Die zweite Woche nach der Geburt

Willkommen im Wochenbett in den eigenen vier Wänden! Nach etwa vier bis sieben Tagen verlässt du gemeinsam mit deinem Schatz das Krankenhaus und der neue Lebensabschnitt zu Hause beginnt. Die zweite Wochenbettwoche dauert, wie der Name es schon vermuten lässt, vom siebten bis zum vierzehnten Tag nach der Entbindung. Es ist eine Zeit, in der eine erneute Umstellung bevorsteht. Ihr wechselt von der Wochenbettstation nach Hause. Dort warten Haushalt und möglicherweise andere Familienmitglieder auch die Unterstützung durch das Pflegepersonal auf der Station fällt weg. Dafür gewinnt ihr eure Privatsphäre wieder zurück und bekommt die Gelegenheit, euch in der neuen Konstellation einzufinden.

Mama-Baby

Vermutlich bist du immer noch überwältigt von deinen Gefühlen und all jenen Eindrücken, die du seit der Geburt gesammelt hast. Dein Baby liegt neben dir oder den Großteil des Tages auf dir und du erholst dich schön langsam von den Strapazen der Geburt.

Vergiss nicht, regelmäßig zu hinterfragen, wie es um den „Akkustand“ deiner Batterien bestellt ist: Konntest du dich in den letzten Tagen auch entspannen und schlafen? Oder hält dich der Nachwuchs in der Nacht auf Trab? Gibt es Stillprobleme oder Komplikationen bei der Wundheilung? Hast du dich auf der Wochenbettstation gut umsorgt gefühlt? Hast du Personen deines Vertrauens, mit denen du über die Geburt und die Zeit danach sprechen kannst? Wir können es nicht oft genug betonen: Es ist so wichtig, dass du gut für dich selbst sorgst.

Mutter zu werden, ein Kind auf die Welt zu bringen, an die eigenen Grenzen zu gehen, rund um die Uhr das Kind zu hüten, nähren und zu wiegen – das liegt gewissermaßen in der weiblichen Natur, dennoch ist es nicht selbstverständlich. Es wird Momente geben, in denen dich dein Mutterglück schier überwältigt, es wird jedoch auch Stunden geben, in denen du dich ausgelaugt und kraftlos fühlst. Bitte verstehe, dass du nur gut für dein Baby sorgen kannst, wenn du auch gut für dich sorgst. Das Wochenbett ist eine Phase des Ankommens, des Erholens, des Einfindens in eine neue Rolle. Gönne dir die Zeit und die Ruhe, dein Baby kennenzulernen, es zu bewundern, es von allen Seiten zu betrachten. Weder Haushalt noch Arbeit noch soziale Verpflichtungen spielen jetzt eine Rolle. Es geht um dich, deinen kleinen Schatz, deinen Partner und die Geschwisterkinder, sofern vorhanden. Ihr dürft euch alle im Wochenbett zurückziehen und diese neue Konstellation auf euch wirken lassen.

Endlich daheim!

Für den Großteil aller frisch gebackenen Mamas ist es eine echte Erleichterung, wenn sie nach ihrem Spitalsaufenthalt wieder in das eigene Zuhause zurückkehren. Dort ist alles vertraut, es fällt ihnen leichter, sich zu entspannen. Es mag banal klingen, aber man darf nicht unterschätzen, wie angenehm es sein kann, wieder im eigenen Bett zu schlafen, die eigene Toilette und das eigene Bad zu benutzen.

Auch die zweite Woche fühlt sich noch nach Ausnahmezustand an. Körperlich fühlst du dich vielleicht schon ein wenig fitter oder aber immer noch geschwächt von der Geburt. Beides ist vollkommen okay und in beiden Fällen lautet das Zauberwort: Bettruhe! Und das nimmst du idealerweise wörtlich. Richte dir im Schlafzimmer einen gemütlichen Platz für dich und dein Baby ein. Vielleicht liegt es in der ersten Zeit ohnehin immer neben dir, vielleicht möchtest du es aber ab und zu in einem Beistellbettchen oder in einer Babybucht neben dem Elternbett hinlegen.Ebenfalls als praktisch erwiesen haben sich Wiegen mit Rollen. Damit bist du flexibel in der Wohnung – du kannst auch einmal auf das Sofa wechseln oder dein Baby ins Badezimmer mitnehmen, wenn du dich frisch machen möchtest.

Vieles wird ohnehin automatisch von der Hand gehen oder sich zu Hause von alleine entwickeln. Ihr verbringt eure Tage mit Kuscheln, Stillen/Füttern, Tragen, Begleitung beim Einschlafen, Trösten, Wickeln und Wiegen. Dabei solltest du nicht auf dich selbst vergessen! Gönne dir zwischendurch immer wieder eine bewusste Ruhepause. Bitte deinen Partner, dir das Baby auch einmal abzunehmen (wir sind uns sicher, dass es ihm ohnehin selbst ein Bedürfnis ist).

Wenn Geschwisterkinder deine Aufmerksamkeit zusätzlich einfordern, kann es Sinn machen, dass sich der Partner und Oma/Leihoma/Doula ein wenig abwechseln in der Betreuung der älteren Kinder und des Neugeborenen. Zumindest ein paar Minuten pro Tag solltest du dir Zeit für dich nehmen – sei es für einen Power-Nap, eine ausgedehnte Dusche oder eine Mahlzeit, die du in Ruhe zu dir nimmst.

Hier ein paar Ideen, die dir dabei helfen, für dich selbst zu sorgen:

  • Eigne dir die innere Haltung ein, dass (Mini-)Auszeiten für dich so wichtig sind wie die Erfüllung deiner Grundbedürfnisse.
  • Lerne, alle Aufgaben abzugeben, die du normalerweise ungefragt erledigen würdest (z.B. Wäsche waschen, Mahlzeiten zubereiten, die Kinder ins Bett bringen, den Haushalt auf Vordermann bringen, Gäste einladen oder vielleicht sogar deine Emails checken.
  • Achte darauf, mindesten drei warme Mahlzeiten pro Tag zu dir zu nehmen und immer eine Kanne mit Tee oder Kraftsuppe griffbereit zu haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass du deine Verpflegung selbst zubereiten musst. Bitte deinen Partner oder eine Vertrauensperson, dich gut zu versorgen oder lasse dir noch vor der Geburt ein sogenanntes Meal-Train organisieren! Mehr dazu in unserem Tipp weiter unten.
  • Gibt es einen bestimmten Duft oder einen besonderen Song, der dich verlässlich in eine positive Stimmung versetzt? Dann nimm dir Zeit für dich, trage den Duft auf, schließ die Augen und atme ein paar Minuten tief durch. Vielleicht kennst du auch eine Meditationsreise oder Achtsamkeitsübung, die du gerne praktizieren möchtest?
  • Wenn dir danach ist, telefoniere mit einer Freundin! Ein paar Minuten mit einem lieben Menschen zu plaudern, der nicht in die Wochenbettsituation involviert ist, wird dich auf anderen Gedanken bringen.
  • Gönn‘ dir ein wenig Bequemlichkeit und lass dir vom Lieferdienst deines Vertrauens regelmäßig Speisen bringen oder nimm einen Bäcker-Zustellservice vor Ort in Anspruch, der dir schon früh am Morgen frisches Brot und Gebäck nach Hause liefert. Services wie HelloFresh bieten dir auch eine Lieferung angepasster Menüvorschläge die dein Partner oder du schnell zubereiten könnt.
  • Ja! Frisch gebackene Mamas dürfen auch einmal im Bett essen.
  • Dem Körper zuwenden: Lass dir von deinem Partner die Füße oder den Nacken massieren. Du selbst kannst mit kreisenden Bewegungen sanft über den Bauch streichen und ihn regelmäßig einölen. Das fördert Rückbildung und Wohlbefinden!

Der Meal-Train

Bitte eine Freundin, deine Doula oder eine Kollegin, dir ein „Meal-Train“ zu organisieren! Diese Idee, einen gut organisierten Versorgungsplan für das Wochenbett zu entwerfen, stammt von Kestrel Gates („Bau dein Nest“ – Das Arbeitsbuch fürs Wochenbett). Der grundlegende Gedanke ist, dass sich die frisch gebackenen Eltern nach der Geburt so viel wie möglich entspannen sollen, gleichzeitig ist es jedoch wichtig, gut zu essen. Also schlägt Gates die Erstellung eines umfassenden Koch- und Lieferplanes vor. Das funktioniert so: Eine vertraute Person (nicht die Schwangere selbst!) kümmert sich um Freunde, Familie, Nachbarn, Bekannte und KollegInnen, die die junge Familie in der ersten Zeit gerne unterstützen möchten, indem sie gekochte Mahlzeiten zur Verfügung stellen. Es gibt einen Wochenplan, der so viele Wochen wie möglich umfasst (üblicherweise 3-4 Wochen). An den einzelnen Tagen können sich alle Personen eintragen, die gerne kochen möchten. Sie können sich abwechseln oder die Familie geblockt versorgen (z.B. wenn eine Oma extra anreist, um im Wochenbett zu helfen).

Die Person, die das „Meal-Train“ organisiert, übernimmt gewissermaßen eine Vermittlerfunktion. Sie befragt die werdenden Eltern, wer in ihrem Umfeld gerne mitmachen möchte und kontaktiert die genannten Personen. Sie informiert die Teilnehmer am „Meal-Train“ auch über Wünsche, Bedürfnisse, Vorliebe und Allergien, die möglicherweise vorhanden sind. Außerdem gibt sie ein paar allgemeine Anregungen weiter, welche Lebensmittel in der Stillzeit erlaubt sind und welche Gerichte die Wöchnerin besonders stärken. Alle Teilnehmer sind eingeladen, ihre traditionellen Wochenbettspeisen einzubringen – so entsteht eine wunderbare Mischung an einfachen, ungewöhnlichen und traditionellen Gerichten.

Ein neues Körpergefühl

Es sind erst wenige Tage nach der Geburt vergangen: Wie geht es dir mit deinem veränderten Körper? Fühlt sich dein Bauch leer an? Machen dir die überschüssigen Kilos zu schaffen oder empfindest du deine weichen Rundungen als angenehm? Magst du deine Brüste, die sich immer wieder mit Muttermilch füllen? Hast du Schmerzen? Kannst du aufstehen oder machen dir die kleinsten Schritte schon Probleme? Ja, so eine Geburt verändert dein gesamtes Körpergefühl. Selbst nach der zweiten oder dritten Schwangerschaft nimmst du ungewohnte Empfindungen wahr. Wenn es dein erstes Kind ist, darfst du diese Erfahrung zum ersten Mal machen. Vielleicht fällt es dir leicht, vielleicht auch schwerer. Versuche die Veränderung für den Moment anzunehmen und dir zu sagen „Es ist, wie es ist.“ Jetzt ist nicht die Zeit für Körperoptimierung. Es ist die Zeit, dich zu erholen und dein Baby zu versorgen (das ist unter uns gesagt auch nicht nur Entspannung, sondern auch Arbeit).

Tipp: Kennst du Belly Binding? Es handelt sich hierbei um eine Wochenbetttradition aus dem asiatischen Raum. Bauch und Rumpf werden von einem langen weichen Tuch umhüllt, das mit vielen einzelnen Knoten an der Vorderseite deines Körpers befestigt wird. Manchmal wird auf den Bauch auch ein Öl oder eine wärmende Paste aufgetragen, die zusätzlich die Durchblutung fördert. Belly Binding ist ein Verschließungs- und Heilritual, das dir dabei helfen soll, den Veränderungen deiner Körpermitte liebevoll zu begegnen. Es wird von einer Doula, einer Hebamme oder einer Person durchgeführt, die mit diesem speziellen Ritual vertraut ist.

Hebammen-Hausbesuche

Ein wichtiger Bestandteil in der ersten Zeit im Wochenbett sind die täglichen Hausbesuche deiner Nachsorgehebamme. Du hast Anspruch auf fünf Hausbesuche nach der Geburt (vom ersten bis zum fünften Tag). Bei Bedarf (wie z.B. Stillproblemen oder Probleme bei der Rückbildung) sind noch sieben weitere Besuche vom sechsten Tag bis zur achten Woche nach der Entbindung möglich. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Wenn du eine Wahlhebamme engagierst, musst du vorerst selbst für die Kosten aufkommen, kannst die Rechnung jedoch bei der Sozialversicherung einreichen. Die Erstattung beträgt üblicherweise 80% des Kassentarifs für gleichwertige Hebammenleistungen.

Und das macht eine Hebamme bei ihren Visiten im Wochenbett:

  • Sie erkundigt sich nach dem Wochenfluss und kontrolliert die Rückbildung der Gebärmutter.
  • Ebenso sieht sie sich den Heilungsverlauf von Geburtsverletzungen (z.B. einem Dammschnitt) an und kümmert sich um deine Kaiserschnittnarbe, wenn du eine Schnittentbindung hattest.
  • Stillen ist ebenfalls ein großes Thema. Die Hebamme wird dir Ratschläge zum richtigen Anlegen geben und dir helfen, falls es Probleme wie Brustentzündung, wunde Brustwarzen oder Milchstau gibt.
  • Die Hebamme kontrolliert natürlich auch den Gesundheitszustand des Babys. Sie wird es wiegen, die Abheilung des Nabels begutachten und dahingehend beobachten, ob es Anpassungsstörungen gibt. Bei Anzeichen auf Neugeborenengelbsucht wird sie ebenso reagieren wie bei Entwicklungsstörungen oder anderen Erkrankungen.
  • Idealerweise nimmt sich deine Nachsorgehebamme auch Zeit für ein Gespräch. Sie gibt dir die Möglichkeit, noch einmal über die Geburt zu sprechen oder darüber, was dich gerade bewegt.
  • Wenn die frisch gebackenen Eltern das möchten, unterstützt sie dabei, eine Pflegeroutine für das Neugeborene zu entwickeln. Sie ist vielleicht beim ersten Babybad dabei und gibt euch Tipps bei banalen Hauterkrankungen wie beispielsweise Milchschorf.

Rückbildung

Wir sind in der zweiten Wochenbettwoche angekommen, dein Körper benötigt jedoch noch viel mehr Zeit, um sich zu erholen. Schließlich warst du neun Monate schwanger und alles darf ich jetzt wieder auf den nicht schwangeren Zustand einstellen. Die Gebärmutter bildet sich zurück, Geburtsverletzungen verheilen – akute Schmerzen haben sich einige Tage nach der Entbindung schon ein wenig gebessert.

Wundpflege

Am besten können deine Geburtswunden verheilen, wenn du die betroffenen Körperbereiche so gut wie möglich schonst. Fühlst du gelegentlich noch eine Schwellung, helfen kühle Auflagen oder Binden mit kleinen Coolpacks aus dem Kühlschrank. Das Fadenmaterial einer Naht löst sich im Normalfall schon in der ersten Wochenbettwoche, die Wunde muss also nur mehr von selbst ausheilen. Wenn dir eine Salbe oder Creme verordnet wurde, vergiss nicht auf regelmäßiges Einschmieren. Auch Dampfbäder (Vaginal Steaming) können helfen, sofern sie unter fachkundiger Anleitung durchgeführt werden. Kaiserschnittnarben bitte immer nur mit sauberen Händen angreifen und mit der entsprechenden Narbensalbe pflegen, die dir auf der Wochenbettstation empfohlen wurde. Nach einigen Tagen kannst du die Narbe auch sanft mit einem neutralen Öl massieren – dadurch werden die Durchblutung des Gewebes und die Wundheilung gefördert.

Wochenfluss

Die Intensität und das Aussehen deines Wochenflusses verändern sich. Die Blutung ist nicht mehr dunkelrot, sondern eher rot-braun (lochia fusca), so wie du es vielleicht von der Regelblutung auch kennst. Es kann kurzzeitig eine größere Menge Wochenfluss austreten, wenn du stillst (da sich beim Anlegen auch die Gebärmutter zusammenzieht) Wir möchten an dieser Stelle auf einen möglichen Wochenflussstau hinweisen. Wenn du bemerkst, dass wenig bis kaum Wochenfluss kommt, du vielleicht Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Fieber hast, wende dich unverzüglich an deine Hebamme oder deinen Arzt.

Gebärmutter

Sie hat in den letzten neun Monaten wahre Wunder vollbracht und im Wochenbett ist es ihre Aufgabe, sich wieder auf die Ausgangsgröße zurückzubilden. Im Laufe der Tage verkleinert sie sich, dadurch wird auch die Wundfläche kleiner, der Wochenfluss geringer. Bei ihren Hausbesuchen kontrolliert deine Hebamme den Rückbildungsprozess. Dazu tastet sie die Lage der Gebärmutterkuppe, den sogenannten Fundusstand. Etwa zehn Tage nach der Geburt steht die Kuppe etwas oberhalb des Schambeinbogens.

Tipp: Leichte Kontraktionen sind normal und ein gutes Zeichen dafür, dass sich deine Gebärmutter zurückbildet.

Sexualität & Paarbeziehung

Das Schöne an der zweiten Wochenbettwoche ist, dass ihr es euch mittlerweile schon in den eigene vier Wänden gemütlich machen könnt. Es ist für alle ein besonderer Moment, wenn das Baby zum ersten Mal in sein neues Zuhause kommt, wenn das Beistellbett zum ersten Mal genutzt wird und man endlich die Wickelkommode einweiht.

Gebt euch Zeit, um euch mit der ungewohnten Konstellation anzufreunden. Vor der Geburt habt ihr eure Paarintimität genossen, nun ist vieles anders. Auch bereits bestehende Familiensysteme mit Geschwisterkindern dürfen sich nun neu ausrichten. Jeder und jede wird sich in einer neuen Rolle einfinden und im Laufe der Wochen entwickelt sich dann ein Rhythmus, der bald zur Gewohnheit wird. Seid euch dessen bewusst, dass es sich hier um eine sensible Phase handelt. Es ist der Übergang vom Liebespaar zum Ehepaar oder von der Kleinfamilie zur Familie mit mehreren Kindern. Ihr habt nun die Verantwortung für das Wohlergehen eines kleinen Wesens übernommen, das vollkommen auf eure Fürsorge angewiesen ist. Wenn es weint oder gewickelt werden muss, dann gilt es persönliche Befindlichkeiten für den Moment zurückzustellen, seine Tätigkeit oder vielleicht ein Gespräch mit dem Partner zu unterbrechen, um das Baby umsorgen zu können.

Für frisch gebackene Mamas kommt der körperliche Aspekt hinzu. Sie müssen sich von den Strapazen der Geburt erholen, Geburtsverletzungen schmerzen vielleicht noch und auch das Stillen ist am Anfang ungewohnt. Alles in allem ist das Wochenbett also eine magische, aber auch eine krisenanfällige Zeit. Daher plädieren wir für viel Ruhe, Zuneigung und gegenseitiges Verständnis.

Alltag? – Bitte warten!

Wie wichtig Ruhe ist, haben wir an dieser Stelle ja schon mehrfach erwähnt. Und gerne tun wir es noch einmal. Im Frühwochenbett hat der Alltag keinen Platz, schafft euch einen heiligen Raum, um euch kennenzulernen und anzukommen.  Eine Versorgung mit guten und nahrhaften Mahlzeiten habt ihr hoffentlich organisiert, gewaschen wird nur das Notwendigste und der Haushalt muss vorerst auch einmal nicht perfekt sein.

Genauso wie der Alltag sollten auch Besucher eine Pause einlegen. Es ist mehr als verständlich, dass Oma, Opa, Tante und die beste Freundin es nicht erwarten können, den neuen Erdenbürger kennenzulernen. Wöchnerinnen sollten sich davon jedoch nicht unter Druck setzen lassen. Beschränke Besuche auf ein zeitliches Ausmaß, das dir gut tut, und bitte gleichzeitig jeden Besucher, dass er etwas zu Essen oder einen Kuchen mitbringen soll. Die Organisation der Besuche kann dein Partner oder die Doula übernehmen, damit du dich vollkommen ausruhen kannst. Scheue dich nicht davor es auszusprechen, wenn es dir zu viel wird oder du dich einfach nicht nach Gesellschaft fühlst. Du bist nur dir selbst, deinem Partner und deinem Baby verpflichtet – Oma und Opa freuen sich vorerst bestimmt auch über Fotos und die Information, dass ihr das Wochenbett und die Ruhe genießt.

Partner-Tipp:

Manchmal fühlen sich Väter gerade zu Beginn ein wenig hilflos. Sie übernehmen den Haushalt, kochen, kümmern sich um die Wäsche und sind erste Anlaufstelle für die Bedürfnisse der Geschwisterkinder. Die Rollen kehren sich für eine gewisse Zeit um. Deine Partnerin ist mit Stillen, Erholen und der Versorgung des Babys beschäftigt. Es liegt nun an dir, den Betrieb in den eigenen vier Wänden gewissermaßen am Laufen zu halten. Selbst wenn du nur ein oder zwei Wochen Urlaub/Papa-Zeit nehmen konntest, werden einige Aufgaben für den Abend liegen bleiben, da sich deine Partnerin in den ersten Wochen hauptsächlich eurem Nachwuchs widmet.

Wir empfehlen allen Männern, sich ein Papa-Ritual zu überlegen. Es handelt sich hierbei um eine Aktivität, die der Papa allein mit dem Neugeborenen machen kann, z.B. jeden Tag einen Spaziergang, eine ausgedehnte Badeeinheit oder einfach gemeinsames Kuscheln. Solche regelmäßig durchgeführten Rituale helfen Männern dabei, eine Bindung zu ihrem Baby aufzubauen. Positiver Nebeneffekt: Die frisch gebackene Mama wird für diese Zeit entlastet. Sie kann in Ruhe duschen, eine Tasse Tee trinken, mit einer Freundin telefonieren oder ein Nickerchen machen. Der Papa hat außerdem das Gefühl, dass er seine Partnerin tatsächlich unterstützen kann und das tut er auch! Ein paar Minuten Loslassen können – das ist für Mamas im Wochenbett Gold wert. Und: Paare haben wieder etwas gemeinsam im teils chaotischen Wochenbettalltag. Sie kümmern sich umeinander und um den Nachwuchs. So funktioniert Teamwork, das glücklich macht!

Über Glücksgefühle und Stimmungstiefs

Wir wünschen dir, dass du auch zwei Wochen nach der Geburt noch vollkommen überwältigt von diesem einzigartigen Erlebnis bist. Sei stolz auf das, was du geschafft hast und nimm die Liebe zu deinem Kind mit jeder Faser deines Körpers wahr. Aus einem Liebespaar ist nun ein Elternpaar geworden du siehst deinen Partner in einem anderen Licht. Gemeinsam den Weg der Geburt zu gehen, schweißt zusammen, es verbindet zwei Menschen lange über das eigentliche Ereignis hinaus. Es kann nun gut sein, dass du mehr Klarheit darüber bekommst, wie denn die Geburt deines Babys verlaufen ist. Du bist in deinem sicheren Zuhause, es gibt so etwas wie eine Alltagsroutine hinsichtlich der Versorgung des Babys und du gönnst dir (hoffentlich!) ausreichend Ruhepausen.

Wenn es still wird in dir, kommen vielleicht Erinnerungen an die Geburt oder Gefühle hoch, die dir bisher nicht bewusst waren. Im Falle eines traumatisierenden Erlebnisses raten wird dir unbedingt dazu, mit deiner Hebamme und/oder deiner Doula noch einmal über die Entbindung zu sprechen. Lass dir erzählen, wie deine Geburtsbegleiter die Situation erlebt haben – sie können auch gewisse Erinnerungen auffrischen, die dir verloren gegangen sind. Sprich auch mit deinem Partner. Gerade bei negativen Erlebnissen sind auch Männer sehr mitgenommen. Sie fühlen sich hilflos, haben Angst um Frau und Kind und können oft nicht begreifen, wie es zu einer dramatischen Geburtssituation gekommen ist. Reden hilft!

Wichtig: Sollten die Gespräche mit dir nahestehenden Personen nicht ausreichen oder du dich zunehmend mutloser und schlechter fühlen, ist es wichtig, um professionelle Hilfe zu bitten. Es gibt TherapeutInnen, die auf die Zeit nach der Geburt und Traumata spezialisiert sind. Sie unterstützen dich dabei, die Geburt aufzuarbeiten und in gewisser Hinsicht deinen inneren Frieden damit zu machen. Eines wollen wir hier natürlich nicht vergessen: Gerne dürfen und sollen auch die vielen schönen Gefühle geteilt werden, die du rund um die Geburt erlebt hast. Sprich mit anderen darüber, wie stolz und mutig du an deine Grenze gegangen bist und sei dir dessen bewusst, wie viel „Mutter sein“ du schon allein in den Akt der Geburt gelegt hast.

Den Körper lieben

Mittlerweile sieht dein Körper anders aus als während der Schwangerschaft. Vielleicht hast du noch einen großen Bauch, vielleicht hat sich aber vieles schon zurückgebildet. In der zweiten Wochenbettwoche solltest du dir keinesfalls den perfekten After-Baby-Body erwarten. Die Haut und die Muskulatur sind noch schlaff, die Gebärmutter noch nicht vollständig rückgebildet. Wassereinlagerungen gehen langsam zurück und auch deine Brust hat sich verändert, seitdem du dein Baby stillst. Manche Frauen fühlen sich nach so langer Zeit auch leer und unvollständig. Andere wiederum hadern mit ihrem neuen Aussehen und damit, kaum Zeit für Selbstfürsorge zu haben.

So paradox es auch klingen mag: Gerade jetzt ist Self-Care unglaublich wichtig. Nimm dir jeden Tag zumindest ein paar Minuten Zeit, um wieder bei dir selbst anzukommen. Gönn dir eine Dusche und öle deine Haut anschließend ein, bedanke dich innerlich bei deinem Körper für das Wunder, das er hervorgebracht hat. Wohltuend sind auch:

  • Bauchmassagen
  • Anwendungen mit dem Rebozo-Tuch
  • Aromatherapie
  • Vaginal Steaming
  • Abschlussrituale (z.B. Belly Binding)
  • Sanfte Yoga-Einheiten (nur in Absprache mit deiner Hebamme/deinem Gynäkologen)

Wenn wir uns gut fühlen, kommen wir zurück in unsere Mitte und können das Hier und Jetzt leichter annehmen. Ja, dein Körper mag im Moment nicht perfekt sein. Dort ist eine Delle zu sehen, der Bauch hängt, der Busen wirkt überdimensional groß und am Oberschenkel zeigt sich vielleicht ein Dehnungsstreifen. Aber weißt du was, du hast ein Lebewesen auf die Welt gebracht, du hast deinem Kind das Leben geschenkt. Und genau das solltest du feiern, denn es ist so viel mehr wert als das perfekte Aussehen.

Organisatorisches – Behördenwege – Checkbox

Kurz müssen wir euch aus eurer Wochenbettblase holen. Damit ihr euch jedoch nicht zu lange mit organisatorischem Kleinkram befassen müsst, haben wir die wichtigsten To Dos nach der Geburt zusammengefasst:

  1. Nach erfolgter Geburtsanzeige (durch das Krankenhaus oder die Hebamme) ist eine Geburtsurkunde für euer Kind zu beantragen. Dafür wendest du dich an dein zuständiges Magistrat oder das Gemeindeamt. Achtung: Ab der Geburt muss die Meldung innerhalb von sieben Tagen gemacht werden.
  2. Im Zuge der Beantragung der Geburtsurkunde meldest du dein Kind direkt an eurem Wohnsitz an, ebenso solltest du einen Staatsbürgerschaftsnachweis
  3. Wer möchte, kann theoretisch auch gleich einen Reisepass für das Kind ausstellen lassen. Passfotos mit Neugeborenen im Wochenbett anzufertigen, davon raten wir aber aufgrund des erhöhten Stresslevels ab. Wenn es nicht unbedingt sein muss, empfehlen wir dir, den Reisepass für dein Kind zu machen, wenn es schon ein wenig älter ist.
  4. Die Geburt des Kindes muss bei der Sozialversicherung/ÖGK gemeldet werden.
  5. Den Antrag auf Kinderbetreuungsgeld kannst du ebenfalls schon einbringen. Die Auszahlung erfolgt (je nach gewählter Variante) anschließend an die Auszahlung des Wochengeldes nach der Geburt.

Für gleichgeschlechtliche Paare

Selbstverständlich ist es auch gleichgeschlechtlichen Paaren möglich, eine Familie zu gründen. In welcher Form der Nachwuchs jedoch in die Familie kommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Für lesbische/queere Frauen ist es ein wenig einfacher, da vermutlich eine oder beide Partner*innen grundsätzlich die Fähigkeit mitbringen, ein Kind zu gebären. In gleichgeschlechtlichen Beziehungen lebende Männer benötigen eine Leihmutter oder greifen auf Alternativen zurück, wenn eine natürliche Elternschaft nicht möglich ist. Entsteht ein Kind auf natürlichem Weg, ist es an der biologischen Mutter, Geburtsurkunde und Staatsbürgerschaftsnachweis zu beantragen sowie das Kind am Wohnsitz anzumelden. Die Partner*in, ebenfalls Mutter des Kindes, kann als zweiter Elternteil festgelegt werden, wenn beide in eingetragener Partnerschaft leben oder verheiratet sind.

Wer sich in einer Lebensgemeinschaft befindet, kann die gemeinsame Obsorge beantragen. Für eine Adoption oder die Übernahme einer Pflegeelternschaft gelten wiederum andere Regeln. Damit ihr in dieser emotionalen Zeit auf der sicheren Seite seid, empfehlen wir, euch schon im Vorfeld entsprechend beraten zu lassen. Es gibt JuristInnen, die sich auf die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren und sogenannten Regenbogenfamilien spezialisiert haben. Ebenso kannst du dich an entsprechende Beratungsstellen z.B. vom Verein FAmOS, wenden.

Experten-Überprüfung durch

Hebamme Martina Tauß

Seit 2002 ist Martina Tauß Hebamme mit Herz und gibt schon seit 18 Jahren Geburtsvorbereitungskurse. Als Hypnobirth Expertin, Hypnosecoach, Mentaltrainerin und Mama von drei Kindern bereitet sie entspannt auf die Geburt vor. Mehr über Hebamme Martina erfährst du hier.

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