Schwanger trotz Spirale?

Die Spirale gilt als eine der zuverlässigsten Methoden zur Empfängnisverhütung – unabhängig davon, ob es sich um eine Kupferspirale oder eine Hormonspirale handelt. Dennoch kann es auch bei diesem Verhütungsmittel zu einer Schwangerschaft kommen. Die Ursachen sind dabei oft Faktoren wie ein unbemerktes Verrutschen, ein zu langer Verbleib in der Gebärmutter oder das vollständige Ausstoßen der Spirale.

Eine Schwangerschaft trotz Spirale ist selten – aber möglich. Und wenn sie eintritt, ist rasches Handeln gefragt. Denn das Verhütungsmittel muss möglichst frühzeitig entfernt werden, um gesundheitliche Risiken zu minimieren.

Wie sicher ist die Spirale wirklich?

Die Frage nach der Sicherheit von Verhütungsmitteln ist an oberster Stelle, wenn du dich für eine bestimmte Methode entscheidest. Für eine objektive Einschätzung der Sicherheit von Verhütungsmitteln dient der sogenannte Pearl-Index. Er misst, wie viele von 100 Frauen schwanger werden, wenn sie ein Jahr lang mit einer bestimmten Methode verhüten.

Ein Blick auf die Werte:

  1. Hormonspirale: Pearl-Index von etwa 0,16 → weniger als zwei von tausend Frauen werden pro Jahr trotz Spirale schwanger
  2. Kupferspirale: je nach Modell 0,3 bis 0,8
  3. Kupferkette, Kupferball, Goldkettchen: vergleichbare Werte wie die Kupferspirale
  4. Pille: 0,1 bis 0,9 bei idealer Anwendung – in der Praxis aber fehleranfälliger
  5. Kondom: 2 bis 12, je nach korrekter Anwendung

Die Spirale bietet also eine relativ hohe Sicherheit. Dabei hast du keine tägliche Einnahme oder ein aktives Zutun. Dennoch gilt wie bei allen Methoden: Eine hundertprozentige Garantie gegen eine Schwangerschaft hast du nicht. Wenn du eine Spirale verwendest, solltest du deshalb die empfohlenen Kontrolluntersuchungen wahrnehmen und Veränderungen wie das Fehlen des Rückholfadens regelmäßig kontrollieren.

4 Hauptgründe für eine Schwangerschaft trotz Spirale

Auch wenn die Spirale eine verhältnismäßig sichere Verhütungsmethode ist, gibt es bestimmte Situationen, in denen sie versagen kann. Die häufigsten Ursachen für eine ungewollte Schwangerschaft trotz Spirale lassen sich auf vier Hauptfaktoren zurückführen.

Zu lange Liegedauer

Ein häufiger Grund ist eine zu lange Liegedauer. Je nach Modell sollte eine Kupferspirale zwischen drei und fünf Jahren in der Gebärmutter verbleiben, eine Hormonspirale in der Regel drei bis fünf Jahre. Wird die Spirale länger getragen, kann ihre Wirkung nachlassen, da entweder die Kupferionen oder die abgegebenen Hormone verbraucht sind. Um das Risiko einer Schwangerschaft zu minimieren, solltest du die Spirale daher rechtzeitig austauschen lassen.

Verrutschen

Ein weiterer Risikofaktor ist das Verrutschen der Spirale. Wenn sie sich innerhalb der Gebärmutter verschiebt, kann sie ihre empfängnisverhütende Wirkung nicht mehr zuverlässig entfalten. Ob sich das Verhütungsmittel noch am richtigen Platz befindet, kann nur der Frauenarzt zuverlässig feststellen. Aber es gibt einige Hinweise, dass die Spirale möglicherweise verrutscht ist. Wenn der Rückholfaden plötzlich deutlich länger oder kürzer erscheint – oder gar nicht mehr tastbar ist, solltest du deinen Gynäkologen aufsuchen. Mit einem Ultraschall kann er feststellen, ob noch alles passt oder nicht.

Unbemerktes Ausscheiden

In manchen Fällen wird die Spirale auch unbemerkt ausgeschieden, meist während der Menstruation. Dieses Risiko besteht insbesondere im ersten Jahr nach dem Einsetzen und trifft bis zu fünf Prozent der Anwenderinnen. Nach Geburten ist das Risiko sogar erhöht! Studien zufolge kann es in bis zu 12 bis 31 Prozent der Fälle zu einem unbemerkten Verlust kommen. Wenn du den Rückholfaden nicht mehr ertasten kannst, sollte davon ausgehen, dass kein sicherer Empfängnisschutz mehr besteht, und die Situation schnell ärztlich überprüfen lassen.

Materialfehler

Du kannst auch trotz richtig sitzender Spirale schwanger werden, und zwar dann, wenn ein Materialfehler vorliegt. In seltenen Fällen kann es zu Produktionsfehlern kommen, die dafür verantwortlich sind, wenn die Verhütungswirkung versagt.

Falsche Größe

Auch eine ungeeignete Größe der Spirale ist problematisch. In seltenen Fällen passt die Spirale anatomisch nicht optimal zur Gebärmutter. Wird keine individuell passende Form gewählt, steigt das Risiko, dass die Spirale nicht richtig wirkt oder vorzeitig verrutscht.

Kann man während der Periode schwanger werden – trotz Spirale?

Auch wenn viele Frauen annehmen, während der Menstruation könne keine Befruchtung stattfinden, ist dies ein weitverbreiteter Irrtum. Tatsächlich ist eine Schwangerschaft trotz Spirale auch während der Periode möglich – hauptsächlich dann, wenn das Verhütungsmittel nicht korrekt sitzt, unbemerkt ausgestoßen wurde oder seine Wirkdauer überschritten ist. In solchen Fällen besteht kein verlässlicher Empfängnisschutz mehr. Hinzu kommt, dass Spermien bis zu fünf Tage im weiblichen Körper überleben können. Wenn der Eisprung ungewöhnlich früh stattfindet oder der Zyklus sehr kurz ist, kann es passieren, dass befruchtungsfähige Spermien noch im Körper vorhanden sind, wenn eine Eizelle freigesetzt wird. Damit besteht auch während der Menstruation das Risiko für eine Schwangerschaft – insbesondere dann, wenn die Spirale nicht mehr zuverlässig schützt.

Bin ich schwanger trotz Spirale? – Symptome beachten

Auch wenn eine Spirale eingesetzt ist, solltest du auf Veränderungen im Körper achten und diese ernst nehmen. Denn typische Schwangerschaftsanzeichen können auch unter laufender Verhütung auftreten. Achte insbesondere auf folgende Symptome:

  • Ausbleiben oder deutliche Veränderung der Periode
  • Übelkeit, ein Ziehen im Bauch oder Kreislaufprobleme
  • Spannungsgefühl in den Brüsten
  • Plötzlicher Heißhunger oder Ekel gegenüber bestimmten Lebensmitteln
  • Rückholfaden nicht mehr tastbar oder auffällig verändert
  • Schmierblutungen oder Schmerzen, die sich nicht wie normale Regelschmerzen anfühlen

Diese Anzeichen müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass eine Schwangerschaft vorliegt – können aber wichtige Hinweise sein. Ein handelsüblicher Schwangerschaftstest liefert schon früh eine verlässliche Einschätzung. Fällt der Test positiv aus, dann vereinbare direkt einen Termin beim Frauenarzt, um dich untersuchen zu lassen.

Risiko: Eileiterschwangerschaft trotz Spirale

Wird eine Frau trotz Spirale schwanger, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft – besonders bei einer Hormonspirale. Dabei nistet sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter, sondern im Eileiter ein. Diese Form der Schwangerschaft ist nicht lebensfähig und kann gefährlich werden, wenn sie nicht frühzeitig erkannt wird. Typische Symptome sind anhaltende oder einseitige Unterleibsschmerzen sowie Schmierblutungen. Bei einem Riss des Eileiters kann es zu starken inneren Blutungen kommen. Das ist ein medizinischer Notfall. Deshalb ist es besonders wichtig, dass du bei entsprechenden Beschwerden nicht abwartest, sondern umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nimmst. Eine frühzeitige Diagnose kann schwerwiegende Komplikationen verhindern.

Entfernen der Spirale bei Schwangerschaft?

Wenn du feststellst, dass du trotz Spirale schwanger bist, ist eine rasche gynäkologische Abklärung entscheidend. Die Spirale sollte möglichst frühzeitig entfernt werden, da sie sonst das Risiko für Infektionen, Fehlgeburten oder andere Komplikationen erhöht. Studien zeigen: Bleibt sie im Körper, enden bis zu 50 bis 60 Prozent dieser Schwangerschaften mit einem Abgang. Allerdings ist auch das Entfernen nicht ganz risikofrei, denn in seltenen Fällen kann es selbst eine Fehlgeburt auslösen. Allerdings überwiegt in den meisten Fällen der medizinische Nutzen. Gut zu wissen: Wird die Spirale entfernt, besteht kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Behinderungen beim Kind mehr.

Nach der Diagnose hast du drei Optionen:

  1. Die Schwangerschaft fortsetzen: Die Spirale wird entfernt, die Schwangerschaft engmaschig medizinisch begleitet.
  2. Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch: Hier muss die Spirale vor Beginn der Behandlung entfernt werden, da sie die Wirkung des Medikaments beeinträchtigen könnte.
  3. Absaugmethode (chirurgischer Abbruch): Bei diesem Verfahren kann die Spirale größtenteils gleichzeitig mit dem Embryo entfernt werden.


Welche Entscheidung für dich die richtige ist, hängt von vielen persönlichen und medizinischen Faktoren ab. Du musst sie nicht sofort und nicht allein treffen – sprich mit deiner Ärztin oder hole dir Unterstützung bei einer Beratungsstelle.

Emotionaler Umgang mit der Situation

Eine ungeplante Schwangerschaft ist immer eine Ausnahmesituation, umso mehr, wenn du eigentlich sicher verhütet hast. Der erste Schock sitzt tief, häufig begleitet von Verunsicherung, Angst oder Wut. All diese Gefühle sind verständlich und vollkommen normal. Wichtig ist jetzt: Du musst nicht sofort eine Entscheidung treffen. Nimm dir Zeit durchzuatmen und deine Gedanken zu sortieren. Sprich mit Menschen, denen du vertraust. Auch ein Gespräch mit einer neutralen Beratungsstelle kann helfen, wieder klarer zu sehen. In Österreich stehen dir unter anderem die Caritas, Familienberatungsstellen oder das Hilfswerk zur Verfügung. Die Beratung ist kostenlos, anonym und auf Wunsch vollkommen ergebnisoffen. Danach kannst du eine Entscheidung treffen, die für dich persönlich passt.

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