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Folsäure in der Schwangerschaft
Folsäure gehört zu den wichtigsten Nährstoffen in der Schwangerschaft und Stillzeit. Sie ist an zentralen Prozessen wie Zellteilung und Blutbildung beteiligt und ist deswegen für eine gesunde Entwicklung deines Babys notwendig. Das wissen die meisten Frauen, dennoch sind sie unsicher, wie viel Folsäure sie während der Schwangerschaft benötigen.
Dieser Beitrag klärt die wichtigsten Fragen zur Folsäure in der Schwangerschaft und Stillzeit und zeigt, worauf du bei Bedarf, Ernährung und Supplementen achten solltest.
Was ist Folsäure?
Folsäure gehört zu den B-Vitaminen und ist eng mit dem Vitamin Folat verwandt. Beides wird oft gleichgesetzt, meint aber nicht ganz dasselbe.
Folat ist die natürliche Form von Vitamin B9, die in Lebensmitteln vorkommt und die der Körper direkt nutzen kann. Folsäure ist die synthetisch hergestellte Variante, die in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist. Sie wird im Körper zunächst in Folat umgewandelt, bevor sie ihre Wirkung entfalten kann.
Für wichtige Prozesse im Körper spielt Folat eine große Rolle. Es wird für die Zellteilung, die Blutbildung und den Aufbau der Erbsubstanz (DNA) benötigt. Genau diese Vorgänge laufen in der Schwangerschaft besonders intensiv ab. Aus wenigen Zellen entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit neues Gewebe, Blutvolumen nimmt zu und das Wachstum des Babys schreitet rasch voran. Damit diese Prozesse reibungslos funktionieren, ist eine ausreichende Versorgung mit Folat unverzichtbar.
Da Folat aus Lebensmitteln empfindlich ist und beim Lagern oder Kochen leicht verloren geht, reicht die Zufuhr über die Ernährung allein oft nicht aus. Deshalb wird in Schwangerschaft und Stillzeit meist Folsäure als Ergänzung empfohlen, um den Bedarf zuverlässig zu decken.
Warum ist Folsäure in der Schwangerschaft besonders wichtig?
In der Schwangerschaft läuft im Körper Wachstum auf Höchsttempo. Dafür braucht dein Körper Folat beziehungsweise Folsäure. Das wasserlösliche B-Vitamin spielt eine Schlüsselrolle bei der Zellteilung, beim Zellwachstum und beim Aufbau der Erbsubstanz. Deshalb wird empfohlen, Folsäure bereits bei Kinderwunsch einzunehmen.
Folsäure wird für die Zellteilung benötigt. Aus einzelnen Zellen entstehen Gewebe, Organe und Strukturen deines Babys. Damit dieser Prozess korrekt abläuft, muss ständig neue DNA gebildet werden. Genau hier ist Folsäure unverzichtbar. Sie unterstützt die DNA-Synthese und sorgt dafür, dass sich Zellen richtig entwickeln und spezialisieren können.
Auch die Blutbildung hängt eng mit der Folsäureversorgung zusammen. Während der Schwangerschaftsteigt dein Blutvolumen um 40 bis 50 Prozent an. Gleichzeitig produziert auch dein Baby eigene Blutzellen. Folsäure hilft dabei, rote Blutkörperchen zu bauen und den Sauerstofftransport sicherzustellen. Eine Unterversorgung kann das Risiko für Blutarmut erhöhen.
Das Problem ist, dass viele Frauen bereits vor einer Schwangerschaft nicht optimal mit Folat versorgt sind. Das geht aus einem Fachbericht der österreichischen Sozialversicherung hervor. Darin wird erwähnt, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die Folat-Versorgung der Bevölkerung seit Jahren als unzureichend einstuft.
Aufgrund ähnlicher Essgewohnheiten lassen sich die Ergebnisse auch auf Österreich übertragen. Selbst bei ausgewogener Ernährung in der Schwangerschaft wird die empfohlene Menge oft nicht erreicht, weil natürliche Folate unterschiedlich gut aufgenommen werden und beim Kochen leicht verloren gehen.
Folsäuremangel und die Folgen
Ein Mangel an Folsäure in der Frühschwangerschaft kann schwerwiegende Folgen haben. Besonders kritisch ist die Phase, in der sich das Neuralrohrschließt. Das passiert bereits am Ende der vierten Schwangerschaftswoche, also zu einem Zeitpunkt, wenn du vielleicht noch gar nicht weißt, dass du schwanger bist.
Geschieht der Neuralrohrschluss nicht vollständig, kommt es zu sogenannten Neuralrohrdefekten. Dazu zählen unter anderem Spina bifida, Anenzephalie und Enzephalozele.
- Im deutschsprachigen Raum tritt etwa ein Neuralrohrdefekt pro 1.000 Geburten auf. In Österreich werden jährlich rund 70 bis 80 Fälle registriert.
- Nach einer betroffenen Schwangerschaft liegt das Wiederholungsrisiko bei rund 3 Prozent, nach zwei betroffenen Schwangerschaften bei etwa 10 Prozent.
- Die Häufigkeit von Spina bifida liegt weltweit zwischen 0,3 und 4 Fällen pro 1.000 Geburten.
- Anenzephalie ist nicht mit dem Leben vereinbar. Die Inzidenz beträgt je nach Region 1 bis 6,7 Fälle pro 1.000 Geburten, Mädchen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Jungen.
Du siehst, warum eine ausreichende Folsäureversorgung vor und zu Beginn der Schwangerschaft eine große Bedeutung hat. Studien zeigen übereinstimmend, dass du das Risiko für Neuralrohrdefekte durch eine gute Versorgung mit Folsäure deutlich senken kannst.
Ungeplant schwanger und keine Folsäure genommen: Was jetzt?
Wenn du ungeplant schwanger bist und bisher keine Folsäure genommen hast, bist du bestimmt verunsichert. Damit bist du nicht allein, und du hast nichts „falsch gemacht“. Viele Frauen erfahren erst nach mehreren Wochen von ihrer Schwangerschaft. Genau deshalb empfehlen viele Fachgesellschaften Folsäure grundsätzlich für alle Frauen im gebärfähigen Alter.
Auch wenn Folsäure besonders früh eine wichtige Rolle spielt, ist ein späterer Beginn trotzdem sinnvoll. Folsäure wird während der gesamten Schwangerschaft benötigt. Du kannst also auch jetzt noch aktiv etwas für dich und dein Baby tun, indem du deine Versorgung verbesserst.
Das Risiko für sogenannte Neuralrohrdefekte ist insgesamt gering und eine fehlende Folsäure-Einname bedeutet nicht automatisch, dass dein Baby betroffen ist. Sinnvoll ist es, jetzt zeitnah Folsäure einzunehmen und gleichzeitig auf eine folatreiche Ernährung zu achten.
Wichtig: Wenn du dir große Sorgen machst, kannst du mit deiner Frauenärztin besprechen, ob eine Bestimmung des Folsäurespiegels oder eine weiterführende Pränataldiagnostik für dich infrage kommt.
Wie viel und wie lange Folsäure ich in der Schwangerschaft einnehmen?
In der Schwangerschaft solltest unbedingt darauf achten, ausreichend Folsäure zu dir zu nehmen. Doch wie viel ist ausreichend? Idealerweise startest du bereits bei Kinderwunsch mit der Einnahme von 400 Mikrogramm Folsäure täglich. Stellt sich die Frage, wie lange du die Folsäure vor der Schwangerschaft einnehmen solltest. Empfohlen wird, mindestens vier Wochen vorher damit zu beginnen.
Du weißt bereits, dass Folsäure in der Schwangerschaft im 1. Trimester besonders wichtig ist. Der empfohlene Gesamtbedarf liegt bei etwa 550 Mikrogramm Folat pro Tag. Meistens schaffst du diese Menge nicht allein über die Ernährung, deshalb wird weiterhin zu einer Ergänzung von 400 Mikrogramm Folsäure täglich geraten. Das gilt auch für das 2. sowie 3. Trimester, denn auch in dieser Phase bleibt dein Bedarf erhöht.
Folsäure spielt außerdem in der Stillzeit eine Rolle, vor allem für die Regeneration der Mutter und die Blutbildung. Der empfohlene Bedarf liegt bei etwa 450 Mikrogramm Folattäglich. Viele Fachstellen raten, die Supplementierung von 400 MikrogrammFolsäure fortzuführen. Und wie lange solltest du Folsäure in der Stillzeit einnehmen? Am besten du supplementierst es während der gesamten Stillzeit.
Folsäure aus der Nahrung
Folat, die natürliche Form der Folsäure, steckt in vielen Lebensmitteln. Trotzdem reicht allein die Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit oft nicht aus, um den erhöhten Bedarf zuverlässig zu decken. Der Grund liegt der schlechten Bioverfügbarkeit von nur etwa 50 bis 70 Prozent. Denn natürliches Folat ist empfindlich gegenüber Hitze, Licht und Lagerung.
Beim Kochen oder Aufwärmen gehen schnell größere Mengen verloren. Außerdem nimmt der Körper Folat aus Lebensmitteln weniger konstant auf als synthetische Folsäure aus Präparaten. Achte dennoch darauf, die folatreich zu ernähren, weil nicht der komplette Bedarf aus den Nahrungsergänzungsmitteln gedeckt werden sollte.
Typische folatreiche Lebensmittel sind:
- Grünes Blattgemüse wie Spinat, Feldsalat, Rucola oder Kopfsalat
- Brokkoli, Rosenkohl und Grünkohl
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen
- Vollkornprodukte, zum Beispiel Vollkornbrot oder Haferflocken
- Nüsse und Samen, etwa Sonnenblumenkerne oder Walnüsse
- Zitrusfrüchte und Beeren
- Eier
Wann sind Folsäurepräparate sinnvoll?
Folsäurepräparate gelten in der Schwangerschaft und Stillzeit als Standardempfehlung, weil der erhöhte Bedarf über die Ernährung allein oft nicht zuverlässig gedeckt wird. Ein Supplement ist vor allem wichtig, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst. Dazu zählen Frauen mit:
- unausgewogener oder folatarmer Ernährung,
- veganen oder streng vegetarischen Ernährungsformen,
- Magen-Darm-Erkrankungen mit eingeschränkter Nährstoffaufnahme
- bestimmter Medikamenteneinnahme
- früheren Schwangerschaften mit Neuralrohrdefekten
Gleichzeitig gilt bei Folsäure nicht das Prinzip „viel hilft viel“. Hohe Dosierungen bringen nach aktuellem Wissensstand keinen zusätzlichen Nutzen für gesunde Schwangere und können unerwünschte Effekte haben. Studien zeigen, dass der klare Nutzen vor allem in der bedarfsgerechten Supplementierung liegt, nicht in einer möglichst hohen Zufuhr.
Wichtig: Folsäure regelmäßig, ausreichend und gezielt supplementieren, statt unkontrolliert zu hoch zu dosieren. Eine individuelle Rücksprache mit Arzt oder Hebamme hilft, die passende Menge für deine Situation zu finden.
Kann man Folsäure überdosieren?
Ja, Folsäure kann grundsätzlich überdosiert werden. Die als sicher geltende Obergrenze liegt bei 1.000 Mikrogramm Folsäure pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln. Diese Grenze wird über eine normale Ernährung praktisch nie erreicht, sondern fast ausschließlich durch hoch dosierte Präparate.
Überdosierungen entstehen vor allem dann, wenn mehrere Supplemente parallel eingenommen werden oder Produkte mit sehr hohen Einzelmengen verwendet werden, ohne dass ein medizinischer Grund dafür besteht. Eine ausgewogene Supplementierung im empfohlenen Bereich gilt dagegen als sicher. Wer sich an die empfohlenen Dosierungen hält und Folsäure gezielt einnimmt, geht kein Risiko ein. Höhere Dosierungen sollten nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen, etwa bei besonderen medizinischen Situationen.
Folsäure und die Wechselwirkung mit anderen Nährstoffen
Folsäure wirkt im Körper nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit anderen Vitaminen und Mineralstoffen. Besonders eng ist die Verbindung zu den übrigen B Vitaminen, vor allem zu Vitamin B12. Beide sind gemeinsam an der Blutbildung und am Zellstoffwechsel beteiligt. Fehlt Vitamin B12, kann Folsäure bestimmte Mangelanzeichen überdecken, ohne die Ursache zu beheben. Deshalb sollte bei langfristiger Supplementierung auch die Gesamtversorgung im Blick bleiben.
Auch Eisen steht indirekt mit Folsäure in Verbindung. Beide Nährstoffe werden für die Blutbildung benötigt und ergänzen sich funktionell, ohne sich in der Aufnahme zu behindern. In vielen Schwangerschaftspräparaten sind sie deshalb kombiniert enthalten.
Entscheidend ist weniger die einzelne Substanz als den Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft über eine ausgewogene Gesamtzufuhr zu decken. Wer mehrere Präparate kombiniert, sollte die Inhaltsstoffe prüfen, um unnötige Doppelungen zu vermeiden.
FAQ: Folsäure in der Schwangerschaft
Fehlt Folsäure, steigt vor allem in der Frühschwangerschaft das Risiko für Neuralrohrdefekte wie Spina bifida. Außerdem kann die Blutbildung beeinträchtigt sein.
Folsäure ist die synthetische Form von Vitamin B9 und wird vom Körper sehr zuverlässig aufgenommen. Natürliches Folat aus Lebensmitteln ist weniger stabil und wird je nach Zubereitung und Lebensmittel unterschiedlich gut verwertet.
800 Mikrogramm gelten für gesunde Schwangere in der Regel noch als unproblematisch, liegen aber über der Standardempfehlung von 400 Mikrogramm. Eine solche Dosierung sollte nur gezielt und jedenfalls nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Idealerweise beginnst du bereits vor der Schwangerschaft mit der Einnahme, mindestens vier Wochen vorher. Spätestens ab Bekanntwerden der Schwangerschaft solltest du täglich Folsäure supplementieren, da frühe Entwicklungsprozesse bereits sehr früh stattfinden.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag liefert ausschließlich allgemeine Informationen und ersetzt keinesfalls den fachkundigen Rat eines Arztes, einer Hebamme oder anderen dafür qualifizierten Experten (Stillberaterinnen, Therapeuten etc.)
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