Die erste Woche nach der Geburt

Genaugenommen beginnt das Wochenbett direkt nach der Geburt deines Babys oder der Plazenta. Die erste Phase dauert etwa sieben Tage und wird daher auch als Frühwochenbett bezeichnet. Nach der Entbindung wirst du gemeinsam mit deinem Baby auf die Wochenbettstation verlegt – dort verbringst du drei bis sieben Tage (je nachdem, wie die Geburt verlaufen ist, ob es ein Kaiserschnitt war oder ob es Komplikationen gegeben hat). Das bedeutet also, eine gewisse Zeit des Frühwochenbetts bist du im Spital. Außer du hattest eine Hausgeburt/ambulante Entbindung – dann kuschelst du dich in den ersten Tagen nach der Geburt schon in deinen eigenen vier Wänden ein.

Mama-Baby

Nun ist es geschafft: Ihr habt die Geburtsreise bewältigt mit all ihren Höhen und Tiefen. Du bist an deine Grenzen gegangen und vermutlich darüber hinaus. Dein Partner hat dich unterstützt, ist dir zur Seite gestanden, hat deine Hand gehalten. Welchen Herausforderungen auch immer ihr euch stellen musstet, jetzt ist es Zeit, loszulassen und euer Babyglück einfach zu genießen. Auf jeder Geburtenstation gelten unterschiedliche Routinen – Hebammen, GynäkologInnen und Pflegepersonal verfolgen nach Entbindungen jenen Ablauf, der sich intern bewährt hat. Im Rahmen von Informationsveranstaltungen oder persönlichen Gesprächen solltest du dich schon vorab erkundigen, wie es in den ersten Stunden nach der Geburt für dich und dein Baby weitergeht. Bei einer komplikationslosen vaginalen Geburt wird dir dein Baby üblicherweise gleich auf den Bauch oder an deine Brust gelegt. Ihr könnt kuscheln und euch kennenlernen.

Bonding

In einer gemeinsamen Erklärung der UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden zehn Schritte festgelegt, die dem Baby ein gutes Ankommen in dieser Welt sowie einen gelungenen Stillstart gewährleisten sollen. Diese zehn Kriterien müssen zudem von all jenen Spitälern erfüllt werden, die das Zertifikat „Stillfreundliches Krankenhaus“ tragen (möchten). Schritt Vier beschreibt das Bonding nach der Geburt. Das Stationspersonal ist angehalten, wenn das Baby das Licht der Welt erblickt hat, einen unverzüglichen Hautkontakt zwischen Mutter und Kind noch vor dem ersten Stillen zu ermöglichen. Dieser Prozess wird Bonding genannt. Es handelt sich um einen Vorgang, der dir hilft, eine intensive Bindung zu deinem Neugeborenen aufzubauen. Umgekehrt erleichtert es deinem Baby, den Übergang vom geschützten Mutterleib in die „neue“ Welt. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen mittlerweile die positiven Effekte des Bondings im Klinikalltag:

  • Intensiver Hautkontakt erleichtert den Stillbeginn
  • Bonding fördert die Rückbildung der Gebärmutter
  • Die Bindung zwischen Mutter und Kind wird gestärkt. Die Mutter gewinnt an Selbstvertrauen und Sicherheit, das Neugeborene erlebt Geborgenheit in einer noch fremden Welt.
  • Babys, die beim frühen Bonding unterstützt werden, weisen einen allgemein besseren Gesundheitszustand auf. Es fällt ihnen leichter, die eigene Körpertemperatur zu regulieren (sie orientieren sich dabei an der Mutter), sie haben bessere Blutzuckerwerte und zeigen häufiger ein effektiveres Saugverhalten an der Brust.

Tipp: Nach der Entbindung gibt es ein paar Routinetätigkeiten, die von der Hebamme oder dem Klinikpersonal auf der Geburtenstation durchgeführt werden. Dazu zählen die Feststellung des Gesundheitszustandes deines Babys (APGAR-Test), die erste Untersuchung nach dem Mutter-Kind-Pass, die Bestimmung der Blutgruppe und des pH-Werts (aus dem Nabelschnurblut), die Ermittlung von Größe, Kopfumfang und Gewicht. Möglicherweise gibt es auch bei dir Geburtsverletzungen, die noch medizinisch versorgt werden müssen.

Wir empfehlen dir, vorab zu klären, ob ein frühes Bonding unterstützt wird. Das bedeutet, alle Routinetätigkeiten ruhen in den ersten 1-2 Stunden nach der Geburt. Erst dann wird dein Baby untersucht oder gebadet. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sowohl dein als auch der Gesundheitszustand des Kindes dies zulässt und keine medizinisch notwendigen Interventionen gesetzt notwendig sind. Idealerweise wird dein Baby überhaupt nur abgetupft und anschließend mit einem warmen Handtuch bedeckt auf deinen Bauch gelegt.

Nach einer gewissen Zeit wird es damit beginnen, deine Brustwarze zu suchen. Viele Babys robben sich regelrecht zur Brust der Mutter. Der Geruch der Fruchtwasserreste an ihrem Finger hilft ihnen dabei, die Brustwarze zu finden und die Mutter (wieder) zu erkennen. Dein Partner/deine Begleitperson dürfen beim ersten Bonding natürlich nicht fehlen. Zwei bis drei Stunden nach der Entbindung erfolgt dann die Verlegung auf die Wochenbettstation.

Sectio – Bonding: Hautkontakt nach dem Kaiserschnitt

Mittlerweile weiß man, dass intensives Bonding auch nach einer Schnittentbindung angestrebt werden soll. Dazu gibt es seit Juni 2020 auch eine aktualisierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). Auf Geburtenstationen ist das Operationsteam angehalten, den Hautkontakt zwischen Mutter und Neugeborenen zu früh wie möglich zu fördern. Auch wenn es sich um eine Operation im Bauchraum handelt, gibt es Möglichkeiten, um das Kind direkt nach dem Eingriff auf den Körper der Mutter zu legen. Der Hautkontakt fördert die Mutter-Kind-Bindung und unterstützt das erste Anlegen an die Brust, welches sich nach einem Kaiserschnitt mitunter schwierig gestalten kann. Außerdem haben Babys nach einem Kaiserschnitt üblicherweise eine geringere Körpertemperatur – das Haut-an-Haut Gefühl hilft ihnen dabei, die Temperatur zu regulieren und sich an die Außenwelt anzupassen. Bei einem geplanten Kaiserschnitt empfiehlt es sich ebenfalls, im Vorfeld mit dem Geburtshilfe-Team zu sprechen und deinen Wunsch nach frühem Bonding zu deponieren. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass du wach und orientiert bist, auch das Neugeborene soll in einem guten Zustand sein, damit Bonding ermöglicht werden kann.

Hinweis zum Stillen

Kaiserschnitt und Stillen schließen sich nicht aus. Je früher du dein Baby anlegst, desto besser wird die Milchproduktion angekurbelt. Bitte auf der Entbindungsstation darum, dass dir direkt nach dem Kaiserschnitt eine erfahrene Hebamme oder eine Stillberaterin zur Seite gestellt wird. Das Kolostrum kann beispielsweise zu Beginn auch manuell gewonnen werden, wenn dein Baby noch zu schwach ist, um an der Brust zu saugen. Hebamme und Stillberaterin leiten dich an und unterstützen dich, eine Anlegetechnik zu finden, bei der die Operationsnarbe geschont wird.

Ein neues Körpergefühl

Direkt nach der Entbindung überkommt dich gewissermaßen ein Rausch der Hormone. Du hast ein Kind zur Welt gebracht, das nun gesund in deinen Armen liegt. Zurecht bist du stolz auf dich und überglücklich, dass nun alles geschafft ist. Die Hormone spielen während der Geburt eine wesentliche Rolle: Prostaglandin, Endorphine, Oxytocin, Östrogene und viele andere Botenstoffe sorgen dafür, dass sich dein Kind unter Wehen durch den Geburtskanal schiebt und du vom Wehenschmerz nicht übermannt wirst. Unmittelbar nach der Geburt befindest du dich noch in einem Endorphin-Hoch – das verstärkt dein natürlich vorhandenes Glücksgefühl. Wird die Plazenta geboren, fällt ein maßgeblicher Hormonproduzent weg und dein Körper stellt sich langsam auf den nicht (mehr) schwangeren Zustand ein. Vielleicht hast du Stimmungsschwankungen, vielleicht bist du überfordert oder einfach nur müde, möglicherweise fällt es dir auch schwer zu akzeptieren, dass dein Baby nun eben nicht mehr deinen Bauch füllt. Alle Empfindungen sind normal und dürfen sein. Sprich mit deinem Partner, einer Doula/Freundin oder deiner Hebamme darüber. Der Austausch hilft dir dabei, die Geburt aufzuarbeiten und gelassener mit deiner aktuellen Gefühlslage umzugehen.

Nicht nur deine emotionale Befindlichkeit, auch dein körperlicher Zustand verändert sich nach der Geburt – du gehst direkt in die Rückbildungsphase über. Maßgebliche Umstellungen sind:

Wochenfluss

Im Zuge der Nachgeburt löst sich die Plazenta von der Gebärmutterhöhle. Zurück bleibt eine offene Wunde, die Sekret, Blut und Geweberückstände absondert. Diese werden als Wochenfluss (Lochien) ausgeschieden. In der ersten Woche ist die Blutung sehr intensiv und farblich tiefrot (Lochia rubra). Hebamme Martina Tauss ergänzt:Auch kleine oder große Blutkoagel (bis zur Größe einer Faust) können in den ersten Tagen abgehen. Manche Frauen schrecken sich, wenn sie duschen gehen oder aufstehen und dann so ein großes Gerinnsel sehen. Sie befürchten vielleicht eine Verletzung und dass es sich hierbei um ein Stück Plazenta handeln würde. Das ist aber nicht der Fall – die Blutkoagel sind zu diesem Zeitpunkt ganz normal“.

Du benötigst daher dicke saugfähige Einlagen und eine große angenehme Baumwollunterhose oder mehrere Einmalslips, z. B. aus Netzstoff. Die bekommst du direkt nach der Entbindung oder legst dir nach einer Hausgeburt/ambulanten Geburt einen Vorrat daheim zurecht. Nach einem Kaiserschnitt ist der Wochenfluss nicht so stark, Binden oder Vorlagen benötigst du dennoch.

Hebammentipp: Auch Periodenunterwäsche erfreut sich im Wochenbett immer größerer Beliebtheit.

Achtung: Tampons sind tabu, da sie einen Rückstau von Blut und Gewebe verursachen könnten. Es empfiehlt sich den Wochenfluss (wie der Name schon sagt) auf natürliche Art und Weise fließen zu lassen. Wenn du möchtest, kannst du dir eine saugfähige Unterlage oder ein dickes Handtuch auf dein Bett oder dein Sofa legen, falls einmal etwas daneben gehen sollte.

Der Wochenfluss hat einen ungewohnten Geruch, da es sich um Wundsekret aus deinem Innersten handelt. Er sollte jedoch nicht übel oder scharf beißend riechen – das könnte auf eine Infektion hindeuten. Wende dich in so einem Fall an deinen Arzt oder deine Hebamme. Apropos: Die Hebamme wird sich sowohl im frühen Wochenbett als auch in den weiteren Wochen nach deinem Wochenfluss erkundigen. Das gibt ihr Auskunft über den Zustand der Wundheilung an der Gebärmutterwand.

Milchbildung/Stillen

Dein Körper ist ein wahres Wunder der Natur. Kaum ist dein Baby auf der Welt, stellt er sich auf die Versorgung des kleinen Wesens ein. Milch wird bereits während der Schwangerschaft in den Drüsen gebildet, direkt nach der Geburt erhält dein Kind das sogenannte Kolostrum. Diese Vormilch ist sehr reichhaltig, eher gelblich und dickflüssig. Sie enthält wichtige Antikörper, Nährstoffe und spezielle Stoffe, die den empfindlichen Darm deines Babys schützen. Mit dem Kolostrum überbrückt ihr gewissermaßen die Zeit bis zum Einschuss der reifen Muttermilch. Mittlerweile weiß man, dass jeder Tropfen Kolostrum wertvoll ist und dem Neugeborenen zugutekommt. Solltet ihr also nach der Geburt getrennt werden müssen, empfiehlt es sich dennoch, Kolostrum aus deiner Brust zu gewinnen und es deinem Baby zur Verfügung zu stellen, z.B. mit einer Pipette oder einem Finger Feeder.

Je nach Geburtsverlauf und Stillstart kommt es zwei bis fünf Tage nach der Geburt zum Einschuss der Muttermilch. Möglicherweise fühlen sich deine Brüste sehr prall und unangenehm gespannt an, manche Mütter verspüren auch einen leichten Schmerz beim ersten Ansaugen des Kindes an der Brust. Wichtig ist, dass du in dieser Zeit regelmäßig stillst (etwa alle zwei-drei Stunden). Dadurch wird die Milchproduktion angekurbelt und die Brust immer schön entleert, das wiederum beugt einem Milchstau vor.

Tipp: Mach dir keine Sorgen, wenn die Milch nicht „pünktlich“ zu fließen beginnt. Häufig steigert sich die Produktion der Milchmenge auch erst dann, wenn du vom Wochenbett im Krankenhaus ins häusliche Wochenbett wechselst. In den eigenen vier Wänden gelingt es dir noch einmal besser, dich zu entspannen. Die Milch fließt dann von ganz allein. Sollte es dennoch Schwierigkeiten geben, scheue dich nicht davor, im Spital nach einer stillzertifizierten Hebamme zu fragen oder eine Stillberaterin auf die Wochenbettstation einzuladen! Gerade am zu Beginn ist eine einfühlsame kompetente Unterstützung beim Stillen so wertvoll.

Nachwehen

Man könnte sie als Wehen „light“ bezeichnen, auch wenn sie von jeder Frau als unterschiedlich stark empfunden werden. Direkt nachdem dein Baby das Licht der Welt erblickt hat, kommt es zur Nachgeburtsphase. Die Nachwehen sorgen dafür, dass sich die Plazenta löst und ebenfalls geboren wird. Wie lange die Nachgeburt dauert, lässt sich pauschal nicht sagen. Bei manchen Frauen löst sich die Plazenta innerhalb von 30 Minuten, bei anderen dauert es eine Stunde oder länger. Sei dir dessen bewusst, dass auf Geburtenstationen stets Zeitdruck herrscht. Es kann also sein, dass man die Geburt der Plazenta durch ein intravenös verabreichtes wehenförderndes Mittel beschleunigen möchte. Manchmal hilft auch für manuelle Krafteinwirkung auf den Bauchraum oder ein leichtes Ziehen an der Nabelschnur. Auch Akupunktur oder das Entleeren der Harnblase können die Ablösung der Plazenta unterstützen. Im Hinblick auf eine sanfte Geburt wäre es jedoch wünschenswert, der Plazenta die Zeit zu geben, die sie eben benötigt, um sich zu lösen.

Tipp: Wenn du dein Baby kurz nach der Geburt anlegst, wird durch das Ansaugen die Gebärmutter aktiviert. Dadurch kontrahiert sie, das wiederum unterstützt die Nachgeburt.

Geburtsverletzungen

Als Geburtsverletzungen im klassischen Sinn bezeichnet man Verletzungen der äußeren und inneren Intimbereiches, die im Zuge der Entbindung oder aufgrund eines medizinischen Eingriffes in den Geburtsverlauf (Saugglocke, Dammschnitt) entstanden sind. Bei einem Dammriss gibt es unterschiedliche Grade und danach richtet sich der jeweilige Heilungsverlauf. Dammrisse ersten Grades sind beispielsweise oberflächlich und werden zumeist vernäht und nur selten lässt man sie von selbst abheilen. Das gilt ebenso für Risse in den Schamlippen (Labienrisse). Dammschnitte werden heutzutage nur mehr gezielt eingesetzt und danach mit mehreren Nähten in unterschiedlichen Schichten verschlossen.

Hebamme und Expertin Martina Tauss klärt über die Dammnaht auf: „Wird der Damm vernäht, geschieht dies tatsächlich schichtweise und in Feinarbeit. Man vernäht drei Schichten: die muskuläre Schicht, die Schleimhautschicht und außen die Hautschicht. Da müssen viele einzelne Nähte gesetzt werden und das nimmt einfach Zeit in Anspruch. Betroffene Frauen haben dann oft das Gefühl, dass die Geburtsverletzung besonders groß wäre. Dann ist es gut zu verstehen, dass das Setzen der Nähte einfach viele Einzelschritte erfordert und das schon einmal länger als eine halbe Stunde dauern kann.“

Die Nähte lösen sich nach einigen Tagen auf, anschließend benötigt das Gewebe noch ein wenig Zeit, um zu verheilen. In den ersten Tagen nach der Entbindung ist dein Intimbereich ohnehin sehr empfindlich, je nach Art der Verletzung hast du vielleicht auch etwas Schmerzen. Es empfiehlt sich, die Wunde zu kühlen (z. B. mit kleinen Cool-Packs oder einer Binde, die zuvor im Eisfach war), sie regelmäßig zu spülen und die verheilten Stellen regelmäßig mit einer entsprechenden Salbe einzucremen.

Verstopfung

Verstopfung: Möglicherweise ist dein Darm nach der Geburt sehr träge oder du leidest unter Verstopfung. Das kann auch sehr schmerzhaft sein und dein Wohlbefinden beeinträchtigen. Vor allem beim ersten Stuhlgang nach der Geburt fällt es Frauen manchmal schwer, auf aufsich auf der Wochenbettstation zu entspannen. Andere scheiden rund um die Geburt/nach einem Einlauf viel Stuhl aus, sodass es ohnehin ein paar Tage braucht, bis sich der Darm wieder füllt. Achte in der Zeit auf eine ausgewogene Ernährung und viel Flüssigkeit.

Hebammentipp von Martina Tauss: Laut TCM sollten Wöchnerinnen vor allem warme Flüssigkeit zu sich nehmen und kalte Getränke meiden. Zu viel und zu kalte Flüssigkeit macht die Verdauung träge, da der Körper sehr viel Aufwand betreiben muss, um die Flüssigkeit zu erwärmen. Die Energie, die er da aufbringt, fehlt dann in weiterer Folge im Verdauungsprozess. Ich empfehle den Wöchnerinnen auch gerne, so viele gekochte und warme Mahlzeiten wie möglich. Ebenso unterstützen Magnesium, Bewegung und die Schüsslersalze Nr. 7 („Die Heiße Sieben“). Sollten die Schmerzen für dich zu unangenehm werden, bitte das Pflegepersonal um ein leichtes Abführmittel oder einen Klistier zur Selbstanwendung.

Tipp: Es ist verständlich, dass sich der erste Stuhlgang nach der Geburt eigenartig anfühlt und du vielleicht Angst hast, durch deine Geburtsverletzungen beeinträchtigt zu werden. Versuche dennoch locker zu lassen und anstatt zu pressen (was du ohnehin vermeiden solltest), einfach zu atmen. Laut Hebamme Martina Tauss bewährt sich auch eine sogenannte Podusche als schnelle und hygienische Reinigung für zwischendurch.

Sexualität & Paarbeziehung

An dieser Stelle wollen wir uns nun einem weiteren wichtigen Aspekt widmen: der Paarbeziehung. Schließlich tritt mit der Geburt nicht nur ein unbekanntes Wesen in euer Leben, das ihr von nun an umsorgen und großziehen dürft, auch die Beziehungsebene verändert sich. Wir wünschen euch sehr, dass ihr die Geburt gemeinsam erleben konntet. Wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt, ist das ein wundervolles, nahezu magisches, Ereignis, manchmal ist es auch richtig anstrengend und ein unglaublicher Kraftakt für alle Beteiligten. Direkt nach der Entbindung ist die Zeit, sich kennenzulernen und langsam zu realisieren, was ihr da gemeinsam geschafft habt. Im Mittelpunkt steht natürlich das neugeborene Baby, euer Baby, euer Kind. Ihr dürft es nun ausgiebig bewundern, den Moment genießen, wenn es euch zum ersten Mal in die Augen blickt und ihm gern einen Finger zum Festhalten anbieten. Halt – das ist ohnehin ein gutes Stichwort.

Gebt euch gegenseitig Halt. Lasst das Wunder der Geburt, das Wunder des Lebens wirken und gestaltet euch euren heiligen Raum – auch wenn ihr euch mitten im Kreißsaal befindet, es noch Untersuchungen gibt oder Geburtsverletzungen versorgt werden müssen. Nehmt euch in den Arm, sagt euch, dass ihr stolz seid auf einander und dass ihr euch liebt. Berührungen, kleine Streicheleinheiten, wohlwollende Blicke – all das hilft dabei, dieses unglaubliche Ereignis zu integrieren und anzunehmen. Vieles davon wird ohnehin automatisch geschehen – wenn ihr euch jedoch jetzt schon vornehmt, achtsam miteinander zu sein – umso besser.

Die ersten Stunden nach der Geburt

Die ersten Stunden nach der Geburt sind auch ein gutes Training für partnerschaftliches Teamwork. Werden Mutter und Kind getrennt, kann der Papa das Bonding nach der Geburt übernehmen. Babys profitieren vom Körperkontakt und der Geborgenheit, die sie spüren – sie machen (bis auf die Suche nach Brust) keinen Unterschied zwischen Mama und Papa. Vielleicht ist der Partner auch dabei, wenn das Baby untersucht und angezogen wird, manchmal dürfen Papas auch beim Wiegen helfen. Für Männer ist diese Form der „Mitarbeit“ eine wichtige Hilfe, um sich in der Rolle des Vaters einzufinden. Während sie sich während der Geburt das eine oder andere Mal hilflos gefühlt haben, können sie sich direkt danach aktiv einbringen und auf diesem Weg ihre persönliche Bindung zum Neugeborenen aufbauen.

Da die ersten Stunden nach der Geburt so besonders sind, haben wir für diese Zeit einen Extra-Tipp. Sei für deine Partnerin da, schenke ihr viel Liebe und Empathie. Sie ist vielleicht erschöpft, vielleicht euphorisch, vielleicht sogar ein wenig geschockt und überfordert – vermutlich durchlebt sie ein Wechselbad der Gefühle. Kurz nach der Entbindung leg sie euer Kind das erste Mal an ihre Brust, auch das ist eine ungewohnte Erfahrung. Du kannst deine Frau am besten dadurch unterstützen, indem du ihr signalisierst, dass alle Gefühle da sein dürfen, schließlich seid ihr gerade Eltern geworden. Rede ihr gut zu, streichle und berühre sie, sei für sie da. Und wenn du das nicht kannst, weil du dich vielleicht um euer Baby kümmerst, stelle sicher, dass sie eine Hebamme, Doula oder anderweitige Vertrauensperson an ihrer Seite hat. Fühle dich auch frei, deine Gefühle mit deiner Partnerin zu teilen – und selbst wenn dir die Worte fehlen, dann sag ihr das einfach. Diese wertschätzende offene Kommunikation wird euch zusammenschweißen und euch dabei helfen, das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten.

Partner-Tipp:

Nun kommen wir zum eigentlichen Partner-Tipp für die erste Woche: Wenn möglich, nehmt das Rooming-In-Angebot in eurem Krankenhaus in Anspruch. Die so genannten Familienzimmer sind so konzipiert, dass Eltern und Baby in einem Zimmer aufgenommen werden. Ihr habt also die maximale Privatsphäre, die man auf der Wochenbettstation bekommen kann, und genügend Zeit, um euch in Ruhe in die neue Situation einzufinden. Wir möchten alle frisch gebackenen Väter ermutigen, sich von Anfang an bewusst um ihr Baby zu kümmern. Wickeln, trösten, tragen, anziehen, wärmen – all das können Väter genauso gut wie Mütter. Findet euren eigenen Rhythmus, traut euch! Und wenn der Nachwuchs Hunger bekommt, bringt ihr ihn zu eurer Partnerin. Wer unsicher ist, kann sich zu Beginn von einer Hebamme oder dem Stationspersonal unterstützen lassen. Sie haben üblicherweise viele Tipps für frisch gebackene Eltern und wissen genau um die Unsicherheiten der Anfangszeit Bescheid.

Rooming-In in Zeiten von Corona: Leider hat sich auch die Situation auf den Wochenbettstationen verschärft, da die Spitäler umfassende Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus ergreifen müssen. Auf vielen Wochenbettstationen wird daher derzeit kein Familienzimmer oder Rooming-In angeboten. In manchen Privatspitälern dürfen Väter mit einem negativen Testbescheid auch nach der Entbindung bei Mutter und Kind bleiben. Wer die Wochenbettstation jedoch verlässt, fällt anschließend unter die allgemeinen Besucherbestimmungen. Diese sind von Klinikum zu Klinikum unterschiedlich. Üblicherweise ist der Besuch einer Person pro Tag in einem gewissen Zeitrahmen erlaubt, Geschwisterkinder dürfen im Regelfall nicht mit (um das neue Familienmitglied kennenzulernen). Wir empfehlen dir, dich noch vor der Geburt bei deinem Krankenhaus zu erkundigen, welche Auflagen gelten und an welche Regeln (z.B. Testungen) ihr euch halten müsst.

Ein paar Gedanken zum Frühwochenbett in den eigenen vier Wänden: Falls du dein Baby ambulant oder zu Hause entbindest, verlaufen die Tage nach der Geburt ein wenig ruhiger. Wir empfehlen nicht nur der Mama, sondern auch dem frischgebackenen Papa so viel wie möglich mit dem Neuankömmling zu kuscheln. Natürlich wird es dort und da etwas im Haushalt zu erledigen geben, aber im Grunde solltet ihr euch alle gemeinsam eine kurze Auszeit gönnen. Idealerweise habt ihr im Vorfeld schon einige Gerichte zubereitet und/oder eine Versorgung durch Familie, Freunde und Bekannte organisiert. Geschwisterkinder werden zu Beginn verstärkt die Nähe zum Vater suchen, gerne darf auch hier einmal eine Oma oder Tante einspringen, um mit den Kindern auf den Spielplatz zu gehen oder spielend für Ablenkung zu sorgen. Entlastung ist das Zauberwort der ersten Tage. Lasst euch helfen, wo immer es möglich ist, ohne eure heimelige „Wochenbetthöhle“ verlassen zu müssen. Diese Zeit ist magisch, sie kommt nie wieder zurück – also zelebriert sie!

Über Glücksgefühle und Stimmungstiefs

Jede Frau reagiert anders auf die Geburt ihres Kindes. Vielleicht ist es dein erstes Baby, vielleicht hast du aber auch schon Geburtserfahrung. Wie auch immer die Entbindung verlaufen ist, ob es Komplikationen gab, es sich um einen geplanten Kaiserschnitt oder eine spontane vaginale Geburt handelte, ob im Spital, im Geburtshaus oder den eigenen vier Wänden. Wenn du dein Baby zum ersten Mal spüren, riechen, sehen und auf dem Arm oder Bauch halten kannst, wirst du erleichtert und überwältigt sein. Gut möglich, dass dich ungeahnte Glücksgefühle durchströmen und du dich vollkommen zurecht wie die stolzeste und stärkste Frau der Welt fühlst. Nach und nach stellen sich deine Hormone um, spätestens nach der Geburt der Plazenta bewegt sich dein Hormonhaushalt langsam wieder in Richtung „nicht schwanger“. Hinzu kommen Schlaflosigkeit, körperliche Erschöpfung, Schmerzen von Geburtsverletzungen und vielleicht auch Probleme beim Stillen – dann ist es ein schmaler Grat zwischen Freude und Leid.

Etwa drei Tage nach der Entbindung beobachtet man den sogenannten Babyblues. Diese Phase ist auch unter dem Begriff „Heultage“ bekannt und der beschreibt gut, was dich erwartet. Du weinst vielleicht ohne Grund, fühlst dich ausgelaugt, hin und her gerissen zwischen dem Neugeborenen und den Geschwisterkindern und möglicherweise auch überfordert durch das Gefühl, von nun an ein Leben lang für so ein kleines Wesen verantwortlich zu sein. Die gute Nachricht: Kinder werden größer und auch wenn du es dir jetzt nicht vorstellen kannst, es kommt der Zeitpunkt, an dem sie sich abnabeln und du nicht mehr permanent verfügbar sein musst.

Natürlich ist es anstrengend mit einem kleinen Baby, es braucht Geduld, bis sich gewisse Routinen entwickeln und auch du brauchst Zeit, um dich in deine neue Rolle als Mutter einzufinden. Tränen sind okay, ein Lächeln ist okay – beides im Wechsel: vollkommen okay. Wichtig ist es, dass du jemanden hast, mit dem du dich ehrlich austauschen kannst. Eine Schulter zum Anlehnen, ein offenes Ohr, wenn dir alles zu viel wird. Sprich mit deiner Hebamme, deinem Partner, deiner Doula oder einer Freundin. Die Empathie und Fürsorge deiner Mitmenschen werden dir dabei helfen, dieses Tief zu überwinden.

Tipp: Es gibt pflanzliche Mittel und naturheilkundliche Anwendungen, die dich in dieser sensiblen Phase stabilisieren. Deine Hebamme, Doula oder Stillberaterin werden dir entsprechende Präparate nennen. Schau gut auf dich, nimm dir eine Auszeit vom „Mama-Sein“ und bitte um Hilfe. Nur wenn du in deiner Mitte bist, kannst du deinem Baby Ruhe und Geborgenheit vermitteln – das wiederum ermöglicht es euch, einen harmonischen (neuen) Alltag zu leben.

Wichtig: Der Wochenbettblues ist nicht zu verwechseln mit einer Wochenbettdepression. Bei einer Post-Partalen-Depression handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die nach der Geburt oder auch erst Monate danach auftreten kann und betroffene Frauen stark beeinträchtigt. In diesem Fall ist eine psychologische/therapeutische Betreuung erforderlich, manchmal kann auch eine medikamentöse Einstellung sinnvoll sein.

Experten-Überprüfung durch

Hebamme Martina Tauß

Seit 2002 ist Martina Tauß Hebamme mit Herz und gibt schon seit 18 Jahren Geburtsvorbereitungskurse. Als Hypnobirth Expertin, Hypnosecoach, Mentaltrainerin und Mama von drei Kindern bereitet sie entspannt auf die Geburt vor. Mehr über Hebamme Martina erfährst du hier.

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