VBAC - natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt

„Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt“ – dieser Mythos hält sich hartnäckig. Doch die gute Nachricht ist: Diese Annahme ist längst überholt. Immer mehr Frauen bringen ihr zweites oder drittes Kind auf vaginalem Weg zur Welt – auch nach einer vorangegangenen Bauchgeburt. Ob eine sogenannte VBAC – also eine "natürliche" Geburt nach Kaiserschnitt – für dich möglich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In diesem Artikel erfährst du, was dafür oder dagegen spricht, wie hoch die Erfolgsaussichten wirklich sind und was du tun kannst, um dich gut vorzubereiten.

Was ist eine VBAC-Geburt?

VBAC ist die Abkürzung für „vaginal birth after caesarean“ – also eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt. Gemeint ist damit, dass du dein Baby auf natürlichem Weg durch die Scheide zur Welt bringst. Und das, obwohl deine letzte Geburt ein Kaiserschnitt war.

In vielen Fällen gilt auch eine unterstützte Geburt mit Saugglocke oder Zange als VBAC. Wenn du bereits zwei Kaiserschnitte hattest, findest du manchmal die Bezeichnung VBA2C – das bedeutet: vaginale Geburt nach zwei Kaiserschnitten. Lange Zeit wurde diese Art der Geburt als zu riskant angesehen. Heute weiß man: Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine VBAC genauso sicher wie ein geplanter Kaiserschnitt.

Spontangeburt nach Kaiserschnitt – wann ist das möglich?

Ob eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt für dich infrage kommt, lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt immer von deiner individuellen Situation ab – aber die Chancen stehen oft besser, als du vielleicht denkst.

Diese Voraussetzungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Spontangeburt:

  • Dein Baby liegt in der Schädellage – also mit dem Kopf nach unten.
  • Die Wehen setzen von selbst ein, idealerweise zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche.
  • Deine Kaiserschnittnarbe ist gut verheilt – besonders wichtig, wenn die letzte Geburt mindestens ein Jahr zurückliegt.
  • Der erste Kaiserschnitt war ein Querschnitt (kein T- oder Längsschnitt).
  • Es gibt keine Schwangerschaftskomplikationen, zum Beispiel mit der Plazenta oder dem Blutdruck.

Auch der Grund für deinen ersten Kaiserschnitt spielt eine wichtige Rolle: Lagen besondere Umstände vor – etwa weil dein Baby in Beckenendlage lag oder die Geburt sehr lang dauerte? Dann stehen die Chancen gut, dass die zweite Geburt anders verläuft. Ganz besonders dann, wenn du zusätzlich bereits eine vaginale Geburt erlebt hast. Und ja, viele Frauen berichten: Die zweite Geburt ist oft nicht nur möglich – sondern auch spürbar schneller. Dein Körper „kennt“ den Geburtsvorgang bereits, und das wirkt sich oft positiv auf den Verlauf aus.

Wichtig: Du fragst dich vielleicht: Was ist ein T-Schnitt Kaiserschnitt? Dabei handelt es sich um eine besondere Schnitttechnik, bei der die Gebärmutter nicht nur waagerecht, sondern zusätzlich senkrecht geöffnet wird – also in Form eines „T“. Dieser Eingriff ist selten und wird nur dann vorgenommen, wenn mehr Platz gebraucht wird oder das Baby besonders behutsam geholt werden muss. Von außen sieht man den T-Schnitt nicht – die äußere Narbe bleibt waagerecht. Für Folgeschwangerschaften spielt er jedoch eine wichtige Rolle: Nach einem T-Schnitt wird in der Regel von einer Spontangeburt abgeraten, da das Risiko für einen Gebärmutterriss erhöht ist.

Die Erfolgswahrscheinlichkeit einer VBAC

Die Chance, dass eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt gelingt, liegt laut Studien zwischen 60 und 85 Prozent – je nach Klinik, individueller Vorgeschichte und Verlauf der aktuellen Schwangerschaft.  Besonders gute Aussichten haben Frauen, die bereits einmal spontan entbunden haben: In diesen Fällen steigt die Erfolgsrate auf bis zu 90 Prozent. Auch ein größerer Abstand zur letzten Geburt verbessert die Prognose.

Etwas geringer fällt die Erfolgswahrscheinlichkeit aus, wenn der erste Kaiserschnitt aufgrund eines Geburtsstillstands notwendig war. In solchen Fällen liegt die VBAC-Quote oft nur bei rund 50 bis 60 Prozent. Bei zusätzlichen Faktoren wie Adipositas, Bluthochdruck oder einem notwendig eingeleiteten Geburtsbeginn sinkt die Rate weiter – teils auf unter 50 Prozent.  Dennoch zeigt die Erfahrung: Selbst bei nicht so idealen Bedingungen kann eine Spontangeburt nach einem Kaiserschnitt gelingen.

Tipp: Bereite dich gut auf die VBAC vor: Kläre dein erstes Geburtserlebnis für dich. Wähle den Geburtsort bewusst, am besten mit Erfahrung bei Spontangeburten nach Kaiserschnitt. Halte deine Wünsche in einem Geburtsplan fest. Setze im Idealfall auf Eins-zu-eins-Betreuung.

Vorteile einer natürlichen Geburt nach Kaiserschnitt

Eine vaginale Geburt kann nach einem Kaiserschnitt ein kraftvolles und bestärkendes Erlebnis sein. Viele Frauen empfinden sie als selbstbestimmter und körperlich weniger belastend.  Bei einer natürlichen Geburt sind die Risiken für Infektionen, Thrombosen oder Verletzungen innerer Organe geringer. Hinzu kommt, dass Mütter sich oft schneller erholen, mobiler sind und seltener Probleme beim Stillen haben. Aber nicht nur für dich als Mama ist eine Spontangeburt vorteilhaft, sondern auch für dein Baby. Denn die Lungen entleeren sich beim Durchtritt durch den Geburtskanal besser, was die Atmung nach der Geburt erleichtern kann. Frauen, die nach einem belastenden Kaiserschnitterlebnis eine VBAC hatten, berichten häufig von einem Gefühl innerer Versöhnung mit dem Geburtserlebnis.

Tipp: Studien zeigen: Frauen, die während der Geburt durchgängig von einer Hebamme betreut werden, erleben seltener Komplikationen und Kaiserschnitte. Wenn du eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt planst, kann eine private Hebamme also eine wertvolle Unterstützung sein – vor allem, wenn sie Erfahrung mit VBACs hat.

Risiken einer natürlichen Geburt nach Kaiserschnitt

So viele Vorteile eine VBAC auch mit sich bringt – ganz ohne Risiko ist sie nicht. Die größte Sorge vieler Frauen gilt dem sogenannten Gebärmutterriss, medizinisch Uterusruptur genannt. Dabei kann die Narbe der früheren Kaiserschnittgeburt während der Wehen nachgeben. Das kommt zwar selten vor – laut Studien liegt das Risiko bei einer Spontangeburt nach Kaiserschnitt bei etwa 0,5 bis 0,9 Prozent – doch im Ernstfall kann es für Mutter und Kind gefährlich werden.

Die Wahrscheinlichkeit steigt leicht, wenn die Geburt eingeleitet werden muss oder bereits mehrere Kaiserschnitte vorausgegangen sind. Auch sehr dünnes Narbengewebe kann ein Risikofaktor sein. Kommt es während der Geburt zu einem Notkaiserschnitt, ist dieser Eingriff meist komplizierter als ein geplanter – unter anderem wegen der Eile und des bereits fortgeschrittenen Geburtsverlaufs.

Dennoch: Viele Frauen erleben ihre VBAC komplikationslos. Wichtig ist, dass die Geburt in einem gut ausgestatteten Krankenhaus begleitet wird, das im Notfall schnell reagieren kann.  

Wann eine Spontangeburt nicht empfohlen wird

Es gibt Situationen, in denen Ärzte von einer VBAC abraten – entweder aus medizinischer Notwendigkeit oder weil bestimmte Risiken vorliegen. Man unterscheidet zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen.

Absolute Kontraindikationen – hier ist eine Spontangeburt ausgeschlossen:

  • T-Schnitt oder Längsschnitt bei der vorherigen Sectio
  • Plazenta praevia (Plazenta liegt vor dem Muttermund)
  • Uterusruptur in einer früheren Schwangerschaft oder Geburt
  • Myome, die den Geburtskanal versperren
  • Relative Kontraindikationen – hier ist eine VBAC nur unter bestimmten Bedingungen möglich:

Mehr als zwei Kaiserschnitte in der Vorgeschichte

  • Weniger als 12 Monate Abstand zur letzten Sectio
  • Sehr dünne Kaiserschnittnarbe (unter 3 mm)
  • Sehr großes Kind (Makrosomie)
  • Steißlage oder Querlage, wenn sich das Kind nicht drehen lässt
  • Schwangerschaftsdiabetes, starkes Übergewicht oder Bluthochdruck
  • Mehrlingsschwangerschaft

Ob eine natürliche Geburt trotz dieser Faktoren möglich ist, hängt von vielen individuellen Aspekten ab. Dein*e Ärzt*in wird dich dazu beraten.

Hausgeburt oder Geburtshaus nach Kaiserschnitt

Viele Frauen wünschen sich nach einem Kaiserschnitt eine selbstbestimmte, ruhige Geburt abseits der Klinik – etwa in einem Geburtshaus oder sogar zu Hause. Und tatsächlich: Eine außerklinische Geburt nach Kaiserschnitt ist in Österreich grundsätzlich möglich. Wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, kann eine solche Geburt von einer speziell dafür ausgebildeten Hebamme begleitet werden. Wichtig ist aber: Die Entscheidung sollte gut durchdacht und gemeinsam mit einer erfahrenen Hebamme und auch deiner*m Ärzt*in getroffen werden.

Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) empfiehlt, eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt im Krankenhaus stattfinden zu lassen – und zwar in einer Klinik, die auf mögliche Notfälle vorbereitet ist. Zwar ist das Risiko für einen Gebärmutterriss eher gering, doch im Ernstfall muss innerhalb weniger Minuten operiert werden können. Diese Sicherheit kann nur ein gut ausgestattetes Spital gewährleisten.

VBAC oder geplanter Kaiserschnitt – was ist die richtige Wahl?

Ob eine vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt oder doch ein geplanter erneuter Kaiserschnitt die bessere Option ist, lässt sich nicht allgemein beantworten. Beide Wege haben Vor- und Nachteile – und jeder davon kann richtig sein, je nach persönlicher Vorgeschichte, aktueller Schwangerschaft und Bauchgefühl.

Eine geplante Sectio bietet den Vorteil, dass sie zeitlich gut organisierbar ist und bestimmte Risiken nahezu ausgeschlossen werden. Für manche Frauen fühlt sich dieser Weg sicherer an, insbesondere wenn es bei der ersten Geburt Komplikationen gab. Allerdings ist auch ein Kaiserschnitt ein operativer Eingriff, der mit typischen Gefahren wie Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Verwachsungen bei Folgeschwangerschaften verbunden ist. Die Erholungszeit nach der Geburt ist oft länger, und das Stillen kann holpriger starten.

Die VBAC wiederum ermöglicht eine spontane Geburtserfahrung mit meist kürzerer Erholungszeit und geringerer Belastung für den Körper. Für viele Frauen bedeutet sie auch eine emotionale Aufarbeitung der ersten Geburt. Allerdings bringt sie gewisse Risiken mit sich.

Nicht zu unterschätzen ist die Haltung des geburtshilflichen Teams und der Klinik: Manche Häuser begleiten VBACs routiniert und offen – andere raten schon bei kleinsten Unsicherheiten zur Sectio. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig zu informieren, gezielt nach Erfahrungen zu fragen und ein Umfeld zu finden, das deine Wünsche unterstützt, respektiert und dir dennoch den medizinisch besten Rat gibt. Am Ende zählt nicht, welcher Geburtsweg „besser“ ist – sondern welcher für dich und dein Baby passt. Mit guter Vorbereitung, ehrlicher Beratung und einem guten Team an deiner Seite kannst du selbstbewusst und informiert in die nächste Geburt gehen – ganz gleich, wie sie verläuft.

Die Zeit nach dem Kaiserschnitt

Wie eine Frau das Wochenbett nach einer Sectio erlebt, hängt davon ab, welche Erfahrungen sie bei der Geburt selbst gemacht hat. War der Kaiserschnitt geplant oder zumindest erwartet, fällt der Verarbeitungsprozess leichter, als bei einer plötzlichen Notoperation. Grundsätzlich empfinden viele Frauen, die eine Kaiserschnittgeburt hatten, die erste Zeit mit dem Nachwuchs eher anstrengend, schließlich sind die körperlichen Ressourcen stärker geschwächt als es beispielsweise bei einer natürlichen Geburt der Fall ist.

Schwere Arbeiten und Überanstrengung sind im Wochenbett und auch danach tabu – weil diese die Wundheilung gefährden könnten. Es empfiehlt sich, Hilfsangebote von Freunden, Partner und Verwandten sowie die Unterstützung von Hebammen oder Stillberaterinnen anzunehmen.

Tipp: Solltest du dich für einen Wunschkaiserschnitt interessieren, haben wir hier einen Artikel zum weiterlesen für dich.

 

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