, Depressionen, Panik, Ängste, Burn-Out, Überlastungsgefühle, Bindungs- sowie Stillprobleme gelten als mögliche Folgen. Bei schweren Belastungszuständen, die deinen Alltag, deine Partnerschaft und die Beziehung zu deinem Kind (deinen Kindern) beeinträchtigen, ist es ratsam, sich professionelle Unterstützung zu organisieren.

In einer Trauma-orientierten Psychotherapie lernst du, wie du deine Gefühle von Scham, Wut, Trauer, Ohnmacht und Schwäche verarbeiten kannst. Ein Therapeut/eine Therapeutin hilft dir dabei, mit den psychischen Veränderungen umzugehen und wieder mehr Lebensfreude und Leichtigkeit zu gewinnen. Außerdem wird er/sie dich im Heilungsprozess Manchmal ist auch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll, das hängt von deinen Symptomen und anderen Faktoren ab.

Wichtig: Es gibt Psychopharmaka, die absolut stillverträglich sind, Abstillen ist nicht erforderlich. Hinweise zu unterschiedlichen Wirkstoffen findest du bei www.embryotox.de.

Einen Geburtsbericht schreiben

Vielleicht hast du in der Schwangerschaft Tagebuch geführt oder wichtige Meilensteine in einem schönen Journal festgehalten. Auf ähnliche Art und Weise könntest du nun auch einen Geburtsbericht verfassen. Schreiben hilft dabei, neue Perspektiven zu entdecken, emotional besetzte Themen zu verarbeiten, es entlastet und befreit den Geist. Gibt es Erlebnisse und Gefühle rund um die Geburt, die du einfach nicht aussprechen kannst? Manchmal ist es einfacher über etwas zu schreiben als darüber zu sprechen. Nimm dir ein paar Minuten Zeit für dich, zünde eine Kerze an und lege Papier und Stift zurecht. Nach ein paar tiefen Atemzügen, die dir helfen, dich zu fokussieren, schreibst du einfach drauf los. Notiere alles, was dir rund um die Geburt in den Sinn kommt. Alle Gefühle, alle Eindrücke, Beobachtungen, Farben, Situationen – sowohl Positives als auch Negatives. Alles ist erlaubt, alles darf sein. Wenn du möchtest, kannst du die Notizen ein paar Tage zur Seite legen und anschließend ein wenig sortieren. Was waren deine Gedanken? Was hast du gefühlt? Was wird in dir lebendig, wenn du an die Geburt denkst? Wo in deinem Körper spürst du die Eindrücke der Entbindung? Wie fühlt es sich an? Das sind nur ein paar Anregungen, mit denen wir dich ermutigen wollen, deine Gedanken zu sortieren. Das geht einfacher, wenn du alles vor dir am Papier hast.

Tipp: Es gibt Hebammen und Doulas, die nach der Geburt ebenso einen persönlichen Geburtsbericht erstellen. Sie schildern darin, wie sie dich als Gebärende erlebt haben, erzählen von Situationen, an die du dich vielleicht nicht mehr erinnern kannst und berichten dir, wie dein Partner sich verhalten hat. Vielleicht erklären sie dir auch, warum es in gewissen Situationen Handlungsbedarf von medizinischer Seite aus gegeben hat. Manchmal legen sie einen Fußabdruck oder einen Schnappschuss des Neugeborenen bei. Ein geschriebener Geburtsbericht ist auch eine gute Grundlage für ein Gespräch. Vielleicht möchte dein Partner ebenso ein paar Zeilen beitragen?

Gespräche mit der Hebamme

Wenn deine Hebamme dich zur Geburt begleitet hat, ermutigen wir dich, das Gespräch mit ihr zu suchen. Sie kann dir Einzelheiten erzählen, an die du dich vielleicht nicht mehr erinnern kannst und dir rückblickend erklären, warum es in einer kritischen Situation sehr schnell gehen musste. Mit ihr gemeinsam kannst du die Geburt aufarbeiten. Sie wird dir zuhören und dir weitere professionelle Unterstützung empfehlen, wenn sie den Eindruck hat, dass Gespräche allein nicht ausreichend sind. Selbst wenn die Hebamme bei der Entbindung nicht dabei war, ist sie eine Vertrauensperson im Wochenbett. Sie kommt dich besuchen, kontrolliert deinen Gesundheitszustand und die Entwicklung des Neugeborenen. Hebammen sind in dieser Zeit sehr nah an ihren Wöchnerinnen – sie stehen auch für Aufarbeitungsgespräche zur Verfügung.

Tipp: Natürlich kannst du auch mit deinem Partner und/oder deiner Doula sprechen. Unterschiedliche Perspektiven helfen dir dabei, das Erlebte einzuordnen und es zu integrieren.

Das Bonding-Bad nach Brigitte Meissner

Die Schweizer Hebamme und Cranio Sacral Therapeutin Brigitte Meissner hat das sogenannte Baby-Heilbad oder Mutter-Kind-Heilbad. Es ist eine Möglichkeit, um schwierige Geburten zu verarbeiten und das Bonding zwischen Mutter und Kind nachzuholen. Brigitte Meissner stellt hier eine ausführliche Anleitung für Mütter und Fachpersonen zur Verfügung. Wenn du möchtest, kannst du das Bad allein mit deinem Partner und deinem Baby durchführen. Es darf jedoch auch deine Hebamme, Doula oder eine Vertrauensperson anwesend sein, wenn du dich dabei wohler fühlst.

Das Babyheilbad sollte an einem ruhigen Ort stattfinden. Meissner empfiehlt das Schlafzimmer, damit du dich dort direkt nach dem Bad auf dein Bett legen kannst. Sorge für eine angenehme Atmosphäre und dafür, dass der Raum kuschelig warm ist. Zuerst wird das Baby gebadet (in einer Babybadewanne oder einem Badeeimer neben dem Bett) und dann legst du es nach ein paar Minuten nackt zu dir auf den ebenfalls nackten Oberkörper. Wickelt euch gut in Handtücher und Decken ein. Mehr als eine Windel benötigt dein Baby nicht. Du kannst dein Kind stillen, es nuckeln oder einfach nur kuscheln lassen. Der intensive Körperkontakt erlaubt es euch, jene Bindung nachzuholen, die euch nach der Geburt verwehrt geblieben ist. Traumata können sich sanft lösen. Emotionale Reaktionen sind sowohl bei dir als auch bei deinem Baby vollkommen normal, sie sind sogar erwünscht. Vielleicht fließen Tränen, vielleicht empfindest du aber auch tiefe Glücksgefühle und möglicherweise schreit oder weint dein Baby. Sei einfach für deinen Schatz da, halte ihn und lass ihn gewissermaßen „seine“ Geschichte der Geburt erzählen. Das Babyheilbad sollte ein paar Mal wiederholt werden, idealerweise wird es von einem Heilgespräch mit einer Fachperson begleitet.

Emotionelle Erste Hilfe (EEH)

Bei diesem Konzept handelt es sich um eine körperorientierte Form der Psychotherapie, die ursprünglich für High-Need-Babys und deren Eltern entwickelt wurde. EEH-TherapeutInnen können Eltern dabei helfen, sich mit ihrem Kind zu verbinden und eine Dialogfähigkeit zu entwickeln. Zentrale Aspekte sind dabei Entspannung und die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Emotionelle Erste Hilfe kann bereits in der Schwangerschaft zur Anwendung kommen, als auch im Wochenbett, bei Bindungsstörungen sowie nach traumatischen Geburtserfahrungen.

Ein neues Körpergefühl

Auch wenn dein Schatz schon vor drei Wochen das Licht der Welt erblickt hat, dein Körper befindet sich immer noch in einem Erholungsprozess. Ob man es nun aus der Sicht der TCM oder des Ayurveda betrachtet oder eher dem westlichen Denken zugetan ist: Nach Schwangerschaft und Geburt befindet sich dein Körper in einem natürlichen Mangelzustand. Das ist per se nicht schlecht oder ungewöhnlich – ganz im Gegenteil. Neun Monate ist ein einzigartiges Lebewesen in dir herangewachsen, du hast es genährt, getragen und behütet. Als die Zeit gekommen war, hast du dein Baby auf die Welt gebracht, vielleicht unter Anspannung und Stress, vielleicht aber auch sehr ruhig und friedvoll. Wie immer es gewesen sein mag, es ist tatsächlich wichtig zu verstehen, dass dein Körper sich nicht innerhalb von wenigen Tagen von dieser Zeit erholt. Es braucht Wochen, manchmal Monate, bis du dich wieder in alter oder neuer Kraft fühlst.

In China geht man beispielsweise davon aus, dass Wöchnerinnen mindestens einen Monat (bestenfalls länger) ruhen sollte. In dieser Zeit, die Zuo Yuezi genannt wird, gibt es eine Reihe von Regeln, die die frischgebackene Mama befolgen muss. Bestimmte Lebensmittel soll sie bevorzugt essen (warme Eintöpfe, Fleisch- und Fischbrühen), andere wiederum vollkommen meiden. Wärme ist ohnehin ein zentrales Thema im chinesischen Wochenbett, ebenso absolute Ruhe. Was wir damit sagen wollen: Die Körper hat Unglaubliches geleistet und nun ist es an der Zeit, ihm zu erlauben, alle Reserven wieder aufzufüllen.

Regeneration

Die Regeneration nach der Geburt ist kein linearer Prozess. In den ersten Tagen sind Schmerzen und Geburtsverletzungen sehr präsent, du wirst auch deine Brüste von einer noch ungewohnten Seite erleben. Bei Damm- oder Schamlippenverletzungen empfiehlt es sich, dir viel Zeit zu geben, um auf die Toilette zu gehen. Vermeide es, zu pressen, versuche, dich zu entspannen und nicht aus Angst vor Schmerzen den Gang auf das WC hinauszuzögern.

Tipp: Wenn es dir unangenehm ist, dich mit herkömmlichem Toilettenpapier abzuwischen, kannst du auch extra-weiches WC-Papier oder Feuchttücher ohne Duft- und Konservierungsstoffe verwenden. Auch bewährt hat sich eine Schnabeltasse oder eine kleine Kanne auf dem WC, die du für Spülungen nach dem WC-Gang verwenden kannst. Wer mag, fügt dem Wasser ein paar Tropfen Calendula-Essenz hinzu.

Erste Mobilisation

Nach der Geburt solltest du deinem Post-Partum-Körper Ruhe und ganz viel Geduld gönnen. Ja, wir kennen sie alle, die perfekten After-Baby-Body-Schnappschüsse auf Instagram und Co. – davon lassen wir uns jedoch nicht beeindrucken. Dein Körper ist nach der Entbindung eben wie er ist. Dein Bauch fühlt sich leer an, an manchen Stellen hast du überschüssige Haut, an anderen Dellen oder Dehnungsstreifen. Dein Beckenboden befindet sich noch in der Regeneration, deine gesamte Rumpfmuskulatur ist noch schwach. Das ist auch alles kein Problem, du musst ja keinen Marathon laufen, sondern dich einfach nur ausruhen. Wenn dir der Sinn nach Bewegung steht, raten wir dir, sanft zu beginnen. Die erste Mobilisation ist niemals anstrengend oder fordernd. Es geht eher darum, den Körper leicht zu aktivieren, zu dehnen und zu strecken. Es gibt einige Übungen, die du bereits wenige Tage nach der Geburt machen kannst. Dabei werden hauptsächlich Bauch, Po und Beckenboden angespannt und wieder lockergelassen. Später kannst du dazu übergehen, die Bauchmuskulatur zu trainieren. Hinweis: Sowohl nach einer natürlichen Geburt als auch nach einem Kaiserschnitt benötigst du das OK von deinem Gynäkologen/deiner Gynäkologin. Sofern aus medizinischer Sicht nichts dagegenspricht, kannst du wieder langsam in ein Workout-Programm Alternativen dazu, die im Wochenbett auch sehr gut funktionieren, sind Post-Natales-Yoga und Pilates (unter Anleitung).

Wochenfluss

Mittlerweile haben sich Farbe und Menge deines Wochenflusses deutlich verändert. Die Ausscheidungen sind nicht mehr rötlich, sondern schon ockerfarben oder gelb (lochia flava). Je nach Menge benötigst du nicht mehr die dicken Wöchnerinnenvorlagen, eine Nachtbinde oder Stoffbinde kann durchaus schon ausreichend sein. Bitte verzichte weiterhin auf die Verwendung von Tampons oder Menstruationstassen. Das Wundsekret sollte möglichst ungestört fließen können. An dieser Stelle noch einmal der Hinweis zum Wochenflussstau. Wenn plötzlich kein Sekret mehr fließt, du vielleicht Fieber und starke Kopfschmerzen bekommst, könnte es sein, dass sich ein Lochialstau gebildet hat. Bitte wende dich unverzüglich an die Wochenbettstation des nächstgelegenen Krankenhauses. Dort wird man versuchen, den Gebärmutterhals ein wenig zu dehnen, um mögliche Stauungen zu lösen. Gelegentlich bekommst du auch Oxytocin intravenös verabreicht. Dadurch wird die Kontraktion der Gebärmutter angeregt, das wiederum kann den Wochenfluss ebenfalls in Gang bringen.

Hämorrhoiden und andere Komplikationen

Hämorrhoiden, entzündete Krampfadern, verstopfte Milchgänge oder Blutergüsse am Damm – all das sind lästige Begleiterscheinungen, die uns im Wochenbett begegnen können. Vielleicht kennst du Hämorrhoiden aus deiner Schwangerschaft, vielleicht sind sie aber erst nach der Geburt aufgetreten. Es handelt sich um Schwellkörper, die den Darmausgang verschließen und die jeder Mensch hat. Durch den erhöhten Druck auf das Becken während der Geburt können sie jedoch nach außen treten. Zu den Symptomen zählen Juckreiz und Brennen am After, Blut- oder Stuhlschmieren sowie Schmerzen beim Sitzen oder beim Stuhlgang. Je nach Grad lassen sich die Hämorrhoiden auch ertasten. Wende dich an deine Hebamme oder deinen Gynäkologen, wenn du Beschwerden in diesem Bereich hast. Hämorrhoiden bilden sich häufig von selbst zurück, nur selten muss ein Arzt/eine Ärztin sie reponieren.

Abhilfe schaffen spezielle Salben, Kühlanwendungen, Kompressen mit Hamamelis und Calendula, Sitzbäder und allgemein ballaststoffreiche Kost, die den Stuhl weich hält. Blutergüsse und entzündete Krampfadern sollest du ebenfalls kühlen, Einreibungen und Wickel mit „Retterspitz äußerlich“ sind der Geheimtipp in der Hebammenkunde. Verstopfte Milchkanäle machen sich als verhärtete, gerötete Stellen an deiner Brust bemerkbar. Die Stellen sind berührungsempfindlich und manchmal auch schmerzhaft. Ursachen können ein Milchstau, eine Brustentzündung oder aber auch Druckstellen von eng anliegender Kleidung sein. Wichtig ist es, dass du dein Baby oft anlegst und vielleicht sogar häufiger stillst. Zusätzlich kannst du die harten Stellen vorsichtig ausmassieren und kühlende Wickel um die Brust legen.

Verspannungen

An dieser Stelle können wir es kurz machen. Gönn dir regelmäßig eine Massage. Bitte deinen Partner oder nutze die Möglichkeit, dass ein Masseur/eine Masseurin in Haus kommt. Nach der Geburt, im Zuge der Rückbildung und auch durch deine Haltung beim Stillen können Verspannungen an den Schultern, im Nacken oder im unteren Rücken entstehen, die auf Dauer schmerzhaft werden, wenn du sie nicht löst. Bei einer Massage werden Gewebe und Muskeln gelockert, Verkrampfungen gezielt bearbeitet und die Durchblutung gefördert. Das ist eine gute Gelegenheit, um dir eine Auszeit nur für dich zu gönnen. Du wirst dich anschließend viel wohler und entspannter fühlen. Dadurch hast du wieder mehr Energie, um dein Neugeborenes zu umsorgen.

Sexualität & Paarbeziehung

Die Geburt eures Babys ist nun schon drei Wochen her und mittlerweile seid ihr in einer neuen Form des Alltags angelangt. Vielleicht hat dein Partner noch Papa-Urlaub, vielleicht muss er aber auch schon wieder arbeiten. Es gilt nun, die Rollen in der Paarbeziehung und Aufgaben neu zu verteilen. Mitunter wird dadurch eine kleine Beziehungskrise ausgelöst, die jedoch nicht unbedingt nur negativ ist. Durch Reibung entsteht Auseinandersetzung und nicht zuletzt Kommunikation darüber, was euch beiden wichtig ist. Wo liegen eure Wünsche und Bedürfnisse? Wo sind sie ähnlich und an welchem Punkt gehen sie auseinander? Wünschst du dir mehr Unterstützung im Haushalt? Sehnt sich dein Partner nach Zweisamkeit, während dein Kuschelbedarf eigentlich durch das Bonding mit eurem Baby gedeckt ist? Ihr habt vielleicht das Gefühl, in unterschiedlichen Welten zu leben – wir ermutigen euch hiermit, im Gespräch zu bleiben. Nehmt euch zumindest fünf Minuten pro Tag oder geblockt 20 Minuten in der Woche, um in den Austausch zu gehen. Wofür benötigt mein Gegenüber gerade meine Empathie? Was möchte er mir sagen, wie geht es ihm? Jedes Gespräch, jedes Miteinander-Sein erzeugen Nähe. Es ist in diesem Zusammenhang auch vollkommen in Ordnung, wenn euer Baby in dieser Zeit nicht an erster Stelle steht. Natürlich müssen seine primären Bedürfnisse erfüllt sein, aber dann dürft ihr es auch liebevoll neben euch in einer Wiege oder am Sofa ablegen und euch gegenseitig Aufmerksamkeit schenken.

Das Thema Sexualität

Kommen wir zum Thema Sexualität. Ob und wann ihr wieder miteinander schlafen wollt, hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen haben wir da das Geburtsgeschehen und mögliche Folgeverletzungen, die dich in deinem Lustempfinden beeinträchtigen oder verunsichern können. Zum anderen ist in eurem Leben eine riesengroße Umstellung passiert, die ihr auch erst einmal verarbeiten müsst. Nicht allen Eltern gelingt es, sofort wieder in den „Sex“-Modus umzuschalten. Vielleicht wurdet ihr bei euren ersten Annäherungsversuchen nach der Geburt auch vom schreienden Nachwuchs unterbrochen oder du hattest aufgrund der Erregung einen Milcheinschuss. Viele Frauen haben Angst vor Schmerzen oder davor, dass sich ihre Vagina für den Mann nicht mehr „eng“ genug anfühlt.

Sprecht miteinander und sucht das Gespräch mit einer Vertrauensperson, wenn es euch länger nicht gelingt, die Sexualität zu beleben oder es hier einen Interessenskonflikt zwischen euch gibt. Selbstverständlich ist euer Baby nun der Mittelpunkt in der Familie, aber die Paarbeziehung dürft ihr dennoch nicht vernachlässigen. Eine funktionierende Paarebene ist die Basis für euer Familienleben. Daher ist es wichtig, bald nach der Geburt einen (neuen) Weg zueinanderzufinden und diesen bei Bedarf immer wieder zu adaptieren.

Tipp: Auch der Austausch von Zärtlichkeiten und Kuscheleinheiten kann eine schöne Möglichkeit sein, um Zweisamkeit zu genießen. Alles andere ergibt sich dann wie von selbst. Versprochen!

Partner Tipp:

Es macht für dich vermutlich den Eindruck, dass Mama und Kind eine unzertrennliche Einheit. Und in vielen Situationen ist es auch tatsächlich so. Gerade in den ersten Wochen nach der Geburt sind Babys sehr auf ihre Mama fixiert. Und umgekehrt genießen es die Mütter, möglichst viele Stunden am Tag mit dem neuen Erdenbürger zu kuscheln. Wenn die ersten Hochgefühle verflogen sind und der Alltag nach der Entbindung eingekehrt ist, kann es sein, dass du dich ausgeschlossen fühlst. Das ist vollkommen verständlich. An dieser Stelle geben wir dir den Rat, dich trotz dieses Gefühls so aktiv wie möglich einzubringen. Denn auch wenn es nicht so aussieht, deine Partnerin benötigt deine Aufmerksamkeit und Zuneigung. Du bist vermutlich tagsüber schon wieder in der Arbeit und somit daheim nicht verfügbar. Es ist anstrengend, den ganzen Tag allein ein Baby zu versorgen. Zwischen Stillen, Wickeln und in den Schlaf wiegen, wird deine Partnerin kaum Zeit für sich finden. Wenn du am Abend nach Hause kommst, ist sie vermutlich erschöpft, ausgelaugt und hungrig. So viel ist klar, das Stillen kannst du ihr nicht abnehmen. In sogenannten Cluster-Feeding-Phasen hängt dein Baby vermutlich buchstäblich an seine Mama und du hast das Gefühl, wirklich nichts ausrichten zu können.

Was du deiner Partnerin jedoch immer entgegenbringen kannst: Verständnis für ihre Situation. Erkundige dich, wie ihr Tag gelaufen ist, signalisiere dein Mitgefühl, wenn sie müde oder voller Selbstzweifel ist. Nimm sie in den Arm oder bring ihr ab und zu ihre Lieblingsblumen oder eine besondere Nascherei mit. Es sind die kleinen Aufmerksamkeiten im Alltag, die die Liebe beleben. Und vergiss nicht, ihr deine Wertschätzung zu zeigen. Bedanke dich dafür, wie gut sie sich um euren Nachwuchs kümmert, während du bei der Arbeit bist. Du wirst sehen, wenn du damit beginnst, Wertschätzung in deine Partnerschaft zu bringen, wird es auch deiner Partnerin gelingen, nach anstrengenden Tagen liebevoller auf dich zuzugehen.

Über Glücksgefühle und Stimmungstiefs

Wie geht es dir? Bist du entspannt und ausgeschlafen oder fühlst du dich schlapp und überfordert von deinem neuen Alltag? Hast du das Gefühl, noch ein wenig im Baby-Blues festzustecken oder findest du dich gut in deine neue Rolle ein? So individuell wie Schwangerschaft und Geburt verläuft auch dein Wochenbett. Stimmungsschwankungen sind in Ordnung, sofern sie dich emotional nicht belasten, du eine Vertrauensperson für den Austausch hast und dich im Alltag nicht permanent überfordert fühlst. Es ist ein schmaler Grat zwischen einer vorübergehenden Erschöpfung und jener, die sich nachhaltig auf deine Psyche und dein Familienleben auswirkt. Im Zweifelsfall raten wir dir immer zum Gespräch mit deiner Hebamme. Sie kennt dich und weiß aufgrund der Begleitung, in welcher Wochenbettphase du dich gerade befindest. Sofern erforderlich, wird sie dir einen Experten/eine Expertin aus ihrem Netzwerk empfehlen. Vielleicht rät sie dir aber auch zum Besuch einer Mama-Kind-Gruppe oder eines Yogakurses!

Neue Rituale entwickeln

Apropos Kurse: Du befindest dich noch im Wochenbett, es ist also nicht notwendig, sofort das nächste Mama-Kind-Angebot zu buchen. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation gibt es jedoch viele Kurse und Gruppen, die online angeboten werden. Ihr trefft euch dann gemütlich von zu Hause aus, kommt mit Mamas in Kontakt, die sich gerade in der gleichen Situation befinden. Sobald du dich von den ersten „Nachwehen“ der Geburt erholt hast, kannst du dir ein erstes neues Ritual nur für dich suchen. Vielleicht genießt du es, jeden Tag zehn Minuten vor dem Haus auf und ab zu gehen, mit einer Freundin zu telefonieren oder in Ruhe ein Tasse Tee zu trinken? Wenn dir in den eigenen vier Wänden schon die Decke auf den Kopf fällt, empfiehlt sich ein Nachmittagsbesuch bei guten Freunden. Der erste Ausflug mit dem Neugeborenen kann ganz schön aufregend sein, daher ist es wichtig, dass du dich beim Besuch wohlfühlst und du dich im Laufe des Tages auch einmal zurückziehen kannst, z.B. um zu stillen oder dein Baby zu wickeln. Eine richtig gute Freundin wird dich umsorgen, dir auch einmal den Nachwuchs abnehmen für ein paar Minuten und dir das Gefühl geben, dass du dich jetzt für ein paar Stunden fallen lassen kannst. Genieße diese kleinen Momente der Auszeit!

Übrigens: Ein Verzeichnis hilfreicher Online-Kurse findest du hier.

Experten-Überprüfung durch

Hebamme Martina Tauß

Seit 2002 ist Martina Tauß Hebamme mit Herz und gibt schon seit 18 Jahren Geburtsvorbereitungskurse. Als Hypnobirth Expertin, Hypnosecoach, Mentaltrainerin und Mama von drei Kindern bereitet sie entspannt auf die Geburt vor. Mehr über Hebamme Martina erfährst du hier.

Melde dich zum Schwanger.at Newsletter an – dich erwarten spannende Artikel, Produkttests und Gewinnspiele!

Was ist die Summe aus 5 und 7?
×